So erreichen Sie mich:

 

Dr. Rita Hochwimmer 

Praxis am Tigerpark

Lerchengasse 21/7

1080 Wien

 

Tel: 0699/818 22 386 

Willkommen auf dem Kontinenzblog Pelvipedia - Infoseite für Betroffene von Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz!

Die Palette, der mittlerweile mehr als 100 Beiträge reicht von Experteninterviews, Tagungsbeiträgen, Buchbesprechungen, Vorstellung von Institutionen und Berufsgruppen, Alltagstipps, bis hin zur Beschreibung von möglichen Diagnose- und Therapiemaßnahmen bei den unterschiedlichen Krankheitsbildern.

Nutzen Sie bitte die Funktion "Pelvipedia Beiträge nach Schlagworten (tags) filtern" (links unten in der Menüleiste) um Pelvipedia nach Inhalten zu durchsuchen!

Fr

15

Dez

2017

Gründe und Therapie von Verstopfung

In ihrem Vortrag "Slow Transit Obstipation versus Outlet Obstruction" anlässlich der 27. Jahrestagung der MKÖ in Linz erklärt die Chirurgin Urszula Prunner Gründe und Therapieoptionen bei Obstipation.

2 Arten von Obstipation

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Fr

08

Dez

2017

Pelvipedia gewinnt Comitatus Award 2017

Im Rahmen der 27. Jahrestagung der MKÖ wurde dem Kontinenz-blog Pelvipedia der mit 5.000.- dotierte Comitatus Award der Firma Hollister verliehen. Der Preis ergeht jährlich an Projekte, die "hervorragende Leistungen in der Versorgung von Blasen-funktionsstörungen" erbringen.

Technische Neuerungen möglich!

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Fr

01

Dez

2017

Medikamente: Inkontinenz und Entleerungsstörungen als Folge!

Gerade für alte Menschen, welche häufig viele verschieden Medikamente einnehmen müssen ist von Bedeutung, dass es viele Medikamente gibt, die Inkontinenz und Entleerungsstörungen der Blase verursachen bzw. verschlimmern können.

Liste der Medikamentengruppen publiziert

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Fr

24

Nov

2017

Experteninterview Sakrale Neuromodulation: Hilfe bei Stuhlinkontinenz

Als Schrittmacher für den Beckenboden wird die Sakrale Neuromodulation oft bezeichnet. Helfen kann dieses Verfahren vor allem bei Stuhlinkontinenz. Was das ist und für wen SNM geeignet ist, darüber habe ich mit der Chirurgin und SNM- Spezialistin Dr. Kira Sorko- Enzesfeld gesprochen.

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Fr

17

Nov

2017

Professionelle Hilfe bei: Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und Stoma: KSBs helfen weiter!

Immer noch wissen viele von Inkontinenz Betroffene nicht, dass die Berufsgruppe der KSB extra für die Hilfe bei Inkontinenz ausgebildet ist. Was KSBs für Sie tun können, lesen Sie im Folgenden Interview mit DGKP/KSB Karin Müller, der Obfrau  des Vereins Kontinenz-und Stomaberatung Österreich.

RH: Was ist die Berufsgruppe der KSB?

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Fr

10

Nov

2017

Experteninterview Teil 2: Analer Schmerz

Interview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich (Facharzt für Chirurgie) zum Thema: „Analer Schmerz“

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Fr

03

Nov

2017

Experteninterview Teil 1: Analer Schmerz

Interview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich (Facharzt für Chirurgie) zum Thema: „Analer Schmerz“

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Fr

27

Okt

2017

Experteninterview Teil 3: Sport nach Schwangerschaft: Laufen

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Ab wann Sport und laufen wieder möglich ist und warum es keine Studien dazu gibt.

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Fr

20

Okt

2017

Experteninterview Teil 2: Sport nach Schwangerschaft: Rückbildungsdauer

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Dauer der Rückbildung und was untersucht der Gynäkologe eigentlich nach 6 Wochen?

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Fr

13

Okt

2017

Experteninterview Teil 1: Sport nach Schwangerschaft und Geburt

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Veränderungen durch Schwangerschaft und Geburt

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Fr

06

Okt

2017

"Blockiert auf allen Ebenen" MKÖ Jahrestagung 2017 20.-21.Oktober Linz

Unter dem Titel "Blockiert auf allen Ebenen" findet die diesjährige MKÖ Jahrestagung in Linz statt, bei der es um alle Formen von Entleerungsstörungen geht.

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Fr

29

Sep

2017

Buchempfehlung: Beckenbodentraining für Männer

2013 die 4. Auflage des Beckenbodentrainingsbuches von der deutschen Beckenbodenphysiotherapeutin Ute Michaelis für Männer erschienen. Das alleine zeigt, wie groß die Nachfrage nach einem solchen Buch ist. Die Autorin geht darin ganz gezielt auf den häufigsten Grund für Harninkontinenz beim Mann ein: das Prostatakarzinom

Theorie zu Erkrankung und Anatomie

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Do

21

Sep

2017

Teil 2: Experteninterview Harninkontinenz nach Schwangerschaft und Geburt

Teil 2: Prim. Fuith über Risikofaktoren, Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten bei Harninkontinenz nach Schwangerschaft und Geburt

Aus Studien wissen wir, dass viele Frauen schon in der Schwangerschaft an Harninkontinenz leiden. Bei vielen bleibt sie auch nach der Geburt bestehen. Über Zahlen, Risikofaktoren und Therapieoptionen habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

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Do

14

Sep

2017

Teil 1: Experteninterview Harninkontinenz nach Schwangerschaft

Teil 1: Prim. Fuith über Zahlen, Formen und was normal ist nach Schwangerschaft und Geburt...

Aus Studien wissen wir, dass viele Frauen schon in der Schwangerschaft an Harninkontinenz leiden. Bei vielen bleibt sie auch nach der Geburt bestehen. Über Zahlen, Risikofaktoren und Therapieoptionen habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

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Do

07

Sep

2017

Experteninterview zum Thema Rektumprolaps

Der Chirurg Dr. Thomas Filipitsch über Gründe, Symptome, operative und konservative Therapieoptionen sowie Vorbeugung gegen Rektumprolaps.

RH: Was ist ein Rektumprolaps?

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Do

31

Aug

2017

Selbsthilfe bei Harninkontinenz: Mein Beckenbodenbuch

Immer wieder erhalte ich Anfragen, welches Buch ich empfehlen könne, um selbstständig Beckenboden zu trainieren. Hier eine Empfehlung für Frauen: "Mein Beckenbodenbuch" von der deutschen Physiotherapeutin Franziska Liesner. Im Folgenden kurz vorgestellt.

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Do

24

Aug

2017

Beratung bei Harn- und Stuhlinkontinenz: 0810 100 455

Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich betreibt ein Beratungstelefon für Menschen, die lieber am Telefon sprechen, als im Internet zu lesen. Hier eine kurze Vorstellung der MKÖ und ihres Servieces

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Fr

18

Aug

2017

Gründe für Inkontinenz: Warum Pressen schlecht für den Beckenboden ist

Gleich vorweg: Da Inkontinenz mehrere Gründe haben kann, von denen einige (wenige) gefährlich sind, müssen Sie jede (!) Inkontinenz von einem spezialisierten Arzt abklären lassen!

Häufig wird nach den Gründen für Inkontinenz und damit einhergehenden Erkrankungen wie Darmvorfall, Organsenkung etc. gefragt. Ein Grund, warum Inkontinenz auftritt und der Beckenboden nicht richtig arbeiten kann ist vermehrtes Pressen beim Stuhl- bzw. Harnentleeren. Lesen Sie hier warum dieses den Beckenboden schädigt.

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Fr

11

Aug

2017

Die Kurse der Beckenbodenphysios, die Profis in Sachen Beckenbodentraining, Inkontinenz und Rückbildung

Von Physiotherapeutinnen geleitete Beckenboden- und Rückbildungskurse sind gar nicht so einfach zu finden. Deshalb gibt es nun einen Liste auf Pelvipedia, die die Suche erleichtern soll.

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Do

03

Aug

2017

Experteninterview Teil 3: Organsenkung: Totalprolaps, Prognose und Operation

 

Teil 3: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Operationsindikation, was tun bei Totalprolaps, Prognose, Operationsmethoden

RH: Wann muss denn auf alle Fälle operiert werden?

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Do

27

Jul

2017

Experteninterview Teil 2: Organsenkung: Untersuchung, Schweregrade, Therapie

 

Teil 2: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Untersuchung, den Zusammenhang mit Harninkontinenz, Schweregrade und konservative Therapie bei Organsenkung

RH: Was untersucht der Arzt bei einer Senkung?

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Do

20

Jul

2017

Experteninterview Teil 1: Organsenkung: Symptome, Risikofaktoren, Untersuchung

 

Teil 1: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Symptome, Risikofaktoren und Untersuchung bei Organsenkung.

RH: Was sind die Symptome einer Organsenkung? Woran merkt eine Frau, dass sie das haben könnte?

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Do

13

Jul

2017

Beckenboden schonen durch richtigers Tragen

Gerade in der Rückbildungszeit, sollte Frau Ihren Beckenboden schonen. Lesen Sie hier, wie sie trotz starker Beanspruchung durch Tragen und Heben des Kindes sich beckenbodenschonend verhalten: Körpernah tragen, Gewicht möglichst am Becken tragen, Richtigen Tragehilfe verwenden!

Tragen wann immer es geht vermeiden!

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Do

06

Jul

2017

Ikontinenz: Wie finde ich eine PhysiotherapeutIn für Beckenboden?

Wer in Österreich eine Beckenbodenphysiotherapeutin sucht, tut dies am besten über die Homepage der MKÖ (Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich), da diese Überblick über die Kompetenz der TherapeutInnen gibt.

An Experten wenden!

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Do

29

Jun

2017

Kein Gefühl für Blasenfüllung nach Geburt

Viele Frauen spüren unmittelbar nach der Geburt und in den Tagen danach die Blasenfüllung nicht gut und haben das Gefühl nicht vollständig entleeren zu können. Was es damit auf sich hat, lesen Sie hier.

Bei einer vaginalen Geburt kann es passieren, dass der Nervus Pudendus aufgrund des Druckes des kindlichen Kopfes irritiert bzw. geschädigt wird. In den meisten Fällen vergeht das ganz von alleine wieder. Dieser Nerv steuert nicht nur die Beckenbodenmuskulatur, sondern auch den Blasenmuskel und ist überdies zuständig die Information über die Blasenfüllung zum Gehirn weiter zu leiten. Wenn dieser Nerv also irritiert ist, spürt man nicht mehr wie weit und ob die Blase gefüllt ist und kann überdies den Blasenmuskel nicht gut kontrahieren.

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Do

22

Jun

2017

Genitalprolaps - Therapie: Kombination Pessar und Beckenbodentraining

Eine Kombinationstherapie von Pessar und Beckenbodentraining kann sehr erfolgversprechend sein bei Fällen von Genitalprolaps. Allerdings ist eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung des Pessars beim darauf spezialisierten Facharzt für Urogynäkologie notwendig und nur ein regelmäßiges über Monate durchgeführtes physiotherapeutisches Beckenbodentraining führt zum gewünschten Ziel.

Plötzlich unter der Dusche erlittener Prolaps

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Do

15

Jun

2017

UroApp - Hilfe bei Katheter und Protokoll

Dinge, die man häufig durchführen muss, kann man schon mal vergessen. Mit Hilfe der UroApp der Firma Hollister kann man sich an die rechtzeitige Durchführung des Selbstkatheterismus, sowie Medikamenteneinnahmen erinnern lassen und seine Trink- und Ausscheidungsmenge protokollieren.

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Fr

09

Jun

2017

Running clinic Mom - Laufen nach Schwangerschaft: Physiotherapeutinnen helfen!

Die Physiotherapeutinnen Franziska Severino-Schönburg und Franziska Malle helfen Frauen nach Schwangerschaft im Rahmen von Running Clinic Mom beim Wiedereinstieg ins Lauftraining. Wie das genau geht, habe ich bei den beiden nachgefragt.

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Fr

02

Jun

2017

Welt Kontinenz Woche 19.-25. Juni 2017

Jährlich findet in der letzten Juniwoche die Welt Inkontinenz Woche statt. Im Rahmen dieser Woche soll das Tabuthema Inkontinenz angesprochen und öffentlich gemacht werden. Die MKÖ bietet dazu Veranstaltungen und Infopakete an.

Kostenlose Info- und Servicematerialien rund um die Erhaltung der Beckenbodengesundheit bzw. was tun bei Inkontinenz können ab sofort über das Beratungstelefon 0810/100 455 bestellt werden. Sowie Factsheets zu "Schwangerschaft und Geburt" sowie "Richtiges Trinken"

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Do

25

Mai

2017

"Die ganze Woche" Interview: Beckenbodentraining bei Harninkontinenz

Interview mit Dr. Rita Hochwimmer in der Zeitschrift  "Die ganze Woche" zum Thema physiotherapeutisches Beckenbodentraining bei Harninkontinenz unter dem Titel "Mehr Kraft für schwache Blase" erschienen.

Wer meine Blog liest weiß, wie wichtig es mir ist, dass möglichst viele Betroffene von Stuhl- als auch Harninkontinenz an die richtigen Informationen gelangen. Umso mehr freut es mich, dass die Zeitschrift "Die ganze Woche" sich des Themas physiotherapeutisches Beckenbodentraining bei Harninkontinenz angenommen hat und mich dazu befragt hat. Zum Artikel geht es hier:

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Do

18

Mai

2017

Artikel zur Therapie bei Rektusdiastase und Harninkontinenz in Ärzt Woche erschienen!

Unter dem Titel "Druck auf Bauch und Blase" ist mein Artikel zur Physiotherapie bei Rektusdiastase und Harninkontinenz nun in der "Ärzte Woche" erschienen. (In drei Teilen auch hier am Blog.) Zum Artikel geht's hier für alle, die ihn in einem Rutsch lesen wollen:

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Do

11

Mai

2017

Teil 3: Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft

Normalisierung der Rumpfkraft

Ob diese Art von Training auch dabei hilft, die Diastase langfristig zu schließen oder aushärten zu lassen, ist bisher ungeklärt. Allerdings stellt dieses Training mit Sicherheit eine wirkungsvolle Möglichkeit dar, die flexorisches Rumpfkraft bei Patientinnen mit Rektusdiastase zu normalisieren. Die zentrale Therapie bei Harninkontinenz nach Schwangerschaft ist Beckenbodentraining. Zu einem solchen Training lassen sich aus den bisherigen Erörterungen folgende Thesen ableiten:

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Do

04

Mai

2017

Teil 2: Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft

Studien zeigen, dass eine Rektusdiastase zu verminderten Kraftwerten der Rumpfmuskulatur führt. Zentraler Trainingsansatz ist nunmehr das Erlernen einer Voraktivierung des Musculus Transversus Abdominis.

Messung der Kraftwerte

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Do

27

Apr

2017

Teil 1: Zusammenhang Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft entwickeln fast alle Frauen eine Rektusdiastase, die sich bei jeder dritten nur schwer wieder schließt. Lange Zeit vermutete man eine Korrelation zwischen Muskelanomalie und Harninkontinenz. Das gilt neueren Studien zufolge zwar als widerlegt, das richtige Training hilft jedoch gegen beides.

Die Rektusdiastase, ein Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur, zählt zu den unechten Hernien. Ihre Prävalenz wird mit 30 bis 100 Prozent angegeben, da diese sich je nach Schwangerschaftswoche (SSW) oder Entfernung vom Zeitpunkt der Geburt verändert.

In SSW 35 beispielsweise beträgt die Prävalenz der Rektusdiastase etwa 100 %, sechs Wochen nach der Geburt ca. 60 %, sechs Monate post partum (p. p.) 35-45 % und zwölf Monate p. p. 30 %. Wie diese Zahlen zeigen, wird die natürliche Schließungsrate immer geringer, je mehr Zeit vergeht.

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Do

20

Apr

2017

Harninkontinenz und Sexualität

In Ihrem Vortrag "Harninkontinenz und Sexualität" beim 3. Wiener Kontinenzstammtisch hat Frau Dr. Koch Formen von sexuell assozierter Harninkontinenz und Fragebögen vorgestellt.

In ihrem Vortrag hat sich Dr. Koch dem Thema Harninkontinenz bei Frauen und Sexualität angenommen. Dr. Koch hat sowohl Formen von mit Sexualität assozierter Harninkontinenz vorgestellt, als auch Fragebögen, die sich dem Problem widmen. Etwas ratlos war man in der darauf folgenden Diskussion, bei der es darum ging, wo betroffene Frauen hin geschickt werden können. Denn auch Gynäkologen trauen sich das Thema oft nicht anzusprechen...


Fr

14

Apr

2017

Physiotherapie bei Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft

In meinem Vortrag "Rektusdiastase nach Schwangerschaft und Harninkontinenz" beim 3. Wiener Kontinenzstammtisch der MKÖ am 23.3.2017 habe ich den seit längerem vermuteten Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen mittels neuerer Literatur aufgearbeitet und physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

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Fr

07

Apr

2017

Prim. Hübner zu Operationsmethoden bei Harninkontinenz nach Prostataoperation

In seinem Vortrag "Post Prostatektomie Update" fasste Prim. Hübner die zur Verfügung stehenden operativen Möglichkeiten bei Harninkontinenz nach Prostataoperation zusammen.

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Fr

31

Mär

2017

Rückblick: 3. Wiener Kontinenzstammtisch mit Themen zu Harninkontinenz des Mannes und der Frau

Viel Andrang war erfreulicherweise gróß beim 3. Wiener Kontinenzstammtisch der MKÖ am 23.3.2017. Themen der kleinen Tagung waren: Operationen zur Beseitigung von Harninkontinenz nach Prostataentfernung, Physiotherapeutische Therapie von Rektusdiastase und Harninkontinenz und Harninkontinenz bei der Frau und Sexualität

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Fr

24

Mär

2017

Inkontinenz Ratgeber neu aufgelegt

"Wenn Blase und Darm nicht mehr halten, was sie versprechen" - Das Buch, das etwas ändert.

Gisele Schön und Marco Seltenreich haben ihren wunderbaren Ratgeber für Betroffene von Inkontinenz und deren Angehörige  neu aufgelegt. Neben Erklärungen zu Inkontinenzformen, einem Überblick über Behandlungsmethoden und zahlreichen Fallgeschichten hier die wichtigste Information des Buches schon mal vorweg:

INKONTINENZ IST BEHANDELBAR UND OFT VOLLSTÄNDIG HEILBAR!

Fr

17

Mär

2017

Teil 4: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich spricht über die konservative Therapie der Stuhlinkontinenz, erklärt wann eine Operation notwendig ist, welche Operationsverfahren es gibt und welche weiteren Hilfsmittel und Verfahren es gibt.

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Fr

10

Mär

2017

Teil 3: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich beschreibt die Untersuchung bei Stuhlinkontinenz

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Fr

03

Mär

2017

Teil 2: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich erklärt den möglichen Verlauf von Stuhlinkontinenz nach Geburt und wohin sich Betroffene wenden können.

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Fr

24

Feb

2017

Teil 1: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich spricht über die Häufigkeit von Stuhlinkontinenz nach Geburt und mögliche Gründe.

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Fr

17

Feb

2017

Vortrag: Rektusdiastase nach Schwangerschaft und Harninkontinenz?

Es freut mich sehr, beim nächsten Kontinenzstammtisch, einer kleinen halbjährlich stattfindenden Tagung der MKÖ einen Vortrag zum Thema "Rektusdiastase und Harninkontinenz" halten zu dürfen. Von den Ergebnissesn meiner Recherchen werde ich berichten!

Fr

10

Feb

2017

Ich trainiere schon lange meinen Beckenboden und trotzdem hilft es nicht. Woran kann das liegen?

Nervus Pudendus Verletzung,  ausgeprägte Beckenbodenschwäche, verspannter Beckenboden, oder schlichtweg das falsche Training mit ungeeigneten Übungen oder zu geringem Trainingsreiz. Dies alles können Gründe dafür sein, warum ein Beckenbodentraining nicht anschlägt.

Nervenverletzungen

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Fr

03

Feb

2017

Was sind die Gründe für eine Rektusdiastase?

Die Gründe für das Bestehen bleiben einer Rektusdiastase lassen sich trotz mehrerer Studien nicht mit Sicherheit nennen. Als mögliche Risikofaktoren werden mehr als ein Kaiserschnitt, Gewebeschwäche und genetische Faktoren genannt.

Studien zeigen, dass in der Schwangerschaftswoche 21 33,1 % der Schwangeren eine Rektussiastase haben. In der Schwangerschaftswoche 35 sind es 100%. Ein Jahr nach der Geburt haben immer noch 32% eine Rektusdiastase. Die Frage nach den Risikofaktoren bringt folgende Ergebnisse.

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Fr

27

Jan

2017

Neueste Studie kommt zu Ergebnis: Frauen mit Rektusdiastase haben nicht mehr Kreuzschmerz, als andere Frauen nach Geburt.

Längere Zeit hat man geglaubt, dass es durch das Vorhandensein einer Rektusdiastase zu einem vermehrtem Auftraten von Kreuzschmerzen kommt. Dies scheint sich laut Studie nun nicht zu bestätigen. (1)

Frauen mit und ohne Rektusdiastase leiden nach Geburt gleich oft an Kreuzschmerzen. Im Gegensatz zu älteren Studien kommt eine Studie nun zu dem Ergebnis, dass Frauen mit Rektusdiastase nicht häufiger an Kreuzschmerzen leiden, als andere Frauen, die ebenfalls entbunden haben, jedoch keine Rektusdiastase mehr haben. Für beide Gruppen gilt jedoch: Rumpfmuskulatur trainieren hilft gegen Kreuzschmerz!

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Fr

20

Jan

2017

Die wichtigsten Funktionen des tiefen Bauchmuskels

Fast könnte man meinen er ist ein richtiger "Wunderwuzzi" dieser tiefe Bauchmuskel mit medizinischem Namen "Musculus Transversus Abdominis" oder in Therapeutensprache einfach TA genannt. Er bildet die tiefst Schicht der so genannten vorderen Rumpfkapsel. Er umschließt unseren Rumpf wie ein Korsett. Warum Sie ihn trainieren sollten, falls Sie Lendenwirbelsäulenschmerzen haben, an einer Beckenbodenschwäche leiden oder eine Rektusdiastase haben, lesen Sie hier:

Stabilität der Lendenwirbelsäule

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Fr

13

Jan

2017

Hilfe mein Beckenboden ist schwach! Was soll ich tun?

Viele Frauen mit schwachem Beckenboden spüren diesen sehr schlecht. Auf Nachfrage sind sie unsicher, ob sie beim Beckenbodentraining die richtigen Muskeln anspannen. Oftmals hilft dann das Training in der Gruppe wenig, wo sie mit Übungen wie "der Seerose" oder dem "Aufzugfahren" schlecht zurecht kommen. An diesem Punkt setzt die physiotherapeutische Behandlung an und untersucht Kraft und Ausdauer des Beckenbodens.

Mittels vaginaler Tastuntersuchung werden von der spezialisierten Therapeutin Kraft-, und Ausdauerleistung der Beckenbodenmuskulatur ermittelt. Untersucht wird nach der so genannten Perfect Methode. Beurteilt wird dabei die Maximalkraft des Beckenbodens, wie lange die Kontraktion gehalten werden kann, wie oft dies möglich ist und wie gut der Beckenboden entspannen kann. Nach der Untersuchung weiß man ob eine willentliche Beckenbodenkontraktion überhaupt möglich ist und wie es um Kraft-, und Ausdauerleistung bestellt ist. Dies bietet die Grundlage zu einem gezielten Training.

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Fr

06

Jan

2017

Die ignorierte Inkontinenz

Was haben die Krankheiten Diabetes Mellitus, SCI (Querschnittlähmung) Insult (Gehirnschlag), MS und Morbus Parkinson gemeinsam? Sie alle können eine Stuhlinkontinenz auslösen! OA Michaela Lechner geht in ihrem Vortrag auf die Art der Inkontinenz, Gründe und Häufigkeit ein.

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Fr

30

Dez

2016

Physiotherapie bei Genitalprolaps

Physiotherapie bei Senkungsbeschwerden (Genitalprolaps) hat als Ziel die Effizienz des Beckenbodens zu verbessern. Hilfsmittel zur Erhebung des Status Quo sind vaginale Palpation, Miktionsprotokoll, Beurteilung von Haltung und Aufrichtung. Die erhobenen Befunde bestimmen die weitere Therapie.

Abbildung aus dem Buch: Palpation für das Beckenbodentraining von E. Hanzal, Ch. Stelzhammer, B. Bartosch, E. Udier
Abbildung aus dem Buch: Palpation für das Beckenbodentraining von E. Hanzal, Ch. Stelzhammer, B. Bartosch, E. Udier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Ihrem Vortrag zum Thema Physiotherapie bei Genitalprolaps bei der 26. Jahrestagung der MKÖ macht Christine Stelzhammer darauf aufmerksam, dass Physiotherapie bei Genitalprolaps in internationalen Guidlines eine Level 1 Evidence besitzt, also erwiesenermassen hilfreich ist. Weiters nennt sie Ziele, Assessments und Inhalte der Physiotherapie.

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Fr

23

Dez

2016

Pflegerische Instrumente zur Evaluierung der Inkontinenz

Je nachdem ob es um Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz geht, gibt es verschiedene Scores und Assessment Tools, die es erlauben, den Schweregrad der Inkontinenz zu bestimmen. Bei Harninkontinenz kommen hierfür das Blasentagebuch, der Messbecher und der so genannte Pad Test zur Anwendung. Bei Stuhlinkontinenz wird der Wexner Score und die Bristol Stool Scale verwendet.

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Do

22

Dez

2016

FROHE WEIHNACHTEN 2016!

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Fr

16

Dez

2016

Zusammenhang Geburtsmodus und Harninkontinenz?

Faktoren, die sich auf das Harninkontinenzrisiko auswirken sind wie Prim. Lothar Fuith in seinem Vortrag erklärt: die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, Anzahl der Geburten, Geburtsgewicht des Kindes, Alter der Patientin bei der Geburt, die Länge der Austreibungsphase. Ein Kaiserschnitt verringert das Harninkontinenzrisiko allerdings nur bis zu einem gewissen Alter.

39 % der Schwangeren leiden in der 30 SSW an Harninkontinenz. 20 % haben 6 Monate nach der Entbindung noch Harninkontinenz. Welche Faktoren dafür verantwortlich sind erklärt Prim. Fuith in seinem Vortrag anläßlich der 26. Jahrestagung der MKÖ in Linz.

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Fr

09

Dez

2016

Sport in Schwangerschaft und nach Geburt

Viele Schwangere fragen sich was und wie viel sie in und nach der Schwangerschaft trainieren sollen. Für Ihren Vortrag bei der 26. Jahrestagung der MKÖ hat die Physiotherapeutin Katharina Meller Studien durchforstet und die Ergebnisse zusammengefasst.

Sport rund um die Schwangerschaft im Wandel der Zeit

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Fr

02

Dez

2016

Giggle Inkontinenz - Wenn lachen zur Qual wird.

Bei der Giggle Inkontinenz handelt es sich um Harninkontinenz, die ausschließlich durch lachen ausgelöst wird. Diese besteht von Kindheit an. Als Therapieformen stehen medikamentöse sowie physiotherapeutische Therapie zur Verfügung.

Die deutsche Physiotherapeutin Astrid Landmesser stellte in Ihrem Vortrag bei der 26ten Jahrestagung der MKÖ die so genannte "Giggle Inkontinenz" vor. Dabei handelt es sich um eine Form der Harninkontinenz, bei der (von Kindheit an) ausschließlich beim Lachen Harn verloren wird. Frau Landmesser hat ein Therapiekonzept dagegen entwickelt.

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Fr

25

Nov

2016

Blasenfunktionsstörungen im Wochenbett

Im Wochenbett kann es zu Blasenfunktionsstörungen kommen. Diese reichen von der gänzlichen Unfähigkeit die gefüllte Blase zu entleeren über Restharnbildung zu abgeschwächtem Harnstrahl. Die mögliche Therapie besteht darin die Blase nach der Uhr zu entleeren bis hin zum Setzen eines Dauerkatheters.

Beim Vortrag "Blasenfunktionsstörungen im Wochenbett" bei der 26ten Jahrestagung der MKÖ wurde von der Gynäkologin Dr. Marianne Koch die Wichtigkeit der Kontrolle der Blasenfunktion in den Stunden nach der Geburt hervorgehoben.

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Fr

18

Nov

2016

Bei der Geburt erlittene Verletzungen des Afters können zu Stuhlinkontinenz führen. Oft bleiben diese jedoch unentdeckt.

Die Proktologin OA Dr. Haunold erklärt in Ihrem Vortrag bei der 26. Jahrestagung der MKÖ, dass Stuhlinkontinenz nach Geburt die Folge einer Schädigung des Afterschließmuskels sein kann. Als mögliche Therapie stehen operative Verfahren zur Wiederherstellung des Schließmuskels sowie physiotherapeutisches Beckenbodentraining mit Schließmuskeltraining zur Verfügung.

Dabei gibt es eine hohe Dunkelziffer an Sphinkterdefekten, wie die Verletzung des Afterschließmuskels medizinisch genannt wird. Überraschend ist, dass viele dieser Verletzungen erst nach Jahren Probleme machen.

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Fr

11

Nov

2016

Seniorenmesse Vitalplus - Vortrag zum Thema "Gesunde Blase & starker Beckenboden. Damit Niesen, Husten oder Stiegen steigen kein Problem (mehr) sind.

Es war eine Ehre für mich, dazu eingeladen zu werden, bei der heurigen Vitalplus Seniorenmesse  den Vortrag "Gesunde Blase & starker Beckenboden" als "Expertin" der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich zu halten. Anschließend stand noch Zeit für Fragen zur Verfügung. Ich hoffe, einigen Menschen damit geholfen zu haben, auf dem Weg zu einem Leben mit starkem Beckenboden!

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Fr

04

Nov

2016

Perinealer Ultraschall - die Zukunft bei der Diagnose von Beckenboden und Senkung?

Eine neues Diagnoseverfahren der Beckenbodenfunktion hat Hans Peter Dietz beim Netzwerktreffen der Fachgruppe GUP  vorgestellt. Beim perinealen Ultraschall bleibt der Schallkopf außerhalb des Körpers. Somit kann die Funktion der Muskulatur und ihre Intaktheit überprüfen werden.

Anlässlich eines Workshops beim Netzwerktreffen der Fachgruppe Uro- Prokto- und Gynäkologie, welches die 26. Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs flankierte stellte Prof. Hans Peter Dietz (University of Sidney) die Möglichkeiten perinealen Ultraschalls vor. Dabei kamen einige interessante Aspekte von Senkungsbeschwerden zur Sprache.

 

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Fr

28

Okt

2016

Rückblick: 26. Jahrestagung der MKÖ. Thema Kontinenz. Basics & Highlights

Es war eine thematisch bunt gemischte Tagung. Das Spektrum reichte von den häufig mit Inkontinenz in Verbindung gebrachten Themen wie Geburt und Prolaps bis hin zu seltenen Formen wie der Giggle Inkontinenz bei Kindern oder  Inkontinenz nach Wirbelsäulenoperationen. Neue Untersuchungsmethoden wie der Einsatz von perinealem Ultraschall wurde vorgestellt, sowie neue Methoden in der elektrotherapeutischen Behandlung von Nervenverletzungen. Wir alle haben viel gelernt und uns wieder mal in Linz sehr wohl gefühlt. Danke der MKÖ für die Organisation dieser hilfreichen, lehrreichen und sympathischen Tagung!

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Fr

21

Okt

2016

Stufenplan Beckenbodentraining

Manche meiner Patientinnen treten an mich heran nachdem sie bereits Beckenbodentraining gemacht haben - jedoch erfolglos. Lesen Sie hier, was Sie beim Training beachten sollten, damit Sie den bestmöglichen Erfolg erzielen.

Korrekte Kontraktion

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Fr

14

Okt

2016

Stuhltraining bei Obstipation

Lesen Sie hier wie ein begleitetes Stuhltraining Ihnen gegen Obstipation (Verstopfung) helfen kann. Die Kontinenz- und Stomaberaterin Gisele Schön erklärt wie ein solches abläuft und wer einen dabei unterstützt.

RH: Ein Thema das mir in meiner physiotherapeutischen Praxis  oft begegnet, ist das Thema Obstipation. Da ist Deine Berufsgruppe, also Kontinenz- und Stomaberatung spezialisiert drauf?

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Fr

07

Okt

2016

Ausblick: 26. Jahrestagung der MKÖ 21-22. Oktober 2016

Unter dem Titel "Kontinenz: Basics und Highlights" findet von 21.-22.10.2017 die 26. Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs (MKÖ) statt. Schwerpunkte der heurigen Tagung sind Kontinenz und Geburt, Inkontinenz nach Wirbelsäulenchirurgie und seltene Formen von Inkontinenz wie die Giggle Inkontinenz

Von 21.-22. Oktober findet die Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs heuer (wie immer) in Linz statt. Die Themen dieses Jahres reichen von "Kontinenz und Geburt" bis hin zu "Inkontinenz nach Wirbelsäulenchirurgie".  In Workshops werden Spezialthemen wie etwa die Untersuchung des Beckenbodens mit Hilfe von Ultraschall behandelt. Es verspricht eine sehr abwechslungsreiche und lehrreiche Tagung zu werden. Bericht folgt.

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Fr

30

Sep

2016

Inkontinenz nach Geburt - Gründe, Arten, Therapie

Viele Frauen stellen nach der Geburt eines Kindes erstaunt fest, dass sie an Harninkontinenz oder manchmal auch Stuhlinkontinenz leiden. Im Folgenden finden Sie die häufigsten Arten, Gründe und Therapiemethoden.

Häufigste Form: Harninkontinenz

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Fr

23

Sep

2016

5 Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie eine Rektusdiastase haben

Viele Frauen bemerken schon während der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Kindes einen Längsspalt in ihrer geraden Bauchmuskulatur. Viele kommen sehr verunsichert in meine Praxis weil sie nicht wissen, was und wie sie nun trainieren sollen und wie sie sich am Besten im Alltag verhalten. Hier fünf Dinge, die Sie beachten sollten:

Achten Sie auf Ihre Haltung!  (Stichwort Baby tragen)

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Fr

16

Sep

2016

Mama-Baby-Care - Kein Stress bei der Rückbildung

Für PatientInnen, die mit ihren Babys zur Physiotherapie kommen takte ich meine Behandlungseinheiten so, dass ein Puffer von 15 Minuten bis zur nächsten PatientIn bleibt. Auf diese Art geht keine Therapiezeit verloren auch wenn mal dazwischen gestillt, gewickelt oder beruhigt werden muss.

Es gibt auch so schon genug stress mit Baby, da kann es bei der Physiotherapie ruhig mal ohne ablaufen!

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Fr

09

Sep

2016

Blasentraining bei Dranginkontinenz

Zwar ist Dranginkontinenz keine gefährliche Form der Harninkontinenz, jedoch ist die OAB wet (wie sie in der Fachsprache heißt) eine Form der Inkontinenz, die Betroffene in Ihrer Lebensqualität stark einschränkt, da sie ständig ihre Blase entleeren müssen. Neben medikamentöser Therapie, Beckenbodentraining und verhaltenstherapeutischer Maßnahmen hilft ein so genanntes Blasentraining. Die Kontinenz- und Stomaschwester Gisele Schön erklärt wie das geht.

Blasentraining nur bei überaktiver Blase!

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Fr

02

Sep

2016

Eine der häufigsten Harninikontinenzformen: die Belastungs- oder Stressinkontinenz: Tipps und Tricks

Sie ist eine der häufigsten Formen der Harninkontinenz: die Belastungsinkontinenz auch Stressinkontinenz genannt. Bei vielen tritt sie bereits in der Schwangerschaft auf. Manche sind unmittelbar nach der Entbindung davon betroffen und bei manchen Frauen kommt sie ganz allmählich. Der Harn wird anfänglich tropfenweise verloren bei bestimmten Bewegungen wie Husten, Niesen, Springen oder beim Laufen. Hier ein paar Tipps für Betroffene.

Abklärung und Therapie der Inkontinenz sind wichtig!

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Fr

26

Aug

2016

Wie Sie Ihre tiefe Bauchmuskulatur anspannen können

Viele Frauen haben nach der Entbindung Probleme damit Ihre tiefen Bauchmuskulatur zu aktivieren. Das ist normal, da sie überdehnt ist. Zur Stabilisierung der Lendenwirbelsäule, für eine gute Beckenbodenfunktion und zur Kompensation einer Rektusdiastase sollte man darauf achten, die tiefe Bauchmuskulatur bald in den Griff zu bekommen.

Stellen Sie sich den Muskel vor

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Fr

19

Aug

2016

Dinge, die sie beachten sollten, wenn Sie an Dranginkontinenz leiden

Meist kommt der Drang allmählich und steigert sich. Bis erstmals die Toilette nicht erreicht wird und der gesamte Blaseninhalt sich vor erreichen der Toilette entleert.

Abklärung und Therapie der Inkontinenz ist wichtig

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Fr

12

Aug

2016

Tipp zur Verwendung von aufsaugenden Hilfsmittel

Wenn Sie aufgrund einer Harninkontinenz aufsaugende Hilfsmittel verwenden, macht es einen Unterschied, ob Sie die Vorlage vor dem Einlegen in die Unterwäsche leicht aufschütteln oder nicht. Ob es sich empfiehlt hängt von der Art Ihrer Inkontinenzform ab.

Falls Sie an einer Stress-/oder Belastungsinkontinenz leiden, also tröpfchenweise nur wenig Harn verlieren, können Sie die Vorlage vor dem Einlegen leicht aufbauschen (Vorsicht nicht zu viel, sonst verrutscht oder reißt der Saugkern!) um sicher zu stellen, dass sich die Tropfen nicht immer an der selben Stelle sammeln. Durch das aufbauschen verteilen die Tropfen sich optimal in der Vorlage und es entstehen keine Gerüche und die Vorlage bleibt dicht.

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Sa

06

Aug

2016

Stuhlinkontinenz: Gründe und Therapieoptionen

Während Harninkontinenz langsam ein ansprechbares Problem wird, zählt das Thema Stuhlinkontinenz noch immer zu den absoluten Tabus. Es ist jedoch wichtig, dass Betroffene sich Hilfe holen, da Stuhlinkontinenz zu einem nahezu ganzheitlichen Ausscheiden aus dem Sozialleben führt. In eigenen Ambulanzen werden Gründe für die Inkontinenz gefunden und Therapien maßgeschneidert.

In Ihrem Vortrag bei der 2. Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung erläutert OÄ Dr. Michaela Lechner Gründe und Behandlungsmöglichkeiten von Stuhlinkontinenz.

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Sa

30

Jul

2016

"Therapie mit dem Magnetstuhl" oder Beckenbodentraining einmal anders!

Für Menschen, die an Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz aufgrund einer Beckenbodenschwäche leiden und ihren Beckenboden nicht willentlich ansteuern können  gibt es neben den bekannten Methoden wie Biofeedback, Elektrotherapie und physiotherapeutischen Übungen noch eine andere Möglichkeit: den Magnetstuhl.

Wie Dr. Mons Fischer in seinem Vortrag bei der 2. Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung erläuterte, handelt es sich bei der EXMI-Therapie (Extracorporal Magnetic Innervation) um eine Methode, bei der auf Grundlage des Faraday'schen Prinzips der Induktion ein Magnetfeld erzeugt wird, das Nervenzellen stimuliert, was wiederum eine Kontraktion des Muskels bewirkt.

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Sa

23

Jul

2016

Was tun gegen Überaktive Blase mit und ohne Inkontinenz?

Eine Vielzahl an verhaltenstherapeutischen, medikamentösen, und nicht medikamentösen Maßnahmen stehen bei der Therapie der OAB (OAB wet = Dranginkontinenz) zur Verfügung. OA Dr. Michael Rutkowski gab in seinem Vortrag bei der 2. Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung einen Überblick.

Dranginkontinenz zwar nicht gefährlich, aber sie nimmt die Lebensqualität

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Sa

16

Jul

2016

Post-Prostatektomie - Inkontinenz - Ein historisches Problem?

Neben Art und Größe des Tumors hängt die Vermeidung von Harninkontinenz nach Prostataentfernung von einem wichtigem Faktor ab: dem Operateur!

In seinem Vortrag (Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung) erklärt G. Prof. PD Dr. Mesut Remzi die relevanten Strukturen, die es bei der Entfernung der Prostata zu erhalten gilt, um bestmögliche Kontinenz nach der Operation zu erreichen.

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Sa

09

Jul

2016

Geburtshilfe: Prävention von Inkontinenz oder - Warum in Filmen immer heißes Wasser verlangt wird.

Günstige Geburtsposition, richtige Pressanleitung und Dammschutz als zentrale Maßnahmen der geburtshilflichen Prävention von Inkontinenz

In Ihrem Vortrag Geburtshilfliche Maßnahmen zur Prävention von Inkontinenz (Fachtagung Kontinenz u. Katheterisierung) ging die Hebamme Roswitha Wallner auf drei zentrale Maßnahmen zur Vermeidung von Inkonti-nenz ein: Geburtsposition, Pressanleitung und Dammschutz.  © Geoffrey Kuchera | Dreamstime Stock Photos

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Sa

02

Jul

2016

"Die beste Übung ist die, die Sie machen!"

In Ihrem Vortrag zu Physiotherapeutischen Maßnahmen zur Prävention von Inkontinenz nennt Katharina Meller als zentrale Grundlage für das präventive Beckenbodentraining die Wahrnehmung des eigenen Beckenbodens. Dann kann nach oben genanntem Prinzip verfahren werden...

In Ihrem Vortrag Physiotherapeutische Maßnahmen zur Prävention von Inkontinenz (Fachtagung Kontinenz u. Katheterisierung) ging Katharina Meller auf die Rolle von Wahrnehmung, Haltung, Atmung, belastungsarmer Entleerung -Husten sowie Gleichgewicht ein.                   © Fotograf77 | Dreamstime Stock Photos

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Sa

25

Jun

2016

Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung 24.06.2016

Zum zweiten mal fand heuer die Fachtagung zum Thema "Kontinenz und Katheterisierung" im Casino Baumgarten statt. Die Themenfelder waren weit gestreut und wurden von den verschiedenen Berufsgruppen: ÄrztInnen, Kontinenz- und StomaberaterInnen, PhysiotherapeutInnen und Hebammen beleuchtet. Da vieles davon für meine PatientInnen/LeserInnen interessant sein kann, fasse ich wöchentlich einen Beitrag für Sie zusammen.

 

Was ist denn nun ein Beckenbodenzentrum?

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Sa

18

Jun

2016

Für Sie nachgefragt: Die Kontinenzberatung der Stadt Wien

Bei der Kontinenzberatung des Fonds Soziales Wien erhalten Sie Hilfe und Beratung bei Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz. Auch Unterstützung zu Hause ist möglich.Die Leiterin, Frau Leiner über die Leistungen Ihrer Beratungsstelle.

Viele von Inkontinenz Betroffene würden gerne etwas gegen ihr Problem unternehmen, wissen aber nicht wie und an wen sie sich mit ihrem Anliegen wenden können. Darum habe ich bei der Leiterin der Kontinenzberatung Wien für Sie nachgefragt.

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Fr

10

Jun

2016

Bericht Feel Good im Grätzl

Am Samstag den 4. Juni war es soweit. Die AusstellerInnen von Feel Good im Grätzl haben sich in der Pfarre Maria Treu versammelt. Feel Good war eine Mitmachveranstaltung. Man konnte sich dort das Gesicht oder die Hände massieren lassen, an Schnupperkursen teilnehmen oder wie etwa an meinem Stand seine Halswirbelsäulenstabilität testen lassen, mit mir plaudern und sich nebenbei Infos zu Inkontinenz und Beckenboden mitnehmen. Mir hat es Spaß gemacht. Ich hoffe, Euch auch!

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Fr

03

Jun

2016

Bericht 1. Wiener Kontinenzstammtisch der MKÖ

Auf dieser "Minitagung" der MKÖ sprachen Prof. Max Wunderlich über Rektumprolaps, der Physiotherapeut Markus Martin über Physiotherapie vor radikaler Prostatektomie und Prof. Hanzal über weibliche Harninkontinenz.

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Mo

30

Mai

2016

Experteninterview - Elektrostimulation und Biofeedback

Im Interview erzählt Dipl. Ing. Berger wie Elektrostimulation und Biofeedback wirken, warum es bei Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz zum Einsatz kommt, wer einen einschult, wann ein solches Training nicht möglich ist, was die Therapie kostet und wie diese durchgeführt wird.

Es freut mich heute einen Experten auf meinem Blog begrüßen zu dürfen. Herr Dipl. Ing. Markus Berger ist Geschäftsführer der Firma tic Medizintechnik, welche auf geräteunterstützte Beckenbodentherapie spezialisiert ist. Er hat sich bereit erklärt ein paar Fragen zum Thema Elektrostimulation für meine LeserInnen zu beantworten.

 

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Mo

23

Mai

2016

Besuch bei der Kontinenzberatung Laudongasse

Bei der Kontinenzberatungsstelle des Fonds Soziales Wien finden Sie Hilfe bei allen Formen von Inkontinenz. Sie erhalten Beratung und Hilfe bei Harninkontinenz sowie Stuhlinkontinenz. Bei Bedarf werden von den hier beschäftigten KSBs (Kontinenz- und Stomaberaterinnen sind Krankenschwestern mit einer speziellen Zusatzausbildung) auch Hausbesuche gemacht.

Sie haben MS und wissen nicht, welcher Arzt für Ihre spezielle Inkontinenzsymptomatik zuständig ist? Sie haben eine Gebärmuttersenkung und suchen nach Alternativen zu einer Operation? Sie suchen einen Physiotherapeuten, der Therapie bei männlicher Harninkontinenz anbietet? Ihr Kind nässt sich nachts noch immer ein und sie wissen nicht weiter? Sie pflegen eine inkontinenten Angehörigen und brauchen Beratung zu Pflege und Handling? Mit diesen und vielen anderen Problemen sind Sie bei der Kontinenz Beratungsstelle des Fonds Soziales Wien richtig.

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Mo

16

Mai

2016

Rektusdiastase - Worauf Sie in der Schwangerschaft achten sollten

Lesen Sie hier, was Sie tun können, um eine in der Schwangerschaft auftretende Rektusdiastase nicht zu verschlimmern.

Bei vielen Frauen entsteht schon während der Schwangerschaft eine so genannte Rektusdiastase. Durch die schwangerschaftsbedingte Vergrößerung des Bauches wird die sehnige Schicht zwischen den geraden Bauchmuskeln dünner und schließlich driften die Bauchmuskeln auseinander, so dass eine regelrechte Spalte zwischen den Muskelbäuchen sichtbar/bzw. tastbar wird.

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Mo

09

Mai

2016

Physiotherapie im Grätzl - am 4. Juni 2016 in der Piaristenpfarre Maria Treu

Eine schöne Idee ist die neue Initiative "im Grätzl", bei der es darum geht, BewohnerInnen die lokalen Angebote ihres Grätzls vorzustellen. Am 4. Juni ist es soweit. Sie können mich und meine Angebote dort kennenlernen, meine Beratung einholen, Ihre Rumpfstabilität testen lassen, sich Übungen für Ihre Wirbelsäule, Schulter oder Ihren Beckenboden zeigen lassen, oder einfach mit mir plaudern und die Atmosphäre eines "Feel good Tages" genießen!

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Do

05

Mai

2016

Nach der Geburt - Rückbildung die "Dos and Dont's"

Die Does and Dont's der Rückbildung: Wie Sie  in der Rückbildungszeit Ihren Beckenboden schonen, Ihren Rumpf trainieren und auf Ihre Haltung achten können.

Schonen Sie Ihren Beckenboden!

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Mi

27

Apr

2016

Häufige Fragen zu Belastungsinkontinenz

Erfahren Sie hier, was Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz)  ist, was die Symptome sind, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, worauf Sie im Alltag achten sollten und wie lange eine physiotherapeutische Behandlung dauert.

Was ist Belastungsinkontinenz?

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Do

21

Apr

2016

Platz in Beckenbodengruppe frei!

Falls Sie auf der Suche nach einer Beckenbodengruppe sind, kann ich Montag Abend einen Platz anbieten. Bei Interesse kontaktieren Sie mich bitte per Telefon oder E-Mail für weitere Informationen.

Do

14

Apr

2016

Häufige Fragen zu Senkungsbeschwerden (POP)

Lesen Sie hier was Senkungsbeschwerden sind, welche Organe von einer Senkung betroffen sein können, wie die Symptome sind, worauf Sie im Alltag achten sollten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was sind Senkungsbeschwerden?

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Do

07

Apr

2016

Biofeedback und Elektrotherapie bei Inkontinenz

PatientInnen mit Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz oder Senkungsbeschwerden, die ihren Beckenboden nicht gut wahrnehmen können, hilft Biofeedback die Ansteuerung dieser Muskelgruppe wieder zu erlernen. Bei Beckenbodenschwäche hilft Elektrostimulation die Kraft so weit wieder herzustellen, bis eigenständig weiter trainiert werden kann.

Sowohl bei Biofeedback als auch bei Elektrostimulation wird eine Elektrode vaginal (bei Frauen) oder anal (bei Männern) eingeführt. Diese Elektrode ist mit einem Gerät verbunden, welches im Fall von Biofeedback die Muskelspannung misst und diese auf einem kleinen Bildschirm für die übende Person sichtbar macht. Auf diese Art bekommt der/die Übende eine Rückmeldung darüber, ob der Beckenboden tatsächlich angespannt wird. Im Fall von Elektrostimulation wird mit Hilfe von Strom die Beckenbodenmuskulatur zum kontrahieren gebracht. Dadurch wird die Muskulatur kräftiger. Nach sechs Wochen sind erste Fortschritte für den/die Übende spürbar.

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Do

31

Mär

2016

Beckenbodentraining bei Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und Senkung. Was lernt man da?

Viele Patientinnen mit Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz oder Senkungsbeschwerden können sich nichts unter Beckenbodentraining vorstellen. Die Vorstellung geht von Übungen bei denen man "mit dem Becken am Boden liegt" bis zum "zusammen kneifen". Was lernt man nun tatsächlich beim Beckenbodentraining?

Anatomie! Als allererstes lernt die Patientin beim physiotherapeutischen Beckenbodentraining Ihr knöchernes Becken kennen, sie lernt also erst mal zwischen welchen knöchernen Bezugspunkten sich ihr Beckenboden befindet.

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Do

24

Mär

2016

Physiotherapie bei Rektusdiastase - Ihre Arbeit, nicht meine!

Eine Rektusdiastase behandle ich normalerweise unter Zuhilfenahme der so genannten Heller Handgriffe. Dabei werden die geraden Bauchmuskeln der Patientin in ihre ursprüngliche Lage zurück gebracht. Anschließend muss die betroffene Patientin wochen- bzw. monatelang ausgewählte Übungen durchführen und auf das richtige Verhalten im Alltag achten. Erfahrungsgemäß schließen sich "alte" Diastasen schlechter als jene, die noch in der Stillzeit behandelt werden. Umso erstaunlicher ist folgende Geschichte:

Neulich sah ich eine Patientin nach Monaten wieder, deren 10 Jahre (!) alte Rektusdiastase ich vor Monaten lediglich zweimal behandelt hatte. Diese war damals ein Nebenbefund. Auch diesmal war die Patientin wegen eines anderen Problems bei mir. Am Ende der Therapieeinheit bat die Patientin mich, ihre Diastase zu überprüfen, da sie den Eindruck hatte, diese sei viel besser. Bei der Palpation stellte ich fest, dass die zwei Muskelbäuche 1 1/2 Querfinger aneinander lagen und fest verschlossen waren. Die Diastase war zu! Abschließend erzählte mir die Patientin sie habe ihre Übungen nur selten gemacht und sich auch sonst nicht sonderlich an meine Anweisungen für den Alltag gehalten. Zum Abschluss meinte sie scherzhaft: "Die Diastase ist zu. Das war Ihre Arbeit, nicht meine!"

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Mi

16

Mär

2016

Wie Haltung, Atmung und Training Ihren Beckenboden beeinflussen:

Viele Menschen wissen nicht einmal wo sich ihr Beckenboden befindet. Noch weniger ist ihnen bewusst, dass und wie Haltung, Atmung und Training sich auf diese wichtige Muskelpartie auswirkt, die unser Becken nach unten hin abschließt und so verhindert, dass die Organe unten wieder aus uns "raus fallen". Lernen Sie hier diese Zusammenhänge kennen.

Haltung, Atmung und Training sind essenzielle Bestandteile

eines funktionierenden Beckenbodensystems. Ihre Haltung bestimmt mit, wie viel Druck Ihre Organe auf Ihren Beckenboden ausüben können. Je besser Ihre Haltung, desto weniger Druck nach unten wird ausgeübt.

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Mi

09

Mär

2016

Was tun bei Harninkontinenz nach Prostataentfernung (Prostatektomie)?

Viele Männer leiden an Inkontinenz nach Prostatektomie. Häufig sind die Beschwerden vormittags besser und verschlimmern sich im Verlauf des Tages. „Es rinnt“ dann. Manche Patienten leiden vor allem an Harnverlust während des Gehens.

Da bei Prostataentfernung der innere Blasenschließmuskel verletzt bzw. ganz entfernt wird, muss danach der äußere Schließmuskel dessen Funktion erfüllen. Man(n) muss nun willentlich steuern, was früher automatisch war. Falls Sie nach Prostataentfernung an Inkontinenz leiden, sollten Sie ein spezielles Beckenbodentraining (Sphinktertraining) machen, bei dem Sie lernen Ihren äußeren Schließmuskel anzusteuern und diesen sukzessive kräftigen. Auch die Behandlung mit Elektrostimulation könnte Ihnen helfen.

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Mi

02

Mär

2016

Tipp für den Alltag Nr. 10 - Harninkontinenz - Getränke

Hier erfahren Sie welche Getränke Sie vermeiden sollten, wenn Sie an Harninkontinenz leiden und welche geeignet sind.

Vermeiden Sie harntreibende Getränke. Dazu zählen: Kaffee,

schwarzer und grüner Tee, Saft von Zitrusfrüchten, kohlensäurehältige Getränke und Alkohol. Wasser, Kräutertees und Fruchtsäfte sind ideal.

Do

25

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 9 - Beckenboden - kein Pipi-Stopp als Training

Lesen Sie hier, warum Pipi-Stopp die falsche Übung ist für Ihren Beckenboden!

Kein Pipi-Stopp als Training für den Beckenboden! Das schadet eher als es hilft, denn es kann sowohl die Steuerung der Blasenentleerung negativ beeinflussen, als auch Ihren Harnröhrenschließmechanismus! Stattdessen richten Sie sich beim Urinieren auf, entleeren Ihre Blase vollständig und schnüren danach Ihre Blase zu und saugen Ihren Beckenboden nach oben.

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Mi

17

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 8 - Blasentraining bei Dranginkontinenz

Lesen Sie hier warum Sie nicht dem ersten Gefühl der Blasenfüllung nachgeben sollen und was Sie tun können um den Drang aufzuschieben.

Geben Sie nicht jedem Harndrang sofort nach! Durch frühzeitiges Entleeren wird das Fassungsvermögen der Blase kleiner. Trippeln Sie stattdesssen vor der Toilette um die eigene Achse und zählen Sie wie lange Sie den Drang aufschieben können. Auf diese Art trainieren Sie Ihre Blase.

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Di

09

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 7 - Dranginkontinenz - Trinkmenge

Erfahren Sie hier, wieso es nicht gut ist, bei Dranginkontinenz die Trinkmenge einzuschränken.

Achten Sie trotz Harnverlusts auf eine ausreichende Trinkmenge! Machen Sie nicht den Fehler die Trinkmenge zu reduzieren, wenn Sie an Dranginkontinenz leiden. Stark konzentrierter Harn reizt die Blasen-wand und erhöht den Drang!

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Mo

01

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 6 - Gebärmuttersenkung - Pessar und Beckenbodentraining

Erfahren Sie hier, was Ihnen bei einer Gebärmuttersenkung helfen könnte. Fragen Sie Ihren Facharzt nach der Anpassung eines Pessars und nach Beckenbodentraining.

Falls Sie an einer Gebärmuttersenkung leiden, könnte Ihnen

die Verwendung eines Pesars im Alltag helfen. Fragen Sie Ihren Facharzt! Falls Sie bereits Beckenbodentraining betreiben, sollten Sie auf die richtige Ausgangstellung dabei achten! Keine belastenden Stellungen wie Sitz oder Stand!

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Pelvipedia - die Infoseite zu Harn- und Stuhlinkontinenz

Fr

15

Dez

2017

Gründe und Therapie von Verstopfung

In ihrem Vortrag "Slow Transit Obstipation versus Outlet Obstruction" anlässlich der 27. Jahrestagung der MKÖ in Linz erklärt die Chirurgin Urszula Prunner Gründe und Therapieoptionen bei Obstipation.

2 Arten von Obstipation

Slow Transit

Neben der vorübergehenden Verstopfung etwa auf Reisen gibt es zwei Arten der chronischen Verstopfung. Zum einen die Obstipation, welche durch Trägheit des Darmes ausgelöst wird. Gründe dafür sind zahlreich und können in diätischen Fehlern, durch Bewegungsmangel aber auch durch Erkrankungen wie MS, Parkinson, Demenz, Diabetes Mellitus, Verletzungen des Nervengeflechts oder aber durch hormonelle Ursachen ausgelöst werden.

Outlet Obstruction

Die Obstipation kann aber auch durch ein Hindernis entstehen wie etwa einer Rektozele (Aussackung der Dickdarmwand in Richtung Scheide), Enterozele (Vorstülpung des Dünndarms ins kleine Becken), Intussuszeption (Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen). Aber auch die Absenkung des Beckenbodens oder die Anspannung eines Beckenbodenmuskels anstatt seiner Entspannung beim Entleerungsversuch können die Verstopfung begründen.

Diagnose

Um eine Diagnose stellen zu können, wird der Arzt eine umfassende Befragung durchführen. Untersuchungen, die beim Verdacht auf eine Slow Transit Obstruction zur Anwendung kommen sind die so genannte Colontransitzeitmessung, bei der die Verweildauer der Nahrung im Darm gemessen wird. Weiters kommt die so gennannte rektale Manometrie zur Anwendung, mit deren Hilfe andere Erkrankungen des Enddarms ausgeschlossen werden.

Vermutet der Arzt hingegen die zweite Art der Verstopfung, wird eine so genannte Defäkographie durchgeführt, bei der die Mechanik der Entleerung beobachtet werden und beurteilt werden kann.

Möglichkeiten der Therapie

Zur Therapie der Obstipation stehen eine Änderung der Lebensgewohnheiten (ballaststoffreiche Ernährung, körperliche Aktivität), medikamentöse Therapie mittels Stuhlweichmachern und ähnlichem zur Verfügung. Liegt der Grund in einer Fehlsteuerung oder Schwächung der Beckenbodenmuskulatur, wird ein physiotherapeutisches Beckenbodentraining mit Biofeedback durchgeführt. Die so genannte transanale Irrigation, eine spezielle Form des Einlaufs, kann ebenfalls Erleichterung schaffen.

Operation als letztes Mittel...

Bei der chronischen Verstopfung in der Form der Slow Tranist Obstipation, erklärt Dr. Prunner, sollte eine Operation nur in äußerst schwerwiegenden Fällen und als allerletzte Möglichkeit nachdem alles andere ergebnislos geblieben ist, angewandt werden, da eine solche im schlimmsten Fall mit einem künstlichen Darmausgang enden kann.

Das Verfahren der SNM (sakralen Neuromodulation) kann probiert werden.

Konklusion

Wenn Sie an einer chronischen Verstopfung leiden, können Sie sowohl von einer Lebensstiländerung, als auch von medikamentöser Therapie und möglicherweise von Beckenbodentraining profitieren. Da die Gründe für Verstopfung zahlreich sind, sollte eine genaue Abklärung durch einen Facharzt erfolgen.

Fr

08

Dez

2017

Pelvipedia gewinnt Comitatus Award 2017

Im Rahmen der 27. Jahrestagung der MKÖ wurde dem Kontinenz-blog Pelvipedia der mit 5.000.- dotierte Comitatus Award der Firma Hollister verliehen. Der Preis ergeht jährlich an Projekte, die "hervorragende Leistungen in der Versorgung von Blasen-funktionsstörungen" erbringen.

Technische Neuerungen möglich!

Es freut mich riesig, dass Pelvipedia damit ein Budget erhält, mit dem dringend notwendige technische Änderungen vorgenommen werden können. Dazu zählen eine Suchfunktion, mit deren Hilfe es möglich werden soll, alle Beiträge zu einem Thema ausfindig zu machen und anzeigen zu lassen. Auch eine Newsletter Funktion, sowie eine verbesserte Kommentarfunktion soll es künftig geben.

Das Preisgeld stellt überdies die Möglichkeit dar, mein Know How bezüglich Suchmaschinenoptimierung zu verbessern, was den Zugang zur Seite langfristig weiter steigern wird!

Themen 2018: neurologische Erkrankungen, Alter und kindliche Inkontinenz

Der Gewinn des Comitatus Awards bedeutet nicht nur finanzielle Hilfe für die Seite, sondern auch eine weitere Bekanntmachung der Seite, so dass die für 2018 geplanten Themen Inkontinenz bei Kindern, im Alter und bei neurologischen Erkrankungen leichter durch Expertinnen abgedeckt werden können.

EIN HERZLICHES DANKESCHÖN HIERMIT NOCHMALS AN DIE FIRMA HOLLISTER!

Fr

01

Dez

2017

Medikamente: Inkontinenz und Entleerungsstörungen als Folge!

Gerade für alte Menschen, welche häufig viele verschieden Medikamente einnehmen müssen ist von Bedeutung, dass es viele Medikamente gibt, die Inkontinenz und Entleerungsstörungen der Blase verursachen bzw. verschlimmern können.

Liste der Medikamentengruppen publiziert

Die Gerontologin und Internistin Helena Talasz hat 2014 eine Liste der Medikamentengruppen veröffentlicht, welche sowohl Entleerungsstörungen als auch Inkontinenz machen bzw. verschlimmern können.

Die Aufzählung der Substanzen reicht von α-adrenergen Substanzen, α-Blocker, ACE-Hemmern, Anticholinergika, Kalziumkanalblocker, Acetylcholinesterasehemmer, Diuretika, Lithium, Opioide, Psychotrope Substanzen (Benzodiazepine, Neuroleptika, Hypnotika), Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmern bis hin zu nichtsteroidalen Antireumatika.(1)

Vom Gerontologen abklären lassen!

Vor allem Menschen, die viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen, sollten bei Zunahme ihrer Beschwerden an die Nebenwirkung eines Medikaments denken. Falls Sie, oder einer Ihrer Angehörigen (nach einer Medikamentenumstellung) von Harninkontinenz oder Entleerungsstörungen betroffen sind, oder sich Symptome verschlimmert haben, zögern Sie nicht einen Arzt zu konsultieren welcher auf die Behandlung von Harninkontinenz spezialisiert ist! Häufig kann ein auf alte Menschen spezialisierter Facharzt für innere Medizin (Gerontologe) weiter helfen.

1 H. Talasz, Harninkontinenz Geriatrischer Patientinnen. Screening und Abklärung. Zeitschrift für Gerontologie + Geriatrie mit European Journal of Geriatrics. 2014. 47: 57-68

Fr

24

Nov

2017

Experteninterview Sakrale Neuromodulation: Hilfe bei Stuhlinkontinenz

Als Schrittmacher für den Beckenboden wird die Sakrale Neuromodulation oft bezeichnet. Helfen kann dieses Verfahren vor allem bei Stuhlinkontinenz. Was das ist und für wen SNM geeignet ist, darüber habe ich mit der Chirurgin und SNM- Spezialistin Dr. Kira Sorko- Enzesfeld gesprochen.

Auf den Bildern: Generator, das Handgerät für Patienten und Programmiergerät des Arztes zu sehen.

Was ist Sakrale Neuromodulation?

Die sakrale Neuromodulation (SNM), früher als sakrale Nervenstimulation (SNS) bezeichnet, ist ein Therapieverfahren zur Behandlung von Stuhl-und Harninkontinenz. Es basiert darauf, dass elektrische Impulse die Nervenwurzel S3 oder S4 stimulieren und dadurch zahlreiche Reaktionen einerseits im Beckenboden und

andererseits im zentralen Nervensystem auslösen.

Wem nützt die Sakrale Neuromodulation?

Die SNM wurde ursprünglich in der Urologie zur Behandlung der Harninkontinenz eingesetzt. Als Nebeneffekt beobachtete man, dass sich die Symptome bei Patienten mit Doppelinkontinenz ebenfalls besserten, so dass die SNM seit 1995 auch zur Therapie der Stuhlinkontinenz eingesetzt wird. Seither sind noch weitere

Indikationen wie Obstipation, chronischer Beckenbodenschmerz oder

Reizdarmsyndrom hinzugekommen.

Wie funktioniert das?

Der genaue Wirkungsmechanismus ist noch nicht bekannt, als gesichert gelten folgende Veränderungen:erhöhter Muskeltonus (Muskelanspannung) von innerem und äußerem Schließmuskel, die Anspitzung des anorektalen Winkels, eine Normalisierung der

Sensibilität im Rektum sowohl bei Hypo-als auch bei Hypersensibilität, die Veränderungen der Colonmotilität, das Eingreifen in ano corticale Reflexmechanismen sowie die Stimulation von Gehirnarealen, die zu einer verbesserten Wahrnehmung der Entleerung führen.

Bei welchen Krankheitsbildern wird SNM eingesetzt?

Das Haupteinsatzgebiet in der Chirurgie ist sicherlich die Stuhlinkontinenz. Ursachen für eine Stuhlinkontinenz können vielfältig sein. Hierzu zählen Sphinkterdefekt nach Geburt oder Operationen, neurogene Veränderungen z.B. bei Diabetes mellitus,

Bandscheibenvorfall oder Multipler Sklerose, idiopathiosche Sphinkterschwäche nach tiefer Rektumresektion.

Weitere chirurgische Indikationen sind die funktionelle Obstipation, das Reizdarmsyndrom sowie chronischer Beckenbodenschmerz. An weiteren Einsatzgebieten wird stetig geforscht. Die urologischen Indikationen wie überaktiver Blase mit oder ohne Inkontinenz und die nicht-obstruktive atone Blase seien hier nur erwähnt.

Wo bekommt man das?

Die SNM wird in spezialisierten Krankenhäusern angeboten. Voraussetzung ist, eine komplette Abklärung der Stuhlinkontinenz mit genauester Anamnese, Palpation, Druckmessung des Schließmuskels

und gegebenenfalls Ultraschall der Analregion. Wenn die konservative

Therapie versagt hat und andere operativ sanierbare Ursachen für die

Inkontinenz wie z: B. Rektumprolaps ausgeschlossen wurden, kann eine SNM in Erwägung gezogen werden.

Kann das jeder Chirurg/Proktologe einsetzen/verordnen?

Es kann jeder Allgemeinarzt oder Facharzt eine Überweisung zur Abklärung der Inkontinenz aushändigen, aber welche Therapie letztendlich zum Einsatz kommt, entscheidet das behandelnde

Zentrum.

Wie wird es eingesetzt?

Der Vorteil dieser Methode besteht in der Möglichkeit einer Testphase und der damit verbundenen Evaluierung ob die/der Patient/in auf

die Therapie anspricht.

 

Wenn ein/e Patient/in geeignet erscheint, setzt man ihm unter Vollnarkose ein oder zwei Elektroden im Bereich des Kreuzbeins ( S3-S4 ). Intraoperativ erfolgt die erste Überprüfung, ob eine Reaktion im Bereich des Schließmuskels auftritt. Ist das der Fall wird an die

Elektrode eine Verlängerung angeschlossen und diese im Bereich des Beckenkammes nach außen ausgeleitet und mit einem externen Impulsgeber verbunden. Dieser Impulsgeber gibt kontinuierlich elektrische Signale ab und stimuliert damit die Nerven.

 

Diese Impulse zeigen ihre Wirkung ohne, dass sie vom Patienten/in wahrgenommen werden. Diese Testphase wird für ca. 2-4 Wochen durchlaufen. Der Patient sollte vor und während der Evaluierung ein Stuhltagebuch führen. Wenn es zu einer Verbesserung der Symptome – hierzu zählt auch die Verbesserung der Lebensqualität - um

mindestens 50% kommt, kann eine definitive Implantation erfolgen. Dazu wird in lokaler Betäubung die nach außen geleitete Verlängerung entfernt und der Generator im Bereich des Gesäßmuskels unter die Haut implantiert.

 

Die Stimulationsparameter des Generators können mittels Fernbedienung verändert und auch komplett ausgeschaltet werden.

Ist die Operation gefährlich?

Jede Operation birgt ein gewisses Risiko. Am häufigsten treten Nachblutungen oder Infektionen auf. Ein Vorteil der Methode ist, dass keine direkte Manipulation am Schließmuskel stattfindet und sich die Symptomatik durch die SNM keinesfalls verschlechtern kann. Im

schlimmsten Fall tritt keine Verbesserung in der Testphase auf und damit folgt keine definitive Implantation des Generators, stattdessen eine Entfernung der vorher platzierten Elektrode.

Tut die Operation weh?

Postoperativ tritt ein normaler Wundschmerz auf.

Wovon hängt es ab, ob SNM wirkt?

Man kann nie wirklich voraussagen, ob ein/e Patient/in auf die Therapie anspricht oder nicht. Deshalb ist die Test und von großer Bedeutung.

Außerdem sollten andere Ursachen wie Rektumprolaps oder sehr große Sphinkterdefekte ausgeschlossen worden sein.

Gibt es Kontraindikationen?

Kontraindikationen sind das Vorhandensein eines Herzschrittmachers, eine komplette Querschnittslähmung, Veränderungen, die den Zugang zu den Sakralnerven verhindern, Schwangerschaft und mangelnde Patientencompliance.

Was ist, wenn SNM nicht funktioniert?

Im schlimmsten Fall tritt keine Verbesserung in der Testphase auf und damit folgt keine definitive Implantation des Generators, stattdessen eine Entfernung der vorher platzierten Elektrode.

Gibt es mögliche Komplikationen bei der Einpflanzung, Durchführung der SNM?

Die Implantation eines Fremdkörpers birgt immer die Gefahr einer Infektion. Ansonsten können die üblichen Komplikationen (z.B. Blutung, verzögerte Wundheilung) wie bei jeder Operation auftreten.

Braucht das Gerät eine Wartung? Wenn ja welche?

Ja, der Generator hat eine Batterie, die je nach Verbrauch 2-5 Jahre hält. Nach Ablauf dieser Zeit muss der Generator ausgewechselt werden, die Elektrode bleibt jedoch immer an Ort und Stelle. Der Austausch kann in Lokalanästhesie erfolgen.

 

Manche Patienten brauchen von Zeit zu Zeit eine Neuprogrammierung der Stimulation, so dass regelmäßige Kontrolle notwendig sind

Wirkt SNM lebenslang?

Die Studien zeigen auch in Bezug auf die Langzeiteffektivität vielversprechende Ergebnisse.

Kann die Grunderkrankung durch SNM besser werden?

Die Grunderkrankung wird nicht verändert. Es werden lediglich die Symptome (Anzahl der Inkontinenzepisoden, verbesserte Wahrnehmung des Stuhldrangs) und die Lebensqualität verbessert. Die Stimulation muss ein Leben lang erfolgen. Wenn das System ausgeschaltet wird, treten die Symptome wieder auf.

Dr. Kira Sorko-Enzfelder

 

2009– 2016 Ausbildung zur Fachärztin für Allgemein-und Viszeralchirurgie im

Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien

 

Seit 2012 Vortragstätigkeit bei zahlreichen Kongressen, Symposien und Kursen vor allem zum Thema Inkontinenz und Beckenboden

 

Seit 2016 Unterrichttätigkeit zum Thema Inkontinenz und Stoma an der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen - Bereich Pflege

 

2014 – 2017 Sekretärin der Arbeitsgemeinschaft für Coloproktologie

 

Seit 2017 Fortbildungsreferentin der Arbeitsgemeinschaft für Coloproktologie (ACP)

 

2017 Österreichisches Ärztekammer- Diplom Genetik

 

Ihr besonderes Interesse galt bereits während ihrer Ausbildung den Erkrankungen des Darms, Funktionsstörungen des Beckenbodens und der Stuhlinkontinenz.

Fr

17

Nov

2017

Professionelle Hilfe bei: Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und Stoma: KSBs helfen weiter!

Immer noch wissen viele von Inkontinenz Betroffene nicht, dass die Berufsgruppe der KSB extra für die Hilfe bei Inkontinenz ausgebildet ist. Was KSBs für Sie tun können, lesen Sie im Folgenden Interview mit DGKP/KSB Karin Müller, der Obfrau  des Vereins Kontinenz-und Stomaberatung Österreich.

RH: Was ist die Berufsgruppe der KSB?

Karin Müller: KSB bedeutet Kontinenz-und StomaberaterIn und bezeichnet Pflegepersonen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege, die eine Weiterbildung im Bereich Kontinenz und Stomaberatung absolviert haben.

RH: Wofür sind KSBs zuständig?

Karin Müller: Für die Beratung und Schulung von Betroffenen und deren Angehörigen welche von Inkontinenz und Stomaanlagen jeglicher Art betroffen sind. Gleichzeitig sind wir Ansprechpersonen für Kolleginnen und Kollegen, Betreuende, Ärzte und Behörden. Nicht zu vergessen fällt der ökonomische Hilfsmitteleinsatz in unser Resort.

RH: Gibt es KSBs nur im Krankenhaus?

Karin Müller: Nein KSBs gibt es in den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens. Wir sind in Spitälern, Reha Zentren und Pflegeeinrichtungen genauso vertreten, wie im extramuralen Bereich. Es gibt Kolleginnen und Kollegen in der Hauskrankenpflege, bei Homecare Unternehmen, Bandagisten, der Industrie und auch bei Krankenkassen. Einige KSBs haben auch eigene Praxen wo man Beratungstermine vereinbaren kann.

RH: Wie kann eine KSB bei Harninkontinenz helfen?

Karin Müller: Der wichtigste Aspekt ist die medizinische Abklärung der Ursache und die ärztliche Diagnosestellung welche Inkontinenzform besteht. Betroffene werden durch die oder den KSB beraten um auf diesem Weg eine adäquate Inkontinenzversorgung zu eruieren und vorzuschlagen. Dabei stehen uns zum Beispiel Miktionsprotokoll/Trinkprotokoll (siehe hierzu: Experteninterview: Blasentraining bei Dranginkontinenz), wo über Trink- und Harnmenge, und den eventuellen Harnverlust, Buch geführt wird, zur Verfügung. Gegebenenfalls werden auch weiterführende Untersuchungen angeregt und die dafür richtigen Stellen empfohlen. Bei Gesprächen wird auch explizit eruiert, wie die Patientinnen und Patienten zum Beispiel allein durch eine Änderung des Trinkverhaltens eine Besserung erzielen können. Ebenso lernen sie Tipps und Tricks um eventuell ein unerwünschtes Abgehen von Harn hinauszuzögern. Außerdem schulen wir den richtigen Umgang mit saugenden oder ableitenden Hilfsmitteln beispielsweise.

RH: Wie kann eine KSB bei Stuhlinkontinenz helfen?

Karin Müller: Hier ist die Vorgehensweise ähnlich wie bei Harninkontinenz. Zuerst zum Arzt zur Abklärung, dann in die Beratungsstelle kommen. Erfahrungsgemäß ist bei Stuhlproblemen die Hemmschwelle um Hilfe zu bitten noch höher. Es gibt aber auch hier Lösungen, die wieder ein aktives Teilnehmen am sozialen Leben möglich machen! Beim Beratungsgespräch versuchen wir dann abzuklären, wie man durch eine Änderung der Verhaltensweisen zum Beispiel Verstopfungen (siehe hierzu: Experteninterview Stuhltraining bei Obstipation) in den Griff bekommen kann und welche Hilfsmittel zur Anwendung kommen können.

RH: Wie kann eine KSB bei einem Stoma helfen?

Karin Müller: Optimalerweise überweist der Arzt schon vor der geplanten Operation seine Patientinnen oder Patienten an die KSB. Diese bespricht die Situation aus pflegerischer Sicht mit den Betroffenen. Dabei wird gemeinsam die Stelle lokalisiert, die für den künftigen Stomaträger am besten versorgbar wäre. Nach der Operation stehen wir den Betroffenen zu Seite, durch Schulung im Umgang mit dem Stoma, Auswahl der richtigen Versorgung, und natürlich mit Rat und Tat bei Problemen. In weiterer Folge auch in der Form von Kontrollen und als Anlaufstelle für Fragen.

RH: Wie kann ich mit einer KSB in Kontakt kommen?

Karin Müller: Auf der Homepage des Vereins Kontinenz und Stomaberatung (www.kontinenz-stoma.at) sind Beratungsstellen in ganz Österreich aufgelistet. Hier findet man alle Ansprechpersonen mit den dazugehörigen Kontaktmöglichkeiten.

RH: Ich selbst, oder eine Angehörige ist inkontinent, alt und nicht mehr sehr mobil. Kann sie trotzdem die Hilfe einer KSB in Anspruch nehmen? Wenn  ja, wie?

Karin Müller: Einige freiberufliche KSB bieten Hausbesuche an, auch diese sind auf der Homepage aufgelistet. Am besten anrufen und Termin vereinbaren.

RH: Wird die Unterstützung durch eine KSB vom Arzt verordnet?

Karin Müller: Bevor wir als KSBs tätig werden können, brauchen wir immer eine ärztliche Abklärung im Vorfeld. Bei gewissen Tätigkeiten, wie zum Beispiel dem Anlernen des Selbstkatheterismus, unterliegen wir sogar der Anordnungspflicht eines Arztes, es muss ja die Notwendigkeit medizinisch abgeklärt sein.

RH: Was kostet die Unterstützung/Hilfe einer KSB?

Karin Müller: Hier muss unterschieden werden, ob es sich um eine Beratung in einem Krankenhaus handelt. In diesem Fall bedarf es im Normalfall nur einer Anmeldung im Ambulanzbereich. Anders ist es beim Besuch in einer freiberuflichen Praxis. Hier muss man die gesamten Kosten der Beratung übernehmen. Es besteht zwar die Möglichkeit die Rechnung bei der für Sie zuständigen Krankenkasse einzurechnen, aber es ist nicht garantiert ob Sie einen kleinen Anteil wieder zurückbekommen.

Lebenslauf DGKP/KSB Karin Müller:

 

Geboren 1974 in Wien

 

Seit 1994 Dipl.Gesundheits- und Krankenpflegerin an der

Krankenanstalt Rudolfstiftung.

 

2009 Beginn der Tätigkeit im Bereich Kontinenz-und Stomaberatung

 

2011-2012 Weiterbildung Kontinenz-und Stomaberatung der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen in Wien

 

2015-2016 Wundmanagement an der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen in Wien

 

Seit 2012 Mitglied im Verein Kontinenz-und Stomaberatung Österreich

 

seit 2016 Obfrau des Vereins Kontinenz-und Stomaberatung Österreich

Fr

10

Nov

2017

Experteninterview Teil 2: Analer Schmerz

Interview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich (Facharzt für Chirurgie) zum Thema: „Analer Schmerz“

Teil 2: Die proktologische Untersuchung bei analem Schmerz und weitere Behandlungsoptionen bei idiopathischem Schmerz

RH: Was muss bei einem Schmerz im Analbereich proktologisch untersucht werden und wie funktioniert das?

Prof. Wunderlich: Der erste Schritt ist die Erhebung der Anamnese (= Befragung der Patienten nach ihrer Krankengeschichte, also dem Beginn und dem Verlauf der Symptome), die zum Beispiel bei der Analfissur meistens feststellt, dass der Patient den ersten Schmerz nach einem sehr harten Stuhlgang verspürt hat– ein Schmerz, der sich in der Folge auf der Toilette stets wiederholt.

Der zweite Schritt der Diagnostik ist die sogenannte klinische Untersuchung in Links Seitenlage,beginnend mit derInspektion, das heißt der Begutachtung der Region durch Hinsehen, gefolgt von der digitalen Palpation, das heißt dem Tasten, sofern dies nicht zu schmerzhaft ist, wie zum Beispiel bei Vorliegen einer Analfissur. Wenn das Austasten des Analkanals wegen Schmerzen dem Patienten nicht zumutbar ist, verordnet man besser zunächstdie Zäpfchen-Salben-Therapie, verzichtet auf weitere Manipulationen, wie etwa die Endoskopie und wiederholt die Untersuchung in frühestens 4 Wochen. Dann sind Palpation und Rektoskopie (Spiegelung des Mastdarms mit einem starren Rohr) häufig ohne Schmerzen möglich.

RH: Und dann würde man noch eine Endoskopie machen, um eine schwerwiegende Erkrankung auszuschließen? Würde denn der Schmerz von einem Karzinom auch besser werden durch die Salbe?

Prof. Wunderlich: Ja, denn ein Analkarzinom, das schmerzt,

wird durch die Salbe schon kurzfristig besser.

RH: Also auf jeden Fall noch eine Endoskopie?

Prof. Wunderlich: Ja, unbedingt! Also Rektoskopie und

Proktoskopie (Spiegelung des Analkanals mit einem sehr kurzen starren Rohr) gehören im Interesse eines vollständigen Befundes gemacht.

RH: Kann man den Schmerz auch einfach „wegoperieren“?

Prof. Wunderlich: Ja, aber nur, wenn man ein Substrat hat,

wie bei Fissur, Abszess und Hämorrhoidalthrombose.

RH: Wenn jetzt nichts gefunden wird bei einer solchen Untersuchung, heißt das dann, dass man nichts hat und sich alles nur einbildet?

Prof. Wunderlich: Nein, keinesfalls! Dann kann es zum Beispiel ein idiopathischer Schmerz sein, dessen Ursache man nicht kennt. Dieser

treibt die Patienten zur Verzweiflung und muss unbedingt ernst genommen werden – nicht, weil er gefährlich ist, aber weil gerade diese Patientinnen und Patienten mehr als andere der ganzen Empathie des Proktologen bedürfen.

RH: Und wohin soll oder kann man sich dann noch wenden?

Prof. Wunderlich: Gelingt es dem Proktologen mit seiner

ganzen Kunst nicht, den Schmerz zu beherrschen, dann sollte er nicht zögern, mit Schmerztherapeuten zusammen zu arbeiten. Diese sind in der Regel spezialisierte Fachärzte für Anästhesie, die Analgetika in verschiedensten, sehr wirksamen Kombinationen anwenden.

Es scheint ein interessantes Phänomen zu sein, dass Chirurgen sich ein wenig genieren,„nur“ eine Salbezu verschreiben, anstatt zu „Schneiden“, was man ja landläufig mit ihnen assoziiert. Bei vielen meiner Patientinnen und Patienten mit Analfissuren, und anderen analen Schmerzen stelle ich fest, dass diese einfach zu erklärenden Schmerzen mit Zäpfchen-Salbentherapie zu heilen oder deutlich zu lindern sind.

RH: Haben Sie persönlich Erfahrungen damit, dass man diese Patientinnenund Patientendannmit Osteopathie oder Physiotherapie behandelt, also den Beckenboden entspannt?

Prof. Wunderlich: Nein,damit habe ich kaum Erfahrung, aber

es erscheint mir als ein äußerst probater therapeutischer Ansatz.

RH: Danke für das Gespräch!

Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

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Fr

03

Nov

2017

Experteninterview Teil 1: Analer Schmerz

Interview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich (Facharzt für Chirurgie) zum Thema: „Analer Schmerz“

Teil 1: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei analem Schmerz

RH: Was sind die häufigsten Ursachen für Schmerzen im Analbereich?

Prof. Wunderlich: Die häufigsten Ursachen sind Erkrankungen

in diesem Bereich, die man genau definieren kann. An erster Stelle dieser sichtbaren Veränderungen steht die Analfissur, ein entzündeter Einriss im Analkanal, der bei jedem Stuhlgang, vor allem wenn der Stuhl hart ist, einen Schmerz auslöst, der noch einige Minuten bis Stunden anhalten kann.

Die zweite häufige Ursache ist ein Analabszess und die dritte eine akute Hämorrhoidalthrombose. Die ist nicht zu verwechseln mit der perianalen Thrombose, die kurzfristig schmerzhaft ist, aber nie so sehr, wie die Hämorrhoidalthrombose. Bei der Hämorrhoidalthrombose sind die Hämorrhoiden permanent prolabiert, d.h. vorgefallen. Sie enthalten hunderte kleine Thromben, sind ödematös, und durch

diese Schwellung und Spannung im Gewebe entsteht der Schmerz.

Die genannten Ursachen haben ein morphologisches Substrat. Das heißt, man findet da exakt die Läsion, die den Schmerz verursacht und das sind auch die am einfachsten zu diagnostizierenden und zu behandelnden Ursachen für den analen Schmerz.

Die zweite Gruppe des Schmerzes in der Region geht nicht mit einer morphologischen Veränderung einher, aber es lässt sich die Ursache des Schmerzes orten. An erster Stelle zu nennen ist die Coccygodynie: Darunter versteht man einen meist heftigen Schmerz am Steißbein:dauernd oder nur beim Sitzen. Dieser geht in der Regel zurück auf ein Trauma, eine stumpfe Verletzung in dem Bereich, die

auch viele Jahre zurückliegen kann und später erst dazu führt, dass das Steißbein schmerzt. Diese Diagnostik ist insofern auch einfach, als das Betasten des Steißbeins (von außen oder bei der Untersuchung vom Analkanal her) dortselbst den Schmerz auslöst.

An zweiter Stelle steht die Pudendusneuralgie, ein Schmerz, der vom Nervus Pudendus (dem Schamnerv im kleinen Becken) ausgeht,

vergleichbar dem Ischias-Schmerz. Zumeist rührt dieser Schmerz von der Wirbelsäule her (z.B. Bandscheibenprobleme)Er kann einseitig oder beidseitig auftreten und wird durch die digitale Palpationdiagnostiziert, d.h. beim Austasten des Analkanals mit dem untersuchenden Zeigefinger. Bei der analen Palpation drückt man einmal links, einmal rechts auf den Tuber Ossis Ischii (Sitzbeinhöcker), wo der Nerv im Alcockschen Kanalverläuft. Löst der Druck bei der Untersuchung den

Schmerz aus, dann handelt es sich um eine Pudendusneuralgie.

Der dritte, und das ist der unangenehmste Schmerz, weil man seine Ursache meist nicht kennt,ist der so genannte idiopathische anale

Schmerz. Er ist quälend, fast ständig vorhanden, seine Entstehung unklar, und dementsprechend schwierig ist auch die Behandlung.

RH: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Am einfachsten zu behandeln sind naturgemäß die Schmerzen derersten Gruppe, jener mit dem morphologischen Substrat. Die Behandlung der Analfissur sollte primär konservativ sein mit Zäpfchen und Salbe: Ganz gewöhnliche Hämorrhoidenzäpfchen dienen nur als Träger für einen Gupf einer lokalanästhesierenden Salbe, die auf die Spitze des Zäpfchens aufgetragen wird. Dabei ist es wichtig, Salbe zu verwenden und nicht ein Gel, denn dieses haftet nicht sondern rinnt gleich weg.

Wenn ein derart beschichtetesZäpfchen zumindest zweimal täglich in den Analkanal eingeführt wird, verteilt sich die Salbe in der Fissur. Das nimmt den Schmerz, dadurch wird der Schließmuskelkrampf, der mit dem Schmerz einhergeht, reduziert, wodurch die Entzündung allmählich, also im Laufe von Tagen, manchmal Wochen, zurückgeht.

Das ist zumindest die Theorie der Wirkungsweise. Diese Behandlung sollte man konsequent vier Wochen lang durchführen, selbst wenn die Patienten schon nach zwei Tagen schmerzfrei sind. Konsequent durchführen heißt, zumindest ein Zäpfchen mit Salbe nach dem Stuhlgang. Man kann es auch vor dem Stuhlgang nehmen, damit das nicht so schmerzt. Und einmal abends vor dem Schlafengehen. Da

diese Zäpfchen-Salben-Behandlung keine schädliche Wirkung hat, und man auch nicht davon abhängig wird, ist gegen eine häufigere Anwendung, mehrmals am Tag, immer wenn man Schmerzen hat, nichts einzuwenden. Wenn der Analkanal aufgrund einer langfristigen chronischen Entzündung durch die Fissur verengt ist, und die Zäpfchen mit Salbe nichts nützen, ist die nächste Stufe die Anwendung eines

Analdilatators (=Dehnkegel), der mit der gleichen Salbe beschichtet ist 2-3-mal täglich für ungefähr 2-5 Minuten zumindest 4 Wochen lang. Mit einer neuerlichen Untersuchung sollte der Arzt dann feststellen, ob die Fissur geheilt ist, oder nicht.

Bei der akuten Hämorrhoidalthrombose genügt das Aufbringen von lokalanästhesierender Salbe auf die schmerzenden Knoten. Oft

helfen auch Coolpacks, lokal aufgelegt. Man kann auch, um die Thrombose zum Rückgang zu bewegen, Tupfer mit 3%iger Kochsalzlösung auftragen, denn die zieht dann durch die Osmose die Flüssigkeit aus dem ödematösen Gewebe heraus. In der Regel hilft das nach 2-5 Tagen. Wenn es nicht nützt, dann ist die Hämorrhoidektomie, das heißt die operative Entfernung der Hämorrhoidenindiziert.

RH: Ist eine Hämorrhoidalthrombose gefährlich? Ich kenne nur Beinvenenthrombosen und die sind ja gefährlich wegen einer möglichen Pulmonalembolie, also einem Hochwandern der Gerinnsel in die Lunge.

Prof. Wunderlich: Nein, die Hämorrhoidalthrombose ist nicht

gefährlich, weil keine Verbindung zu größeren Gefäßen besteht wie bei den oft viele Zentimeter langen tiefen Beinvenenthrombosen.Da sich in akut thrombosierten, prolabierten Hämorrhoiden hunderte winzige Gerinnselfinden, ist es auch nicht sinnvoll, diese Knoten einzuschneiden, da man nur wenige der Gerinnsel entleeren kann. Auch aus diesem Grund istdie Hämorrhoidektomie die operative Therapie der Wahl, wenn man schon zum Messer greifen muss.

Die Entscheidung für die Hämorrhoidektomie hängt auch von der individuellen Vorgeschichte ab.Handelt es sich bei der akuten Thrombose um die erste Manifestation eines Hämorrhoidalleidens, sollte man nicht voreilig operieren, denn möglicherweise ist die Thrombose ein einmaliges Ereignis, das sich im weiteren Leben nicht mehr wiederholen wird. Wenn aber, und das kann man mit der Anamnese

erheben, eine Patientin oder ein Patient immer wieder schon Hämorrhoidalbeschwerden hatte, unter denen sie leiden, jahrelang, dann kann man relativ zügig zur Hämorrhoidektomie schreiten, weil man den Menschen ja dann auch von seinem chronischen Hämorrhoidalleiden befreit.

Der Analabszess wird durch die klinische Untersuchung einfach diagnostiziert angesichts von Rötung,Schwellung und heftigem Schmerz beim Tasten. Der Analabszess muss auf jeden Fall so bald als möglich operiert werden, indem man ein so genanntes Unroofing macht, eine Entdachung. Das heißt, es wird ein Hautzylinder von zumindest zwei cm Durchmesser ausgeschnitten, dann sticht man in die Tiefe hinein, führt eine Klemme ein, mitder man das Fettgewebe spreizt wonach sich der

Eiter entleert.

RH: Wie behandelt man Schmerzen ohne sichtbare Veränderungen?

In der zweiten Gruppe empfiehlt es sich, sowohl bei der Coccygodynie, wie auch bei der Pudendusneuralgie Infiltrationen zu versuchen: Bei der Coccygodyniefastschmerzlose Infiltration am Periost (Knochenhaut) des Os coccygis (=Steißbein) mit speziellen Lösungen, die auch ein Lokalanästhetikum enthalten. Diese Infiltration ist zumindest in 50% der Fälle erfolgreich. Will man den Nervus Pudendus am Sitzbeinhöcker infiltrieren, so sollte man dies in Narkose tun.

Da die Pudendusneuralgie, wie eingangs erwähnt, auch mit Problemen von Seiten der Wirbelsäule zu tun haben kann, ist durchaus auch die Konsultation eines Orthopäden angezeigt. Auch lässt sich der Nervus pudendus neuerdings mit einer hochspezialisierten Ultraschalluntersuchung darstellen und dann vom Radiologen gezielt infiltrieren. Diese Technik wird erst an wenigen Zentren angeboten.Leider hatsie, ebenso wie die oben geschilderte „ungezielte“ Infiltration des Nervus pudendus nochrelativ selten Erfolg. Fällen mit besonders hohem Leidensdruck ist ein weiterer Therapieversuch vorbehalten, nämlich die Neurolyse. Dies ist die operative Befreiung (Auslösung) des Nerven aus seinem Kanal am Sitzbeinhöcker – ein ebenfalls nicht immer erfolgreicher Eingriff, den auch plastische Chirurgen durchführen, weil mit der Chirurgie der Nerven besonders vertraut.

Sehr schwierig beizukommen ist dem idiopathischen analen Schmerz. Dies ist verständlich, denn wo man keine Ursache erkennt, lässt sich auch keine gezielte Behandlung planen. In diesem Zusammenhang fatal ist oft die irrige Meinung, selbst von Fachleuten, die Ursache des „idiopathischen“ Schmerzes läge auf jeden Fall bei den

Hämorrhoiden, bzw., dass es nicht schaden könne, diese potentielle

Schmerzquelle einmal auszuschalten. Nach erfolgloser Hämorrhoidektomie ist der Schmerz unverändert und die Frustration entsprechend groß, insbesondere, wenn die Operation vielleicht noch neue Probleme nach sich gezogen hat. Damit möchte ich vor einer voreiligen Operation warnen und empfehlen, auf jeden Fall eine

zweite Meinung bei Chirurgen mit dem Spezialgebiet der Proktologie einzuholen.

Letztlich muss man sich in vielen Fällen von Pudendusneuralgie und in den allermeisten von idiopathischem Schmerz auf die konservative Therapie mit Zäpfchen und lokalanästhesierender

Salbe beschränken, wie oben beschrieben, womit sich der Schmerz gelegentlich zumindest lindern lässt. Auch stärkere Analgetika (schmerzstillende Medikamente) in oraler Verabreichung, also zum Schlucken sind bei quälenden chronischen Schmerzen durchaus legitim. Nichtsdestoweniger sind aufgrund des hohen Leidensdrucks, den dieseSchmerzen erzeugen,alle die angeführten Interventionen gerechtfertigt, in der Hoffnung, den einen oder anderen Patienten doch heilen zu können.

RH: Gibt es irgendwelche gefährlichen Erkrankungen, die mit Schmerzen im After einhergehen?

Prof. Wunderlich: Ja! Einerseits das Analkarzinom. Es kommt relativ selten vor, allerdings auch in jungen Jahren. Es kann, muss aber nicht, mit Schmerzen wie bei einer Fissur einhergehen, zum Beispiel, wenn es als Geschwür im Analkanal sitzt. Wiewohl das Rektumkarzinom (= Mastdarmkrebs) in der Regel heimlich und schmerzlos wächst, kann es – sehr selten natürlich – mit Schmerzen assoziiert sein, wenn es lokal weit fortgeschritten ist oder in die sensible Zone des Analkanals

vordringt.

Natürlich muss bei jeder Schmerzmanifestation, wie auch bei allen anderen Beschwerden, ein bösartiger Tumor in der Region ausgeschlossen werden, vorzugsweise durch die Endoskopie. Dies gilt umso mehr, je älter eine Patientin/ein Patient ist.

RH: Von Kindern sagt man, sie projizieren Schmerzen von überall her in den Bauch. Gibt es das bei Erwachsenen auch, und kann es somit sein, dassSchmerz im After von einer anderen Stelle im Körper kommt?

Prof. Wunderlich: Nein. Meines Wissens nicht, und ich kenne

dazu auch keine Literatur.

Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

Fr

27

Okt

2017

Experteninterview Teil 3: Sport nach Schwangerschaft: Laufen

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Ab wann Sport und laufen wieder möglich ist und warum es keine Studien dazu gibt.

RH: Was wäre denn Ihre Empfehlung, ab wann darf man denn Sport wieder aufnehmen?

Prim. Fuith: Also ich glaube, es ist es immer gut, wenn man

nicht erst in der Schwangerschaft die Fitness und den Sport entdeckt. Wir tun uns leichter bei den Frauen, die schon vorher aktiv waren. Das sehe ich oft, dass die Frauen mit dem positiven Test beginnen die Smoothies zu trinken, gesund zu leben, ist ja eh gut, aber also körperliche Betätigung schon vor der Schwangerschaft wäre das Beste! Natürlich empfehlen wir schon körperliche Betätigung schon in der Schwangerschaft, vor allem Ausdauertraining. Da gibt es ganz klare Empfehlungen dafür welche Frauen dürfen und welche nicht. Also im

Prinzip dürfen alle, jedoch gilt für Frauen mit einer Herzerkrankung, mit einem Blasensprung, einer Plazenta Praevia ein absolutes Sportverbot. Das ist aber natürlich eh logisch! Relative Kontraindikation stellt eine schwere Anämie dar z.B. Was mir noch wichtig ist das Schwimmen in der Schwangerschaft. Hallen- und Thermalbäder bergen das Risiko einer Infektion. Da gibt es Untersuchungen dazu. Da hab ich einmal ein Gutachten geschrieben dazu. Also ich als Fachgutachter kann das nicht empfehlen, so sehr ich schwimmen empfehle, aber das Beste ist

schwimmen im Meer. Weil in der Schwangerschaft ist das Infektionsrisiko ohnehin erhöht, in der Therme ist außerdem die Wassertemperatur nicht günstig und drittens wenn sich eine Frau eine Infektion holt in der Schwangerschaft gibt es ja die Kaskade Infektion, Prostaglandin, vorzeitige Wehen etc. Das würde ich deshalb nicht empfehlen. Aber jetzt bin ich vom Thema abgekommen.

RH: Wie bald nach der Geburt Sport wieder gemacht werden darf, war die Frage.

Prim. Fuith: Also im Prinzip kann man sehr bald nach der Geburt, angepasst an den Geburtsverlauf, sehr bald kann man körperliches

Training wieder aufnehmen. Nach einem Kaiserschnitt wird man eh keine Lust haben allzu schnell zu laufen. Früher hat es auch im Bezug auf das Beckenbodentraining geheißen, dass man die ersten 6 Wochen nach der Geburt gar nichts machen darf. Da sind wir drüber hinweg. Das Beckenbodentraining kann man sofort machen. Die Frage ist, kann ich gleich das ganze Programm machen, oder muss an den Geburtsverlauf und die Situation angepasst werden. Das kommt ja aus der Traumatologie her, dass man weiß, dass zu lange Liegezeiten auch nicht günstig sind. Das kann man in Analogie auf den Beckenboden anwenden, dass die Frauen das auch gleich machen. Und was genau die Frauen dann tun können, muss man von Fall zu Fall anschauen und entscheiden.

RH: Was sind denn jetzt Risiken, wenn man zu früh wieder turnt, läuft, springt etc.?

Prim. Fuith: Ich sag so, es gibt einen kritischen Ansatzpunkt,

wenn man extreme körperliche Belastungen während der Stillphase macht. Da gibt es den Hinweis, dass das das dem Stillen nicht förderlich ist. Wie der Mechanismus ist, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich spielt da das Schwitzen mit dem Flüssigkeitsverlust auch eine Rolle. Also Marathon laufen während der Stillphase würde ich deshalb nicht

empfehlen…

RH: Und was Senkung und Beckenboden betrifft?

Prim. Fuith: Grundsätzlich ist gegen das Laufen nichts einzuwenden. Ich kenne keine Literatur, die das Laufen postpartal als negativ für den Beckenboden darstellen würde. Vieles sagt einem der Hausverstand, aber wie gesagt, Studie habe ich keine dazu. Eine solche brächte man auch durch keine Ethikkommission. Man kann ja nicht die einen liegen lassen, die zweiten Rad fahren und die dritten laufen und dann schauen, wie sich das auf den Beckenboden auswirkt. Darum gibt es da nichts,

worauf wir uns stützen können. Raten kann ich auf jeden Fall dazu, im Fall des Zweifels sich an eine spezialisierte Physiotherapeutin zu wenden, die den Beckenboden untersucht und der Frau dann gezielt in Abhängigkeit von Geburtsverlauf und Palpationsbefund beim beckenbodenschonenden Wiedereinstieg in den Sport hilft.

Prim. Fuith: Was sehr viele machen, ist das Babyschwimmen. Ich

will keiner die Freude nehmen, aber die Pilzinfektionen treten dann halt auf.

RH: Inwieweit haben Dammriss, Dammschnitt, Sectio einen Einfluss auf den Wiedereinstieg in den Sport?

Prim. Fuith: Eigentlich kann nichts passieren. Nur schmerzmäßig.

Mountainbiken würde ich bei einem Dammriss aber nicht gleich…

RH: Wie sieht es aus mit Bauchmuskeltraining nach Kaiserschnitt?

Prim. Fuith: Das werde ich oft gefragt. Man kann dabei grundsätzlich nichts falsch machen, solang man alles im schmerzfreien Bereich macht. Dann kann normalerweise nichts reißen. Ich würde halt auch hier nicht mit Gewalt trainieren und nicht wahnsinnig viel. Aber wenn ein paar Situps schmerzfrei gemacht werden, würde ich auch das nicht so dramatisch sehen. Weil nach 6 Wochen kann zwar die Bauchmuskulatur noch ein bisschen geschwollen sein, aber passieren sollte eigentlich nichts. Sonst kommen wir wieder zu der Philosophie von früher, wo man gesagt hat, ja nicht zu viel bewegen nach einer

Operation, sonst reißt alles auf. Hat man früher gesagt... Ist aber ein Blödsinn!

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

Prim. Fuith: Vielen Dank!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

Kontakt:

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

Johannes von Gott-Platz 1

7000 Eisenstadt

02682/601-3500

Lothar.Fuith@bbeisen.at

 

Ordination:

Dr. Karl Rennerstrasse 66

7000 Eisenstadt

02682/66713

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Fr

20

Okt

2017

Experteninterview Teil 2: Sport nach Schwangerschaft: Rückbildungsdauer

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Dauer der Rückbildung und was untersucht der Gynäkologe eigentlich nach 6 Wochen?

RH: Ausgehend von diesem Wissen müsste ich eigentlich den Frauen sagen, dass sie erst nach einem Jahr davon ausgehen können, dass die Strukturen wieder so sind, wie sie waren.

Prim. Fuith: Das ist aber gefährlich! Da tun die Frauen dann

vielleicht ein Jahr gar nichts. Dann warten sie das Jahr ab, damit das von selber wieder gut wird. Dann hat man aber ein Jahr für die Rückbildung verloren. In der Rückbildungszeit sollten die Frauen von spezialisierten Physiotherapeutinnen betreut werden. Da sind sie in Wien eh in einer guten Position. Aber es gibt ja österreichweit viele weiße Flecken in Bezug auf Beckenbodentherapeutinnen sprich spezialisierte Physiotherapeutinnen. Das ist uns von der MKÖ ein Anliegen, diese zu füllen, damit Frauen nach Entbindungen

sich flächendeckend an spezialisierte Physiotherapeutinnen wenden können.

RH: Wie lange brauchen diese Strukturen sich rück zu bilden nach einer Geburt?

Prim. Fuith: Also sicher einig sind wir uns darüber, dass es

mit den sechs Wochen nicht abgetan ist. Also ich glaube nicht, dass Sie ein Literaturzitat finden, wo drinnen steht, wie lang das dauert. Vielleicht hat die Kari Bo da was dazu publiziert. Die hat da am meisten dazu gemacht.

RH: Was untersucht den der Gynäkologe sechs Wochen nach der Entbindung. Was wird bei dieser Untersuchung eigentlich geschaut?

Prim. Fuith: Der macht eine Spiegeleinstellung, schaut sich

die Scheidenwände an, schaut ob Infektionen da sind, weil durch das Stillen eine ganz besondere hormonelle Situation da ist, die durchaus Infektionen fördern könnte. Dann macht er einen Krebsabstrich, weil die ganze Schwangerschaft hat er keinen gemacht, den hat er zuletzt in der

Frühschwangerschaft gemacht. Dann schaut er, ob Dammriss oder Episiotomie abgeheilt ist. Und er schaut, dass sich da in den Rissen oder dem Schnitt keine Granulationspolypen gebildet haben. Die müsste man entfernen, weil diese werden immer größer. Und er schaut im Ultraschall, ob das Cavum Uteri (Gebärmutterhöhle) leer ist, ob Plazentareste da sind. Das ist mittlerweile Standard. Man sieht dann

gleich, ob der Uterus rückgebildet ist, was man grundsätzlich auch bei der Palpationsuntersuchung sehen würde. Aber im Ultraschall sieht man es genauer.

RH: Aber es ist standardmäßig kein Beckenbodenbefund dabei? Weil ich denke, da gibt es ein großes Missverständnis. Zu mir kommen Frauen, die glauben, die Freigabe nach 6 Wochen bezieht sich auf den Beckenboden. Die denken, es sei alles in Ordnung und sie können jetzt wieder laufen gehen etc. Und dann kommt die Senkung oder der Harnverlust beim Laufen und sie verstehen das nicht.

Prim. Fuith: Die Frage ist immer, was ist in Ordnung? Bis wir das in die Geburtshilfe rein bringen… Die wollen ja schon jetzt nicht gern hören die ganzen kritischen Berichte über den protrahierten Verlauf und über die Sectio und über die Vakuum… Aber nein, es ist KEIN Beckenbodenbefund bei dieser Untersuchung dabei!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

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Fr

13

Okt

2017

Experteninterview Teil 1: Sport nach Schwangerschaft und Geburt

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Veränderungen durch Schwangerschaft und Geburt

RH: Es gibt immer mehr Frauen, die nach der Geburt wieder sehr schnell sportlich aktiv werden wollen. Ich denke, interessant wäre es hier vorher zu überlegen, welche Gewebe durch Schwangerschaft und Geburt verändert werden.

Prim. Fuith: Es ist in erster Linie die Bauchmuskulatur, die

ja durch den Druck der Gebärmutter und des Kindes verändert wird. Da kann es zu einer Rektusdiastase kommen. Es kann auch ein Nabelbruch entstehen. Ich bin sehr stark der Meinung, dass man einen Nabelbruch nicht sofort operieren muss, sondern abwarten soll. In der Schwangerschaft ist der Nabelbruch relativ harmlos, da sollte nichts passieren, weil die Gebärmutter ja die Gedärme weg drängt. Aber

nach der Schwangerschaft kann sich da der Darm hinein bewegen und das abzwicken und da ist zu überlegen, ob man das nicht gleich mit einem etwaigen Kaiserschnitt mit korrigiert. Aber sonst bin ich der Meinung, dass man nicht jeden kleinen Nabelbruch, gleich operieren muss.

RH: Das waren jetzt die Außergewöhnlichen Veränderungen. Was ist mit den normalen, also mit denen, die bei jeder Schwangerschaft statt finden. Den physiologischen Veränderungen?

Prim. Fuith: Wenn man da nach einer Geburt die Nachkontrolle

als Gynäkologe macht, und die Spiegeleinstellung macht, dann sind einfach die Scheidenwände ganz anders. Die Festigkeit ist nicht im gleichen Masse da, es ist eine kleine Senkung da. Eine Senkung der

Scheidenwand. Der Scheideneingang ist ja normalerweise kaum geöffnet. Das ist nach einer Geburt etwas häufiger. Der Fachausdruck dafür ist eine „klaffende Vulva“. Das ist, wenn die immer ein bisschen geöffnet ist. Das sieht man in sehr vielen Fällen. Außer beim Kaiserschnitt. Da erzählen viele Patientinnen nach Entbindung sie baden sich, stehen auf, trocknen sich ab und dann kommt noch ein Schwall. Das ist ein Indiz. Aber zurück zu den anatomischen Veränderungen: Eine kleine Senkung ist immer zu finden.

RH: Ich habe in der Ausbildung gelernt, dass ein Band zur Heilung 365 Tage braucht. Ist denn der Halteapparat der Gebärmutter mit den Bändern im orthopädischen Sinnen vergleichbar? Brauchen die demnach auch so eine lange Zeit zur Regeneration? Die Gebärmutter zieht sich ja nach der Geburt sehr schnell wieder zusammen. Tun das diese Strukturen auch?

Prim. Fuith: Das ist eine Kombination. Das sind einerseits

Muskelstrukturen, aber es sind auch Sehnenstrukturen dabei. Also das ist eigentlich gemischt.

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

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Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

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Fr

06

Okt

2017

"Blockiert auf allen Ebenen" MKÖ Jahrestagung 2017 20.-21.Oktober Linz

Unter dem Titel "Blockiert auf allen Ebenen" findet die diesjährige MKÖ Jahrestagung in Linz statt, bei der es um alle Formen von Entleerungsstörungen geht.

Ursachen und Formen

Das Programm beginnt nach einigen spannenden Salons am Freitag Vormittag mit der Suche nach Gründen für Blockaden der Organe des kleinen Beckens. Diese können durch sexuellen Missbrauch ausgelöst werden, aber auch durch Körperwahrnehmungsstörungen begründet sein oder organische Ursachen haben. Äußern können die Probleme sich als sexuelle Störungen wie etwa Erektile Dysfunktion aber auch als Entleerungsstörung des Darmes oder der Blase.

Abklärung und konservative Therapie

Der Freitag Nachmittag wird den Möglichkeiten der Abklärung und konservativen Therapieansätzen gewidmet, während der Samstag ganz im Zeichen der chirurgischen Maßnahmen bei Entleerungsstörungen steht.

Es verspricht wieder einmal eine spannende und lehrreiche Tagung zu werden. Berichte folgen...

Fr

29

Sep

2017

Buchempfehlung: Beckenbodentraining für Männer

2013 die 4. Auflage des Beckenbodentrainingsbuches von der deutschen Beckenbodenphysiotherapeutin Ute Michaelis für Männer erschienen. Das alleine zeigt, wie groß die Nachfrage nach einem solchen Buch ist. Die Autorin geht darin ganz gezielt auf den häufigsten Grund für Harninkontinenz beim Mann ein: das Prostatakarzinom

Theorie zu Erkrankung und Anatomie

In den ersten zwei Kapiteln geht die Autorin auf Tumorarten, deren Klassifikation und Harninkontinenzformen ein. Es folgt ein weiteres Theoriekapitel zum Thema Beckenboden, bevor es in medias Res geht.

Von leicht zu schwer

Über die Atmung und Wahrnehmung tastet sich das Buch an den Beckenoden heran. Auch ein Entspannungsteil wird eingebaut, bevor es mit dem eigentlichen Beckenbodentraining los geht. Bis Seite 40 werden Grundübungen gemacht, danach gibt es ein eigenes Programm für jeden Tag.

Viele Übungen

Es ist eine beeindruckende Übungssammlung, die die Autorin da zusammen getragen hat, nicht jeder wird sich aber so viele Übungen merken können und im Tageswechsel durchführen wollen. Deshalb ist das Kapitel "Üben a la carte" besonders wertvoll, da es auch einen Übungsteil "für Eilige" bereitstellt.

Eigener Abschnitt zur erektilen Dysfunktion

Ein wichtiges Thema stellt für viele Männer nach Prostataoperation die veränderte Sexualität dar. Frau Michaelis hat deshalb ein eigenes Kapitel mit Übungen zum Trainieren der Potenz und Erektionsfähigkeit eingebaut.

Do

21

Sep

2017

Teil 2: Experteninterview Harninkontinenz nach Schwangerschaft und Geburt

Teil 2: Prim. Fuith über Risikofaktoren, Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten bei Harninkontinenz nach Schwangerschaft und Geburt

Aus Studien wissen wir, dass viele Frauen schon in der Schwangerschaft an Harninkontinenz leiden. Bei vielen bleibt sie auch nach der Geburt bestehen. Über Zahlen, Risikofaktoren und Therapieoptionen habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

RH: Gibt es Risikofaktoren eine Harninkontinenz

nach Schwangerschaft zu bekommen?

Prim. Fuith: Ja! Das ist der „traumatische Geburtsverlauf“ also die Zangengeburt oder eine schwere Vakuumextraktion. Und die protrahierte Austreibungsperiode zählt ebenfalls zu den Risikofaktoren. Das sind die Fakten. Klar, dann noch die Adipositas und das Alter der Mutter, Inkontinenz schon in der Schwangerschaft, höhergradige Dammrisse. Vor allem auch in Richtung der Stuhlinkontinenz sind höhergradige Dammrisse ein Problem. Also da gibt es Risikofaktoren. Die Frage ist, wie sind die zu vermeiden? In den letzten Jahren war immer der Hauptfokus die Gesundheit des Kindes! Natürlich. Aber die Gesundheit der Mutter gehört auch dazu. Die kommt ja gar nicht oft vor in geburtshilflichen Vorträgen. Der traumatische Geburtsverlauf ist ja nur Thema, wenn mit dem Kind was ist. Aber dass der dann auch ein Fakt für die Mutter ist, wird nicht häufig thematisiert, vielleicht

auch nicht gerne. Also unter traumatischem Geburtsverlauf versteht man Vakuumextraktion oder Forceps.

 

Und es ist offenbar besser, da gibt es mehrere Publikationen dazu, einen protrahierten Geburtsverlauf mit einer Vakuumextraktion zu verkürzen, als das bis zum letzten Exzess durchzustehen. Und ich sag es nochmal. Da müssen wir auch die Hebammen ins Boot holen, das muss ich jetzt leider kritisch sagen. Ich bin kein Kaiserschnitt-beführworter, aber man muss schon eines sagen: Nur zu sagen, wir

schaffen das noch und jetzt hängen wir noch eine Stunde bei der

Austreibungsperiode dran. Wir wissen was am Beckenboden passiert. Der Beckenboden, das sind Muskel, die bekommen durch den langen Druck des kindlichen Kopfes Schäden. Ich mach mir da Sorgen! Und als Arzt muss ich mich nach den Fakten richten, die wir aus Studien kennen. Der Arzt muss sich sowohl für das Wohl des Kindes, aber auch um jenes der Mutter sorgen.

 

Die unbefriedigendste Kombination für eine Frau, aus meiner Sicht ist, eine „halbe vaginale Geburt“ und „eine ganze Sectio“. Mit diesen Frauen machen wir an unserer Abteilung in jedem Fall ein Aufarbeitungsgespräch, weil hier viele offene Fragen sind. Was auch zu Unzufriedenheit im Ärztepersonal führt. Weil da sagen mir dann meine Assistentinnen und die Hebamme: „Wir haben uns bemüht, aber das ist dann eben nicht gegangen, weil das Kind hat nicht mit gemacht, und dann hat die Frau doch noch die Sectio gebraucht.“ Da besprechen wir den Verlauf noch mal. Und dann erklären wir, dass die Frau sich sehr, sehr geplagt hat, das Kind aber trotzdem noch nicht weit genug unten war, um mit der Saugglocke zu helfen und dass es noch 2-3 Stunden gedauert hätte und wir dieses Risiko für das Kind und den mütterlichen Beckenboden nicht eingehen konnten. Das verstehen die Frauen dann. Der Großteil zumindest. Manche fragen, warum wir das nicht früher gewusst haben. Aber das ist die Ausnahme. Die meisten verstehen es dann.

 

Aber bezüglich der Inkontinenz habe ich vorhin noch vergessen zu sagen. Es ist ja so, dass Frauen, die einen Kaiserschnitt haben, auch inkontinent werden können. Die Quote ist folgendermaßen: Nullipara (Frauen, die kein Kind geboren haben) haben mit 65 am wenigsten Inkontinenz. Frauen, die eine Sectio (Kaiserschnitt) hatten, die haben schon ein bisschen mehr. Und die mit einer oder mehr Geburten

haben noch mehr Inkontinenz. Im höheren Alter verwischen sich die Zahlen immer mehr. Das kann man ganz emotionslos sagen. Im Alter kommt vieles andere noch dazu.

RH: Kann man vorbeugend etwas gegen Harninkontinenz

nach Schwangerschaft tun?

Prim. Fuith: Ja! Ich sag es nochmal. Wenn Beckenbodentraining therapeutisch einen Sinn hat, dann gehen wir davon aus, dass es auch prophylaktisch einen Sinn hat. Da gibt es ja auch Daten, also Studien dazu, die das belegen.

RH: Wenn eine Frau nun betroffen ist, an wen kann sie sich wenden? Wer ist die erste Anlaufstelle?

Prim. Fuith: Da wird es schon schwierig! Ich sag jetzt mal so, ich fürchte dass die niedergelassenen Gynäkologen das Thema gar nicht ansprechen, oder ansprechen wollen. Das ist ein großes Problem. Grundsätzlich wäre, wenn man nicht schon vorher im Geburtsvorbereitungskurs informiert wird, dass man vor der Geburt und nach der Schwangerschaft das machen soll, das Beckenbodentraining, wäre natürlich der niedergelassene Arzt oder die Ärztin, schon eine Ansprechstelle, aber ich habe auch kein Problem, wenn sich die Frauen direkt an Sie wenden. Was ja auch häufig passieren wird. Aber da sind wir wieder bei einem anderen Thema, es gibt Studien, dass ja nicht

einmal die Hälfte der Patientinnen, die Harninkontinenz haben, das dem Hausarzt offenbaren. Also bis eine Frau das raus rückt, vergehen Jahre.

RH: Wir gehen davon aus, die Frau hat den Weg zur Therapie gefunden. So, und jetzt wird sie allen Erwartungen zum Trotz nicht wieder kontinent? Ab wann muss da genau geschaut werden und was wird dann geschaut?

Prim. Fuith: Da muss man dann eine so genannte Urodynamik machen. Damit kann man genau schauen, wo ist das Problem. Sie muss jetzt nicht den wahnsinnigen Deszensus haben, ein schwacher Verschlussdruck, eine hypotone Urethra, oder es kann mit Nervenverletzungen zu tun haben. Wenn die Therapie mit Beckenbodentraining, welches konsequent über Monate durchgeführt wurde, nicht anschlägt, dann ist für die Frau ein von der MKÖ zertifiziertes Beckenbodenzentrum zuständig. Da gibt es in Wien eines. Und was die nicht selber wissen, werden sie sich die Expertise dazu holen. Zum Beispiel wenn Urologe oder Gynäkologe eine Nervenverletzung vermuten, werden sie einen Neurourologen beiziehen. Weil das ist ja der Sinn eines Beckenbodenzentrums.

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

Prim. Fuith: Vielen Dank!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

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Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

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Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

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Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

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Do

14

Sep

2017

Teil 1: Experteninterview Harninkontinenz nach Schwangerschaft

Teil 1: Prim. Fuith über Zahlen, Formen und was normal ist nach Schwangerschaft und Geburt...

Aus Studien wissen wir, dass viele Frauen schon in der Schwangerschaft an Harninkontinenz leiden. Bei vielen bleibt sie auch nach der Geburt bestehen. Über Zahlen, Risikofaktoren und Therapieoptionen habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

RH: Wie viele Frauen sind von Harninkontinenz nach

Schwangerschaft bzw. Geburt betroffen?

Prim. Fuith: Viele! Mindestens 30% haben in der Schwangerschaft schon Harn verloren. Das wissen wir aus sehr großen Studien mit 10.000 Teilnehmerinnen aus dem skandinavischen Raum. Das ist nicht so wenig. Aber das sind allesamt ehr große Studien. Und man weiß, dass die Frauen, die schon in der Schwangerschaft betroffen sind, dann auch ein erhöhtes Risiko haben danach inkontinent zu sein, bzw. zu bleiben. Da muss man etwas tun. Ich bin der Meinung, man sollte jedoch auf gar keinen Fall unmittelbar nach der Geburt an irgendeine Operation denken. Das wird gelegentlich gemacht, das halte ich aber für Unnsinn. Man muss auf jeden Fall dem Gewebe Zeit geben, sich zu erholen und Beckenbodentraining machen. Da ist dann wieder Ihre Berufsgruppe gefragt.

RH: Welche Formen treten denn überhaupt auf nach

Schwangerschaft und Geburt?

Prim. Fuith: Hauptsächlich die Belastungsinkontinenz. Aber auch die überaktive Blase kann eine Rolle spielen. Aber nach der Entbindung ist es dann die Belastungsinkontinenz. Und man muss auch dazu sagen, wenn man nach den 6 Wochen die postpartale Nachkontrolle macht, sieht man schon auch Senkungszustände, die Sie dann ein Jahr später so nicht mehr sehen. Das heißt, das Gewebe kann sich noch erholen.

RH: Woher weiß eine Frau, dass sie eine Belastungsinkontinenz hat?

Prim. Fuith: Das häufigste Symptom ist, beim Husten und Niesen, Harn zu verlieren. Aber natürlich nur, wenn die Blase gefüllt ist. Also zum Beispiel beim Heben vom Kind.

RH: Was ist denn nun normal? Wenn 30% danach inkontinent sind?

Prim. Fuith: Das ist eine schwierige Frage. Also ich sag, ich würde jetzt nicht jeden Harnverlust, der nach einer Geburt auftritt, pathologisieren. Ich würde das nicht überbewerten. Aber die Frauen sollen ihren Beckenboden trainieren, die Erstgebärende ist da besonders gefährdet. Auch Frauen mit Dammrissen brauchen unbedingt eine Physiotherapie. In England bekommt eine Frau, die eine Dammriss III oder höher hatte auf jeden Fall im Rahmen des stationären Aufenthaltes einen Kontakt mit der Physiotherapie. Wenn Wochenende ist, dann muss die Frau dort anschließend zu Hause sogar kontaktiert werden, um einer Physiotherapie zugeführt zu werden. In Österreich undenkbar. Bei uns wollen auch sehr viele Frauen am ersten Tag nach Haue gehen. Aber die wissen sozusagen gar nicht, was sie da wollen. Weil dann braucht man ein Umfeld. Also eine betreuende Hebamme! Natürlich kann jede Frau heim gehen, wann sie will! Aber wer macht die Bilirubin Kontrollen beim Kind, wer macht den Hörtest, wer macht die Physiotherapie?

RH: Wann muss es aufgehört haben?

Prim. Fuith: Wenn er in den ersten Wochen auftritt, okay, aber wenn das nach einem halben Jahr oder Jahr noch immer ist, dann muss man schon überlegen.

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

Prim. Fuith: Vielen Dank!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

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Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

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Do

07

Sep

2017

Experteninterview zum Thema Rektumprolaps

Der Chirurg Dr. Thomas Filipitsch über Gründe, Symptome, operative und konservative Therapieoptionen sowie Vorbeugung gegen Rektumprolaps.

RH: Was ist ein Rektumprolaps?

Dr. Filipitsch: Beim Rektumprolaps kommt es zu einer teilweisen

oder kompletten Einstülpung der Mastdarmschleimhaut. Am häufigsten ist die Vorderwand betroffen, die sich Richtung Scheide hin ausdehnt und beim Pressen nach innen kippt. Bei fortgeschrittenen Fällen betrifft es auch die Hinterwand und schlussendlich mobilisiert sich die ganze Schleimhaut und diese rutscht in Richtung Analkanal oder sogar heraus.

RH: Was sind die Symptome bei einem Rektumprolaps?

Dr. Filipitsch: Patienten bemerken anfangs ein Blockadegefühl bei

der Stuhl-Entleerung, es wird versucht vermehrt mit zupressen was die Situation verschlimmert. Der Stuhl wird dünner im Durchmesser – sogenannter Bleistiftstuhl – das Gefühl der unvollständigen Entleerung nimmt zu. Beim echtem Prolaps ertastet der Patient/die Patientin die Schleimhaut beim Reinigen und glaubt zumeist an Hämorrhoiden. Viele Betroffene drücken dann die Schleimhaut wieder zurück. Durch oberflächige Einrisse in der Schleimhaut kann es zu leichten Blutungen kommen.

RH: Was sind die Gründe/Risikofaktoren einen Rektumprolaps zu bekommen?

Dr. Filipitsch: Risikofaktoren sind jahrelange Verstopfung mit gewohnheitsbedingtem Pressen, sowie vaginale Geburten oder die Entfernung der Gebärmutter, da hierbei eine wichtige Stützstruktur im Becken zerstört wird. Aber auch eine angeborene Bindegewebsschwäche und Übergewicht begünstigen den Vorfall.

RH: Kann man vorbeugen? Und wenn ja wie?

Dr. Filipitsch: Treffen diese Risikofaktoren zu, sollte schon

frühzeitig mit Beckenbodengymnastik begonnen werden, dies am besten unterstützt und kontrolliert von einer speziell geschulten Physiotherapeutin. Dies ist wichtig, da ein Großteil der Betroffenen das kontrollierte Anspannen des Schließmuskels nicht mehr beherrschen.

 

Wesentlich ist auch die richtige Stuhlregulation, aber ohne Abführmittel! Sogenannte Wassertransporteure in Granulatform können unbedenklich auch dauerhaft eingenommen werden.

 

Entleerungshilfen wie Co2 Zäpfchen oder Klistiere können ebenso gut zu einer einfachen Entleerung helfen, wie Wasser.

RH: Was wird bei Verdacht auf Rektumprolaps untersucht und wie geht das vor sich?

Dr. Filipitsch: Die Abklärung ist einfach: Durch eine schmerzlose

Inspektion mit einem dünnen Rohr, der Rektoskopie, kann die Bewegung der Mastdarmschleimhaut beobachtet werden. Zumeist ist noch ein Spezialröntgen ergänzend erforderlich.

RH: Wann muss man sich unbedingt operieren lassen?

Dr. Filipitsch: Reichen die beschriebenen Maßnahmen zur

Erleichterung der Entleerung nicht aus, entscheidet der Leidensdruck zum Einen und das objektive Ausmaß des Vorfalls andererseits über die Empfehlung zur Operation.

RH: Wie sieht die operative Therapie aus?

Dr. Filipitsch: Wird eine Operation überlegt, unterscheidet man Verfahren von unten, heißt durch den Analkanal hindurch und Bauchoperationen. Da das Operationsrisiko einer Bauchoperation naturgemäß höher ist, kommen zumeist als 1. Schritt peranale Verfahren zum Einsatz.

 

In Abhängigkeit vom Ausmaß gibt es unterschiedliche Techniken die Schleimhaut oder auch darunter liegende Schichten des Darmes zu raffen und damit wieder zu festigen. Durch eine Bauchspiegelung kann der Mastdarm gestreckt werden, oder auch ein Darmstück mit entfernt werden.

RH: Wie sieht die Prognose bei Rektumprolaps aus?

Dr. Filipitsch: Der Darm ist ein sehr bewegliches Organ,

dementsprechend kann die Entleerung sich nach Jahren auch wieder

verschlechtern. Besonders wenn die Stuhl-Gewohnheiten weiterhin nicht geändert werden. Eine Beckenbodenreedukation durch eine spezialisierte Therapeutin bei dem eine Darmentleerung mit effektiver

Bauchpresse und ökonomischem Einsatz der Beckenbodenmuskulatur wieder erlernt wird, kann hier hilfreich sein.

RH: Wie kann man einen Rektumprolaps verhindern bzw. ein Rezitiv hint an halten?

Dr. Filipitsch: Begleitend sind jährlich Kontrollen ein wesentlicher Punkt um eine Verschlechterung frühzeitig zu bemerken, ebenso wie

das absolut wichtige professionelle Beckenbodentraining zur Unterstützung der Muskulatur.

OA Dr. Thomas Filipitsch

 

1991 Promotion

 

1991-1994 Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin am KH Hollabrunn mit Jus practicandi

 

 

1995 Notarztdiplom

1994-1997 Ausbildung zu FA für Chirurgie am KH Hollabrunn bei Prof. Dr. Wunderlich

1995 Unfallchirurgische Gegenfach-Ausbildung am KH Mistelbach

1995 Handchirurgisches Diplom

1996 Plastische und Wiederherstellende Gegenfachausbildung AKH Wien

1997-2000 Universitätsassistent an der UNI-Klinik Wien, Abt. für Allgemeinchirurgie am AKH Wien

1998 Kinderchirurgische Gegenfach-Ausbildung

1999 Anästhesien und Intensivmedizinsche Gegenfach-Ausbildung

2000 Facharztdiplom

2000-2003 Oberarzt an der chirurgischen Abteilung am KH der Barmherzigen Brüder, Wien 2

 

seit 2003 Oberarzt am Evangelischen KH, Wien 18

 

Vortragstätigkeiten bei nationalen und internationalen Kongressen und SymposienMedizinische Publikationen in nationalen und internationalen Journals

 

Mitglied der österreichischen Facharztprüfungskommission

Do

31

Aug

2017

Selbsthilfe bei Harninkontinenz: Mein Beckenbodenbuch

Immer wieder erhalte ich Anfragen, welches Buch ich empfehlen könne, um selbstständig Beckenboden zu trainieren. Hier eine Empfehlung für Frauen: "Mein Beckenbodenbuch" von der deutschen Physiotherapeutin Franziska Liesner. Im Folgenden kurz vorgestellt.

Schlankes Format: mit Anatomie, Funktion und Selbsttest

Ich mag es, wenn Selbsthilfebücher schlank und in kurzen Textblöcken gehalten sind. Wenn ich es aufschlage, möchte ich das Gefühl haben, innerhalb der nächsten 10 Minuten die erste Übung machen zu können. Denn schließlich hat man ja nicht ewig Zeit! Franziska Liesners Buch erfüllt diesen Anspruch. Trotzdem erhält man eine gute Einführung in Anatomie und Funktion des weiblichen Beckenbodens.

Besonders gelungen finde ich die Selbsttests, die es einem ermöglichen sollen, die eigene Beckenbodenfunktion einzuschätzen. Abgefragt werden sowohl Harn- als auch Stuhlinkontinenz sowie Alltagsfunktion sowie Muskeltests, deren Ergebnisse einem Anweisung sind, welche Übungen man machen soll. Dies finde ich besonders hilfreich. Schließlich kann man ja nicht ständig ALLE Übungen machen.

Übungsprogramm: Wahrnehmung, Langsame, Schnelle, Rumpfkapsel

Je nach Ergebnis der Tests muss man sich eine vorgegebene Anzahl von Übungen aus den Kategorien "Wahrnehmung", "Langsame Muskelfasern", "Schnelle Muskelfasern" und "Rumpfmuskulatur" aussuchen.

Spezielle Features: Kapitel Sexualität, Folder und Erinnerungssticker

Zusätzlich gibt es ein kurzes Kapitel zum Zusammenhang Sexualität und Beckenboden, sowie einen Folder, auf dem die wichtigsten Übungen zusammengefasst sind, sowie Erinnerungssticker für die Integration der Übungen in den  Alltag.

Fazit: Ein hilfreiches Buch, welches kurze Erklärungen und klare Handlungsanweisungen gibt. Viel Erfolg beim Üben!

Do

24

Aug

2017

Beratung bei Harn- und Stuhlinkontinenz: 0810 100 455

Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich betreibt ein Beratungstelefon für Menschen, die lieber am Telefon sprechen, als im Internet zu lesen. Hier eine kurze Vorstellung der MKÖ und ihres Servieces

Die MKÖ: Ärzte, Schwestern (KSB) und PhysiotherapeutInnen

Bei der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs handelt es sich um einen Zusammenschluss von Ärzten, Krankenschwestern und Physiotherapeutinnen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie in ihrem Beruf mit dem Thema Inkontinenz arbeiten. So handelt es sich bei den Ärzten um Fachärzte aus den Bereichen Urologie, Gynäkologie und Chirurgie (Enddarmchirurgie - Proktologie).

KSB - Kontinenz- und Stomaberatung

Bei den in der MKÖ vertretenen Krankenschwestern handelt es sich um so genannte Kontinenz- und Stomaberaterinnen. Diese haben zu ihrer Diplomkrankenschwesternausbildung einen eigenen Lehrgang im Bereich der Kontinenz- und Stomaberatung absolviert. Die Versorgung mit Hilfsmitteln im Zusammenhang mit Harn- und Stuhlinkontinenz sowie die Einschulung auf spezielle Geräte zählt zu ihren Aufgaben.

Physiotherapeutinnen

Die in der MKÖ vertretenen Physiotherapeutinnen sind ebenfalls spezialisiert. Sie haben sich in speziellen Fortbildungen auf die Diagnose und Therapie jener Muskelgruppe spezialisiert, die für Erhaltung und Wiedererlangung der Kontinenz ausschlaggebend ist: Der Beckenboden.

Diese Physiotherapeutinnen haben spezielle Untersuchungsmethoden und führen sowohl ein geräteunterstütztes (Biofeedback und Elektrostimulation) wie auch ein herkömmliches Beckenbidentrainign durch - je nach Bedarf.  

Das Telefon: 0810 100 455

Am Beratungstelefon erhalten Sie Informationen darüber, an welchen Arzt oder an welches Beckenbodenzentrum Sie sich mit Ihrem Problem wenden können. Sie erhalten auch Informationen darüber wie und wo Sie Hilfe von einer KSB bekommen können. Die MKÖ verfügt auch über eine Liste von spezialisierten Physiotherapeutinnen in allen Bundesländern, die man sich zusenden lassen kann. Abgehoben wird das Telefon von einer Mitarbeiterin, bei der man nicht nur schriftlich vorliegende Informationen bestellen kann, sondern die einen auch an  spezialisierte Ärzte und Ärztinnen, Pflegefachkräfte und Physiotherapeutinnen weiter leitet.

Fr

18

Aug

2017

Gründe für Inkontinenz: Warum Pressen schlecht für den Beckenboden ist

Gleich vorweg: Da Inkontinenz mehrere Gründe haben kann, von denen einige (wenige) gefährlich sind, müssen Sie jede (!) Inkontinenz von einem spezialisierten Arzt abklären lassen!

Häufig wird nach den Gründen für Inkontinenz und damit einhergehenden Erkrankungen wie Darmvorfall, Organsenkung etc. gefragt. Ein Grund, warum Inkontinenz auftritt und der Beckenboden nicht richtig arbeiten kann ist vermehrtes Pressen beim Stuhl- bzw. Harnentleeren. Lesen Sie hier warum dieses den Beckenboden schädigt.

Verhindert das Absinken

Der Beckenboden ist Teil unseres Kontinenzsystems. Er ist jene Muskelschicht, die unsere Organe daran hindert unten aus uns raus zu fallen und unser Becken nach unten hin abschließt. Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskelschichten, in die die Schließmuskeln von Darm und Blase eingebettet sind.

Aufgaben bei der Entleerung

Bei der Entleerung von Darm- bzw. Blase hat der Beckenboden konkrete Aufgaben zu erfüllen. Beispielsweise muss er in der zweiten Phase der Darmentleerung nachgeben, um den Enddarm zu begradigen und so den Weg frei zu machen für die austretende Stuhlsäule. In der letzten Phase der Darmentleerung hebt er sich und spannt an, um dem Schließmuskel beim zuschnüren zu helfen.

Sicherung der Organposition

Wenn der Beckenboden anspannt zieht er die Organe des kleinen Beckens nach oben. Ein kräftiger Beckenboden unterstützt somit Blase, Gebärmutter und Darm darin, gegen den Einfluß der Schwerkraft an ihrem Platz zu bleiben.

Der Teufelskreis des Pressens

Jener Nerv, der den Beckenboden versorgt (N. Pudendus) und indem dieser zum Teil verläuft,  wird beim Pressen infolge der Dehnung des Beckenbodens gedehnt. Nerven reagieren jedoch empfindlich auf eine Überdehnung. Mit der Zeit schädigt das Pressen den Nerv. Die Beckenbodenfunktion wird dadurch schlechter. Man spürt schlechter, ob man den Beckenboden anspannt, spürt schlechter, ob der Darm gefüllt ist und der Beckenboden verliert an Kraft. Durch die verschlechterte Sensorik (Rückmeldung über die Nervenbahnen ans Gehirn) wird beispielsweise der peristaltische Reflex des Darmes gehemmt, dadurch entspannt der innerer Schließmuskels des Darmes nicht, und man muss umso mehr pressen um den Stuhl abzusetzen...

Was wenn nicht pressen?

Viele Patienten fragen mich, was sie tun können, anstatt zu pressen. Eine Reihe von Alternativen stehen hier zur Verfügung. Über Ernährung, Trinkverhalten und eventuell Medikamente kann die Stuhlkonsistenz beeinflußt werden. Bei der Darmentleerung ist auf die richtige Position und die richtige Technik zu achten. Und natürlich soll die an der Entleerung beteiligte Muskulatur gekräftigt werden, um diese zu erleichtern. Fragen Sie Ihre Beckenbodenphysiotherapeutin, wie das geht!

Fr

11

Aug

2017

Die Kurse der Beckenbodenphysios, die Profis in Sachen Beckenbodentraining, Inkontinenz und Rückbildung

Von Physiotherapeutinnen geleitete Beckenboden- und Rückbildungskurse sind gar nicht so einfach zu finden. Deshalb gibt es nun einen Liste auf Pelvipedia, die die Suche erleichtern soll.

Da die Liste sich leider in der Mobilen Ansicht verschiebt, gibt es sie nun zweimal: einmal als Bilddatei, einmal als Tabelle. Sorry, für das Chaos...!

Kursort u. Leitung

Baden

VHS Johannesgasse 9

 

Doris Necker

 

www.physiotherapie-

necker.at

 

 

 

 

 

 

 

1010 Wien

Burggarten

 

Brigitte Schinkinger(Treffpunkt Palmenhaus) und

 

1180 Wien Türkenschanzpark

Franziska Severino

 

 

weitere Angebote siehe:

 

www.runningclinic.at

1080 Wien

Lerchengasse 21/7

 

Rita Hochwimmer

(dzt. vertreten v.

Kathrin Haunschmid)

 

www.daslebeninbewegung.at

 

 

 

 

 

 

 

1130 Wien

 

St. Josef Krankenhaus

 

Brigitte Drs

 

www.bd-physio.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1160 Wien

 

Weinheimergasse 4/1/5

Praxis Leben-Bewegen

 

Christine Stelzhammer

 

www.praxis.pm

 

http://stelzhammer.net/beckenboden.html

 

 

 

 

5203 Köstendorf b. Sbg.

 

Matthäus Wieder Str. 22

 

Monika Siller

 

 

 

 

 

 

5203 Köstendorf b. Sbg.

 

Matthäus Wieder Str. 22

 

Monika Siller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Innsbruck

 

An der Lanstr. 41/

Mutter-Kindberatung

 

Alexandra Steinlechner 

 

 

 

 

 

 

6323 Bad Häring, Tirol

Dorfstrasse 13

 

Ulli Steiner

 

ulli.steiner@gmx.at

Kursart

BeBo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rück-

bildung

 

im Freien

mit Kinder-wagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo

 

und

 

Rück-

bildung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückbild-ung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburts-vorbe-reitungs-kurs (mit interdiszplinärem Team)

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückbildungsgruppe /BBGruppe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo und Rückbild-ung

 

 

  

Preis/Beginn

140,-

 

Dienstag

26.9.2017

 

17:30-18:20

 

Anmeldung:

 

02252/88990 oder od. Internet (www.vhs-baden.at)

Schnuppern €5
Einzelstunde €15
10ner Block(übertragbar/ kein Ablauf-datum ) €130

 

Mittwoch

10:00-11:00

(Burggarten)

 

Freitag

13:00-14:00

 

Anmeldung:

nicht notwendig

150,-

 

(10 Einheiten)

 

Montag

4.9.2017

 

18:00- 19:00

 

Montag

4.9.2017

 

19:00 - 20:00

 

Anmeldung:

 

0660/56 30 351

125,-

 

(7 Einheiten)

Mittwoch

4.10.2017 - 22.11.17,

 

16:30-17:30

Anmeldung 
01/878 44-5170,  office-gz@sjk-wien.at
oder:
0676 342 13 05
praxis@bd-physio.at

120,-

(10 Einheiten in Folge)

 

150,-

(10 Einheiten nach Wahl)

 

Montag 

4.9.2017

18.15 - 19.10h

 

Anmeldung:  

Tel: 0664 - 263 05 08
oder: physio@praxis.pm

100,-

(5 Abende)

 

Dienstag 18:00 - 19:00 (3. 10. - 7.11.// 14.11. - 12.12.)

 

Anmeldung:

mail: monika.siller@gmx.at

  

150,-

(6 Abende und ein Babytreff nach der Geburt - 1 Vormittag )

 

Dienstag 19:15 - 21:00 (26. 09. - 7.11.// 14.11. - 19.12.)

 

Anmeldung:

mail: monika.siller@gmx.at

4 € pro Teilnahme

 

Dienstag 10:00-11:00

 

Anmeldung:

nicht erforderlich

 

bei Fragen:

Alex@steinlechners.at

Dzt. Kurse nur auf Anfrage

 

 

 

 

 

Beschreibung

Kräftigung  Beckenboden-,

Bauch-, Bein-

u. Rumpf-

muskulatur

Beckenboden-schonendes AlltagsverhaltenToilettentraining Venengym.

Entspannungs-

übungen

 

 

Rückbildung: Moms Back on Track

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kräftigung  Beckenboden-,

Bauch-, Bein-

u. Rumpf-

Muskulatur nach dem Heller Konzept zu Beckenodendys-funktion und Rückbildung.

Beckenboden-schonendes Verhalten im Alltag,

Entspannungs-

Übungen,

 

Kraft aus dem Becken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Training für Frauen in der Altersgruppe

50 plus
mit Schwerpunkt Beckenboden, der Kurs nimmt WS und Hüfte mit dazu

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückbildungs-kurs für Frauen nach Vag. Geburten und Kaiserschnitten

geschlossener Kurs / ohne Kinder

 

 

 

 

 

Frauenkurs mit 1 Paarabend; Monika Siller (Physiotherapeutin) gemeinsam mit Ingrid Schwab (Hebamme) und Angelika Kofler-Gutfertinger (Stillberaterin, DKGS)

 

 

 

 

Schwerpunkt: Grundlegende Kenntnisse der
BB Muskulatur werden vermittelt.

Allgemeine Übungen von
Anfänger bis Fortgeschrittene

 

 

 

Dzt. Kurse nur auf Anfrage

 

 

 

 

 


Do

03

Aug

2017

Experteninterview Teil 3: Organsenkung: Totalprolaps, Prognose und Operation

 

Teil 3: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Operationsindikation, was tun bei Totalprolaps, Prognose, Operationsmethoden

RH: Wann muss denn auf alle Fälle operiert werden?

Prim. Fuith: Wenn die Frauen rezidivierende Harnwegsinfekte haben, wenn sie einen Totalprolaps (Muttermund kommt bis unter den Hymenalsaum) haben, dann ist aus meiner Sicht die Operation unumgänglich. Denn so was hat ja gewaltige Auswirkungen auf die

Harnentleerung. Da gibt es jetzt neue Methoden, bei denen man den Uterus nicht entfernen muss, dieser ist ja nicht erkrankt. Man befestigt den Uterus beidseitig an einem Band des Beckens. Das ist eine Entwicklung der letzten Jahre und hat laut Studien gleichwertige Erfolge wie die Komplettentfernung der Gebärmutter. Und die Komplikationen sind relativ gering.

RH: Wenn eine Frau nun akut eine Totalprolaps erleidet, wie soll sie sich dann verhalten? Muss sie mit der Rettung ins Spital?

Prim. Fuith: Nein. Das ist ja eher kein lebensbedrohlicher Notfall, wenn auch sehr unangenehm. Die Frau kann, wenn sie sich traut versuchen den Prolaps oder die prolabierte Scheidenwand selbst wieder nach oben zu schieben. Es kann dabei nichts geschehen, außer dass es nicht gelingt. Man braucht da ein bisschen Übung dazu. So oder so, anschließend soll die Frau sich an einen urogynäkologisch versierten Facharzt oder eine urogynäkologische Ambulanz wenden. Meist kommt der Totalprolaps allerdings nicht ohne Vorankündigung. Oft haben die Frauen schon davor starke Probleme damit, ihre Blase zu entleeren und

pressen sehr stark beim Versuch Harn zu lassen. Das verschlimmert die Sache jedoch. Ich rate daher den betroffenen Frauen immer, mit zwei Fingern die Vorderwand der Scheide nach oben zu drücken, damit hebt man die Blase und der Harn kann entweichen, ohne dass man stark pressen muss.

RH: Wie schaut das jetzt aus mit der Prognose, falls operiert werden muss? Haben die Operationen eine Halbwertszeit?

Prim. Fuith: Das Grundproblem, die Gewebesituation haben wir mit der Operation nicht verändert. Daher kann niemand garantieren, ob nicht irgendwann wieder Probleme auftreten.

RH: Wäre daher ein Beckenbodentraining vor und nach der Operation anzuraten?

Prim. Fuith: Absolut richtig. Gar keine Frage! Weil wir können es zwar reparieren, aber wir operieren sie ja nicht, damit sie dann nachher daheim im Bett liegen kann, sondern sie soll wieder aktiv sein können. Ein paar Dinge muss die Frau jedoch nach der Operation beachten. Sie sollte nicht schwer heben, oder Sport betreiben bei dem der Druck nach unten sehr hoch wird. Also steil bergauf mit dem Rad fahren, laufen, viel springen etc.

RH: Könnten Sie die verschiedenen Operationen kurz vorstellen?

Prim. Fuith: Zum einen gibt es die Korrektur der Blasensenkung durch eine Blasenbodennaht. Dabei wird die Senkung, die Vorwölbung, dieser „kleine Tennisball“ mit Blasenbodennähten hinauf gehoben. Halten werden dann nicht nur die Nähte, sondern das Narbengewebe,

das sich da entwickelt. Aber das Gewebe ist gleich, die Frau ist jetzt nicht ausgewechselt. Der Halteapparat ist noch immer der gleiche.

Bei der Korrektur der Gebärmuttersenkung fixiert man diese entweder hinten an Bändern des Beckens oder am Kreuzbein. Man hat einige Jahre gemeint, wenn man die Gebärmutter mit Hilfe von Netzen unterfüttert, dass das dann besser hält. Das stimmt auch, aber die Komplikationen waren gewaltig. Da sind wir jetzt wieder bei dem Punkt, die Frau hat nichts davon, wenn sie anatomisch gut korrigiert ist, aber dann Schmerzen hat. Und es gab bei 60% der Frauen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Einheilungsschwierigkeiten der Netze, die Gefahr dass das Netz an Blase oder Rektum scheuert hat ebenfalls bestanden. Jetzt sind wir so weit, dass die Hauptfirma, die die Netzte vertrieben hat, ihr Produkt vom Markt genommen hat. Es gibt Gerichtsklagen ohne Ende. Heute gibt nur noch wenige Netzanbieter. Neueste Leitlinien empfehlen tunlichst mit Eigenmaterial die Senkung zu korrigieren

und nur im Wiederholungsfall Netze zu verwenden.

 

Nicht betroffen von dieser Problematik sind die Schlingenoperationen, die ja im Prinzip auch Netzmaterial sind. Aber da ist, so weit man das weiß, wahrscheinlich der Unterschied, dass das sehr schmale Bänder sind und man nur sehr geringe Mengen an Netzmaterial braucht. Der Druck mit Hilfe von Netzen zu operieren war seinerzeit sehr groß und heute bin ich froh, dass meine Abteilung diesen Fehler nicht mitgetragen hat.

RH: Danke für das Interview!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

Kontakt:

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

Johannes von Gott-Platz 1

7000 Eisenstadt

02682/601-3500

Lothar.Fuith@bbeisen.at

 

Ordination:

Dr. Karl Rennerstrasse 66

7000 Eisenstadt

02682/66713

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Do

27

Jul

2017

Experteninterview Teil 2: Organsenkung: Untersuchung, Schweregrade, Therapie

 

Teil 2: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Untersuchung, den Zusammenhang mit Harninkontinenz, Schweregrade und konservative Therapie bei Organsenkung

RH: Was untersucht der Arzt bei einer Senkung?

Prim. Fuith: Erkennen kann man es eigentlich nur im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung, wir sagen dazu Spekulauntersuchung. Das sind diese zwei Metallteile, mit denen der Gynäkologe die Scheidenwände anhebt, oder weg schiebt. Der Arzt prüft das einerseits in Ruhe und dann wird er die Frau möglicherweise auffordern zu pressen, dann wölbt sich die vordere und oder die hintere Scheidenwand vor wie ein Ballon, wenn eine Senkung besteht. Viele Frauen sagen: „Ich spüre da einen Tennisball.“ Es gibt auch Fälle, wo man die Patientin bitten muss aufzustehen, und erst durch das Einwirken der Schwerkraft wird dann der Scheiden/Gebärmuttervorfall

(Prolaps) sichtbar, eventuell lässt der Arzt die Frau auch im Stehen pressen.

RH: Gibt es eine Einteilung in Schweregrade?

Prim. Fuith: Eine sehr genaue Möglichkeit der Beschreibung ist das so genannte Pop-Q Schema. Das braucht man aber hauptsächlich zur Durchführung von Studien etc. In der Praxis teilen wir die Senkung in drei Grade ein. Wir sprechen von „geringem“, „mittelgradigem“ und „hochgradigem“ Deszensus, wenn der Muttermund über den Hymenalsaum drüber reicht.

RH: Bedeutet Senkung gleichzeitig Inkontinenz?

Prim. Fuith: Nein! Kann sein, muss aber nicht sein. Es kann sogar so sein, dass die Senkung einem eine Kontinenz vortäuscht, die nach einer Senkungsoperation nicht mehr besteht. Darum prüfen wir das vorher. Da checken wir vor der OP wie der Urethraverschlussdruck (Harnröhrenverschlussdruck) ist und wie es ausschaut, wenn die Scheidenwand reponiert, also hinauf geschoben wird. Wenn dann der Harn geradeaus durchgeht, dann muss man der Frau gleich sagen, dass nicht nur die Senkung korrigiert werden muss, sondern auch noch ein Band eingesetzt wird. Ich vertrete die Linie, dass ich das lieber zweizeitig mache. Denn vielleicht kann man sich das Band dann doch ersparen indem man eine kleine Zystozele (Blasensenkung) bei der Scheidenkorrektur übrig lässt. Das ist sehr gefährlich, weil da sagt dann der niedergelassenen Kollege: „Na, da hat man Ihnen jetzt aber nicht

alles gemacht.“ Egal, die Frau muss nach der Operation kontinent sein, wenn möglich ohne Zusatzoperation (Band)! Heute operieren wir in Abhängigkeit von den Beschwerden und der Funktion. Nach der Operation wollen wir wissen, ob der Harnstrahl wieder normal

und die Patientin kontinent ist.

RH: Können Frauen irgendwie vorbeugen gegen eine Senkung?

Prim. Fuith: Ja sicher! Das wissen Sie, das ist Ihr Fach. Das Beckenbodentraining hat einen hohen Stellenwert. Leider ist der in Österreich nicht so groß, wie wir Ärzte ihn uns wünschen würden. In der Schweiz ist es häufig so, dass die Frauen gar nicht operiert werden, wenn sie nicht vorher ein Beckenbodentraining gemacht haben. In Österreich wird sofort operiert, ohne dass ein Training Pflicht ist.

Die Gründe sind vielfältig. Erstens müsssen Frauen das Beckenbodentraining vielfach selbst bezahlen und langwierig ist es auch. Aber wie Studien zeigen und beweisen hat das Beckenbodentraining gewaltige positive Effekte mit null Nebenwirkungen.

RH: Gibt es sonst noch mögliche konservative Therapiemaßnahmen?

Prim. Fuith: Ja. Die Pessare. Das ist eine Frage des persönlichen Zugangs. Ein Problem können die lokalen Infektionen und das Fremdkörpergefühl sein. Pessare müssen auch regelmäßig gewechselt beziehungsweise ein-und ausgeführt werden. Das wollen viele Frauen nicht! Aber in der Gynäkologie haben die Pessare ihren Stellenwert.

Ich persönlich habe eine große Präferenz für die Physiotherapie. Bei

multimorbiden Patientinnen werden Pessare oft eingesetzt. Denkbar sind sie auch bei jüngeren Patientinnen in Kombination mit Physiotherapie. Allerdings stellt sich hier das Problem der Betreuung. Nicht jeder Gynäkologe passt Pessare an und macht die regelmäßigen Kontrollen.

RH: Glauben Sie, dass Frauen sich durch Beckenbodentraining eine Operation dauerhaft ersparen können?

Prim. Fuith: Ja, das glaube ich absolut! Und das sage ich jetzt nicht nur, weil ich mit Ihnen spreche. Aber der Meinung bin ich sehr wohl. Es gibt viele Hinweise dazu, dass sich sehr viele Frauen die Operation erspart haben. Natürlich hat eine Operation noch bessere und schnellere Erfolgsraten. Aber das Beckenbodentraining hat null Nebenwirkungen und Komplikationsraten. Das hilft vielen Frauen sich die Operation durch Physiotherapie zu ersparen.

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

Kontakt:

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

Johannes von Gott-Platz 1

7000 Eisenstadt

02682/601-3500

Lothar.Fuith@bbeisen.at

 

Ordination:

Dr. Karl Rennerstrasse 66

7000 Eisenstadt

02682/66713

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Do

20

Jul

2017

Experteninterview Teil 1: Organsenkung: Symptome, Risikofaktoren, Untersuchung

 

Teil 1: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Symptome, Risikofaktoren und Untersuchung bei Organsenkung.

RH: Was sind die Symptome einer Organsenkung? Woran merkt eine Frau, dass sie das haben könnte?

Prim. Fuith: Man muss, obwohl es oft kombiniert ist, unterscheiden zwischen einer Scheidensenkung und einer Scheiden- und Gebärmuttersenkung. Das ist oft kombiniert, kann aber auch isoliert vorkommen. Das häufigste, was Frauen berichten ist, dass sie „da unten“ etwas getastet oder gespürt haben, was vorher nicht da war, oder nicht gespürt wurde. Wenn ich so etwas höre, frage ich nach, wie es mit dem Urinieren geht. Oftmals wird dann berichtet, der Harnstrahl ist ein bisschen schwächer geworden. Es rinnt nicht mehr so schnell. Nachtröpfeln nach dem urinieren ist ein weiteres Symptom und die Frau kann das Gefühl haben, dass die Blase nach dem Urinieren nicht leer ist, Stichwort Restharn. Wenn Frauen das länger haben, bzw. starke

Senkungszustände bestehen, dann entwickeln sie wiederkehrende Harnwegsinfekte. Das ist eigentlich immer kombiniert mit dem Restharn. Denn die Blase ist dann wie ein Gefäß, welches nie ganz leer wird.

RH: Wie oft kommt denn so etwas vor?

Prim. Fuith: Das ist schwer zu sagen. Ich würde jetzt mal global sagen, dass sehr viele Frauen das haben. Vaginale Geburten spielen da eine Rolle. Und diesen Zusammenhang muss man einfach erwähnen. Natürlich entwickeln auch Frauen eine Senkung, die keine Geburt hatten, aber es ist im Prinzip sehr stark assoziiert mit einer vaginalen

Geburt. Grundsätzlich können auch Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, bei spezieller Gewebesituation, eine Senkung haben.

RH: Dann ist es vielleicht eher die Schwangerschaft?

Prim. Fuith: Es der Anteil der Schwangerschaft schwer zu beziffern. Den Hauptanteil hat jedenfalls der Geburtsverlauf.

RH: Kann eine Organsenkung schon in der Schwangerschaft beginnen?

Prim. Fuith: Vom Gefühl her sicher. Aber passieren wird mehr im Rahmen der Geburt. Und jetzt komm ich zurück zum Anfang. Wie

viele haben das? Da will ich mich nicht gern auf eine Zahl einlassen. Es haben viele, aber viele wissen es nicht, merken es nicht, spüren es nicht. Und das ist auch meine Grundeinstellung, die ich seit vielen Jahren habe. Eine Senkung die die Frau gar nicht spürt, die sie nicht stört, die ist kein Grund operativ einzuschreiten!

RH: Gibt es Risikofaktoren eine Senkung zu bekommen außer der vaginalen Geburt und der Schwangerschaft?

Prim. Fuith: Ja, die Gewebedisposition spielt eine große Rolle.

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

Kontakt:

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

Johannes von Gott-Platz 1

7000 Eisenstadt

02682/601-3500

Lothar.Fuith@bbeisen.at

 

Ordination:

Dr. Karl Rennerstrasse 66

7000 Eisenstadt

02682/66713

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Do

13

Jul

2017

Beckenboden schonen durch richtigers Tragen

Gerade in der Rückbildungszeit, sollte Frau Ihren Beckenboden schonen. Lesen Sie hier, wie sie trotz starker Beanspruchung durch Tragen und Heben des Kindes sich beckenbodenschonend verhalten: Körpernah tragen, Gewicht möglichst am Becken tragen, Richtigen Tragehilfe verwenden!

Tragen wann immer es geht vermeiden!

Aus physiotherapeutischer Sicht stellt Tragen eine Belastung Ihres Beckenbodens dar. Obwohl für die Mutter-Kind Bindung sicher toll, fürs Bonding wichtig, es lässt sich nicht dran rütteln: Tragen stellt eine belastende Tätigkeit für Ihren Beckenboden dar. Umso mehr, je kürzer die Geburt zurück liegt. Drum lassen Sie, wann immer möglich, ruhig auch mal den Papa das Baby tragen. Auch für Ihn ist ja das Bonding wichtig!

Auf die richtige Tragetechnik achten!

Wann immer Sie tragen müssen, versuchen Sie dies möglichst körpernah zu tun. Je näher Sie das zu tragende Gewicht am Körper tragen, umso leichter wird es Ihnen erscheinen!

Achten Sie darauf, Ihren Oberkörper beim Tragen möglichst aufrecht zu halten und das Becken nicht vor den Brustkorb zu schieben. Auf diese Art haben Sie weniger Belastung am Beckenboden und Ihr tiefer Bauchmuskel kann diesen besser unterstützen.

Schrecken Sie nicht davor zurück, sich zur Unterstützung Ihres Beckenbodens eine elastische Bandage zu besorgen, welche Ihre Bauchmuskulatur bei der Stabilisierung Ihrer Lendenwirbelsäule unterstützt. Studien zeigen, dass die, früher von Physiotherapeutinnen gehegte Sorge, durch das Tragen einer Bandage würde die Muskulatur verkümmern, nicht zutrifft. Im Gegenteil: diese arbeitet besser, mit etwas Unterstützung.

Die richtige Tragehilfe benutzen!

Bei der Auswahl einer Tragehilfe sollten Sie darauf achten, dass Sie mit dieser möglichst viel Gewicht auf Ihrem Becken tragen können. Optimalerweise ist die Tragehilfe so lange, dass Sie den Beckengurt wirklich an Ihrem Beckenknochen verschließen können. Außerdem sollte die Tragehilfe Ihnen erlauben das Kind möglichst körpernahe zu tragen.

Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass Sie die Tragehilfe einfach und schnell schließen können, sonst besteht die Gefahr, dass Sie zu hause zu viel ohne jegliche Tragehilfe tragen. Es stellen sich dann oft Schulter-, Nacken- und Beckenbodenbeschwerden ein.

Da nicht jede Tragehilfe alle Kriterien erfüllt, verwenden manche Frauen zum kurz daheim tragen eine Tragehilfe, die sie sehr schnell durch Klettverschlüsse schließen können, für längere Ausflüge jedoch eine Tragehilfe, die zwar komplizierter zu schließen ist, aber ein körpernäheres Tragen ermöglicht.

Bei Trageberatung mehrere Tragehilfen probieren!

Viele Frauen machen eine Trageberatung schon in der Schwangerschaft, was durch die veränderte Statik und Körperform nicht optimal ist. Mit Baby ist es dann zwar deutlich mühsamer, bietet jedoch den Vorteil, dass Sie die passende Tragehilfe für sich und das Kind aussuchen können. Übrigens gibt es auch Kinder, die es hassen, getragen zu werden...

Bei vielen jedoch ist es die einzige Möglichkeit sie zum schlafen zu bewegen... Gerade für Mamis mit Schreibabys und jenen, die vor lauter Schlafmangel nirgends hin gehen wollen/können gibt es die Möglichkeit eine Trageberaterin zu sich nach Hause kommen zu lassen, um die optimale Tragehilfe auszuwählen.

Hier ein paar Links zu Trageschulen, die ein Adressverzeichnis Ihrer Trageberaterinnen zur Verfügung stellen:

Do

06

Jul

2017

Ikontinenz: Wie finde ich eine PhysiotherapeutIn für Beckenboden?

Wer in Österreich eine Beckenbodenphysiotherapeutin sucht, tut dies am besten über die Homepage der MKÖ (Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich), da diese Überblick über die Kompetenz der TherapeutInnen gibt.

An Experten wenden!

Nichts ist frustrierender als sein Problem einer Person zu offenbaren, welche damit nichts anfangen kann. Deshalb sollten Sie Wert drauf legen, sich beim Thema Beckenboden und Inkontinenz von  spezialisierten Therapeutinnen behandeln zu lassen.

Auch wir Physiotherapeutinnen können nicht alles! Im Laufe unseres Berufslebens spezialisieren wir uns zunehmend. Daher kann nicht jede Physiotherapeutin und jeder Physiotherapeut mit Diagnosen wie LARS, POP, OAB, F.I., Mischinkontinenz oder Dranginkontinenz etwas anfangen.

Eine spezialisierte Physiotherapeutin kennt jedoch nicht nur die Diagnose, auf Ihrem Zuweisungsschein, sie kennt auch die möglichen Diagnoseverfahren und Verläufe Ihrer Erkrankung und sie kennt medikamentöse, konservative und operative Maßnahmen im Zusammenhang mit dieser. Auch sollte sie über ein Netzwerk an Ärzten, Kolleginnen und KSB Kontakten verfügen, um Sie bei einer etwaigen weiterführenden Behandlung, einer adäquaten Hilfsmittelversorgung etc. optimal unterstützen zu können.  

Beckenboden Untersuchung

Ein wichtiges und zentrales Qualitätsmerkmal liegt in der Untersuchung Ihres Beckenbodens. Eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapeutin sollte in der Lage sein, Ihren Beckenboden professionell zu untersuchen. Daher ist es zielführend sich an eine Therapeutin zu wenden, die die entsprechende Ausbildung hat, um Ihren Beckenboden vaginal oder auch rektal zu untersuchen. Eine Tastuntersuchung des Beckenbodens bietet den Vorteil, dass danach konkret feststeht, ob es sich um ein Wahrnehmungs-, Ansteuerungs-, Kraft-, Ausdauer-, oder Problem der fehlenden Entspannung handelt. Lehnen Sie als Patientin eine solche Untersuchung ab, unterbleibt diese selbstverständlich!

Jedoch kann nur aufgrund einer gezielten Untersuchung des Beckenbodens in der Therapie konkret auf Ihre Problematik eingegangen werden.

Beckenbodenphysiotherapeutin in ganz Österreich finden:

Auf der MKÖ Seite finden Sie spezialisierte Therapeutinnen nach Bundesland sortiert und mit dem Hinweis, ob Beckenbodenpalpation durchgeführt wird.

Do

29

Jun

2017

Kein Gefühl für Blasenfüllung nach Geburt

Viele Frauen spüren unmittelbar nach der Geburt und in den Tagen danach die Blasenfüllung nicht gut und haben das Gefühl nicht vollständig entleeren zu können. Was es damit auf sich hat, lesen Sie hier.

Bei einer vaginalen Geburt kann es passieren, dass der Nervus Pudendus aufgrund des Druckes des kindlichen Kopfes irritiert bzw. geschädigt wird. In den meisten Fällen vergeht das ganz von alleine wieder. Dieser Nerv steuert nicht nur die Beckenbodenmuskulatur, sondern auch den Blasenmuskel und ist überdies zuständig die Information über die Blasenfüllung zum Gehirn weiter zu leiten. Wenn dieser Nerv also irritiert ist, spürt man nicht mehr wie weit und ob die Blase gefüllt ist und kann überdies den Blasenmuskel nicht gut kontrahieren.

Toilettengang nach der Uhr und Double Voiding

Da man eine Überdehnung des Blasenmuskels aufgrund von zu starker Füllung unbedingt vermeiden soll, empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen die Toilette aufzusuchen und die Blase zu entleeren, egal ob man eine Füllung verspürt oder nicht.

Um eine Restharnbildung möglichst zu vermeiden, kann man das so genannte Double Voiding anwenden. Dabei entleert man die Blase kurz nach dem Entleeren ca. 10-15min. später noch einmal.

Falls sich die Beschwerden nicht deutlich bessern, suchen Sie bitte einen spezialisierten Facharzt auf! Sie finden auf der Seite der MKÖ die geeigneten Ansprechpartner:

http://www.inkontinenz.at/bsz_stellen.htm

Do

22

Jun

2017

Genitalprolaps - Therapie: Kombination Pessar und Beckenbodentraining

Eine Kombinationstherapie von Pessar und Beckenbodentraining kann sehr erfolgversprechend sein bei Fällen von Genitalprolaps. Allerdings ist eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung des Pessars beim darauf spezialisierten Facharzt für Urogynäkologie notwendig und nur ein regelmäßiges über Monate durchgeführtes physiotherapeutisches Beckenbodentraining führt zum gewünschten Ziel.

Plötzlich unter der Dusche erlittener Prolaps

Frau X. rief mich sehr aufgeregt an. Sie habe gestern unter der Dusche gespürt, wie ein Fremdkörper durch ihre Scheide rutscht und bei Nachschau festgestellt, dass sie ihren eigenen Muttermund am Scheidenausgang sehen könne. Sie habe schon einen Termin bei ihrer Gynäkologin und wolle nun schnellstmöglich einen Termin bei mir.

Einige Tage später sehen wir uns in meiner Praxis. Mittlerweile ist die 40 jährige Patientin mit einem Ringpessar von ihrer Ärztin versorgt worden.

Therapieempfehlung aufgrund von Untersuchung, richtiges Verhalten im Alltag, Pessarversorgung und Elektrotherapie

Eine Untersuchung des Beckenbodens ergibt, dass dieser (nach 2 vaginalen Geburten) stark geschwächt ist. Ich empfehle eine vaginale Elektrostimulation um den Beckenboden wieder aufzutrainieren. Nur so kann der geschwächte Halteapparat der Gebärmutter wirkungsvoll von unten unterstütz werden. Ich bereite die Patientin auf eine Trainingsdauer von 6 Monaten vor. Wir besprechen sehr genau, wie die Patientin sich im Alltag verhalten muss, um ihren Beckenboden zu schonen und Druck nach unten zu vermeiden.

Aktives Programm und kleiner Pessar

Nach weiteren 2 Terminen, in denen das richtige Verhalten evaluiert und auch ein aktives Programm erarbeitet wird, sehen wir uns 3 Monate später wieder.

Die Patientin trägt nun den kleinsten Würfelpessar, spürt deutlich eine Kraftzunahme des Beckenbodens und hat bei der Zwischenuntersuchung bei ihrer Gynäkologin erfahren, dass die Senkung sich sehr gut rückgebildet habe, was die Patientin schon selbst vermutet hatte, da sie die Pessargröße ständig verkleinern musste.

Die Kraftwerte des Beckenbodens haben sich nur leicht verbessert, obwohl die Patientin täglich geübt hat. Wir vereinbaren eine Steigerung der Intensität, denn ich halte eine Steigerung um einen weiteren Kraftgrad für machbar und wünschenswert.

Angst trotz Kraftsteigerung und deutliche Verbesserung des Prolaps

Die Angst vor einem neuerlichen Genitalprolaps begleitet die Patientin noch immer. Wir besprechen die Wahrscheinlichkeit und das richtige Verhalten im Fall des Falles und vereinbaren einen weiteren Termin nach Ablauf der 6 Monate.

Mehr Sicherheit im Alltag!

Nach Ablauf dieser Zeitspanne untersuche ich den Beckenboden erneut, dieser weist nunmehr gute Kraft- und Ausdauerwerte auf. Die Patientin fühlt sich mittlerweile im Alltag sehr sicher und lässt manchmal den Pessar kurzzeitig weg. Ich empfehle ein erhaltendes Training zweimal wöchentlich um den Kraftgrad zu halten und eine entsprechende Kontrolle in 3 Monaten.

Do

15

Jun

2017

UroApp - Hilfe bei Katheter und Protokoll

Dinge, die man häufig durchführen muss, kann man schon mal vergessen. Mit Hilfe der UroApp der Firma Hollister kann man sich an die rechtzeitige Durchführung des Selbstkatheterismus, sowie Medikamenteneinnahmen erinnern lassen und seine Trink- und Ausscheidungsmenge protokollieren.

Katheterisieren - Erinnerung und Bestätigung

Wer nach der Uhr katheterisieren muss, bekommt nun digitale Hilfe dabei! Die UroApp von Hollister bietet die Möglichkeit, Zeiten einzustellen und sich von der App ans katheterisieren erinnern zu lassen. Man muss dann nicht nur den Alarm abstellen, sondern auch die Durchführung bestätigen. Die App bewertet sogar, ob man dies in einem annehmbaren Zeitraum getan hat!

Medikamente - Erinnerung reicht

Bei der Medikamenteneinnahme ist die App nicht so streng. Man muss hier lediglich den Alarm abschalten, damit ist es erledigt.

Protokoll

Beim Protokoll gibt es die Möglichkeit ein Datum, die Zeit und die Trink-, bzw. Ausscheidungsmenge einzutragen. In der obersten Zeile kann man dann vergleichen, ob die Summen zusammenpassen.

Aktivierungscode notwendig

Wer die UroApp nutzen möchte, muss folgenden Aktivierungscode eingeben: uroapp16

Fazit

Eine einfache, hilfreiche App, für alle, die regelmäßig katheterisieren müssen, aber auch für all jene, die ihre Trink- und Ausscheidungsmengen protokollieren sollen. Leider verfügt die App bei der Protokollfunktion nicht über zwei weitere Spalten bzw. eine Notizfunktion, in der Drang und Harnverlust samt Uhrzeit aufgezeichnet werden können. Dann nämlich wäre sie auch noch das perfekte Miktionsprotokoll!

Die UroApp gibt es für iOS und Android:

Fr

09

Jun

2017

Running clinic Mom - Laufen nach Schwangerschaft: Physiotherapeutinnen helfen!

Die Physiotherapeutinnen Franziska Severino-Schönburg und Franziska Malle helfen Frauen nach Schwangerschaft im Rahmen von Running Clinic Mom beim Wiedereinstieg ins Lauftraining. Wie das genau geht, habe ich bei den beiden nachgefragt.

RH: Es gibt mittlerweile (erfreulicherweise) viele Angebote für Schwangere und Frauen nach Geburt was körperliches Training betrifft. Was unterscheidet running clinic mom da von anderen?

RCM: Alle Kurse der RCM basieren auf medizinischem Training, das ausschließlich von spezialisierten Physiotherapeutinnen durchgeführt wird. Es handelt sich um ein Trainings bzw. Therapiekonzept von (Physio-) Müttern für Mütter gestaltet und auf den Alltag mit Kind zugeschnitten. Sprich: Rückbildung wie auch Training in der Schwangerschaft mit Kind wie auch Geschwisterkindern im Park-

gut erreichbar- ohne Anmeldung und Bindung.

Da es sich um ein physiotherapeutisches Präventionsprogramm handelt, übernehmen auch einige private Versicherungen bzw. die SVA einen Teil der Kosten.

RH: Ihr seid vom Grundberuf Physiotherapeutinnen. Inwieweit profitieren die Frauen von diesem Hintergrund?

RCM: Wir sind durch unseren Beruf darauf geschult unsere Klienten ganzheitlich zu behandeln, vereinen zusätzlich die Trainingslehre mit unserem medizinischen Wissen.

 

Wir legen Wert auf gesunde Bewegung, wissen wie wir unsere Mütter adäquat fordern- je nach Grad der Regeneration und sind mit anderen Berufsgruppen vernetzt um sie im Bedarfsfall weiterzuschicken. Außerdem haben wir alle selbst das Wunder der Schwangerschaft und Geburten erlebt, wir können also auch unsere persönlichen

Erfahrungen mit dem fachlichen Wissen verbinden.

RH: Ist Euer Training ein Ersatz für eine herkömmliche Rückbildung, oder ein zusätzliches Angebot?

RCM: Wir sehen uns in erster Linie als Bindeglied zwischen dem frühen Wochenbett und dem Wiedereinstieg in den Sport. Wir finden es großartig, wenn Frauen zu uns kommen, die bereits bei ihrer Hebamme oder ihrem/r PhysiotherapeutIn Rückbildung gemacht haben und bei uns weiter betreut werden wollen. Es kommen dennoch einige zu uns die im Vorfeld noch keine therapeutischen Maßnahmen in Anspruch genommen haben. Sollte es in diesem Fall Beschwerden geben oder den Wunsch nach intensiver Betreuung gibt es bei uns immer die Möglichkeit zu uns die Ordination zu kommen oder wir können sie zu einem anderen Health Professional weiterschicken. Da in Österreich die Rückbildung leider nicht von der Krankenkasse übernommen wird, sind wir sehr bemüht auf diesem Weg auch Aufklärung zu leisten und unsere Mütter gut zu beraten.

RH: Ab wann darf man mitmachen? Gleich nach der Entbindung?

RCM: Nein! Erst nach ärztlicher Sportfreigabe darf bei uns mitgemacht werden. Wir unterscheiden hier auch zwischen spontaner Geburt – nach sechs Wochen – und Sectio- nach acht Wochen.

RH: Nehmt ihr Rücksicht auf die unterschiedlichen Geburtsverläufe? Oder macht Frau mit 20 Stunden Wehen, 3 Stunden Austreibungsphase, missglückter Saugglocke und dann Notkaiserschnitt dasselbe Programm mit, wie die Frau mit der 2 Stunden Traumgeburt ohne Geburtsverletzungen?

RCM: Jede Teilnehmerin wird zu ihrer Geburt befragt und im Vorfeld aufgeklärt was sie im Kurs erwartet. Zusätzlich werden Beschwerden oder andere Erkrankungen abgefragt. Auch bei den einzelnen Übungen werden verschiedene Übungsvarianten angeboten und besonders bei den Ausdauerintervallen wird immer wieder darauf hingewiesen

unbedingt im Walken oder auch Gehen zu bleiben, wenn bestimmte Kriterien, wie Zeit, Beckenbodentest positiv (Tröpfchen, Schmerzen) noch nicht erfüllt sind.

 

Auch für unsere Moms-to-be haben wir ein Factsheet, das im Vorfeld schon für Aufklärung sorgt.

RH: Nun ist ja der Beckenboden ein großes Thema, was die Zeit nach der Geburt betrifft. Und wir Beckenbodenphysio-therapeutInnen haben ja immer Angst, dass Frauen zu schnell wieder Aktivitäten machen, die ihren Beckenboden zu sehr belasten und sich dadurch die Bänder, welche die Gebärmutter von oben halten nicht gut rückbilden können. Stellt Ihr irgendwie sicher, ob der jeweilige Beckenboden schon „bereit“ ist?

RCM: Nach der obengenannten Anamnese folgen drei Assessments. Zwei um den Beckenboden bezüglich seiner Kraft und Ausdauer zu testen. Danach testen wir die Rectusdiastase. Diese Testbatterie findet vor JEDER Einheit statt. Auf diese Art lernen die Teilnehmerinnen sich selbst einzuschätzen, zu spüren und ihren Regenerationsfortschritt zu verfolgen. Außerdem werden die Mütter darauf geschult ihre Symptome vor, während und nach dem Training zu beobachten, um die individuelle körperliche Leistungsfähigkeit richtig beurteilen zu können.

RH: Nach welchen Kriterien dosiert Ihr die Belastung? Wenn man internationale Guidlines liest, ist das ja nicht so klar und einfach…

RCM: Die erste Orientierung verschafft uns die Anamnese über die Geburt:

  • Art der Geburt (Sectio/ spontan)
  • Verlauf und Dauer?
  • Erstgebärend?
  • Mehrlingsgeburt?
  • Verletzungen?
  • Wurden Instrumente eingesetzt?

Wie oben erwähnt dürfen die Frauen nach sechs bzw. acht Wochen starten. Da wir auch „Moms Running Sessions“ – der Wiedereinstieg ins Lauftraining- anbieten, kommen viele Läuferinnen. Hier orientieren wir uns an einem geschlossenen Bauchmuskel, negativen Beckenbodentestungen, absoluter Beschwerdefreiheit. Zusätzlich raten wir frühestens nach spontaner Geburt nach drei Monate, nach Sectio nach 4 Monate mit dem Laufeinstieg zu beginnen. Dies bedeutet aber keines Falls, dass bereits nur im Laufen trainiert wird. In erster Linie wird die Teilnehmerin auf das Thema Beckenboden sensibilisiert: Worauf kommt es an, wie laufe ich richtig um den Beckenboden nicht unnötig zu belasten. Dazu gibt es Übungen um den sogenannten „Bounce“ zu reduzieren und den Rumpf so ruhig wie möglich halten.

Daher werden auch in diesen Einheiten Übungen zur Kräftigung der Rumpfkapsel gemacht. Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmerinnen wissen worauf es im Training ankommt, welche Symptome ein Warnsignal sein könnten (Harnabgang, Schmerzen etc.) und dass es nicht „normal“ ist Tröpfchen zu verlieren oder Ähnliches. Im Wesentlichen geht es darum einen gesunden Einstieg in das Lauftraining zu vermitteln, denn auch Frauen mit abgeschlossener Rückbildung sollten langsam und schonend an das Thema herangehen.

RH: Habt ihr medizinische Kooperationen, wo ihr Frauen hinschickt, wenn sie vielleicht doch noch nicht „bereit“ sind?

RCM: Wir kooperieren derzeit mit Gynäkologen, Hebammen und Beckenboden-Osteopathinnen und bemühen uns stets unser Netz weiter auszubreiten. Wir legen großen Wert darauf unseren Müttern fachlich qualifizierte Anlaufstellen zu empfehlen, die wir auch persönlich kennen.

RH: Statistisch gesehen leiden 30% aller Frauen nach Entbindung unter Harninkontinenz. Wird da im Training Rücksicht drauf genommen?

RCM: Durch die Anamnese und die Assessments kommen hier einige Beschwerden ans Licht. Uns ist es wichtig viel Aufklärung zu betreiben. Dies erfolgt in der Gruppe, auf niemanden speziell bezogen, da es sich zwar um ein intimes Thema handelt, wir aber vermitteln wollen, dass es nichts Seltenes ist und frau nicht alleine ist! Wir räumen nach der Stunde immer Platz für Fragen ein. Es besteht immer die Möglichkeit zu uns in die Ordination zu kommen um in der Einzeltherapie noch

intensiver arbeiten zu können.

RH: Wie sieht denn so ein Programm aus? Man kann ja immer einsteigen. Muss man dann gleich laufen und springen etc. Wie ist das so aufgebaut?

RCM: Wir sind die Ausnahme! Der Name ist NICHT Programm!

 

Die RCM steht in erster Linie für Rückbildung und Training in der Schwangerschaft. Unser Schwerpunkt liegt in der „stabilen Mitte“. Die Rumpfkapsel steht in Kombination mit dem Beckenboden im Focus. Jede Einheit startet mit einem Aufwärmprogramm, danach werden Rectusdiastase und Beckenboden getestet. Bei Moms back on Track und dem Moms-to-be WORKOUT (kein Rectustest) geht es dann in

drei Kraft- Ausdauerblöcke mit Focus auf Rumpf und Beckenboden. Dazwischen werden zwei Ausdauerintervalle absolviert, die auch im Gehen gemeistert werden können. Auch die „laufspezifischen Übungen“ zur Reduktion der „Erschütterung“ des Beckenbodens können alle im Gehen/ Walken durchgeführt werden.

 

Bei den Moms Running Sessions, die alle zwei Wochen stattfinden, steht der Wiedereinstieg in das Lauftraining im Focus. Auch diese Einheiten starten mit Aufwärmen und Testungen gefolgt von Stabilisierungsübungen der Rumpfkapsel und des Beckenbodens. Danach stehen Laufanalyse und laufspezifische Übungen im

Vordergrund, um die Sprungbelastung zu reduzieren. Diese werden jedoch nicht alle im Laufen absolviert und auch hier wird mit individueller Intensität trainiert.

 

Beim Moms-to-be WORKOUT wird nach dem Aufwärmen wird nur der Beckenboden getestet. Im Focus stehen Rumpf- (schräge Bauchmuskeln und Rücken) und Beinkräftigung. Auch der Kreislauf wird bei den Ausdauer- Intervallen in Schwung gebracht. Bei diesem Workout werden ebenfalls drei Kraft-Ausdauerblöcke mit zwei

Ausdauerintervallen, die meistens im Walken (je nach Beschwerden und Trimester) kombiniert.

RH: Sagen wir ich habe vor 6 Wochen entbunden und will mitmachen, was muss ich tun und wie läuft das dann ab?

RCM: Nach Absprache mit deinem Gynäkologen, der dir deine Sportfreigabe erteilt suchst du dir einen Termin/ Park aus der für dich passt. In Sportgewand, deinem Kinderwagen (jedes Modell möglich) und einer Wasserflasche kommst du zehn Minuten vor Beginn der Stunde zum Treffpunkt. Dort bezahlst du vor Ort deine €5 für dein Schnuppertraining bei der leitenden Physiotherapeutin (bei großem

Andrang sind zwei Physiotherapeutinnen vor Ort). Du wirst zu deiner Geburt befragt und ob es Beschwerden gibt, bekommst einen kurzen Überblick über die Stunde und wirst darüber aufgeklärt, dass NUR DU DEINE Intensität bestimmst. Nach Unterzeichnung der AGBs starten alle gemeinsam in das Warm Up und die Testungen. Nach der kannst du deiner Physiotherapeutin noch offene Fragen stellen.

RH: Muss man sich anmelden?

RCM: Nein! Um unseren Müttern die Teilnahme immer zu ermöglich gibt es keine Anmeldung. Du kannst jeder Zeit kommen und mitmachen. Auch der Zehnerblock hat kein Ablaufdatum und ist übertragbar.

RH: Was kostet das Training?

RCM:

 

€5 Schnuppertraining

 

€15 Einzelstunde

 

€130 Zehnerblock

 

Bei jedem Wetter ;-) außer bei zweistelligen Minustemperaturen und Starkregen!

RH: Danke für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie unter:

http://www.runningclinic.at

Franziska Malle, geboren 1987 in Klagenfurt

 

Studium

2005 - 2010 Bakkalaureatsstudium der Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Medizinischen Universität Graz

2010- 2013 Bakkalaureatsstudium der Physiotherapie an der Fachhochschule Joanneum in Graz 

 

Beruf

2014/01 –2015/08 Physiotherapeutin im Wilhelminenspital Wien in der ambulanten Nachbehandlung traumatologischer PatientInnen sowie in der neurologischen Rehabilitation.

 

Seit 09/2015 selbstständige Physiotherapeutin mit Berufssitz im Health Service Center an der Wiener Privatklinik mit den Schwerpunkten Gynäkologie und Traumatologie

 

Februar 2016 Mitbegründerin der Running Clinic Mom in Wien

 

Fortbildungen

  • Sport in und nach der Schwangerschaft
  • Wochenbett und Rückbildung nach Angela Heller
  • Funktionelles Muskeltaping Teil 1
  • Fasziendistorsionsmodell nach Typaldos Modul 1 / Modul 3
  • Schmerzgebiete der Wirbelsäule

 

verheiratet, Mutter eines Sohnes 01.02.2017

Franziska Severino- Schönburg geb. 1985, Wien

 

Studium

2004-2007 Akademie für Physiotherapie, AKH Wien

 

Beruf

2007-2010 Sanatorium Hera, Wien

 

2010 Gründung der Physiotherapie Praxis WIENPHYSIO Health Service Center der Wiener Privatklinik www.wienphysio.at (Schwerpunkte: Sportverletzungen, Training in der Schwangerschaft und Rückbildung nach der Geburt, Orthopädie und Unfallchirurgie)

 

2016 Gründung der RUNNING CLINIC MOM; Laufplattform für Information, Inspiration und Motivation www.runningclinic.at

 

Fortbildungen

  • Training in der Schwangerschaft und nach der Geburt
  • Kinesiotaping
  • Cranio- Sacrale Osteopathie
  • Manuelle Therapienach dem Maitlandkonzept
  • Sportphysiotherapie Knierehabilitation

 

leidenschaftliche Läuferin, selbst Mami seit Oktober 2015.

Fr

02

Jun

2017

Welt Kontinenz Woche 19.-25. Juni 2017

Jährlich findet in der letzten Juniwoche die Welt Inkontinenz Woche statt. Im Rahmen dieser Woche soll das Tabuthema Inkontinenz angesprochen und öffentlich gemacht werden. Die MKÖ bietet dazu Veranstaltungen und Infopakete an.

Kostenlose Info- und Servicematerialien rund um die Erhaltung der Beckenbodengesundheit bzw. was tun bei Inkontinenz können ab sofort über das Beratungstelefon 0810/100 455 bestellt werden. Sowie Factsheets zu "Schwangerschaft und Geburt" sowie "Richtiges Trinken"

Info-Tage „Rat für Blase & Darm“ finden an folgenden Orten statt:

Montag, 19. Juni 2017, 18.00 Uhr
Rathaus Dornbirn, Großer Sitzungssaal
Rathausplatz 2, 6850 Dornbirn

Montag, 19. Juni 2017, 16.00 Uhr 
Landeskrankenhaus Innsbruck
Anichstraße 35, 6020 Innsbruck             

Veranstaltungen für Betroffene und Angehörige: Vorträge von Experten & kostenlose persönliche, vertrauliche Beratung. Eintritt frei!

Do

25

Mai

2017

"Die ganze Woche" Interview: Beckenbodentraining bei Harninkontinenz

Interview mit Dr. Rita Hochwimmer in der Zeitschrift  "Die ganze Woche" zum Thema physiotherapeutisches Beckenbodentraining bei Harninkontinenz unter dem Titel "Mehr Kraft für schwache Blase" erschienen.

Wer meine Blog liest weiß, wie wichtig es mir ist, dass möglichst viele Betroffene von Stuhl- als auch Harninkontinenz an die richtigen Informationen gelangen. Umso mehr freut es mich, dass die Zeitschrift "Die ganze Woche" sich des Themas physiotherapeutisches Beckenbodentraining bei Harninkontinenz angenommen hat und mich dazu befragt hat. Zum Artikel geht es hier:

Do

18

Mai

2017

Artikel zur Therapie bei Rektusdiastase und Harninkontinenz in Ärzt Woche erschienen!

Unter dem Titel "Druck auf Bauch und Blase" ist mein Artikel zur Physiotherapie bei Rektusdiastase und Harninkontinenz nun in der "Ärzte Woche" erschienen. (In drei Teilen auch hier am Blog.) Zum Artikel geht's hier für alle, die ihn in einem Rutsch lesen wollen:

Do

11

Mai

2017

Teil 3: Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft

Normalisierung der Rumpfkraft

Ob diese Art von Training auch dabei hilft, die Diastase langfristig zu schließen oder aushärten zu lassen, ist bisher ungeklärt. Allerdings stellt dieses Training mit Sicherheit eine wirkungsvolle Möglichkeit dar, die flexorisches Rumpfkraft bei Patientinnen mit Rektusdiastase zu normalisieren. Die zentrale Therapie bei Harninkontinenz nach Schwangerschaft ist Beckenbodentraining. Zu einem solchen Training lassen sich aus den bisherigen Erörterungen folgende Thesen ableiten:

These 1: Es gibt Trainingsmethoden, bei denen die Beckenbodenmuskulatur mittels Synergistenaktivierung trainiert wird. Dazu zählt der Muskulus transversus abdominis, der jedoch durch Schwangerschaft und Rektusdiastase geschwächt wird. Möglicherweise wird deshalb Beckenbodentraining, das mit synergistischer Hilfe des Muskulus transverus abdominis arbeitet, bei Frauen mit Rektusdiastase nicht das Mittel der Wahl sein.

These 2: Auch Methoden, die über schnellen Hebungen des Zwerchfells eine reaktive Hebung und damit Kontraktion des Beckenbodens auszulösen versuchen, könnten aufgrund des veränderten (gesenkten) intraabdominalen Drucks nicht den gewünschten Effekt bringen. Denn klinische Beobachtungen legen nahe, dass die Rektusdiastase nicht nur zu einem Bulging nach außen, sondern auch zu einer Einziehung nach innen führt, welche einem effektiven Hochschnellen des Beckenbodens entgegenstehen könnte.

Druckspitzen auf den Beckenboden

These 3 bezieht sich auf die Behandlung von Rektusdiastase generell. Frauen mit Rektusdiastase haben mutmaßlich seit SSW 35 gesenkte maximale intraabdominale Druckwerte. Durch das Bulging werden Druckspitzen auf den Beckenboden ausgeglichen. Wird nun jedoch der oben erklärte Kompensationsmechanismus erlernt, kommt es damit neuerlich zu Druckspitzen auf den Beckenboden, welche, je nach zeitlicher Distanz zur Entbindung, lange Zeit nicht auf den betreffenden Beckenboden gewirkt haben. Daraus scheint ableitbar, dass, unerheblich ob eine HIK vorliegt oder nicht, der Beckenboden auf seine Ansteuerungsfähigkeit, Kraft und Ausdauerleistung hin untersucht werden sollte, bevor ein solcher Kompensationsmechanismus für ein effektives flexorisches Rumpfmuskeltraining angestrebt wird.

Viele offene Fragen

In den vergangenen zwei bis drei Jahren sind viele Studien erschienen, die unser Wissen über die Rektusdiastase erweitert haben. Trotzdem sind viele Fragen weiter offen. Studien aus der Hernienforschung haben die Frage, wer in welchem Maße von einer Rektusdiastasenoperation profitiert, bisher nicht gänzlich zu klären vermocht. Möglicherweise werden in den nächsten Jahren Korrelationen von zu erreichenden absoluten Kraftwerten und Patientinnenzufriedenheit gefunden.

Do

04

Mai

2017

Teil 2: Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft

Studien zeigen, dass eine Rektusdiastase zu verminderten Kraftwerten der Rumpfmuskulatur führt. Zentraler Trainingsansatz ist nunmehr das Erlernen einer Voraktivierung des Musculus Transversus Abdominis.

Messung der Kraftwerte

Ab 2011 wurden erstmals Kraftwerte bei Rektusdiastase gemessen. Hernienforscher fanden eine Korrelation zwischen Weite der Diastase unterhalb des Nabels und der Rumpfkraft in Flexion und isometrischer Rumpfkraft. Weiters zeigte sich beim Vergleich der Kraftwerte prä- und postoperativ, dass das Vorhandensein einer Rektusdiastase sowohl die isometrische Rumpfkraft signifikant senkt als auch die konzentrische flexorische Rumpfkraft und überraschenderweise auch die konzentrische extensorische Rumpfkraft signifikant vermindert. Darüber hinaus kamen Studien aus der plastischen Chirurgie zu dem Schluss, dass durch eine Operation der Rektusdiastase der intraabdominale Druck erhöht (um 1-4 mm HG) wird und sich die Ventilation verschlechtert. Im Umkehrschluss sinkt der intraabdominale Druck durch eine Rektusdiastase, sie verbessert die Ventilation.

Die mechanischen Folgen einer Rektusdiastase sind:

- Verlust von isometrischer Rumpfkraft,

- Verlust von konzentrischer flexorischer Rumpfkraft,

- Verlust von konzentrischer extensorischer Rumpfkraft,

- intraabdominaler Druck sinkt,

- Ventilation verbessert sich.

Die genannten Ergebnisse legen nahe, dass die Frage nach isometrischen versus konzentrischen Trainingsformen obsolet ist, da beide Kraftwerte geschwächt und damit zu trainieren sind. Aus der annähernd gleichen Rumpfkraftzunahme bei der Trainings-Kontrollgruppe gegenüber jener der operierten Patientinnen lässt sich schließen, dass Rumpfmuskeltraining eine adäquate Alternative zur Operation darstellt.

Therapie verhindert Bulging

Darüber hinaus ist 2016 eine trainingstherapeutische Möglichkeit vorgestellt worden, die das Bulging (charakteristische Vorwölbung der Bauchorgane) bei flexorischer Rumpfmuskelaktivität über eine Voraktivierung des Muskulus transversus abdominis verhindert. Damit wird ein flexorisches, konzentrisches Training ohne Bulging möglich, bei gleichzeitig verbesserter Kraftübertragung. Durch diese Art von Training wird es für Patientinnen mit Rektusdiastase möglich, ohne Bulging und ohne die Gefahr einer weiteren Ausdünnung und eventuellen Verbreiterung der Linea alba (sehnige Schicht zwischen den Muskelbäuchen der geraden Bauchmuskulatur) zu trainieren.

Worin die Ziele der Therapie bestehen und welche Fragen offen sind, lesen Sie nächste Woche hier am Blog.

Do

27

Apr

2017

Teil 1: Zusammenhang Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft entwickeln fast alle Frauen eine Rektusdiastase, die sich bei jeder dritten nur schwer wieder schließt. Lange Zeit vermutete man eine Korrelation zwischen Muskelanomalie und Harninkontinenz. Das gilt neueren Studien zufolge zwar als widerlegt, das richtige Training hilft jedoch gegen beides.

Die Rektusdiastase, ein Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur, zählt zu den unechten Hernien. Ihre Prävalenz wird mit 30 bis 100 Prozent angegeben, da diese sich je nach Schwangerschaftswoche (SSW) oder Entfernung vom Zeitpunkt der Geburt verändert.

In SSW 35 beispielsweise beträgt die Prävalenz der Rektusdiastase etwa 100 %, sechs Wochen nach der Geburt ca. 60 %, sechs Monate post partum (p. p.) 35-45 % und zwölf Monate p. p. 30 %. Wie diese Zahlen zeigen, wird die natürliche Schließungsrate immer geringer, je mehr Zeit vergeht.

Zahlreiche Risikofaktoren

Als Risikofaktoren für das dauerhafte Bestehen einer Rektusdiastase werden ein geringer Abstand zwischen den Schwangerschaften, mehr als eine Sectio und möglicherweise das Heben schwerer Gewichte mehrmals wöchentlich (älteres Geschwisterkind) genannt.

Keinen Einfluss dürften hingegen Faktoren wie das Alter und Gewicht der Mutter, eine Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, das Gewicht der Mutter vor der Schwangerschaft, der Geburtsmodus, das Geburtsgewicht, eine leichte Hypermobilität der Mutter, das Ausmaß des Rumpf- und Beckenbodentrainings sowie ein generelles Training zwölf Monate nach der Geburt haben. 

Bei Harninkontinenz (HIK) handelt es sich um einen ungewollten Harnverlust, der nach der Schwangerschaft meist als Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz auftritt. Aus skandinavischen Studien, die mehr als 10.000 Frauen einschließen, sind mittlerweile verlässliche Zahlen zur Prävalenz von Harninkontinenz nach einer Schwangerschaft sowie die Risikofaktoren bekannt: Die Prävalenzrate liegt sechs Monate p. p. bei 32 %. Zu den Risikofaktoren zählen eine Harninkontinenz schon in der Schwangerschaft, das Alter der Mutter bei der Geburt, ein hoher Body-Mass-Index (BMI) der Mutter, eine Forcepsentbindung und eine vaginale Geburt (verglichen mit Sectio).

Korrelation widerlegt

Seit 2007 wurde von einer Korrelation zwischen Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft ausgegangen. Neueste Studien belegen jedoch, dass eine solche Korrelation zwischen Rektusdiastase und Beckenbodendysfunktion nicht besteht.

Durch die hohe Prävalenz (30 % HIK sechs Monate p. p. und 45 % Rektusdiastase sechs Monate p. p.) treten beide Probleme jedoch häufig gemeinsam auf. Frauen mit Rektusdiastase haben zwar nicht mehr Harninkontinenz als Frauen ohne, jedoch auch nicht weniger.

Statistisch gesehen ist somit jede dritte Frau, die sich mit einer Rektusdiastase in Physiotherapie begibt, auch harninkontinent. Um zu klären, wie die physiotherapeutische Behandlung von Harninkontinenz und Rektusdiastase aussehen könnte, muss man zuvor die Frage nach den mechanischen Auswirkungen einer solchen stellen.

Welche das sind, lesen Sie nächste Woche hier auf meinem Blog.

Do

20

Apr

2017

Harninkontinenz und Sexualität

In Ihrem Vortrag "Harninkontinenz und Sexualität" beim 3. Wiener Kontinenzstammtisch hat Frau Dr. Koch Formen von sexuell assozierter Harninkontinenz und Fragebögen vorgestellt.

In ihrem Vortrag hat sich Dr. Koch dem Thema Harninkontinenz bei Frauen und Sexualität angenommen. Dr. Koch hat sowohl Formen von mit Sexualität assozierter Harninkontinenz vorgestellt, als auch Fragebögen, die sich dem Problem widmen. Etwas ratlos war man in der darauf folgenden Diskussion, bei der es darum ging, wo betroffene Frauen hin geschickt werden können. Denn auch Gynäkologen trauen sich das Thema oft nicht anzusprechen...


Fr

14

Apr

2017

Physiotherapie bei Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft

In meinem Vortrag "Rektusdiastase nach Schwangerschaft und Harninkontinenz" beim 3. Wiener Kontinenzstammtisch der MKÖ am 23.3.2017 habe ich den seit längerem vermuteten Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen mittels neuerer Literatur aufgearbeitet und physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

In meinem Beitrag beim 3. Wiener Kontinenz Stammtisch "Rektusdiastase nach Schwangerschaft und Harninkontinenz" habe ich die vorhandene Literatur aufgearbeitet und die Frage geklärt, inwieweit Rektusdiastase und Harninkontinenz nach Schwangerschaft einen Zusammenhang haben und wie man beides nach neuesten Erkenntnissen physiotherapeutisch behandeln sollte/könnte. Die Reaktionen des Publikums, der KollegInnen und Kollegen waren durchaus positiv und ich habe mich gefreut mein Wissen einem größeren Publikum näher bringen zu dürfen.


Fr

07

Apr

2017

Prim. Hübner zu Operationsmethoden bei Harninkontinenz nach Prostataoperation

In seinem Vortrag "Post Prostatektomie Update" fasste Prim. Hübner die zur Verfügung stehenden operativen Möglichkeiten bei Harninkontinenz nach Prostataoperation zusammen.

In seinem Vortrag hat Prim. Hübner die gängigen Operationstechniken zur Behandlung von Harninkontinenz nach Prostataentfernung vorgestellt. Zusammenfassend ist zu sagen, dass nicht für jeden Patienten jedes System passend ist. Beispielsweise funktionieren manche Operationen nicht gut, falls bestrahlt wurde. Als Betroffener sollten Sie deshalb darauf Wert legen, dass der Operateur bzw. das Zentrum an dem Sie operiert werden, alle Techniken anbietet und die beste für Ihren individuellen Fall auswählt.


Fr

31

Mär

2017

Rückblick: 3. Wiener Kontinenzstammtisch mit Themen zu Harninkontinenz des Mannes und der Frau

Viel Andrang war erfreulicherweise gróß beim 3. Wiener Kontinenzstammtisch der MKÖ am 23.3.2017. Themen der kleinen Tagung waren: Operationen zur Beseitigung von Harninkontinenz nach Prostataentfernung, Physiotherapeutische Therapie von Rektusdiastase und Harninkontinenz und Harninkontinenz bei der Frau und Sexualität

Es war wieder eine gelungene Veranstaltung mit einem ausgewogenen Programm. Und wie immer hat die Veranstaltung alle, die zum ersten Mal teilgenommen haben überrascht, weil sie vielmehr Tagung ist, als einem Stammtisch zu ähneln. Zum Auftakt sprach Primar Hübner über operative Möglichkeiten zur Beseitigung von Harninkontinenz nach Prostatektomie. Danach durfte ich über neuesten Erkenntnisse zur Therapie von Rektusdiastase und Harninkontinenz sprechen. Dr. Koch hat sich dem Thema Harninkontinenz und Sexualität bei der Frau angenommen und zum Abschluss hat Gisele Schön die neue Auflage ihres Inkontinenzratgebers präsentiert.

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Fr

24

Mär

2017

Inkontinenz Ratgeber neu aufgelegt

"Wenn Blase und Darm nicht mehr halten, was sie versprechen" - Das Buch, das etwas ändert.

Gisele Schön und Marco Seltenreich haben ihren wunderbaren Ratgeber für Betroffene von Inkontinenz und deren Angehörige  neu aufgelegt. Neben Erklärungen zu Inkontinenzformen, einem Überblick über Behandlungsmethoden und zahlreichen Fallgeschichten hier die wichtigste Information des Buches schon mal vorweg:

INKONTINENZ IST BEHANDELBAR UND OFT VOLLSTÄNDIG HEILBAR!

Fr

17

Mär

2017

Teil 4: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich spricht über die konservative Therapie der Stuhlinkontinenz, erklärt wann eine Operation notwendig ist, welche Operationsverfahren es gibt und welche weiteren Hilfsmittel und Verfahren es gibt.

RH: Wann muss so ein Schließmuskeldefekt operiert werden?

Prof. Wunderlich: Wenn die konservative Therapie versagt. Die konservative Therapie hat drei Pfeiler.

 

Nummer eins ist das Beckenbodentraining.

 

Nummer zwei das Eindicken des Stuhls. Weil einen geformten Stuhl wird man eher nicht verlieren. Das geht dann diätetisch. Ein paar Tricks sind Reis, geschabter Apfel, wenn er braun geworden ist. Und es gibt Medikamente, z.B. Loperamid zum Stuhleindicken.

 

Nummer drei ist die regelmäßige Entleerung des Darmes. Denn aus einem leeren Darm kann man nichts verlieren.

Das heißt jeden Tag 1-2milde laxierende Suppositorien einführen. Dann ist der Darm leer und man kann außer Haus gehen.

 

Wenn diese konservative Therapie greift und der Wexner Score sich bessert, z.B. von 12 auf 5, also die Patientin nahezu kontinent ist, sollte man auf die Operation verzichten. Weil man nie weiß, ob sie auch glückt. Wenn eine Sphinkterrekonstruktion zum Beispiel ganz aufgeht (was Gott sei Dank sehr selten vorkommt), dann ist die Patientin unter Umständen schlechter dran als vorher.

 

An operativen Möglichkeiten gibt’s gegenwärtig zwei:

 

Die Schließmuskelrekonstruktion (Sphincter Repair), also die überlappende Naht der Schließmuskelbündel von einem Schnitt am Damm aus, kann nach 5 bis 10 Jahren wieder eine Schwachstelle

werden.

Große Hoffnung setzt man zur Zeit in die Sakrale Neuromodulation(SNM). Dieser Eingriff ist technisch einfacher als die Rekonstruktion, und selbst bei fehlendem Effekt des Systems wird die Kontinenz durch den Eingriff keinesfalls schlechter. Durch die Nervenstimulation kontrahiert der ganze Beckenboden. Da die SNM mit einem kleinen, unter der Haut verpflanzten, Schrittmacher verbunden ist, ziehen jüngere Frauen die Schließmuskelrekonstruktion meist vor. Man kann die beiden Eingriffe insofern kombinieren, als die SNM eingesetzt wird, wenn der Sphincter Repair schwach wird.

RH: Sie haben vorhin die Sphinkter Manometrie als Untersuchung erwähnt. Können Sie ein Beispiel geben, wann die notwendig ist?

Prof. Wunderlich: Die Sphinkter Manometrie ist sehr

sinnvoll bei Menschen, die einer analen Operation wegen eines harmlosen gutartigen Leidens (Paradebeispiel: Hämorrhoiden) unterzogen werden sollen, bei denen man aber als Chirurg den Verdacht auf eine vorbestehende Schließmuskelschwäche oder einen Defekt hat. Wenn eine Frau zum Beispiel vor vielen Jahren Kinder geboren hat, sie aber trotz eines (oft unerkannten) Sphinkterdefekts kontinent ist, kann es sein, dass nach der Hämorrhoidenoperation

die Kontinenz massiv beeinträchtigt oder zumindest getrübt wird. Wenn da ein Defekt ist und die Manometrie zeigt, dass der Sphinkter schwach ist, sie aber klinisch kontinent ist, dann sollte man als Chirurg Abstand von großen Hämorrhoidenoperationen nehmen.

RH: Wie funktioniert so eine Manometrie?

Prof. Wunderlich: Der Patient liegt in Linksseitenlage und man führt eine Sonde zum Druckmessen in den Mastdarm ein. Dann zieht man die dünne Sonde schrittweise jede Minute ein Stück zurück und die Druckschwankung wird gemessen. Wenn der Analkanal fester wird, dann steigt der Druck. Diese Kurven werden dann vom Computer ausgewertet. Mann misst damit den Ruhedruck und den Kontraktionsdruck. So lassen sich die Funktion des inneren und des äußeren Schließmuskels beurteilen.

RH: Gibt es neben Beckenbodentraining, Stuhleindickung, regelmäßiger Entleerung und den genannten Operationen noch weitere Hilfsmittel oder Verfahren?

Prof. Wunderlich: Es gibt dann noch Analtampons, das wollen die Leute aber selten, weil das ein Fremdkörpergefühl macht. Es gibt die Transanale Irrigation. Die TAI. Mit der hält man den Darm mittels eines

Einlaufsystems stuhlfrei. Die aller letzte Lösung, welche extrem selten gewählt wird, ist das Stoma, d.h. der künstliche Darmausgang an der Bauchdecke, welchen die Betroffenen verständlicherweise fast nie haben wollen.

GLOSSAR

 

Anamnese: Befragung des Patienten zur Krankengeschichte

 

Anorektum: Mastdarm und Analkanal

 

Beckenbodenneuropathie:

Schädigung der Nerven, welche den Beckenboden versorgen

 

Deszensus perinei: Senkung der Dammregion

 

Endoanale Sonographie: Ultraschalluntersuchung des Afters

 

Innervationsstörung: Störung der Nervenfunktion

 

KSB: Kontinenz- und Stomaberaterin

 

Nervus Pudendus: Nerv, welcher für die Steuerung der Beckenboden-muskulatur zuständig ist

 

 

Perinealbereich: Dammbereich

 

 

Proktologe: Facharzt, meist Chirurg, der auf das Anorektum spezialisiert ist

 

Rektumwand: Wand des Mastdarms

 

Sphinkterapparat: Schließmuskelapparat

 

Sphinkterrekonstruktion: operative Wiederherstellung des Schließmuskels

 

Septum rektovaginale: dünne bindegewebige Trennwand zwischen der Scheide und dem Mastdarm

 

Sphinkter: Schließmuskel

 

Subkutan: unter der Haut


Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

Fr

10

Mär

2017

Teil 3: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich beschreibt die Untersuchung bei Stuhlinkontinenz

RH: Wenn man dann zum Arzt kommt: Wie untersucht dieser im Fall einer Stuhlinkontinenz nach Geburt?

Befragung

Prof. Wunderlich: Der Untersuchungsgang ist ganz klar strukturiert. Man muss berücksichtigen, dass es sich, weil tabuisiert und peinlich, zunächst um zwei Probleme handelt:

 

A)betroffen ist die Intimsphäre, die man ja nicht gerne entblößt und über die man ungern spricht.

 

B)der Verlust von Darminhalt ist ein peinliches gesundheitliches Problem just in dieser Intimsphäre.

 

Das heißt, die Befragung muss ausgesprochen behutsam geschehen, die Mitteilungen und Antworten sind eingangs scheu und zurückhaltend. Wenn man sie fragt:„Warum kommen Sie?“„Naja, ich hab’ so oft Durchfall“. Es gibt gute Schlüsselfragen:„Wann gehen Sie außer Haus,

wann einkaufen?“Oft bekommt man dann zur Antwort: „Naja, erst so gegen 11-12 Uhr, wenn ich den Darm oft genug entleert habe.“ Weil in den eigenen vier Wänden erreicht man die Toilette viel rascher als unterwegs. „Tragen Sie Einlagen?“ „Ja, sicherheitshalber damit nichts passiert.“ Wenn man den Leuten dann aber auf den Kopf zu sagt, na da muss doch schon mal was passiert sein. „Ja, ja, einmal hatte ich schon einen Unfall.“ (Und „einmal“ ist dann meist untertrieben.) Dann sind die Schleusen geöffnet, dass sie sich endlich überwunden haben, das jemandem mitzuteilen.

Schweregrad

Nach der Erhebung der Anamnesebestimmt man den Schweregrad der Stuhlinkontinenz mit einem Score. Der Wexner Score (= Cleveland Clinic Score = CCS) ist der gebräuchlichste. Mit einem Punktesystem wird der Schweregradder Inkontinenz ermittelt. Dann kommen noch

Zusatzfragen hinzu: Ob die Frau harninkontinent ist, ob es Wirbelsäulenprobleme gibt, die ja auch eine Ursache sein können. Diabetes mit einer Schädigung des Nervus Pudendus kann auch zu einer

Beckenbodenneuropathie führen.

 

Also eine ausführliche Anamnese ist immer gut und hat den Vorteil dass die Patientin während des Gesprächs Vertrauen gewinnt, weil sie merkt, sie kann sich mit jemandem über das Problem unterhalten die oder der Experte ist. Die angesprochene Expertise lernt man natürlich nicht von heute auf morgen. Es bedarf einer geduldigen Schulung, bis man die richtigen Fragen stellt, den geeigneten Rat gibt. Hin und wieder werden Antworten von Ärzten kolportiert, wie: „Damit müssen Sie leben“ oder „Mit 60 ist das normal“. Um diese Frustrationen für Patientinnen zu vermeiden, ist es am besten, wenn man sie an entsprechend erfahrene Kolleginnen und Kolleginnen oder KSB oder Physiotherapeutinnen verweist, die auf den Beckenboden spezialisiert sind. Pflegedienst und Physiotherapie kennen durch langjährige Zusammenarbeit und das

Netzwerk der MKÖ zum Beispiel in jedem Bundesland Abteilungen, Ambulanzen und Ärztinnen wie auch Ärzte, welche die angemessene Erfahrung mit Kontinenzproblemen haben.

Untersuchung

Auf die Anamnese folgt die klinische Untersuchung. Wie die Gynäkologen untersuchen viele Proktologen auch auf einem

gynäkologischen Untersuchungsstuhl. Viele von uns, und dazu gehöre auch ich, ziehen die Linksseitenlage vor, weil die Betroffenen da wiewohl entblößt doch nicht so exhibiert sind. Aus psychologischen Gründen vermeide ich es, zu Untersuchungsbeginn gleich auf die Intimsphäre zuzugehen. Am besten ist es, wenn man zunächst an der nicht entblößten Patientin den Bauch und die Leistenlymphknotenabtastet. Dabei merken die Patientinnen nämlich auch, dass man zarte Hände hat und sie sehen der weiteren Untersuchung entspannter entgegen. Es folgt die Untersuchung

der Analregion in Linksseitenlage mit angezogenen Beinen:

 

Die Anoperinealregion wird inspiziert – In Ruhe, beim Pressen, beim aufgeforderten Zusammenzwicken und beim Husten. Beim Pressen sieht man, ob ein Mastdarmvorfall mit der Inkontinenzassoziiert ist.

Und um den Deszensus zu beurteilen lässt man ebenfalls pressen. Weil ein schwacher Beckenboden oft mit einem starken Deszensus perinei einhergeht. Man schaut natürlich auch nach vorgefallenen Hämorrhoiden, Fistelöffnungen und Narben. Der Erfahrene kann auch sehen, dass der Sphinkter kontrahiert, wenn intakt, dann zirkulär. Ist er aber defekt, dann fehlt die Kontraktion in der Region des Dammes, der bei gerissenem Sphinkter naturgemäß schmal, oft nur 1cm hoch ist.

 

Nach der Inspektion tastet der Untersucher mit dem Zeigefingerim Analkanal: Zuerst in Ruhe, dann während willkürlicher Kontraktion, schließlich beim Husten, denn da kommt es reflektorisch zu einer deutlich spürbaren Kontraktion des Beckenbodens. Vor allem ist das wichtig bei den gar nicht so wenigen Frauen, die nicht wissen, wie man willkürlich kontrahiert– ein Verständnisproblem. Dennoch sind diese Frauen nicht inkontinent, denn reflektorisch, d.h. unbewusst, machen sie es ja richtig, wenn sie Stuhldrang haben.

 

Und dann sollte man noch, je nach Alter, eine Untersuchung des Mastdarms anschließen mit eine Rektoskopie zum Beispiel oder eine Koloskopie bei allen Menschen, die über 50 sind um das Dickdarmkarzinom auszuschließen, weil das der häufigste Krebs in der westlichen Welt ist.

 

Hinzu kommen fallweise noch apparative Untersuchungen. An erster Stelledie endoanale Sonographie (Ultraschalluntersuchung durch den Analkanal), die den Defektobjektiv zeigt. Die Sphinktermanometrie (Druckmessung im Analkanal) ist häufig von akademischem Interesse und nie so aussagekräftig wie das klinische Bild und der Wexner Score.

RH: Tut so eine Untersuchung weh?

Prof. Wunderlich: Überhaupt nicht, insbesondere wenn man sie behutsam macht. Die gesamte proktologische Untersuchung ist in den

richtigen Händen schmerzlos.

RH: Kann man auch einen Schließmuskeldefekt haben, ohne dass es jemals zu einer Inkontinenz kommt?

Prof. Wunderlich. Ja. Wahrscheinlich ist das sehr häufig.

RH: Gibt es eine Korrelation zwischen dem Grad der Inkontinenz und dem Grad der Verletzung?

Prof. Wunderlich: Nein. Also der Schließmuskeldefekt kann sein 30°, 60°, 90°, 120°. Natürlich ist es anzunehmen, dass man bei einem sehr

großen Defekt eher inkontinent ist, aber ich kenne keine numerische Korrelation.

GLOSSAR

 

Anamnese: Befragung des Patienten zur Krankengeschichte

 

Anorektum: Mastdarm und Analkanal

 

Beckenbodenneuropathie:

Schädigung der Nerven, welche den Beckenboden versorgen

 

Deszensus perinei: Senkung der Dammregion

 

Endoanale Sonographie: Ultraschalluntersuchung des Afters

 

Innervationsstörung: Störung der Nervenfunktion

 

 KSB: Kontinenz- und Stomaberaterin

 

Nervus Pudendus: Nerv, welcher für die Steuerung der Beckenbodenmuskulatur zuständig ist.

 

 

Perinealbereich: Dammbereich

 

 

Proktologe: Facharzt, meist Chirurg, der auf das Anorektum spezialisiert ist

 

Rektumwand: Wand des Mastdarms

 

Sphinkterapparat: Schließmuskelapparat

 

Sphinkterrekonstruktion: operative Wiederherstellung des Schließmuskels

 

Septum rektovaginale: dünne bindegewebige Trennwand zwischen der Scheide und dem Mastdarm

 

Sphinkter: Schließmuskel

 

Subkutan: unter der Haut

 


Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

Fr

03

Mär

2017

Teil 2: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich erklärt den möglichen Verlauf von Stuhlinkontinenz nach Geburt und wohin sich Betroffene wenden können.

RH: Kann eine Stuhlinkontinenz nach Geburt von alleine wieder gut werden?

Prof. Wunderlich: Wenn Mütter nach einer Geburt in die chirurgische

Ordination kommen, weil sie Darminhalt nicht zurückhalten können, so hat dies verschiedene Ausmaße. Dass sie festen Stuhl verlieren, ist extrem selten, aber weicher Stuhl, Durchfall und Winde sind naturgemäß weniger leicht zu halten. In den ersten Wochen nach der Geburt habe ich schon beobachtet, dass sich das von selbst wieder gibt. Daher besteht zunächst kein chirurgischer Handlungsbedarf. Vielmehr ist das nun die Domäne Ihres Fachgebietes: Beckenbodentraining! Beckenbodentraining kann man sofort beginnen, wenn der Muskel nicht genäht worden ist. Wenn der Muskel genäht worden ist nach einem Dammriss, dann darf man zuerst nicht bewusst, häufig und fest kontrahieren. Weil da schneiden die Nähte durch. Erst wenn das verheilt ist darf man mit einem systematischen und energischen Beckenbodentraining beginnen, d.h. nach frühestens sechs Wochen.

RH: Ist immer nur der äußere Schließmuskel betroffen?

Prof. Wunderlich: Beim Dammriss dritten Grades reißt der äußere, aber auch der Innere. Beim vierten Grad reißt auch das Septum rektovaginale. Das ist sozusagen der unterste Teil der Wand des Anorektums des Kontinenzorgans.

RH: Und trotzdem ist die Prognose gleich?

Prof. Wunderlich: Wenn ein Dammriss 4. Grades gut versorgt ist, kann in den meisten Fällen eine zufriedenstellende Kontinenz resultieren.

RH: Tritt die Stuhlinkontinenz nach Verletzungen des Schließmuskels immer unmittelbar danach auf?

Prof. Wunderlich: Das ist eine wunderbare Frage. Nein! Die meisten,

d.h. etwa 90%der Patientinnen, die eine chirurgische Ordination wegen

Stuhlinkontinenz aufsuchen, sind älter und bieten eine klassische

Krankengeschichte, illustriert an folgendem Beispiel: Die junge Frau, oft

sportlich, durchtrainiert, bekommt je ein Kind mit 22, 24 und 26 Jahren. Nach jeder Geburt ist sie kontinent. Dr. Sultan, ein Londoner Gynäkologe, hat mit dem analen Ultraschall vor bald 30 Jahren nachgewiesen, dass es bei Geburten, bei denen der Damm scheinbar unversehrt ist, es doch subkutan im Perinealbereich zu Einrissen der Muskulatur gekommen ist. Die junge Mutter kompensiert das. Wenn

sie aber dann 55, 60, 65 wird und nicht ständig den Beckenboden trainiert hat, dann kommt die physiologische Alterung der Muskulatur zum Tragen: Der noch verbliebene Schließmuskel wird schwach, und in Kombination mit dem Defekt wird die ältere Frau dann inkontinent für Stuhl. Und das ist die Crux. Weil das wird nicht mehr mit der Geburt assoziiert. Jetzt glaubt die Frau, sie ist in ein kindliches Verhalten zurückgefallen, sie gibt sich selbst die Schuld an der Peinlichkeit. Sie denkt natürlich nicht daran, dass die Inkontinenz mit der Geburt zusammenhängen kann. Daher kommt das Tabuisieren, die Verheimlichung. Man redet nicht darüber, und es braucht oft Jahre bis Jahrzehnte bis man sich an einen Arzt wendet, dessen Information das Leiden enttabuisiert und ihm somit die psychologische Last des Makels nimmt. Etwa 50% der Patientinnen, die einer Schließmuskel-rekonstruktion unterzogen werden, falls die konservative Therapie keinen Erfolg hat, sind jenseits des 60ten Lebensjahres.

RH: Wohin können sich Frauen, die eine Stuhlinkontinenz haben, wenden?

Prof. Wunderlich: An den Gynäkologen. Der ist für die gesamte Region zuständig und erkennt einen größeren Sphinkterdefekt im Dammbereich. Wenn er die Rekonstruktion nicht selbst durchführt, kann er die Frau dann zum spezialisierten Chirurgen schicken.

Patientinnen suchen auch nicht selten Fachärztinnen oder Fachärzte für Chirurgie auf, weil auch diese als primäre Ansprechpartner bekannt sind. Wenn man nicht gleich zum Arzt gehen möchte, kann man sich an Beratungsstellen wenden wie jene von der MKÖ (Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich www.kontinenzgesellschaft.at) oder an die Beratungsstellen des FSW (Fonds Soziales Wien). Es gibt in Graz zum Beispiel die Beratungsstelle der Gebietskrankenkasse. Die an all diesen Stellen tätigen Spezialistinnen, haben den Titel KSB (Kontinenz- und Stomaberaterinnen).

GLOSSAR

 

Anamnese: Befragung des Patienten zur Krankengeschichte

 

Anorektum: Mastdarm und Analkanal

 

Beckenbodenneuropathie:

Schädigung der Nerven, welche den Beckenboden versorgen

 

Deszensus perinei: Senkung der Dammregion

 

Endoanale Sonographie: Ultraschalluntersuchung des Afters

 

Innervationsstörung: Störung der Nervenfunktion

 

KSB: Kontinenz- und Stomaberaterin

 

Nervus Pudendus: Nerv, welcher für die Steuerung der Beckenbodenmuskulatur zuständig ist.

 

 

Perinealbereich: Dammbereich

 

 

Proktologe: Facharzt, meist Chirurg, der auf das Anorektum spezialisiert ist

 

Rektumwand: Wand des Mastdarms

 

Sphinkterapparat: Schließmuskelapparat

 

Sphinkterrekonstruktion: operative Wiederherstellung des Schließmuskels

 

Septum rektovaginale: dünne bindegewebige Trennwand zwischen der Scheide und dem Mastdarm

 

Sphinkter: Schließmuskel Subkutan: unter der Haut


Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

Fr

24

Feb

2017

Teil 1: Stuhlinkontinenz nach Geburt. Experteninterview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich.

Prof. Wunderlich spricht über die Häufigkeit von Stuhlinkontinenz nach Geburt und mögliche Gründe.

RH: Manche Frauen verlieren nach der Entbindung ihres Kindes Stuhl. Wie häufig kommt das vor? Gibt es Zahlen?

Prof. Wunderlich: Nein es gibt da keine Zahlen, weil bei allen diesen

Inkontinenzerscheinungen die Dunkelziffer eine große Rolle spielt. Das ist eine Frage, die müsste man Hebammen stellen. Die könnten das noch am ehesten wissen. Aber ich würde schätzen, dass es maximal bei jeder hundertsten Geburt vorkommt, aber das ist eine reine Schätzung.

RH: Was kann Stuhlverlust nach Entbindung für Gründe haben?

Prof. Wunderlich: Ein Grund kann die Schädigung des Sphinkterap-parates (Schließmuskelapparat) sein. Und zwar eine muskuläre Schädigung durch Einreißen, Durchreißen, wie das bei Dammrissen zweiten bis vierten Grades vorkommt. Ein weiterer Grund kann eine Innervationsstörung der gesamten Beckenbodenmuskulatur durch die Überdehnung des Nervus Pudendus bei der natürlichen Geburt sein. Es ist nachgewiesen, dass es bei Überdehnung von Nerven zu einem Untergang von einzelnen Nervenfasern kommt. Das ist der Fall beim Tiefertreten des Beckenbodens während der Geburt. Der Nervus Pudendus ist im Alcock-Kanal festgehalten, da kommt er mit einem leichten Winkel heraus und wenn er dann zu sehr gedehnt wird, dann kann es genau dort zu einer Schädigung der Nervenfasern kommen. Dies nennt man Denervation. Die Schädigung kann reversibel oder irreversibel sein. Ist der Nervenschaden irreversibel, dann übernehmen die benachbarten gesunden Nervenfasern die Innervation der denervierten Muskelbündel.

RH: Heißt das, man würde bei einer Frau, die Stuhl verliert einfach mal zuwarten und denken es ist vielleicht ein nur vorübergehend geschädigter Nervus Pudendus und warten ob es sich von alleine gibt?

Prof. Wunderlich: Ja. Fast gleichgültig, was für eine Form und Schwere der Inkontinenz vorliegt oder was die Ursache ist, gilt zunächst in der Regel das Prinzip des Zuwartens. Mit Ausnahme des Dammrisses IIIc wo der ganze Schließmuskel des Afters durchgerissen ist oder des Dammrisses IV, bei dem das Gewebe des Damms bis in die Rektum-wand durchgerissen ist, was naturgemäß nach der operativen Rekonstruktion der betroffenen Strukturen (d.h.: Wand von Scheide und Mastdarm, innerer und äußerer Schließmuskel) unmittelbar nach der Geburt verlangt. Besteht nach dieser Rekonstruktion weiterhin eine beträchtliche Stuhlinkontinenz, meist weil die Naht nicht gut geheilt ist, dann kann es angezeigt sein, neuerlich zu operieren. Während die Naht eines Dammrisses unmittelbar nach der Geburt ein Akuteingriff ist, sind alle späteren Operationen zur Wiederherstellung von Anatomie und Funktion sorgfältig zu planen (das nennt man „Elektivoperation“

oder „Wahleingriff“) – dies aus zwei Gründen:

 

1.) In dem frisch operierten, stets geschwollenen Gewebe halten neue Nähte nicht. Dies bedeutet, dass die vollständige Vernarbung abgewartet werden muss, welche drei bis sechs Monate dauern kann, bis das Gewebe die nötige Festigkeit für weitere Chirurgie hat.

 

2.) Es ist, selbst bei gestörter Wundheilung, nicht auszuschließen, dass eine getrübte Kontinenz nicht durch konservative Maßnahmen wiederhergestellt werden kann. In solchen Fällen kann der Zweiteingriff unterbleiben.

GLOSSAR

 

Anamnese: Befragung des Patienten zur Krankengeschichte

 

Anorektum: Mastdarm und Analkanal

 

Beckenbodenneuropathie:

Schädigung der Nerven, welche den Beckenboden versorgen

 

Deszensus perinei: Senkung der Dammregion

 

Endoanale Sonographie: Ultraschalluntersuchung des Afters

 

Innervationsstörung: Störung der Nervenfunktion

 

KSB: Kontinenz- und Stomaberaterin

 

Nervus Pudendus: Nerv, welcher für die Steuerung der Beckenbodenmuskulatur zuständig ist.

 

 

Perinealbereich: Dammbereich

 

 

Proktologe: Facharzt, meist Chirurg, der auf das Anorektum spezialisiert ist

 

Rektumwand: Wand des Mastdarms

 

Sphinkterapparat: Schließmuskelapparat

 

Sphinkterrekonstruktion: operative Wiederherstellung des Schließmuskels

 

Septum rektovaginale: dünne bindegewebige Trennwand zwischen der Scheide und dem Mastdarm

 

Sphinkter: Schließmuskel Subkutan: unter der Haut


Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

Fr

17

Feb

2017

Vortrag: Rektusdiastase nach Schwangerschaft und Harninkontinenz?

Es freut mich sehr, beim nächsten Kontinenzstammtisch, einer kleinen halbjährlich stattfindenden Tagung der MKÖ einen Vortrag zum Thema "Rektusdiastase und Harninkontinenz" halten zu dürfen. Von den Ergebnissesn meiner Recherchen werde ich berichten!

Fr

10

Feb

2017

Ich trainiere schon lange meinen Beckenboden und trotzdem hilft es nicht. Woran kann das liegen?

Nervus Pudendus Verletzung,  ausgeprägte Beckenbodenschwäche, verspannter Beckenboden, oder schlichtweg das falsche Training mit ungeeigneten Übungen oder zu geringem Trainingsreiz. Dies alles können Gründe dafür sein, warum ein Beckenbodentraining nicht anschlägt.

Nervenverletzungen

Manche Frauen erleiden bei der Geburt eine Verletzung des Nervus Pudendus. Dieser wird überdehnt und dadurch geschädigt. Der entstandene Schaden ist so gut wie immer reversibel bzw. übernehmen die noch bestehenden Nervenfasern die Arbeit der geschädigten. Allerdings das braucht Zeit. Oft über ein Jahr. Das Üben hilft den Nervenfasern sich zu regenerieren.

Ausgeprägte Beckenbodenschwäche

Denkbar ist auch, dass Ihre Beckenboden sehr schwach war, bevor Sie begonnen haben zu trainieren. Erste Erfolge im Sinne eines Muskelzuwachses ergeben sich erst nach 6 Wochen. Nach 3 Monaten sollten Sie deutlich stärker sein. Falls nicht, haben Sie eventuell mit Ihrem Training keinen relevanten Trainingsreiz gesetzt und der Muskel  ist nicht gewachsen. Wenden Sie sich an eine spezialisierte Therapeutin und lassen Sie Ihr Trainingsprogramm überprüfen.

Verspannter Beckenboden

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Ihr Beckenboden zwar stark ist, er sich aber schlecht entspannen kann. Dadurch arbeitet er nicht richtig. Eine spezialisierte Physiotherapeutin kann Ihnen helfen die fehlende Entspannung wieder zu erlernen.

Falsche Übungen, zu geringer Trainingsreiz

Wenn ein Muskel schwach ist und man ihn kräftigen will muss man auch ein entsprechendes Krafttraining machen. Sie erkennen es daran, dass sich ihr Beckenboden schon nach wenigen Wiederholungen angestrengt hat. Bei einem verspannten Beckenboden noch ein Krafttraining drauf zu setzten, ist aber nicht sinnvoll.

Beckenboden ist nicht der Grund für Ihre Probleme

Eine Möglichkeit besteht darin, dass Sie gar kein Beckenbodenproblem haben und Ihre Beschwerden von einem anderen Problem kommt, gegen das Beckenbodentraining nicht hilft.

Falls die Beckenbodenschwäche plötzlich und ohne ersichtlichen Grund (Schwangerschaft oder Geburt) auftritt, bitte wenden Sie sich unbedingt an den spezialisierten Facharzt! (Gynäkologe, Urologe, Proktologe)

Fr

03

Feb

2017

Was sind die Gründe für eine Rektusdiastase?

Die Gründe für das Bestehen bleiben einer Rektusdiastase lassen sich trotz mehrerer Studien nicht mit Sicherheit nennen. Als mögliche Risikofaktoren werden mehr als ein Kaiserschnitt, Gewebeschwäche und genetische Faktoren genannt.

Studien zeigen, dass in der Schwangerschaftswoche 21 33,1 % der Schwangeren eine Rektussiastase haben. In der Schwangerschaftswoche 35 sind es 100%. Ein Jahr nach der Geburt haben immer noch 32% eine Rektusdiastase. Die Frage nach den Risikofaktoren bringt folgende Ergebnisse.

Geburtsgewicht, Bauchumfang, Gewichtszunahme in Schwangerschaft?

Mögliche Risikofaktoren, die eine Studie untersucht hat ware Alter, Größe, mittleres Gewicht vor der Schwangerschaft, Gewichtszuwachs während der Schwangerschaft, Kaiserschnitt, kindliches Gewicht bei der Entbindung, Hypermobilitästssynsdriom der Mutter, muskulärer Zustand von Beckenboden und Rumpf. Keiner der genannten Faktoren konnte als Risikofaktor entlarvt werden.(1)

Eine andere Studie findet ein erhöhtes Auftreten der Rektusdiastase nach dem zweiten Kaiserschnitt heraus.(2)

Gewebeschwäche, genetische Faktoren...

Eine Studie stellt die Hypothese auf, dass es sich bei der Entwicklung bzw. beim Bestehenbleiben der Rektusdiastase möglicherweise um eine Gewebeschwäche handelt.(3) Eine andere legt nahe, dass es möglicherweise vererbbare Formen gibt. (4)

Die gute Nachricht!

Training hilf! Zu dem Ergebnis kommt eine systematische Analyse (Systematic Reviev) der bestehenden Literatur. Laut dieser Studie scheint es zu helfen sowohl in der Zeit vor der Schwangerschaft, in der Schwangerschaft als auch nach der Schwangerschaft hilft die Rektusdiastase zu verbessern. (5)

1:Sperstad JB, Tennfjord MK, Hilde G, Ellström-Engh M, Bø K. Diastasis recti abdominis during pregnancy and 12 months after childbirth: prevalence, risk factors and report of lumbopelvic pain Br J Sports Med. 2016 Sep;50(17):1092-6.

2: Turan V, Colluoglu C, Turkyilmaz E, et al. Prevalence of diastasis recti abdominis in the population of young multiparous adults in Turkey. Ginekol Pol
2011;82:817–21.

3: McPhail I. Abdominal aortic aneurysm and diastasis recti.Angiology. 2008 Dec-2009 Jan;59(6):736-9. doi: 10.1177/0003319708319940. Epub 2008 Jun 10.

4: Digilio MC1, Capolino R, Dallapiccola B. Autosomal dominant transmission of nonsyndromic diastasis recti and weakness of the linea alba. Am J Med Genet A. 2008 Jan 15;146A(2):254-6.

 5:Benjamin DR, van de Water AT, Peiris CL. Effects of exercise on diastasis of the rectus abdominis muscle in the antenatal and postnatal periods: a systematic review. Physiotherapy 2014;100:1–8.

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Fr

27

Jan

2017

Neueste Studie kommt zu Ergebnis: Frauen mit Rektusdiastase haben nicht mehr Kreuzschmerz, als andere Frauen nach Geburt.

Längere Zeit hat man geglaubt, dass es durch das Vorhandensein einer Rektusdiastase zu einem vermehrtem Auftraten von Kreuzschmerzen kommt. Dies scheint sich laut Studie nun nicht zu bestätigen. (1)

Frauen mit und ohne Rektusdiastase leiden nach Geburt gleich oft an Kreuzschmerzen. Im Gegensatz zu älteren Studien kommt eine Studie nun zu dem Ergebnis, dass Frauen mit Rektusdiastase nicht häufiger an Kreuzschmerzen leiden, als andere Frauen, die ebenfalls entbunden haben, jedoch keine Rektusdiastase mehr haben. Für beide Gruppen gilt jedoch: Rumpfmuskulatur trainieren hilft gegen Kreuzschmerz!

1:Sperstad JB, Tennfjord MK, Hilde G, Ellström-Engh M, Bø K. Diastasis recti abdominis during pregnancy and 12 months after childbirth: prevalence, risk factors and report of lumbopelvic pain Br J Sports Med. 2016 Sep;50(17):1092-6.

Fr

20

Jan

2017

Die wichtigsten Funktionen des tiefen Bauchmuskels

Fast könnte man meinen er ist ein richtiger "Wunderwuzzi" dieser tiefe Bauchmuskel mit medizinischem Namen "Musculus Transversus Abdominis" oder in Therapeutensprache einfach TA genannt. Er bildet die tiefst Schicht der so genannten vorderen Rumpfkapsel. Er umschließt unseren Rumpf wie ein Korsett. Warum Sie ihn trainieren sollten, falls Sie Lendenwirbelsäulenschmerzen haben, an einer Beckenbodenschwäche leiden oder eine Rektusdiastase haben, lesen Sie hier:

Stabilität der Lendenwirbelsäule

Durch seinen korsettförmigen Verlauf stabilisiert der tiefe Bauchmuskel unsere Lendenwirbelsäule. Falls Sie also Lendenwirbelsäulenprobleme haben, lohnt es sich den tiefen Bauchmuskel zu trainieren!

Synergist des Beckenbodens

Da die tiefsten Fasern des tiefen Bauchmuskels sowohl die selbe Verlaufsrichtung wie ein bestimmter Anteil der Beckenbodenmuskulatur haben, als auch sehr nahe sozusagen neben diesem liegen, kann eine Aktivierung des tiefen Bauchmuskels dabei helfen, den Beckenboden anzuspannen. Falls Sie Probleme haben mit Ihrem Beckenboden, dann könnten Síe von einem Training des tiefen Bauchmuskels profitieren!

Hilfe bei der Kompensation einer Rektusdiastase

Falls Sie eine Rektusdiastase haben, sollten Sie Wert auf einen starken tiefen Bauchmuskel legen. Da der tiefe Bauchmuskel im unteren Anteil des Bauches eine zweite Schicht besitzt, do oberhalb der geraden Bauchmuskulatur verläuft kann er die Diastase sozusagen "vorsapannen" und verhindert somit das Sichtbarwerden der Vorwölbung der Organe bei Aktivierung der geraden Bauchmuskulatur bei z.B. einer Situp. Diese Kompensation zu erlernen ist unerlässlich damit die Diastase nicht schlimmer wird. Falls Sie eine Rektusdiastase haben, müssen Sie den tiefen Bauchmuskel trainieren!

Mehr zum Training des tiefen Bauchmuskels lesen Sie hier:

Fr

13

Jan

2017

Hilfe mein Beckenboden ist schwach! Was soll ich tun?

Viele Frauen mit schwachem Beckenboden spüren diesen sehr schlecht. Auf Nachfrage sind sie unsicher, ob sie beim Beckenbodentraining die richtigen Muskeln anspannen. Oftmals hilft dann das Training in der Gruppe wenig, wo sie mit Übungen wie "der Seerose" oder dem "Aufzugfahren" schlecht zurecht kommen. An diesem Punkt setzt die physiotherapeutische Behandlung an und untersucht Kraft und Ausdauer des Beckenbodens.

Mittels vaginaler Tastuntersuchung werden von der spezialisierten Therapeutin Kraft-, und Ausdauerleistung der Beckenbodenmuskulatur ermittelt. Untersucht wird nach der so genannten Perfect Methode. Beurteilt wird dabei die Maximalkraft des Beckenbodens, wie lange die Kontraktion gehalten werden kann, wie oft dies möglich ist und wie gut der Beckenboden entspannen kann. Nach der Untersuchung weiß man ob eine willentliche Beckenbodenkontraktion überhaupt möglich ist und wie es um Kraft-, und Ausdauerleistung bestellt ist. Dies bietet die Grundlage zu einem gezielten Training.

Stellt sich bei der Untersuchung heraus, dass der Beckenboden sehr schwach ist, besteht die Möglichkeit diesen erst mal mit Hilfe von Elektrostimulation und Biofeedback so weit zu trainieren, bis die Anspannung für die Patientin gut spürbar ist und sie somit in die Lage kommt, mittels Übungen weiter zu trainieren.

Beim Training eines schwachen Beckenbodens gibt es die Möglichkeit auf Übungen zurückzugreifen bei denen der Beckenboden zuerst über die Aktivierung seiner Synergisten angesteuert wird. Eine weitere Möglichkeit stellt das so genannte reaktive Beckenbodentraining dar, bei dem die Beckenbodenkontraktion sozusagen "automatisch" mittels schneller Zwerchfellbewegungen ausgelöst wird.

Falls Sie Probleme haben Ihren Beckenboden bei Übungen wie der "Seerose" oder dem "Aufzugfahren" zu aktivieren, bitte nicht verzweifeln! Wenden Sie sich an eine spezialisierte Physiotherapeutin, die Ihnen gerne weiter hilft.

Fr

06

Jan

2017

Die ignorierte Inkontinenz

Was haben die Krankheiten Diabetes Mellitus, SCI (Querschnittlähmung) Insult (Gehirnschlag), MS und Morbus Parkinson gemeinsam? Sie alle können eine Stuhlinkontinenz auslösen! OA Michaela Lechner geht in ihrem Vortrag auf die Art der Inkontinenz, Gründe und Häufigkeit ein.

Diabetes Mellitus

Von Diabetes betroffene Menschen leiden häufig an Durchfällen, was eine Stuhlinkontinenz begünstigt. Häufig ist die Dünndarmmotilität gestört. Nächtliche Inkontinenz tritt aufgrund der Hyperglykämie auf, die sich negativ auf den Schließmuskel auswirkt. Ursachen sind die Dysfunktion des autonomen Nervensystems und die Atrophie der Darmwand. Für den behandelnden Arzt ist wichtig andere Ursachen auszuschließen.

Insult und Inkontinenz

30% aller Insultpatienten sind unmittelbar nach dem Insult stuhlinkontinent. Nach einem Jahr sind es nur noch 10%. Das Risiko dass die Inkontinenz bestehen bleibt ist höher je geringer die Fähigkeit zur Orientierung ist, wenn eine Harninkontinenz besteht, wenn Anticholinergika eingenommen werden und wenn der Patient HIlfe beim Toilettengang benötigt.

Multiple Sklerose

40 % der von MS Betroffenen leiden an Obstipation, eine Inkontinenz entwickeln 20-30%.

MMC - Meningomyelocele - Spina Bifida

Bei der MMC tritt in 50% ein Hydrocephalos auf, von einer Stuhlinkontinenz sind 48% betroffen.

(Chirurgische) Therapie der Stuhlinkontinenz

Als Therapiemöglichkeiten nennt Lechner die Transanale Irrigation (TAI), eine Art von Einlauf, mit dem man die Entleerungszeit bestimmen kann,  die sakrale Neuromodulation, bei der ein unter die Haut implantierter Impulsgeber mit den Sakralnerven verbunden wird und eine Entleerung auslöst. Als weiter Möglichkeit besteht die Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Stoma).

Fr

30

Dez

2016

Physiotherapie bei Genitalprolaps

Physiotherapie bei Senkungsbeschwerden (Genitalprolaps) hat als Ziel die Effizienz des Beckenbodens zu verbessern. Hilfsmittel zur Erhebung des Status Quo sind vaginale Palpation, Miktionsprotokoll, Beurteilung von Haltung und Aufrichtung. Die erhobenen Befunde bestimmen die weitere Therapie.

Abbildung aus dem Buch: Palpation für das Beckenbodentraining von E. Hanzal, Ch. Stelzhammer, B. Bartosch, E. Udier
Abbildung aus dem Buch: Palpation für das Beckenbodentraining von E. Hanzal, Ch. Stelzhammer, B. Bartosch, E. Udier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Ihrem Vortrag zum Thema Physiotherapie bei Genitalprolaps bei der 26. Jahrestagung der MKÖ macht Christine Stelzhammer darauf aufmerksam, dass Physiotherapie bei Genitalprolaps in internationalen Guidlines eine Level 1 Evidence besitzt, also erwiesenermassen hilfreich ist. Weiters nennt sie Ziele, Assessments und Inhalte der Physiotherapie.

Ziele der Physiotherapie bei Senkungsbeschwerden

Die Ziele bestehen in der strukturellen Verbesserung, der Kraft und Effizienz des Beckenbodens. Ziel ist eine Verkleinerung der Öffnung, durch die die Organe sich absenken. Die Patientinnen müssen lernen ihren Beckenboden vor und während einer Erhöhung des intra abdominellen Drucks zu aktivieren.

Assessments in der Physiotherapie bei Genitalprolaps

Eine genaue Befragung zu den Symptomen (Anamnese), die Vaginale Palpation, bei der die Muskelkraft des Beckenbodens beurteilt wird, ein Miktionsprotokoll, welches Aufschluss über eine eventuell bestehende Inkontinenz gibt, der Pop-Q State, als Beurteilung des Schweregrads der Senkung sowie die Beurteilung der Entspannungsfähigkeit des Beckenbodens, Haltung und die Aufrichtung zählen zu den von der PhysiotherapeutIn erhobenen Befunden und bestimmen das weitere Vorgehen in der Therapie.

Fr

23

Dez

2016

Pflegerische Instrumente zur Evaluierung der Inkontinenz

Je nachdem ob es um Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz geht, gibt es verschiedene Scores und Assessment Tools, die es erlauben, den Schweregrad der Inkontinenz zu bestimmen. Bei Harninkontinenz kommen hierfür das Blasentagebuch, der Messbecher und der so genannte Pad Test zur Anwendung. Bei Stuhlinkontinenz wird der Wexner Score und die Bristol Stool Scale verwendet.

Der Frage welche Instrumente den Pflegefachkräften zur Verfügung stehen, um eine auftretende Inkontinenz zu evaluieren, widmete sich die Kontinenz- und Stomaberaterin Adelheid Anzinger in ihrem Vortrag anläßlich der 26. Jahrestagung der MKÖ in Linz. Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt: Wie schwer ist denn nun meine Inkontinenz und mit welchen Fragen muss ich rechnen, wenn ich mich damit an einen Arzt oder eine KSB wende.

Fragen, die gestellt werden...

Fragen, die Ihnen gestellt werden sollten sind: Art, Beginn, Verlauf und der aktuelle Stand Ihrer Inkontinenz. In einer so genannte Miktionsanamnese (bzw. Defekationsanamnese) werden Sie danach befragt wie sie Ihre Blase oder Ihren Darm entleeren. Ob Sie etwa pressen, in welcher Position Sie entleeren, wie sich Bewegung auf Ihre Beschwerden auswirkt etc.

Harninkontinenz:

Blasentagebuch, Messbecher und Pad Test

In einem weiteren Schritt werden Sie aufgefordert über 24 Stunden ein so genanntes Blasentagebuch zu führen. Daraus kann der Arzt meist schon einiges über Ihre Harninkontinenzform ableiten. Möglicherweise werden Sie aufgefordert in einen Messbecher zu urinieren. Daraus ergeben sich Daten zu Ihrer Blasenkapazität. Bei einem Pad Test wird die Einlage trocken und voll gewogen. So erfährt man etwas darüber, wie viel Sie innerhalb einer bestimmten Zeit verlieren.

Stuhlinkontinenz

Wexner Score und Bristol Stool Scale

Um den Grad einer Stuhlinkontinenz zu ermitteln kommt der so genannte Wexner score zum Einsatz. Dabei wird gefragt ob die Stuhlinkontinenz auf Winde beschränkt ist, bei flüssigen Stuhl oder auch bei festem Stuhl auftritt, ob Einlagen getragen werden und wie sehr das Alltagsleben gestört wird. Auf diese Art wird ein Wert zwischen 0 und 20 ermittelt, der dem Schweregrad der Inkontinenz entspricht.

Die Bristol Stool scale soll dabei helfen die Konsistenz des Stuhls zu beschreiben. Dabei handelt es sich um Zeichnungen der unterschiedlichen Stuhlkonsistenzen.

Auf diese Art ermittelt die Pflegefachkraft die aktuelle Inkontinenz, um Ihre Hilfsmittel optimal anzupassen und generiert gleichzeitig Daten, die von anderen Berufsgruppen (Arzt, Physiotherapeutin) dann nicht noch einmal erhoben werden müssen.

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Do

22

Dez

2016

FROHE WEIHNACHTEN 2016!

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Fr

16

Dez

2016

Zusammenhang Geburtsmodus und Harninkontinenz?

Faktoren, die sich auf das Harninkontinenzrisiko auswirken sind wie Prim. Lothar Fuith in seinem Vortrag erklärt: die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, Anzahl der Geburten, Geburtsgewicht des Kindes, Alter der Patientin bei der Geburt, die Länge der Austreibungsphase. Ein Kaiserschnitt verringert das Harninkontinenzrisiko allerdings nur bis zu einem gewissen Alter.

39 % der Schwangeren leiden in der 30 SSW an Harninkontinenz. 20 % haben 6 Monate nach der Entbindung noch Harninkontinenz. Welche Faktoren dafür verantwortlich sind erklärt Prim. Fuith in seinem Vortrag anläßlich der 26. Jahrestagung der MKÖ in Linz.

Zusammenhang zwischen Gewichtszunahme und HIK

Je mehr Gewicht in der Schwangerschaft zugelegt wird, umso wahrscheinlicher wird eine Inkontinenz. Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen sind die Anzahl der Geburten, das Geburtsgewicht des Kindes und das Alter der Patientin bei der Geburt. Je mehr Geburten, je größer das Kind und je älter die Frau, umso größer wird das Risiko für eine Harninkontinenz. Eine verlängerte Austreibungsphase (über 2 Stunden) erhöht ebenfalls die Gefahr eine Harninkontinenz zu bekommen.

Schützt Kaiserschnitt vor dem Auftreten einer Harninkontinenz?

Laut Studien haben Frauen, welche einen Kaiserschnitt hatten in den ersten Jahren nach der Entbindung einen Vorteil gegenüber Frauen, die vaginal entbunden haben. Im Alter jedoch hebt sich dieser Vorteil auf und die Inkontinenzrate ist mit 60 Jahren wieder gleich verteilt.

Die positive Nachricht: Studien zeigen, dass Beckenbodentraining die Harninkontinenzrate um 56% senkt. Während viele der genannten Faktoren von der werdenden Mutter nicht beeinflussbar sind, stellt Beckenbodentraining vor und nach der Entbindung eine Möglichkeit dar, das Risiko zu minimieren.

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Fr

09

Dez

2016

Sport in Schwangerschaft und nach Geburt

Viele Schwangere fragen sich was und wie viel sie in und nach der Schwangerschaft trainieren sollen. Für Ihren Vortrag bei der 26. Jahrestagung der MKÖ hat die Physiotherapeutin Katharina Meller Studien durchforstet und die Ergebnisse zusammengefasst.

Sport rund um die Schwangerschaft im Wandel der Zeit

Wie Katharina Meller in Ihrem Vortrag anlässlich der 26ten Jahrestagung der MKÖ (Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich) zu "Sport rund um die Schwangerschaft" feststellt unterliegt auch das Sportverhalten in und um die Schwangerschaft einem Wandel der Zeit. So war beispielsweise im Jahr 1916 die medizinische Empfehlung an Schwangere ausschließlich zu gehen oder Fahrrad (!) zu fahren. Eine Analyse der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur ergibt etwas abweichende Empfehlungen.

Erschöpfung vermeiden!

Das Wichtigste zuerst. Studien belegen, dass die werdende Mutter ihrem subjektiven Erschöpfungsgrad vertrauen kann. Ihr Gefühl während des Trainings ist also entscheidend und nichts anderes!

Sichere Sportarten wählen!

Die heutigen Empfehlungen stellen die Sicherheit in den Vordergrund. Ein Konsens besteht in der Literatur darüber, dass schwimmen, walken, Crosstrainer, aber auch moderater Tanz, moderate Gymnastik und Thai Chi angeraten werden können.

Vorteile von Bewegung in der Schwangerschaft

Wer in der Schwangerschaft moderat trainiert, hat Vorteile was das Herz-Kreislaufsystem betrifft, normalisiert den Blutdruck und schützt vor Gefäßerkrankungen. Täglich 30 Minuten moderates Trainiert wirkt sich außerdem positiv auf den Geburtsverlauf aus.

Wieder fit werden - aber wie?

Als optimaler Beginn der Rückbildung nennt Meller bereits das Frühwochenbett. Nach der Entlassung aus dem KH sollte eine gezielte Rückbildung für die Rumpfkapsel und den Beckenboden begonnen werden.

Vor der Wiederaufnahme des Lauftrainings - unbedingt Reaktivität Beckenboden wieder herstellen!

Der Beckenboden muss während des Laufens arbeiten, sonst besteht die Gefahr einer Senkungsproblematik. Falls Sie Zweifel haben, ob Ihr Beckenboden schon wieder fit ist, bitte unbedingt eine spezialisierte Physiotherapeutin konsultieren.

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Fr

02

Dez

2016

Giggle Inkontinenz - Wenn lachen zur Qual wird.

Bei der Giggle Inkontinenz handelt es sich um Harninkontinenz, die ausschließlich durch lachen ausgelöst wird. Diese besteht von Kindheit an. Als Therapieformen stehen medikamentöse sowie physiotherapeutische Therapie zur Verfügung.

Die deutsche Physiotherapeutin Astrid Landmesser stellte in Ihrem Vortrag bei der 26ten Jahrestagung der MKÖ die so genannte "Giggle Inkontinenz" vor. Dabei handelt es sich um eine Form der Harninkontinenz, bei der (von Kindheit an) ausschließlich beim Lachen Harn verloren wird. Frau Landmesser hat ein Therapiekonzept dagegen entwickelt.

Abklärung wichtig

Die von Giggle Inkontinenz betroffenen Kinder sind Blasengesund. Deshalb muss um eine Giggle Inkontinenz zu diagnostizieren alles andere ausgeschlossen werden. Typisch für die Erkrankung ist, dass die Kinder weder beim springen, noch bei anderen typischen Provokationen Harn verlieren. Nur eben beim lachen.

Medikamentöse Therapie zu viele Nebenwirkungen

Frau Landmesser berichtet, dass bei von Giggle Inkontinenz betroffenen Kindern eine medikamentöse Therapie mit Ritalin zwar wirkt, jedoch zu viele Nebenwirkung hat, um eine dauerhafte Lösung zu bringen.

Erfolgreiche Therapie

Als erfolgreich hat sich nun eine Mischung aus Medikamenten, physiotherapeutischer Behandlung mittels Atemtherapie, Wärme, Zwerchfelldehnung, Beckenbodentraining und Entspannungsübungen erwiesen.

Falls Ihr Kind von dieser seltenen Form der Inkontinenz betroffen ist, nehmen Sie mit einer spezialisierten Physiotherapeutin Kontakt auf!

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Fr

25

Nov

2016

Blasenfunktionsstörungen im Wochenbett

Im Wochenbett kann es zu Blasenfunktionsstörungen kommen. Diese reichen von der gänzlichen Unfähigkeit die gefüllte Blase zu entleeren über Restharnbildung zu abgeschwächtem Harnstrahl. Die mögliche Therapie besteht darin die Blase nach der Uhr zu entleeren bis hin zum Setzen eines Dauerkatheters.

Beim Vortrag "Blasenfunktionsstörungen im Wochenbett" bei der 26ten Jahrestagung der MKÖ wurde von der Gynäkologin Dr. Marianne Koch die Wichtigkeit der Kontrolle der Blasenfunktion in den Stunden nach der Geburt hervorgehoben.

Im Wochenbett kommt es häufig vor, dass Frauen unter Blasenfunktionsstörungen leiden. Dabei kann die Blase entweder gar nicht entleert werden, oder nur unvollständig.

Diagnostiziert wird eine solche Blasenfunktionsstörung mit Hilfe eines Ultraschalls der Blase. Dabei kann die Ärztin/der Arzt sehen, ob die Blase gefüllt ist, diese Füllung jedoch nicht bemerkt wird oder ob beispielsweise ein Restharn nach bereits erfolgter Entleerung bleibt.

Je nach Ausprägung der Blasenfunktionsstörung besteht die Therapie darin die Blase regelmäßig, nach der Uhr alle paar Stunden zu entleeren, in Kälteapplikationen, der Verabreichung von Schmerzmitteln, dem einmaligen setzen eines Katheters oder der Anlage eines Dauerkatheters.

Da es sich bei der Blase um einen Muskel handelt, der falls überdehnt dauerhaft geschädigt wird, wird das zuständige Fachpersonal, auch wenn Sie unmittelbar nach der Geburt keinen Harndrang verspüren, darauf achten, dass Sie Ihre Blase innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt entleeren. Falls dies nicht gelingt, oder Sie das Gefühl der unvollständigen Entleerung haben, sollten Sie dies einer Ärztin/einem Arzt mitteilen.

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Fr

18

Nov

2016

Bei der Geburt erlittene Verletzungen des Afters können zu Stuhlinkontinenz führen. Oft bleiben diese jedoch unentdeckt.

Die Proktologin OA Dr. Haunold erklärt in Ihrem Vortrag bei der 26. Jahrestagung der MKÖ, dass Stuhlinkontinenz nach Geburt die Folge einer Schädigung des Afterschließmuskels sein kann. Als mögliche Therapie stehen operative Verfahren zur Wiederherstellung des Schließmuskels sowie physiotherapeutisches Beckenbodentraining mit Schließmuskeltraining zur Verfügung.

Dabei gibt es eine hohe Dunkelziffer an Sphinkterdefekten, wie die Verletzung des Afterschließmuskels medizinisch genannt wird. Überraschend ist, dass viele dieser Verletzungen erst nach Jahren Probleme machen.

Spezialisierten Facharzt konsultieren, denn es gibt Hilfe!

OA Haunold beschreibt eindringlich die Scham und damit einhergehende soziale Isolation, die bei Stuhlinkontinenz auftritt. Deshalb bitte schon bei ersten Anzeichen eines geschwächten Afterschließmuskels wie etwas der Unfähigkeit Winde oder flüssigen Stuhl zurück zu halten, geeignete Maßnahmen ergreifen.

Konservative Therapie als erstes Mittel

Neben diätischen Maßnahmen, Stuhleindickung, der gezielten Darmentleerung steht Beckenbodentraining im Zentrum der nicht operativen Therapie, da der Afterschließmuskel Teil des Beckenbodens ist und ebenfalls trainiert werden kann.

Operative Therapie

Es gibt verschiedene operativer Verfahren, die gegen Stuhlinkontinenz eingesetzt werden. Dazu zählt der so genannte "Sphinkter Repair" bei dem der Schließmuskel rekonstruiert wird. Leider hat diese Operation nur in den ersten Jahren gute Erfolge, danach steigt die Stuhlinkontinenzrate wieder an.

Was tun falls man Sphinkterläsion hat?

Da nur eine geringe Anzahl der Frauen, die bei der Geburt einen verletzten Schließmuskel hatten, Stuhlinkontinenz entwickelt, brauchen Sie keine Angst zu haben. Jedoch sollten Sie mit einem regelmäßigem Beckenbodentraining beginnen, um einer Stuhlinkontinenz im höheren Alter vorzubeugen! Falls Sie bereits von Stuhlinkontinenz betroffen sind, wenden Sie sich an eine entsprechende Darmambulanz.

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Fr

11

Nov

2016

Seniorenmesse Vitalplus - Vortrag zum Thema "Gesunde Blase & starker Beckenboden. Damit Niesen, Husten oder Stiegen steigen kein Problem (mehr) sind.

Es war eine Ehre für mich, dazu eingeladen zu werden, bei der heurigen Vitalplus Seniorenmesse  den Vortrag "Gesunde Blase & starker Beckenboden" als "Expertin" der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich zu halten. Anschließend stand noch Zeit für Fragen zur Verfügung. Ich hoffe, einigen Menschen damit geholfen zu haben, auf dem Weg zu einem Leben mit starkem Beckenboden!

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Fr

04

Nov

2016

Perinealer Ultraschall - die Zukunft bei der Diagnose von Beckenboden und Senkung?

Eine neues Diagnoseverfahren der Beckenbodenfunktion hat Hans Peter Dietz beim Netzwerktreffen der Fachgruppe GUP  vorgestellt. Beim perinealen Ultraschall bleibt der Schallkopf außerhalb des Körpers. Somit kann die Funktion der Muskulatur und ihre Intaktheit überprüfen werden.

Anlässlich eines Workshops beim Netzwerktreffen der Fachgruppe Uro- Prokto- und Gynäkologie, welches die 26. Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs flankierte stellte Prof. Hans Peter Dietz (University of Sidney) die Möglichkeiten perinealen Ultraschalls vor. Dabei kamen einige interessante Aspekte von Senkungsbeschwerden zur Sprache.

 

Untersuchung von Form und Funktion

Hans Peter Dietz beschäftigt sich seit Jahren mit den Möglichkeiten von Ultraschall und hat auf dem Gebiet des perinealen Ultraschalls eine Vorreiterrolle. Eigentlich ist es ganz einfach. Anstatt zur Untersuchung einen Ultraschallkopf in die Vagina einzubringen legt Hans Peter Dietz einen Ultraschallkopf an den Damm. Und mit Hilfe eines der besten Ultraschall Geräten der Welt und seiner jahrzehntelangen Erfahrung kann er die Strukturen des kleinen Beckens: Muskeln und Organe sehr deutlich sichtbar machen. Und weil der Ultraschallkopf sich außerhalb des Körpers befindet stellt Hans Peter Dietzs Verfahren die Möglichkeit dar, den Beckenboden in seiner Funktion zu überprüfen. Wir PhysiotherapeutInnen sind begeistert!

Bei Senkung oft Muskel gerissen - prognostischer Faktor für Operation

Hans Peter Dietz hat mit Hilfe seiner Methode herausgefunden, dass bei manchen Frauen, die unter Senkungsbeschwerden leiden ein bestimmter Beckenbodenmuskel (von mehreren) ein- oder gänzlich abgerissen ist. Die schlechte Nachricht: Laut seiner Angaben wird es noch 5-10 Jahre dauern, um diesen Schaden operativ bestmöglich zu beheben. Bis dahin bleibt wohl nur üben, üben, üben...

Tipp: Falls bei Ihnen eine Senkungsoperation geplant ist, fragen Sie nach der wahrscheinlichen Rezidivrate - dann gibt es später keine unliebsamen Überraschungen!  

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Fr

28

Okt

2016

Rückblick: 26. Jahrestagung der MKÖ. Thema Kontinenz. Basics & Highlights

Es war eine thematisch bunt gemischte Tagung. Das Spektrum reichte von den häufig mit Inkontinenz in Verbindung gebrachten Themen wie Geburt und Prolaps bis hin zu seltenen Formen wie der Giggle Inkontinenz bei Kindern oder  Inkontinenz nach Wirbelsäulenoperationen. Neue Untersuchungsmethoden wie der Einsatz von perinealem Ultraschall wurde vorgestellt, sowie neue Methoden in der elektrotherapeutischen Behandlung von Nervenverletzungen. Wir alle haben viel gelernt und uns wieder mal in Linz sehr wohl gefühlt. Danke der MKÖ für die Organisation dieser hilfreichen, lehrreichen und sympathischen Tagung!

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Fr

21

Okt

2016

Stufenplan Beckenbodentraining

Manche meiner Patientinnen treten an mich heran nachdem sie bereits Beckenbodentraining gemacht haben - jedoch erfolglos. Lesen Sie hier, was Sie beim Training beachten sollten, damit Sie den bestmöglichen Erfolg erzielen.

Korrekte Kontraktion

Grundlage eines jeden Beckenbodentrainings ist die Fähigkeit den Beckenboden korrekt zu kontrahieren. Falls Sie Zweifel daran haben, ob Sie Ihren Beckenboden korrekt anspannen können, wenden Sie sich an eineN BeckenbodenphysiotherapeutIn und lassen Sie das testen!

Kraft, Ausdauer und Entspannung trainieren!

Achten Sie darauf sowohl Ausdauer als auch Kraft Ihres Beckenbodens zu trainieren! Auch eine effektives Entspannen Ihres Beckenbodens sollten Sie üben, denn ein Muskel, der nicht richtig entspannen kann, arbeitet genauso schlecht, wie ein schwacher Muskel.

Beckenbodentraining in den Alltag integrieren.

Sie sollten in einem weiteren Schritt Ihren Beckenboden in den Alltag integrieren. Beispielsweise beim Geschirrrspüler ein- und ausräumen, staubsaugen oder Stiegen steigen sollten Sie darauf achten Ihren Beckenboden zu aktivieren.

Rücken- und Beckenboden schonend bewegen!

Sie sollten im Alltag darauf achten, Belastungen möglichst beckenbodenschonend durchzuführen. Dabei gilt: alles was Ihren Rücken schont, schont auch Ihren Beckenboden.

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Fr

14

Okt

2016

Stuhltraining bei Obstipation

Lesen Sie hier wie ein begleitetes Stuhltraining Ihnen gegen Obstipation (Verstopfung) helfen kann. Die Kontinenz- und Stomaberaterin Gisele Schön erklärt wie ein solches abläuft und wer einen dabei unterstützt.

RH: Ein Thema das mir in meiner physiotherapeutischen Praxis  oft begegnet, ist das Thema Obstipation. Da ist Deine Berufsgruppe, also Kontinenz- und Stomaberatung spezialisiert drauf?

GS: Ja! Ich kann mich an eine Patientin erinnern, die hat über 60 Jahre Abführmittel genommen und innerhalb von drei Wochen hatte sie durch ein begleitetes Stuhltraining eine normale Stuhlentleerung. Ohne Abführmittel!

RH: Was passiert bei so einem begleiteten Stuhltraining?

Darmfunktion – Volkskrankheit Obstipation

GS: Also Obstipation entsteht ja meisten oder fast immer, wenn Menschen ballaststoffarm essen und wenig trinken. Viele trainieren sich die Verstopfung unbewusst in der Jugend oder im Berufsleben an. Sehr oft passt da ein Stuhldrang der verspürt wird nicht in die Situation. In der Schule während des Unterrichts zum Beispiel, oder im Berufsleben stehen viele unter Druck. Da passt so ein Stuhldrang halt gerade nicht! Er wird einfach unbewusst verdrängt. Doch desto länger der Stuhl im Darm verweilt, desto härter wird er und desto beschwerlicher ist dann das Stuhl absetzen.

Um das leichter zu verstehen muss man sich die Funktion des

Dickdarms anschauen.

Der durchwandernde Stuhlbrei wird dehydriert. Wenn der Stuhl

aus dem Dünndarm in den Dickdarm fließt, ist er ein flüssiger Brei und beim Durchwandern durch den Dickdarm entzieht der Organismus Wasser aus dem durchwanderten Stuhlbrei. Die Ballaststoffe verhindern das die Flüssigkeit herausgezogen werden kann. Ohne Ballaststoffe trocknet der Stuhlbrei bei der Wanderung durch den Dickdarm ein das Volumen wird kleiner, und wenn der Stuhl im Enddarm ankommt sind das nur noch so harte Knödl, die Probleme beim Ausscheiden machen.

Normalerweise sollte der Stuhlbrei, wenn er im Enddarm ankommt eine geformte Konsistenz haben. Wenn aber jemand nur Kuchen und Fleisch

zu sich nimmt, ist nichts drinnen, was den Stuhlbrei ein bisschen wässriger hält.

In dieser Situation nehmen die Betroffenen Abführmittel, die

im Dünndarm wirken. Das bedeutet der Stuhlbrei wird ganz schnell durch den Dünndarm und den Dickdarm weiterbefördert. Die Leute haben dann Durchfall und oft bleiben sogar Stuhlsteine im Dickdarm zurück. Obstipation ist sehr häufig und eine Volkskrankheit. Leider spricht kaum jemand darüber!

Ablauf des Stuhltrainings

GS:Bei Babys gab man gegen Verstopfung Milchzucker in Tee. Der Milchzucker hält die Flüssigkeit im Stuhlbrei zurück. Milchzucker wird sehr langsam in den unteren Darmabschnitten aufgenommen. Ein Teil des Milchzuckers gelangt bis ins Colon (Dickdarm) dort wandeln Darmbakterien den „Rest-Milchzucker“ um in Milchsäure, Essigsäure und Kohlensäure.

 

Diese Säuren erhöhen den osmotischen Druck im Darm und bewirken den Wassereinstrom in den Darm, wodurch sich das Stuhlvolumen und

-gewicht erhöhen. Es bilden sich Darmgase, diese erhöhen den Druck im Darm und bewirken Darmbewegungen – die Peristaltik. So einen ähnlichen Stuhlweichmacher nur für Erwachsene gibt man den Betroffenen am Abend. Zum Beispiel Levulose, oder Levolac. Und in der Früh werden zwei Lezicarbon Zäpfchen verabreicht. Das sind Kohlesäurezäpfchen. Die Kohlensäure ist in Kakaobutter verpackt. Wenn sich die Kakaobutter durch die Körperwäre schmilzt wird die Kohlensäure freigesetzt, dann sprudelt sie und löst einen Entleerungsreiz aus. Der weiche Stuhl kann dann problemlos ausgeschieden werden.

 

In einem gemeinsamen Gespräch mit den Betroffenen wird ein

Entleerungsplan erstellt. Zum Beispiel Mo, Mi, Fr. Morgens. Dieser Entleerungszeitpunkt muss immer genau eingehalten werden die Zeit und der Tag. Darum wird es auch Stuhl TRAINING genannt. Am Abend den Stuhlweichmacher, in der Früh das Lezicarbon Zäpfchen. Die kann man jederzeit in der Apotheke kaufen. Das geht ohne Rezept.

Ist ja nur Kohlensäure und Kakaobutter. Man gibt dann zwei Zäpfchen in den Darm, bleibt 15 Minuten in linksseitenlage und dann hinaus aufs WC und dann kann man gut entleeren.

RH: Warum Linksseitenlage?

GS: Weil der Enddarm links im Unterbauch liegt.

RH: Und auf diese Art lernt man zu Entleeren oder muss man das auf ewig so machen?

GS: Nein, die Lezicarbonzäpfchen werden in der Regel so über

drei Wochen verabreicht. In dieser Zeit hat sich der Darm an den Entleerungs Rhythmus gewöhnt. Wenn der Patient die Ernährung nicht umstellt, dann muss er lebenslang einen Stuhlweichmacher bzw. Ballaststoffe zu sich nehmen. Der Darm ist dann trainiert und meldet sich mit einem Stuhldrang.

RH: Danke für das Gespräch!

Die Krankenschwester, Kontinenz und Stomaberaterin Gisele Schön hat sich ihr Berufsleben lang mit dem Thema Inkontinenz beschäftigt. Ihre Laufbahn als OP Schwester im urologischen und gynäkologischen Bereich führte Sie zum Theama Inkontinenz. Gisele Schön hat einen Ratgeber für Betroffene von Harn- und Stuhlinkontinenz geschrieben. Sie hat in mehreren Expertengremien gearbeitet, ist Vorstandsmitglied der Medizinische Kontinenzgesellschat Österreich und hat an der Erstellung von Pflegestandards im In- und Ausland mitgewirkt. Derzeit schreibt sie an einem weiteren Fachbuch für Pflegekräfte.

Weitere Informationen zum Thema begleitetes Stuhltraining finden Sie hier:

Kontinenzberatung der FSW - Wiener Pflege- und Betreuungsdienste GmbH

Laudongasse 29-31, 1080 Wien

Tel.: +43/1/4000-66503

E-Mail-Beratung: kontinenz@fsw.at

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Fr

07

Okt

2016

Ausblick: 26. Jahrestagung der MKÖ 21-22. Oktober 2016

Unter dem Titel "Kontinenz: Basics und Highlights" findet von 21.-22.10.2017 die 26. Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs (MKÖ) statt. Schwerpunkte der heurigen Tagung sind Kontinenz und Geburt, Inkontinenz nach Wirbelsäulenchirurgie und seltene Formen von Inkontinenz wie die Giggle Inkontinenz

Von 21.-22. Oktober findet die Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs heuer (wie immer) in Linz statt. Die Themen dieses Jahres reichen von "Kontinenz und Geburt" bis hin zu "Inkontinenz nach Wirbelsäulenchirurgie".  In Workshops werden Spezialthemen wie etwa die Untersuchung des Beckenbodens mit Hilfe von Ultraschall behandelt. Es verspricht eine sehr abwechslungsreiche und lehrreiche Tagung zu werden. Bericht folgt.

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Fr

30

Sep

2016

Inkontinenz nach Geburt - Gründe, Arten, Therapie

Viele Frauen stellen nach der Geburt eines Kindes erstaunt fest, dass sie an Harninkontinenz oder manchmal auch Stuhlinkontinenz leiden. Im Folgenden finden Sie die häufigsten Arten, Gründe und Therapiemethoden.

Häufigste Form: Harninkontinenz

Zu Harninkontinenz nach Geburt kann es aufgrund von Nerven- oder Muskelverletzungen kommen. Auch eine generelle Beckenbodenschwäche als Folge von Schwangerschaft und Geburt kann der Grund sein.

Nervenverletzungen

In der Austreibungsphase (Phase der Presswehen) befindet sich der Kopf des Kindes im kleinen Becken der Frau. Dort verläuft auch jener Nerv, der die Beckenbodenmuskulatur versorgt. Es ist möglich, dass dieser Nerv durch den kindlichen Kopf gedrückt bzw. infolge des Drucks überdehnt wird. Dadurch kann es zu Harninkontinenz nach der Geburt kommen. Dies ist neben der Sorge um die Herztöne des Kindes ein Grund, warum sich Geburtshelfer eine rasche Austreibungs- phase wünschen.

Eine Nervenverletzung nach Geburt zeigt sich beispielsweise durch verminderte Sensibilität im Dammbereich, es kann zur völligen Unfähigkeit der Anspannung des Beckenbodens kommen, der Beckenboden wird häufig gar nicht mehr gespürt.

Die Therapie einer Nervenverletzung besteht aus Beckenbodentraining, bei dem der Nerv in seiner Regeneration unterstützt wird. Die Bewegung muss wieder neu "gebahnt" werden, da neue Nervenfasern erst in den Muskel einsprossen müssen. Meist dauert das Training des Beckenbodens bei geschädigtem Nerv deutlich länger, als bei Muskelschwäche ohne Nervenbeteiligung.

Muskelverletzungen und Muskelschwäche

In der letzten Phase der Geburt wird die Beckenbodenmuskulatur auf Kindskopfgröße ausgedehnt. Viele Frauen empfinden dabei ein schneidendes Gefühl. Oftmals kommt es dabei zu Dammrissen, von denen auch die Muskulatur betroffen sein kann. Durch die beschriebene Dehnung bzw. die Verletzung der Beckenbodenmuskulatur durch Risse kann es zu vermehrter Harninkontinenz kommen.

Die mit Abstand häufigste Ursache dürfte in einer generellen Schwächung des Beckenbodens in der Schwangerschaft und durch die Geburt liegen. Beckenbodentraining wird hier relativ rasche Erfolge zeigen.

Falls Sie von Harninkontinenz nach der Geburt eines Kindes betroffen sind, scheuen Sie sich nicht mit Ihrem Gynäkologen darüber zu sprechen. Der Arzt kann aufgrund Ihrer Angaben über Menge und Häufigkeit des Urinverlusts weitere Untersuchungen vornehmen oder Sie direkt zu einem Beckenbodentraining schicken. (Was in den meisten Fällen die erste Maßnahme ist.)

Verschwindet die Harninkontinenz nicht trotz konsequentem Beckenbodentrainings innerhalb eines angemessenen Zeitraumes, kann eine so genannte Bandoperation notwendig werden. (Was meiner Erfahrung nach sehr selten notwendig ist bei einer Harninkontinenz nach Geburt, da Beckenbodentraining das Problem in den allermeisten Fällen löst!)

Stuhlinkontinenz

Frauen, die bei der Geburt eines Kindes einen Dammriss dritten oder sogar vierten Grades erleiden können danach von Stuhlinkontinenz betroffen sein. Durch den starken Dammriss kommt es dabei zu einer Verletzung der Schließmuskeln des Afters. Falls Sie von einer solchen Stuhlinkontinenz (manchmal auch nur Windinkontinenz) betroffen sind, wenden Sie sich an einen spezialisierten Facharzt. Er wird überprüfen, ob Ihr Schließmuskel verletzt ist, ob ein operativer Eingriff zur Wiedererlangung der Kontinenz nötig ist, oder ein Schließmuskeltraining Ihnen helfen könnte.

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Fr

23

Sep

2016

5 Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie eine Rektusdiastase haben

Viele Frauen bemerken schon während der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Kindes einen Längsspalt in ihrer geraden Bauchmuskulatur. Viele kommen sehr verunsichert in meine Praxis weil sie nicht wissen, was und wie sie nun trainieren sollen und wie sie sich am Besten im Alltag verhalten. Hier fünf Dinge, die Sie beachten sollten:

Achten Sie auf Ihre Haltung!  (Stichwort Baby tragen)

Ihre Bauchmuskulatur ist von der Schwangerschaft überdehnt. Das ist normal. Sie sollten jedoch im Alltag darauf achten, Ihre Bauchmuskulatur nicht noch zusätzlich zu belasten. Achten Sie deshalb darauf, Ihr Kind möglichst aufrecht zu tragen, sodass Ihr Brustkorb über dem Becken steht und nicht dahinter! Dies verlangt viel Konzentration und fordert Ihre Rückenmuskeln sowie Ihren tiefen Bauchmuskel. Bitte immer mal wieder wahrnehmen wie Sie gerade stehen/gehen und die Haltung korrigieren!

Vermeiden Sie Bewegungen bei denen Sie eine Hervorwölbung bemerken.

Vor allem wenn Sie sich hinlegen, oder aufrichten, werden Sie eine Vorwölbung längs an Ihrem Bauch beobachten, wenn Sie eine Rektusdiastase haben. Dabei handelt es sich um Ihre Eingeweide, die von innen gegen die ausgedünnte sehnige Schicht zwischen den geraden Bauchmuskeln drücken. Sie sollten das Auftreten der Vorwölbung zu vermeiden suchen, da die Gefahr besteht, die sehnige Schicht immer mehr auszudehnen, anstatt deren Heilung zu fördern.

Aktivieren Sie Ihren tiefen Bauchmuskel beim Heben, Aufstehen, etc.

Eine Möglichkeit, das Hervortreten der oben beschriebenen Wölbung zu verhindern, besteht in der Aktivierung Ihrer tiefen Bauchmuskulatur. Jedesmal bevor Sie sich hinlegen, bzw. aufrichten, schwer heben (Kind!) bitte tiefe Bauchmuskulatur (am Besten in Kombination mit dem Beckenboden) aktivieren. Wie das geht lesen Sie hier.

Vermeiden Sie Situp Bewegungen

Oftmals kann die tiefe Bauchmuskulatur nach der Entbindung aufgrund ihrer Überdehnung nicht gut bzw. nicht ausreichend angespannt werden, sodass eine Hervorwölbung beim Hinlegen oder Aufrichten nicht zu vermeiden ist. Bitte so lange ausschließlich über die Seite vom Liegen ins Sitzen und zurück kommen!

Kontrollieren und trainieren Sie Ihren Beckenboden

Studien zeigen, dass 2 von 3 Frauen, die eine Rektusdiastase haben, auch Probleme mit ihrem Beckenboden haben. Deshalb bitte unbedingt kontrollieren oder kontrollieren lassen (von GynäkologIn oder PhysiotherapeutIn mit Palpationskurs) ob Sie Ihren Beckenboden willentlich anspannen können und ob die Kraftwerte passen. Beckenboden und Bauchmuskulatur gehören zur so genannten Rumpfkapsel und arbeiten eng zusammen. Ihre Funktion bedingt sich gegenseitig.

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Fr

16

Sep

2016

Mama-Baby-Care - Kein Stress bei der Rückbildung

Für PatientInnen, die mit ihren Babys zur Physiotherapie kommen takte ich meine Behandlungseinheiten so, dass ein Puffer von 15 Minuten bis zur nächsten PatientIn bleibt. Auf diese Art geht keine Therapiezeit verloren auch wenn mal dazwischen gestillt, gewickelt oder beruhigt werden muss.

Es gibt auch so schon genug stress mit Baby, da kann es bei der Physiotherapie ruhig mal ohne ablaufen!

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Fr

09

Sep

2016

Blasentraining bei Dranginkontinenz

Zwar ist Dranginkontinenz keine gefährliche Form der Harninkontinenz, jedoch ist die OAB wet (wie sie in der Fachsprache heißt) eine Form der Inkontinenz, die Betroffene in Ihrer Lebensqualität stark einschränkt, da sie ständig ihre Blase entleeren müssen. Neben medikamentöser Therapie, Beckenbodentraining und verhaltenstherapeutischer Maßnahmen hilft ein so genanntes Blasentraining. Die Kontinenz- und Stomaschwester Gisele Schön erklärt wie das geht.

Blasentraining nur bei überaktiver Blase!

RH: Wenn jemand glaubt ein Blasentraining zu brauchen, an welche Berufsgruppe muss er/sie mich wenden?

GS: An eine Kontinenz- und Stomaberaterin. Blasentraining gehört

immer fachärztlich abgeklärt, ärztlich angeordnet und von einer kompetenten Pflegeperson angeleitet. Wenn jemand selbstständig ein Blasentraining durchführt und zum Beispiel eine Überlaufblase hat dann wäre das gefährlich, weil die Restharnmengen ansteigen könnten und die Gefahr von einem Rückstau in die Niere besteht. Es muss sicher sein, dass es kein Harnwegsinfekt ist, dass der Drang nicht aufgrund eines Abflusshindernisses besteht. Es muss eindeutig ärztlich geklärt sein, dass es eine überaktive Blase ist. Bei einer überaktiven Blase ist ein gezieltes Blasentraining angebracht.

 

RH: Wie funktioniert Blasentraining genau?

Das Protokoll oder Blasentagebuch

GS: Ein Blasentraining erfordert sehr viel Arbeit und Überwachung. Der/die PatientIn lernt zuerst ein Protokoll zu schreiben. Mit dem kommt er/sie in die Beratungsstelle. Da steht drinnen, wann ein Drang vespürt wurde und wann ein ungewollter Harnverlust stattgefunden hat. Dann wird geschaut wie oft passiert das tagsüber. Und dann wird der/dem PatientIn erklärt wie er/sie sich weiter verhalten soll.

Drang veratmen und Beckenboden spannen

GS: Erstens soll der/die Betroffene eine sichere Einlage tragen. Denn falls es zu einer Inkontinenzepisode kommt, ist ein Schutz vorhanden und es kommt zu keinem schlechten Erlebnis. Die Patienten lernen als

erstes nicht beim ersten Drang sofort die Toilette aufzusuchen, sondern sich hinzusetzen und den Drang zu veratmen gemeinsam mit einer leichten Beckenbodenspannung. Meistens hört dann der Drang auf. Und dann geht man aufs Klo und entleert. Also nicht gleich im Drang. Und so fängt man an. Man schreibt das ganz genau auf. So dass man die Drangepisoden etwas hinaus zögern kann. Also bewußt den Drang erleben und veratmen.

Blasenvolumen erweitern

GS: Damit bleibt der/die PatientIn aber auf dem Nieveau der Blasenfüllung, die er/sie zur Zeit hat. Wenn man jetzt das Blasenvolumen vergrößern will, dann muss man noch vermehrt trinken. Das bedeutet aber nicht einfach mehr zu trinken. Sondern das muss ganz genau von der Pflegeperson vorgegeben werden. JedeR bekommt einen Messbecher mit. Da uriniert er/sie hinein und von dieser Harnmenge geht dann die Steigerung aus. Man vereinbart Ziele. Etwa: 1/8 Liter mehr trinken. Dann kommt man auf eine höhere Flüssigkeitsmenge. Und dann trainiert man das gemeinsam mit dem Veratmen und der Beckenbodenspannung sodass man bald auf einen viertel Liter kommt usw. Bis das Volumen wieder einem Normalwert entspricht. Ziel ist es ein größeres Blasenfassungsvermögen und längere Entleerungsintervalle zu erreichen.

RH: Wie lang dauert so ein Blasentraining?

GS: Das ist ganz unterschiedlich. Manche sind relativ schnell in 3- 4 Wochen oder ein wenig länger. Meine Erfahrung ist, dass ich bei Frauen schnellere Erfolge erleben konnte. Bei Männern war es oft schwieriger. Ich weiss nicht warum, aber Männer sind vielleicht ungeduldiger. Wichtig ist alles genau zu dokumentieren und jeden kleinen Erfolg anzuzeigen. Das steigert die Motivation und bringt den Erfolg.

RH: Danke für das Gespräch!

Die Krankenschwester und Kontinenz und Stomaberaterin Gisele Schön hat sich ihr Berufsleben lang mit dem Thema Inkontinenz beschäftigt. Ihre Laufbahn als OP Schwester im urologischen und gynäkologischen Bereich führte Sie zum Theama Inkontinenz. Gisele Schön hat ein Fachbuch für Pflegekräfte über Inkontinenz geschrieben, jahrelang die Kontinenzberatung der Stadt Wien/FSW geleitet und einen Ratgeber für Betroffene von Harn- und Stuhlinkontinenz geschrieben. Sie hat in mehreren Expertengremien gearbeitet, ist Vorstandsmitglied der Medizinische Kontinenzgesellschat Österreich und hat an der Erstellung von Pflegestandards im In- und Ausland mitgewirkt. Derzeit schreibt sie an einem weiteren Fachbuch für Pflegekräfte.

Weitere Informationen zum Thema Blasentraining finden Sie hier:

Kontinenzberatung der FSW - Wiener Pflege- und Betreuungsdienste GmbH

Laudongasse 29-31, 1080 Wien

Tel.: +43/1/4000-66503

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Fr

02

Sep

2016

Eine der häufigsten Harninikontinenzformen: die Belastungs- oder Stressinkontinenz: Tipps und Tricks

Sie ist eine der häufigsten Formen der Harninkontinenz: die Belastungsinkontinenz auch Stressinkontinenz genannt. Bei vielen tritt sie bereits in der Schwangerschaft auf. Manche sind unmittelbar nach der Entbindung davon betroffen und bei manchen Frauen kommt sie ganz allmählich. Der Harn wird anfänglich tropfenweise verloren bei bestimmten Bewegungen wie Husten, Niesen, Springen oder beim Laufen. Hier ein paar Tipps für Betroffene.

Abklärung und Therapie der Inkontinenz sind wichtig!

Die meisten Frauen erleben den Abgang von tröpfchenweise verlorenem Urin beim Husten, Niesen oder laufen nicht als sehr belastend. Wenn jedoch geringe Mengen Urin verloren werden OHNE Druckanstieg im Bauchraum sollten Sie rasch einen Facharzt (Urologen) aufsuchen, um auszuschließen, dass es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handelt. Meist handelt es sich bei der Belastungsinkontinenz aber um die Folgen einer Beckenbodenschwäche, wie sie nach Schwangerschaft und Geburt häufig auftritt.

Achten Sie auf Ihre Haltung!

Da Ihr Beckenboden bei gekrümmter Haltung nicht gut arbeiten kann, sollten Sie auf eine aufrechte Haltung im Alltag achten. Achten Sie darauf, dass Ihr Brustkorb über dem Becken stehen und nicht dahinter und Ihr Becken sollte aufgerichtet sein, sonst drückt das Organgewicht direkt auf Ihren Beckenboden.

Beckenbodentraining aber richtig!

Bei Ihrem Beckenboden handelt es sich um einen Skelettmuskel. Um einen solchen zu trainieren müssen Sie den Muskel willentlich anspannen können. (Falls Sie Zweifel daran haben, ob Sie Ihren Beckenboden willentlich anspannen können, wenden Sie sich an eine auf Beckenbodenbehandlung spezialisierte PhysiotherapeutIn, um dies sicher zu stellen!) Danach kann, mittels Biofeedback und/oder Elektrostimulation oder nur mit Übungen weiter trainiert werden. Meist zeigt sich bereits nach 6-8 Wochen eine Besserung der Symptome.  

Husten Sie richtig!

Wenn Sie beim Husten und Niesen Harn verlieren, sollten Sie vor dem Hustenstoß den Beckenboden in sich hinein ziehen und beim Husten den Oberkörper möglichst nicht einrollen. Husten Sie beispielsweise in Ihre Armbeuge und drehen Sie dabei den Kopf nach seitlich/oben.

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Fr

26

Aug

2016

Wie Sie Ihre tiefe Bauchmuskulatur anspannen können

Viele Frauen haben nach der Entbindung Probleme damit Ihre tiefen Bauchmuskulatur zu aktivieren. Das ist normal, da sie überdehnt ist. Zur Stabilisierung der Lendenwirbelsäule, für eine gute Beckenbodenfunktion und zur Kompensation einer Rektusdiastase sollte man darauf achten, die tiefe Bauchmuskulatur bald in den Griff zu bekommen.

Stellen Sie sich den Muskel vor

Legen Sie sich auf den Rücken. Legen Sie die Hände auf Ihren Unterbauch. Stellen Sie sich nun ein breites, elastisches Korsett vor, das Ihren gesamten Bauch umspannt. Genau dies ist der Verlauf Ihrer tiefen Bauchmuskulatur.

Konzentration auf die Atmung

Legen Sie nun Ihre Hände so auf Ihren Bauch, dass die Zeigefinger Ihrer Hände sich berühren. Atmen Sie in den Bauch ein. Dabei merken Sie, wie Ihre Zeigefinger auseinander weichen. Bei der Ausatmung nähern sich die Zeigefinger wieder an, bis sie sich schließlich wieder berühren. Beobachten Sie dies einige Atemzüge lang.

Nun beginnen Sie bei jeder Ausatmung hörbar auszuatmen, indem Sie mit Ihren Lippen das Ausströmen der Luft etwas bremsen. Aber nicht pressen! Locker auf "fff" ausatmen. Sie werden merken, dass Sie auf diese Art länger ausatmen. Nutzen Sie diese verlängerte Ausatmung und ziehen Sie Ihren Unterbauch dabei noch stärker nach innen, so dass Ihre Zeigefinger stärker aneinander gedrückt werden. Wiederholen Sie diese Atemtechnik 10 mal. Was Sie dabei tun ist, Ihren tiefen Bauchmuskel willentlich zu kontrahieren.

Sie machen es richtig wenn:

1) Sich Ihre Rippenbögen während der Übung nicht heben, sondern ebenfalls aufeinander zubewegen

2) Sie die Ausbreitung der Spannung bis tief am Unterbauch spüren können.

3) Sie nicht pressen

4) Sich Ihr Becken dabei nicht bewegt

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Fr

19

Aug

2016

Dinge, die sie beachten sollten, wenn Sie an Dranginkontinenz leiden

Meist kommt der Drang allmählich und steigert sich. Bis erstmals die Toilette nicht erreicht wird und der gesamte Blaseninhalt sich vor erreichen der Toilette entleert.

Abklärung und Therapie der Inkontinenz ist wichtig

Die meisten Menschen erleben Dranginkontinenz als starke Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Viele getrauen sich das Haus nicht mehr zu verlassen und schränken ihre Trinkmenge ein, um keine unangenehmen Erlebnisse zu haben. Grundsätzlich sollte der Urologe schwerwiegende Erkrankungen ausschließen, bevor auf eigene Faust etwas unternommen wird.

Besorgen Sie sich Aufsagende Hilfsmittel

Der Arzt kann Ihnen aufsaugende Hilfsmittel verordnen, damit fühlen Sie sich im Alltag sicherer. Bitte verwenden Sie keine Damenbinden, darin gedeihen Keime sehr gut. Ein Harnwegsinfekt ist vorprogrammiert. Falls Sie sich nicht gut versorgt fühlen, wenden Sie sich an die Kontinenzberatung der Stadt Wien. Was das ist, lesen Sie hier..

Teufelskreis Trinkmengeneinschränkung

Die meisten Menschen, die an einer Dranginkontinenz leiden, versuchen möglichst wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um den unfreiwilligen Harnabgang gering zu halten. Dadurch wird aber der Harn konzentriert und reizt die Blasenwand, was wieder zu einem vermehrten Dranggefühl führt. Da es sich bei der Blase um einen Muskel handelt, wird mit der Zeit deren Füllmenge geringer, was wiederum den Drang verschlimmert. Bitte deshalb TROTZDEM 1 - 1,5 Liter pro Tag trinken.

Verzichten Sie auf Drangsteigernde Substanzen

Wenn Sie an einer Drangsymptomatik leiden kann es Ihnen helfen auf Kaffee, Tee, scharfe Gewürze, Alkohol und Kohlensäure zu verzichten.

Beckenbodentraining aber richtig!

Es kann sein, dass Ihr Arzt Ihnen nach Abklärung Ihrer Dranginkontinenz zu einem Beckenbodentraining rät. Bei Ihrem Beckenboden handelt es sich um einen Skelettmuskel. Um einen solchen zu trainieren müssen Sie den Muskel willentlich anspannen können. (Falls Sie Zweifel daran haben, dass Sie Ihren Beckenboden anspannen können, wenden Sie sich an Ihre GynäkologIn oder eine PhysiotherapeutIn mit Beckenbodenpalpationskurs um dies sicher zu stellen) Wenn dies sicher gestellt ist, kann mit und ohne Biofeedback, mit Elektrostimulation oder nur mit Übungen trainiert werden. Meist zeigt sich bereits nach 6-8 Wochen eine Besserung der Symptome.  

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Fr

12

Aug

2016

Tipp zur Verwendung von aufsaugenden Hilfsmittel

Wenn Sie aufgrund einer Harninkontinenz aufsaugende Hilfsmittel verwenden, macht es einen Unterschied, ob Sie die Vorlage vor dem Einlegen in die Unterwäsche leicht aufschütteln oder nicht. Ob es sich empfiehlt hängt von der Art Ihrer Inkontinenzform ab.

Falls Sie an einer Stress-/oder Belastungsinkontinenz leiden, also tröpfchenweise nur wenig Harn verlieren, können Sie die Vorlage vor dem Einlegen leicht aufbauschen (Vorsicht nicht zu viel, sonst verrutscht oder reißt der Saugkern!) um sicher zu stellen, dass sich die Tropfen nicht immer an der selben Stelle sammeln. Durch das aufbauschen verteilen die Tropfen sich optimal in der Vorlage und es entstehen keine Gerüche und die Vorlage bleibt dicht.

Wenn Sie jedoch an einer Dranginkontinenz leiden, sich also Ihr gesamter Blaseninhalt auf einmal entleert, dann sollten Sie die Vorlage so verwenden, wie sie aus der Packung kommt.

Für weitere Informationen bezüglich der Verwendung von aufsaugenden Hilfsmitteln oder bei Unklarheiten wenden Sie sich an eine Kontinenz- und Stomaberaterin. Über die Kontinenzberatung der Stadt Wien können Sie kostenlos mit einer solchen in Kontakt treten:

Kontinenzberatung der FSW - Wiener Pflege- und Betreuungsdienste GmbH

Laudongasse 29-31, 1080 Wien

Tel.: +43/1/4000-66503

E-Mail-Beratung: kontinenz@fsw.at

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Sa

06

Aug

2016

Stuhlinkontinenz: Gründe und Therapieoptionen

Während Harninkontinenz langsam ein ansprechbares Problem wird, zählt das Thema Stuhlinkontinenz noch immer zu den absoluten Tabus. Es ist jedoch wichtig, dass Betroffene sich Hilfe holen, da Stuhlinkontinenz zu einem nahezu ganzheitlichen Ausscheiden aus dem Sozialleben führt. In eigenen Ambulanzen werden Gründe für die Inkontinenz gefunden und Therapien maßgeschneidert.

In Ihrem Vortrag bei der 2. Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung erläutert OÄ Dr. Michaela Lechner Gründe und Behandlungsmöglichkeiten von Stuhlinkontinenz.

Als mögliche Gründe nennt sie muskuläre Ursachen, Nervenschädigungen, Schließmuskelschädigungen, Darmwandschädigungen oder schlichtweg eine zu flüssige Stuhlkonsistenz.

Je nach Grund für die Inkontinenz kommen unterschiedliche Therapiemethoden zum Einsatz. Zu flüssiger Stuhl wird eingedickt beispielsweise mit Hilfe von Heidelbeersaft. Ist der Grund muskulärer Art, hilft Beckenbodentraining bzw. Biofeedback. Ist der Schließmuskel geschädigt, kann dieser eventuell operativ wieder hergestellt werden.

OÄ Lechner berichtet von der Methode der sakralen Neuromodulation. Bei dieser wird ein Schrittmacher implantiert, der die Sakralnerven stimuliert. Diese kontrollieren den Darm und seinen Schließmuskel und kann so helfen, die Kontinenz wieder herzustellen.

Weitere Methoden zur Behandlung von Stuhlinkontinenz sind "Transanale Irrigation" bei der die/der PatientIn von speziell geschultem Personal darin geschult wird sich eine Art von "Einlauf" zu verabreichen, um so den Zeitpunkt seiner Stuhlausscheidung kontrollieren zu können. Nach dieser "planmässigen Stuhlentleerung" wird über mehrere Stunden kein Stuhl verloren, so dass die Teilnahme am sozialen Leben (wieder) möglich wird.

Und schließlich steht als (letzte) Möglichkeit das Anlegen eines künstlichen Darmausganges zur Verfügung.

Falls Sie an Stuhlinkontinenz leiden, zögern Sie nicht sich an eine Darmambulanz zu wenden. Dort wird erst mal die Frage geklärt, was genau die Ursache für Ihre Inkontinenz ist. Danach steht eine Bandbreite von Therapiemethoden zur Verfügung.

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Sa

30

Jul

2016

"Therapie mit dem Magnetstuhl" oder Beckenbodentraining einmal anders!

Für Menschen, die an Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz aufgrund einer Beckenbodenschwäche leiden und ihren Beckenboden nicht willentlich ansteuern können  gibt es neben den bekannten Methoden wie Biofeedback, Elektrotherapie und physiotherapeutischen Übungen noch eine andere Möglichkeit: den Magnetstuhl.

Wie Dr. Mons Fischer in seinem Vortrag bei der 2. Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung erläuterte, handelt es sich bei der EXMI-Therapie (Extracorporal Magnetic Innervation) um eine Methode, bei der auf Grundlage des Faraday'schen Prinzips der Induktion ein Magnetfeld erzeugt wird, das Nervenzellen stimuliert, was wiederum eine Kontraktion des Muskels bewirkt.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Elektrotherapie nimmt der/die PatientIn bei der Behandlung vollkommen angezogen auf dem Therapiestuhl platz. Unter der Sitzfläche des Stuhls befindet sich ein Magnetkopf, der Magnetwellen erzeugt, die acht Zentimeter tief in den Beckenboden eindringen. Die Beckenbodenmuskulatur kontrahiert und entspannt im Rhythmus der Impulsfrequenz.

Eingesetzt wird der Magnetstuhl bei Dranginkontinenz sowie Mischinkontinenz, bei der er laut Studien sehr gute Erfolge zeigt. Obwohl die Datenlage bei Belastungsinkontinenz etwas unklar ist, scheint es auch dort zu einer signifikanten Verbesserung zu kommen. Sehr erfolgreich ist der Magnetstuhl auch bei Inkontinenz nach Prostataentfernung, vor allem wenn vor der Operation schon mit der Therapie begonnen wurde.

Die schlechte Nachricht: Da die Krankenkassen die Therapie nicht bezahlen, muss der/die Patientin die Magnetstuhleinheiten selbst bezahlen.

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Sa

23

Jul

2016

Was tun gegen Überaktive Blase mit und ohne Inkontinenz?

Eine Vielzahl an verhaltenstherapeutischen, medikamentösen, und nicht medikamentösen Maßnahmen stehen bei der Therapie der OAB (OAB wet = Dranginkontinenz) zur Verfügung. OA Dr. Michael Rutkowski gab in seinem Vortrag bei der 2. Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung einen Überblick.

Dranginkontinenz zwar nicht gefährlich, aber sie nimmt die Lebensqualität

Die OAB sei als Syndrom, zwar nicht gefährlich, aber für Betroffene sehr unangenehm. Sie werden von häufigem Harndrang gequält. OA Rutkowski führt Harndrang, häufiges Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen und geringes Blasenvolumen als Symptome der OAB auf. Die Therapie der OAB fußt auf drei Säulen: Verhaltenstherapie, nicht medikamentöse Maßnahmen und medikamentöse Therapie

Als verhaltenstherapeutische Therapie Maßnahmen bei OAB (Dranginkontinenz) nennt OA Rutkowski:

  • das Führen eines Blasentagebuchs,
  • die Reduktion von Kaffee und Tee, der Verzicht auf scharfe Gewürze, Nikotin, künstliche Süßstoffe und Kohlensäure
  • Flüssigkeitsaufnahme (1-1,5l) auf den Tag verteilen, hauptsächlich VM und Mittags
  • entspannte Miktion (Blasenentleerung)

Als weitere, nicht medikamentöse Therapie Maßnahmen bei OAB (Dranginkontinenz) nennt OA Rutkowski:

  • Physiotherapie
  • Gewichtsreduktion
  • Blasentraining (Ziel ist eine Füllung von >300ml)
  • Toilettentraining (Miktion nach der Uhr bei terminal detrusor Überaktivität)
  • Miktionstraining (Erlernen von: urge supression technique)
  • bei nächtlichem Harndrang: abendliche Trinkmenge reduzieren, eventuell Stützstrümpfe oder Mittagsschlaf = Beine hochlagern)

Als medikamentöse Therapie bei OAB (Dranginkontinenz)  nennt OA Rutkowski:

  • Anticholinergika (viele Nebenwirkungen, aber auch on-demand Verschreibung oder als Pflaster möglich)
  • unterschiedliche Wirkstoffe sind möglich: Vesicare, MirabenBotox und Antimuskarinika können eingesetzt werden

Mein Tipp: Wenn Sie an einer überaktiven Blase (= Drang mit oder ohne Harnverlust) leiden, sollten Sie sich an einen Facharzt wenden. Wie aus dem Vortrag hervorgeht, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Ihnen helfen könnten!

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Sa

16

Jul

2016

Post-Prostatektomie - Inkontinenz - Ein historisches Problem?

Neben Art und Größe des Tumors hängt die Vermeidung von Harninkontinenz nach Prostataentfernung von einem wichtigem Faktor ab: dem Operateur!

In seinem Vortrag (Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung) erklärt G. Prof. PD Dr. Mesut Remzi die relevanten Strukturen, die es bei der Entfernung der Prostata zu erhalten gilt, um bestmögliche Kontinenz nach der Operation zu erreichen.

Eigentlich klingt alles ganz einfach: folgende Dinge muss der Operateur schaffen, damit Harnkontinenz nach der OP sich einstellt:

  • den Blasenhals erhalten
  • die intraprostatische Harnröhre erhalten
  • intrafaszial arbeiten, um Nerven zu erhalten
  • die dorsale Raphe nicht zerstören
  • und die Müllerschen Ligamenta nicht zerstören

Spätestens bei der Präsentation der OP Videos wird klar, dass es viel Geschick und Erfahrung braucht, um all diese Dinge gelingen zu lassen.

Abschließend erklärt G. Prof. PD Dr. Mesut Remzi dass neben Art und Größe des Tumors der wichtigste Faktor zum Erreichen der Kontinenz nach der OP der Operateur sei.

Falls eine solche OP bei Ihnen ansteht, sollten Sie deshalb darauf Wert legen, von einem auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt operiert zu werden.

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Sa

09

Jul

2016

Geburtshilfe: Prävention von Inkontinenz oder - Warum in Filmen immer heißes Wasser verlangt wird.

Günstige Geburtsposition, richtige Pressanleitung und Dammschutz als zentrale Maßnahmen der geburtshilflichen Prävention von Inkontinenz

In Ihrem Vortrag Geburtshilfliche Maßnahmen zur Prävention von Inkontinenz (Fachtagung Kontinenz u. Katheterisierung) ging die Hebamme Roswitha Wallner auf drei zentrale Maßnahmen zur Vermeidung von Inkonti-nenz ein: Geburtsposition, Pressanleitung und Dammschutz.  © Geoffrey Kuchera | Dreamstime Stock Photos

Als dammschonende Gebärpositionen gehen aus Studien laut Wallner die Seitenlage und der Vierfüßler hervor. Und interessant: die tiefe Hocke nur dann, wenn keine prädisponierenden Faktoren vorhanden sind. (Diese sind: Erstgeburt, BMI < 20 > 30, Vorangegangene Risse oder Schnitte)

Bei der Pressanleitung schneidet jene am besten ab, die die Frauen im eigenen Tempo und nach eigenem Gutdünken mitschieben lässt. Pressen mit angehaltener Luft ist out!

Neben Dammassage ab der 36 SSW kommen während der Geburt warme Kompressen am Damm zum Einsatz -  warmes Gewebe dehnt sich besser. Deshalb das heiße Wasser!

Für mich interessant war die anschließende Diskussion, die von den anwesenden Chirurgen geführt wurde. Da es bei hohen Dammrissen (DR 3 und DR 4) zu einer Schädigung der analen Schließmuskeln kommt und laut Statistik bei neuerlicher Geburt ein weiterer hoher Dammriss zu erwarten ist, wurde diskutiert ob nicht jeder Frau ab Dammriss 3c dringend ein Kaiserschnitt angeraten werden sollte? Das Problem ist folgendes: Wenn der äußere und der innere Schließmuskel verletzt wurden, kann nur eine Operation die Stuhlkontinenz wieder herstellen - aber laut Statistik nur für ein paar Jahre!

Falls Sie bei Ihrer ersten Geburt einen Dammriss 3.  oder 4 . Grades hatten und neuerlich entbinden, sprechen Sie im Vorfeld mit einem spezialisierten Facharzt über die zu erwartende Kontinenzsituation und klären Sie Risiken, Entbindungsmöglichkeiten und -wünsche im Vorfeld ab!

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Sa

02

Jul

2016

"Die beste Übung ist die, die Sie machen!"

In Ihrem Vortrag zu Physiotherapeutischen Maßnahmen zur Prävention von Inkontinenz nennt Katharina Meller als zentrale Grundlage für das präventive Beckenbodentraining die Wahrnehmung des eigenen Beckenbodens. Dann kann nach oben genanntem Prinzip verfahren werden...

In Ihrem Vortrag Physiotherapeutische Maßnahmen zur Prävention von Inkontinenz (Fachtagung Kontinenz u. Katheterisierung) ging Katharina Meller auf die Rolle von Wahrnehmung, Haltung, Atmung, belastungsarmer Entleerung -Husten sowie Gleichgewicht ein.                   © Fotograf77 | Dreamstime Stock Photos

Als Grundlage jedes präventiven Beckenbodentrainings nennt Katharina Meller die Wahrnehmung des eigenen Beckenbodens. Laut Studien kann ein beträchtlicher Teil der Frauen Ihren Beckenboden nicht willentlich kontrahieren! Im Zweifelsfall ist hier eine fachkundige Anleitung und eine kontrollierende Tastuntersuchung notwendig.

Ist diese Voraussetzung einmal geschaffen, kann nach dem Prinzip "Die beste Übung ist die, die Sie machen" vorgegangen werden. Da Rumpf, Zwerchfell und Beckenboden eine Einheit bilden, enthält Beckenbodentraining jedoch immer auch Übungen die Atmung und Haltung positiv beeinflussen.

Abschließend verweist Katharina Meller noch auf neueste Studien, die einen Zusammenhang zwischen Beckenbodenfunktion und Gleichgewicht herstellen. Auf weitere Ausführungen sind wir gespannt!

Sa

25

Jun

2016

Fachtagung Kontinenz und Katheterisierung 24.06.2016

Zum zweiten mal fand heuer die Fachtagung zum Thema "Kontinenz und Katheterisierung" im Casino Baumgarten statt. Die Themenfelder waren weit gestreut und wurden von den verschiedenen Berufsgruppen: ÄrztInnen, Kontinenz- und StomaberaterInnen, PhysiotherapeutInnen und Hebammen beleuchtet. Da vieles davon für meine PatientInnen/LeserInnen interessant sein kann, fasse ich wöchentlich einen Beitrag für Sie zusammen.

 

Was ist denn nun ein Beckenbodenzentrum?

In Ihren Vorträgen "Was ist ein Beckenbodenzentrum" und "Fallbeispiel Beckenbodenzentrum" erklärten Ao. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Umek und OA Dr. Michael Rutkowski den Aufbau und das Funktionieren eines Beckenbodenzentrums.

Wie Ao. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Umek in seinem Vortrag klarstellt, ist der Begriff Beckenbodenzentrum kein geschützter Begriff. Tatsächlich aber gibt es mittlerweile 7 von der MKÖ (Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich) zertifizierte Beckenbodenzenten. Vorgaben von der MKÖ sind:

  • es müssen 5 medizinische Fächer vertreten sein, die mehr als 500 Patientinnen jährlich behandeln.
  • es müssen mehr als 90 OPs jährlich gemacht werden
  • die Qualifikation des Personals muss nachgewiesen werden
  • es muss eine monatliche Fallkonferenz geben

OA Dr. Michael Rutkowski führt am Beispiel Korneuburg das Funktionieren eines Beckenbodenzentrums vor. Im wesentlichen besteht dieses dort aus einer Kooperation unterschiedlicher Fachrichtungen. Jede Fachrichtung kann PatientInnen an das Beckenbodenzentrum zuweisen -  der Fall der zugewiesenen PatientIn wird dann in einer Sitzung allen Fachrichtungen vorgestellt, sodass gemeinsam weiteres Vorgehen besprochen werden kann.

Patientinnen können auch von einem Facharzt außerhalb zugewiesen werden. Auf einen Termin wartet man im Durchschnitt 6 Wochen. Akuttermine gibt es selbstverständlich auch.

Die von der MKÖ zertifizierten Zentren befinden sich in: Wien, Innsbruck, Ried, Linz, Wels, Korneuburg und Steyr.

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Sa

18

Jun

2016

Für Sie nachgefragt: Die Kontinenzberatung der Stadt Wien

Bei der Kontinenzberatung des Fonds Soziales Wien erhalten Sie Hilfe und Beratung bei Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz. Auch Unterstützung zu Hause ist möglich.Die Leiterin, Frau Leiner über die Leistungen Ihrer Beratungsstelle.

Viele von Inkontinenz Betroffene würden gerne etwas gegen ihr Problem unternehmen, wissen aber nicht wie und an wen sie sich mit ihrem Anliegen wenden können. Darum habe ich bei der Leiterin der Kontinenzberatung Wien für Sie nachgefragt.

RH: Frau Leiner, Sie leiten die Kontinenzberatung der Stadt Wien in der Laudongasse in 1080 Wien. Danke, dass Sie sich bereit erklärt haben einige Fragen dazu zu beantworten.

Mit welchen Problemen kann man sich an Ihre Kontinezberatungwenden?

Frau Leiner: Frau/Mann hat ein Problem mit seiner Kontinenz, Harn und/ oder Stuhlinkontinenz, oft brauchen auch die pflegenden Angehörigen einen Rat.

RH: Was genau sind Ihre Leistungen?

Frau Leiner: Wir beraten zum Thema Harninkontinenz und Stuhlinkotinenz, machen eine Anamnese und je nach Problem zeigen wir Möglichkeiten der Behandlung auf, vermitteln an Fachambulanzen wenn erforderlich, zeigen Möglichkeiten der Verhaltenstherapie auf...

RH: Kann sich jeder an die Beratungsstelle wenden?

Frau Leiner: Ja.

RH: Wer berät einen?

Frau Leiner: DGKP (Diplomierte Gesundheits- und Kranken- schwester/-pfleger), Kontinenzberaterinnen.

RH: Gibt es in jedem Bezirk so eine Beratungsstelle?

Frau Leiner: Es gibt noch eine Stelle in 1220 Wien; die Termine müssen aber über die Nummer 4000/66503 vereinbart werden. In den Beratungsstellen werden keine Daten der Kunden erhoben, die Beratung erfolgt anonym. Beratung kann auch telefonisch oder per Mail stattfinden.

RH: Gibt es die Kontinenzberatung ausschließlich in Wien?

Frau Leiner: In dieser Form ja, normalerweise sind die Beratungsstellen an ein Krankenhaus gebunden, z.B. Stomaambulanz auf der Chirurgie. Wir haben ein sehr niederschwelliges Angebot.

RH: Wie lange muss man auf einen Termin warten?

Frau Leiner: Unterschiedlich; das hängt auch von den Wünschen / Möglichkeiten und der Dringlichkeit des Problems ab. Das wird im Vorfeld telefonisch abgeklärt. Wir bemühen uns aber sehr um zeitnahe Termine.

RH: Kostete die Inanspruchnahme Ihrer Hilfe etwas?

Frau Leiner: Nein, die Beratungen werden zur Gänze von der Stadt Wien finanziert.

RH: Wenn man alt und gebrechlich ist, oder aus einem anderen Grund nicht zu Ihnen kommen kann, kommen Sie dann auch ins Haus?

Frau Leiner: Ja, das ist ebenso kostenlos, aber dann nicht anonym möglich weil wir die Daten für den Hausbesuch in unser System einspielen müssen.

Kontakt: Kontinenzberatung der FSW - Wiener Pflege- und Betreuungsdienste GmbH

Laudongasse 29-31, 1080 Wien

Tel.: +43/1/4000-66503

E-Mail-Beratung: kontinenz@fsw.at

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Fr

10

Jun

2016

Bericht Feel Good im Grätzl

Am Samstag den 4. Juni war es soweit. Die AusstellerInnen von Feel Good im Grätzl haben sich in der Pfarre Maria Treu versammelt. Feel Good war eine Mitmachveranstaltung. Man konnte sich dort das Gesicht oder die Hände massieren lassen, an Schnupperkursen teilnehmen oder wie etwa an meinem Stand seine Halswirbelsäulenstabilität testen lassen, mit mir plaudern und sich nebenbei Infos zu Inkontinenz und Beckenboden mitnehmen. Mir hat es Spaß gemacht. Ich hoffe, Euch auch!

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Fr

03

Jun

2016

Bericht 1. Wiener Kontinenzstammtisch der MKÖ

Auf dieser "Minitagung" der MKÖ sprachen Prof. Max Wunderlich über Rektumprolaps, der Physiotherapeut Markus Martin über Physiotherapie vor radikaler Prostatektomie und Prof. Hanzal über weibliche Harninkontinenz.

Zugegeben, der Titel klingt seltsam. Tatsächlich handelte es sich beim ersten Wiener Kontinenzstammtisch der MKÖ (Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreichs) um keinen Stammtisch, sondern eine kleine Fachtagung von Ärzten, KontinenzberaterInnen, PflegerInnen und Physiotherapeutinnen. Hier ein kurzer Bericht zu den Referaten.

In seinem sehr unterhaltsamen Vortrag zu Rektumprolaps - die perinealen Operationen hat Prof. Wunderlich die perinealen OP-Verfahren miteinander verglichen was die Kontinenzrate und Rezitivhäufigkeit betrifft.

Meine persönliche Take-Home Message: Falls eine solche OP ansteht sollte man den Arzt danach fragen, wie wahrscheinlich das Wiederauftreten der Symptome bei der von ihm geplanten OP-Methode ist und wie hoch die Kontinenzrate danach ist.

Der Physiotherapeut Markus Martin hat für seinen Vortrag die medizinische Forschung zum Thema Physiotherapie VOR radikaler Prostatektomie durchforstet. Da die Studiendesigns sehr unterschiedlich waren, kann man die Ergebnisse leider kaum miteinander vergleichen. Einleuchtend scheint aber Folgendes: Es ist leichter den intakten Muskel vor einer OP anzusteuern, als dies danach unter Schmerzen zu erlernen. Da viele Männer ihren Beckenboden bis nach der OP noch nie (!) bewusst angesteuert haben, würde es Sinn machen dies schon vor der Operation zu trainieren.

Univ. Prof. Hanzal hat in seinem Vortrag Ist Inkontinenz wirklich weiblich? einige wie er es nannte "Geschichten erzählt". In seinem Anfangsstatement machte er lange Geburtsverläufe für das Entstehen von postpartaler Inkontinenz verantwortlich. Im Laufe des Vortrags lernen wir, dass die drei wichtigsten Hilfsmittel des Geburtshelfers: die Uhr, die Blutdruckmanschette und dann erst die Hände sind. Interessant! Und was mich als Physiotherapeutin natürlich freut: Da Beckenbodentraining ein Muskeltraining ist, darf es anstrengend sein, sonst kann es nicht helfen!

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Mo

30

Mai

2016

Experteninterview - Elektrostimulation und Biofeedback

Im Interview erzählt Dipl. Ing. Berger wie Elektrostimulation und Biofeedback wirken, warum es bei Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz zum Einsatz kommt, wer einen einschult, wann ein solches Training nicht möglich ist, was die Therapie kostet und wie diese durchgeführt wird.

Es freut mich heute einen Experten auf meinem Blog begrüßen zu dürfen. Herr Dipl. Ing. Markus Berger ist Geschäftsführer der Firma tic Medizintechnik, welche auf geräteunterstützte Beckenbodentherapie spezialisiert ist. Er hat sich bereit erklärt ein paar Fragen zum Thema Elektrostimulation für meine LeserInnen zu beantworten.

 

RH: Herr Berger, viele PatientInnen wissen nicht, dass es Elektrostimulation und Biofeedback gibt. Können Sie kurz erklären was die beiden Dinge sind und wie Elektrostimulation bzw. Biofeedback funktioniert?

Dipl. Ing. Berger: Mittels elektrischer Impulse werden Nerven stimuliert. Die Nerven aktivieren die entsprechenden Muskeln, welche sich dabei anspannen. Wenn der Impuls wieder aufhört entspannt der Muskel.

 

Beim Biofeedback wird der vom Patienten aktiv angespannte Muskel visuell dargestellt – das heißt, dass die Anspannung gemessen wird. Am Gerätedisplay erscheint eine Balkenkette, welche die eigene Muskelkraftaufwendung anzeigt.

RH: Bei welchen Krankheiten hilft Biofeedback und Elektrostimulation des Beckenbodens?

Dipl. Ing. Berger: Im Bereich des Beckenbodens gibt es viele Muskeln, die für das Funktionieren unserer Ausscheidungsorgane verantwortlich sind. Arbeitet die Muskulatur zu schwach, kommt es zu unfreiwilligem Harn- oder Stuhlverlust. Sind die Muskeln zu aktiv, kann es zu erschwertem Harn lassen oder zu erschwertem Stuhl absetzen kommen. Um die Ausscheidung wieder zu normalisieren kann, als eine Therapieform, Elektrostimulation und Biofeedback eingesetzt werden.

RH: Ersetzt Elektrostimulation ein herkömmliches Beckenbodentraining?

Dipl. Ing. Berger: Nein. Das herkömmliche Beckenbodentraining umfasst eine Vielzahl an Übungen für die unterschiedlichen Muskelgruppen, Bänder und Organe. Die Elektrostimulation hilft Muskeln wieder aufzubauen und ist als Erweiterung des herkömmlichen Beckenbodentrainings zu verstehen.

RH: Wie läuft das Training mit Elektrostimulation ab? Wo führt man das Training durch? Wer schult einen ein?

Dipl. Ing. Berger: Die Elektrostimulation wird Ihnen bei Bedarf vom Facharzt verordnet. Ihre Therapeutin zeigt Ihnen, wie die Trainingseinheiten mit dem Elektrostimulationsgerät durchgeführt werden. Das Training wird in Folge selbstständig und bequem in häuslicher Umgebung ausgeführt. (In der Regel täglich 20 Minuten über einen Zeitraum von 3 Monaten)

RH: Was kostet die Verwendung eines Elektrostimulationsgeräts? Muss man es kaufen?

Dipl. Ing. Berger:  Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Therapieform. Allerdings fällt ein Selbstbehalt für PatientInnen an. Dieser richtet sich nach den Satzungen der Krankenkasse.

 

z.B. Wiener Gebietskrankenkasse 32,40 € ( Eigenanteil für Heil- und Hilfsmittel ) für 2016

RH: Gibt es Gründe, die gegen die Verwendung von Elektrostimulation oder Biofeedback sprechen?

Dipl. Ing. Berger: Bei Personen mit Herzschrittmachern und Trägern von Metallimplantaten im Behandlungsgebiet, darf aus Sicherheitsgründen keine Elektrostimulation angewendet werden.

RH: Gibt es noch etwas, dass Sie den LeserInnen sagen wollen?

Dipl. Ing. Berger: Oft höre ich von PatientInnen, wie einfach das Wiedererlangen der Kontrolle über Harn und Stuhl mit der Elektrostimulationstherapie war und wenn sie das gewusst hätten, wären Sie schon früher zum Arzt gegangen, um diese Therapieform nutzen zu können Ich rate Ihnen daher rechtzeitig, bei den ersten Anzeichen eines ungewollten Harn- oder Stuhlverlustes bzw. einer verspannten Beckenbodenmuskulatur, mit Ihrem Arzt zu sprechen.

 

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

Mo

23

Mai

2016

Besuch bei der Kontinenzberatung Laudongasse

Bei der Kontinenzberatungsstelle des Fonds Soziales Wien finden Sie Hilfe bei allen Formen von Inkontinenz. Sie erhalten Beratung und Hilfe bei Harninkontinenz sowie Stuhlinkontinenz. Bei Bedarf werden von den hier beschäftigten KSBs (Kontinenz- und Stomaberaterinnen sind Krankenschwestern mit einer speziellen Zusatzausbildung) auch Hausbesuche gemacht.

Sie haben MS und wissen nicht, welcher Arzt für Ihre spezielle Inkontinenzsymptomatik zuständig ist? Sie haben eine Gebärmuttersenkung und suchen nach Alternativen zu einer Operation? Sie suchen einen Physiotherapeuten, der Therapie bei männlicher Harninkontinenz anbietet? Ihr Kind nässt sich nachts noch immer ein und sie wissen nicht weiter? Sie pflegen eine inkontinenten Angehörigen und brauchen Beratung zu Pflege und Handling? Mit diesen und vielen anderen Problemen sind Sie bei der Kontinenz Beratungsstelle des Fonds Soziales Wien richtig.

Die Beratungsstelle fällt von außen nicht weiter auf. Lediglich der Klingelknopf weist darauf hin. Einmal links und schon steht man im Vorraum des Büros, welcher wie ein Wartezimmer eingerichtet ist. Einschlägige Broschüren liegen auf einem Tischchen. 

Eigentlich wollte ich nur schnell vorbei kommen und Prospekte für eine Veranstaltung abholen. Die Dame mit der ich zuvor telefoniert habe öffnet mir freundlich die Türe. Die Mitarbeiterinnen hier sind Krankenschwestern mit einer profunden Zusatzausbildung zur Inkontinenz- und Stomaberaterin - und wie sich zeigt mit - viel Erfahrung. Ich nutze die Gunst der Stunde (das Wartezimmer ist leer) und hole Informationen für meine Praxis ein - und voila die Leiterin der Beratungsstelle zaubert aus einem Telefonregister alle möglichen Kontaktdaten für mich hervor. Ich verlasse die Beratungsstelle mit der Gewissheit, dass meine Patientinnen hier alle gesuchten Informationen erhalten werden. Und sollte die Mitarbeiterinnen eine Frage nicht beantworten können, kennen sie sicher eine Person, die es kann!

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Mo

16

Mai

2016

Rektusdiastase - Worauf Sie in der Schwangerschaft achten sollten

Lesen Sie hier, was Sie tun können, um eine in der Schwangerschaft auftretende Rektusdiastase nicht zu verschlimmern.

Bei vielen Frauen entsteht schon während der Schwangerschaft eine so genannte Rektusdiastase. Durch die schwangerschaftsbedingte Vergrößerung des Bauches wird die sehnige Schicht zwischen den geraden Bauchmuskeln dünner und schließlich driften die Bauchmuskeln auseinander, so dass eine regelrechte Spalte zwischen den Muskelbäuchen sichtbar/bzw. tastbar wird.

Um dies zu verhindern sollten Sie ein paar Dinge berücksichtigen.

Machen Sie während der Schwangerschaft keine konzentrischen Bauchmuskelübungen, wie beispielsweise Situps, Klappmesser, etc. Es geht jetzt darum Platz für Ihr Kind zu schaffen, nicht darum den Raum eng zu machen!

Gewöhnen Sie sich an über die Seite und den Vierfüßlerstand aus dem Liegen (oder vom Sitzen auf der Couch) hochzukommen. Dasselbe gilt natürlich für das Hinlegen! Immer über Vierfüßler und Seitenlage hinlegen.

Die schräge Bauchmuskulatur kann die gerade Bauchmuskulatur auseinander ziehen. Bitte also auch Vorsicht beim Beüben der schrägen Bauchmuskulatur walten lassen. Wenn Sie unsicher sind, welche Übungen Sie machen können, belegen Sie am besten einen physiotherapeutisch geleiteten Geburtsvorbereitungskurs!

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Mo

09

Mai

2016

Physiotherapie im Grätzl - am 4. Juni 2016 in der Piaristenpfarre Maria Treu

Eine schöne Idee ist die neue Initiative "im Grätzl", bei der es darum geht, BewohnerInnen die lokalen Angebote ihres Grätzls vorzustellen. Am 4. Juni ist es soweit. Sie können mich und meine Angebote dort kennenlernen, meine Beratung einholen, Ihre Rumpfstabilität testen lassen, sich Übungen für Ihre Wirbelsäule, Schulter oder Ihren Beckenboden zeigen lassen, oder einfach mit mir plaudern und die Atmosphäre eines "Feel good Tages" genießen!

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Do

05

Mai

2016

Nach der Geburt - Rückbildung die "Dos and Dont's"

Die Does and Dont's der Rückbildung: Wie Sie  in der Rückbildungszeit Ihren Beckenboden schonen, Ihren Rumpf trainieren und auf Ihre Haltung achten können.

Schonen Sie Ihren Beckenboden!

In der ersten Zeit nach einer Geburt sollten Sie Ihren Beckenboden nicht überfordern, damit dieser sich von Schwangerschaft und Geburt erholen kann. Dazu gehört Lasten (Kind!) möglichst körpernah zu heben und zu tragen. Sie sollten im Alltag darauf achten über die Seite vom Liegen zum Sitzen zu kommen. Dazu zählt aber auch, Sportarten wie Laufen oder Sprungbelastungen erst dann wieder aufzunehmen, wenn Ihr Beckenboden seine volle Haltefunktion wieder erlangt hat. Alle Tätigkeiten, bei denen Sie Harn verlieren bitte meiden!!

Rumpf ist Trumpf!

Besuchen Sie eine Rückbildungs- oder Mama-Kind Gruppe, bei der sanfte Übungen zur Wiederherstellung Ihrer Statik gemacht werden. Der Schwerpunkt sollte auf Ihrer Haltung und dem Training der Rumpfwandmuskulatur liegen. Rückenmuskulatur, Bauchmuskulatur und Beckenboden sollten stufenweise gekräftigt werden. Gestartet sollte mit isometrischen Übungen werden, die im Laufe der Zeit gesteigert werden. Bitte auf Korrektheit der Übungen achten! Keine Situps in der ersten Zeit solange die Rektusdiastase besteht und solange Sie Ihren Beckenboden schonen wollen. Und bitte auf Ihren Körper hören. Dieser hat in Schwangerschaft und bei der Geburt (und auch bei der Heilung nach einemeventuellen Kaiserschnitt!!) Höchstleistungen erbracht. Bitte lassen Sie diesem Zeit und überfordern Sie sich nicht. Die Rumpfwand und alle Strukturen wurden fast 10 Monate gedehnt. Das kann nicht in 6 Wochen wieder "heil" sein!

Ergonomie am Arbeitsplatz: Wickeltisch, Trage und co.

Haltung: Wickelplatz und Stillen

Achten Sie darauf, dass der Wickelplatz so eingerichtet ist, dass Sie nicht krumm oder verspannt beim Wickeln sind. Dasselbe gilt für Ihre Haltung beim Stillen. Ihre Halswirbelsäule und der Schultergürtel sollten es bequem haben!

Richtig Tragen

Bei der Auswahl der Babytrage bitte nicht nur auf die richtige Stellung des Babys in der Trage achten, sondern auch auf die eigenen Bedürfnisse! Eine Trage sollte keine Schulterschmerzen machen! Suchen Sie eine Tragehilfe aus, mit der Sie das Kind möglichst körpernahe tragen können.

Lendenwirbelsäule und Beckenboden schonend tragen!

Ihrem Beckenboden und Ihrer Lendenwirbelsäule zuliebe sollten Sie darauf achten, beim tragen nicht das Becken nach vorne zu schieben. Und bitte den Rücken gerade halten. Wenn Sie zu schwach dafür sind, aber unbedingt tragen müssen (z.B. Schreibaby) versuchen Sie es mit einem elastischen Mieder. Es wird Ihnen helfen Ihren Rücken zu entlasten. Es gibt übrigens Trageberatungen, bei denen man die gängigsten Tragehilfen ausprobieren kann. Bei Bedarf machen Trageberaterinnen auch Hausbesuche!

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Mi

27

Apr

2016

Häufige Fragen zu Belastungsinkontinenz

Erfahren Sie hier, was Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz)  ist, was die Symptome sind, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, worauf Sie im Alltag achten sollten und wie lange eine physiotherapeutische Behandlung dauert.

Was ist Belastungsinkontinenz?

Belastungsinkontinenz bedeutet, dass die Inkontinenz bei Belastung, also bei Druckanstieg im Bauchraum auftritt. Die Betroffenen verlieren beim Husten, Niesen, Springen, Joggen etc. tröpfchenweise Harn.

Woran erkenne ich, dass ich unter Belastungsinkontinenz leide?

Sie erkennen eine Belastungsinkontinenz daran, dass Sie bei gewissen Tätigkeiten relativ kleine Harnmengen verlieren. Ob es sich tatsächlich um eine Belastungsinkontinenz oder aber beispielsweise um einen Harnwegsinfekt handelt, muss der Facharzt abklären.

Was gibt es für Behandlungsmöglichkeiten?

Eine Belastungsinkontinenz ist gut durch physiotherapeutisches Beckenbodentraining sowie Elektrostimulation und Biofeedback behandelbar. Es gibt auch operative Verfahren, bei denen ein Band um die Harnröhre gelegt wird um diese zu stabilisieren.

Worauf muss ich im Alltag achten?

Im Alltag sollten Sie sich beckenbodenschonend verhalten: Meiden Sie vorläufig Aktivitäten, die Ihre Beschwerden auslösen. Beginnen Sie ein Beckenbodentraining. Sie sollten nicht schwer heben und beim Stuhlgang nicht stark pressen. Ziehen Sie beim husten und niesen vorsorglich den Beckenboden nach innen und versuchen Sie sich gerade zu halten. Aufrechte Haltung unterstützt ebenfalls Ihren Beckenboden.

Wie lange dauert die Physiotherapie?

Bei der Physiotherapie bei Belastungsinkontinenz wird überprüft ob Sie Ihren Beckenboden ansteuern können und wie stark dieser ist. Sobald Sie einige Grundübungen beherrschen, je nach Wahrnehmung für den Beckenboden und Kraftgrad nach 2-5 Einheiten, können Sie das Training in der Gruppe oder zu Hause fortsetzen. Erste merkbare Erfolge sollten sich nach 6 Wochen einstellen.

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Do

21

Apr

2016

Platz in Beckenbodengruppe frei!

Falls Sie auf der Suche nach einer Beckenbodengruppe sind, kann ich Montag Abend einen Platz anbieten. Bei Interesse kontaktieren Sie mich bitte per Telefon oder E-Mail für weitere Informationen.

Do

14

Apr

2016

Häufige Fragen zu Senkungsbeschwerden (POP)

Lesen Sie hier was Senkungsbeschwerden sind, welche Organe von einer Senkung betroffen sein können, wie die Symptome sind, worauf Sie im Alltag achten sollten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was sind Senkungsbeschwerden?

Unter Senkungsbeschwerden versteht man ganz allgemein ein Absinken der Organe des kleinen Beckens. Senken kann sich die Gebärmutter, die Blase und der Darm. Je nachdem was absinkt, kommt es zu unterschiedlichen Symptomen.

Woran erkenne ich, dass ich unter einer Organsenkung leide?

Meist haben Frauen, die an einer Organsenkung leiden das Gefühl der Schwere oder des Drucks nach unten. Es kann auch (besonders beim Husten, Niesen etc.) eine Vorwölbung aus der Vagina sichtbar oder tastbar sein. Manchmal gibt es das Gefühl eines Fremdkörpers in der Scheide, der Harnstrahl kann sich verändern oder die Entleereung beim Stuhl- oder Harnlassen erschwert sein. Es kann auch zu einem hervortreten des Darmes aus dem After kommen, auch kann eine Stuhlinkontinenz auftreten. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Gynäkologen!

Was gibt es für Behandlungsmöglichkeiten?

Je nach Art und Schweregrad der Senkung kann mit Hilfe von Beckenbodentraining, dem Tragen eines Pessars oder auch durch eine Operation Abhilfe geschaffen werden.

Worauf muss ich im Alltag achten?

Im Alltag sollten Sie im Fall einer Senkung darauf achten, Bewegungen und sportlichen Aktivitäten zu vermeiden, bei denen starker Druck auf Ihren Beckenboden wirkt. Sie sollten nicht Joggen oder schwer heben und generell Ihren Beckenboden schonen.

Wann hilft Physiotherapie bei Organsenkung?

Studien zeigen, dass eine Senkung Grad 1-2 gut mit Physiotherapie zu behandeln ist. Erste Erfolge zeigen sich nach 6-12 Wochen. Internationale Richtlinien empfehlen bei Senkungsbeschwerden 6 Monate intensives Beckenbodentraining zu machen und dann erst eine etwaige Operation in Betracht zu ziehen. Denn an der Gewebesituation ändert auch die Operation nichts, sodass das Training im besten Fall eine Operation verhindert, in jedem Fall aber den Halteapparat der Organe des kleinen Beckens positiv unterstützt.


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Do

07

Apr

2016

Biofeedback und Elektrotherapie bei Inkontinenz

PatientInnen mit Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz oder Senkungsbeschwerden, die ihren Beckenboden nicht gut wahrnehmen können, hilft Biofeedback die Ansteuerung dieser Muskelgruppe wieder zu erlernen. Bei Beckenbodenschwäche hilft Elektrostimulation die Kraft so weit wieder herzustellen, bis eigenständig weiter trainiert werden kann.

Sowohl bei Biofeedback als auch bei Elektrostimulation wird eine Elektrode vaginal (bei Frauen) oder anal (bei Männern) eingeführt. Diese Elektrode ist mit einem Gerät verbunden, welches im Fall von Biofeedback die Muskelspannung misst und diese auf einem kleinen Bildschirm für die übende Person sichtbar macht. Auf diese Art bekommt der/die Übende eine Rückmeldung darüber, ob der Beckenboden tatsächlich angespannt wird. Im Fall von Elektrostimulation wird mit Hilfe von Strom die Beckenbodenmuskulatur zum kontrahieren gebracht. Dadurch wird die Muskulatur kräftiger. Nach sechs Wochen sind erste Fortschritte für den/die Übende spürbar.

Bei der Diagnose Inkontinenz zahlt die Krankenkasse die Verwendung des Geräts. Man bekommt es für 3 Monate geliehen. Lediglich für die Elektrode (die im persönlichen Besitz verbleibt) wird eine Gebühr verrechnet.

In meiner Praxis unterstütze ich gerne Beckenbodenrehabilitation mit Biofeedback und Elektrostimulation und führe auch die Einschulung auf die Geräte durch.


Do

31

Mär

2016

Beckenbodentraining bei Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und Senkung. Was lernt man da?

Viele Patientinnen mit Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz oder Senkungsbeschwerden können sich nichts unter Beckenbodentraining vorstellen. Die Vorstellung geht von Übungen bei denen man "mit dem Becken am Boden liegt" bis zum "zusammen kneifen". Was lernt man nun tatsächlich beim Beckenbodentraining?

Anatomie! Als allererstes lernt die Patientin beim physiotherapeutischen Beckenbodentraining Ihr knöchernes Becken kennen, sie lernt also erst mal zwischen welchen knöchernen Bezugspunkten sich ihr Beckenboden befindet.

Als nächstes lernt die Patientin, wie sie die unterschiedlichen Anteile der Muskelgruppe Beckenboden anspannen können und wie sie dies überprüfen können. Falls es nicht gelingt den Beckenboden willkürlich anzuspannen, dann kann mit Hilfe von Biofeedback, also dem Sichtbarmachen der Anspannung mit Hilfe eines Gerätes, gearbeitet werden.

Ein Teil des Beckenbodentrainings besteht darin, den Beckenboden in seiner Funktion als Teil des so genannten Rumpfkapselsystems kennen zu lernen. Als solcher arbeitet der Beckenboden mit dem Zwerchfell zusammen und wird daher auch mit Hilfe unterschiedlicher Atemtechniken trainiert.

Die unterschiedlichen Beckenbodenanteile haben verschiedene Muskelgruppen, die als "Helfer" fungieren. Die Patientin lernt diese Helfer kennen und lernt sich diese für das Training zunutze zu machen. Oft zeigt sich dabei welcher Anteil des Beckenbodens stärker, und welcher schwächer ist.

Meist stellt sich in den ersten 1-2 Einheiten heraus, ob das spezifische Problem eher in der Beckenbodenkraft ganz allgemein liegt, oder mehr die Ausdauer oder die generelle Ansteuerungsfähigkeit fehlt. Je nach Fall wird dann das Schwergewicht auf Übungen gelegt, die das spezifische Problem lösen.

Ich hoffe damit ein bisschen Klarheit in den Begriff Beckenbodentraining gebracht zu haben!



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Do

24

Mär

2016

Physiotherapie bei Rektusdiastase - Ihre Arbeit, nicht meine!

Eine Rektusdiastase behandle ich normalerweise unter Zuhilfenahme der so genannten Heller Handgriffe. Dabei werden die geraden Bauchmuskeln der Patientin in ihre ursprüngliche Lage zurück gebracht. Anschließend muss die betroffene Patientin wochen- bzw. monatelang ausgewählte Übungen durchführen und auf das richtige Verhalten im Alltag achten. Erfahrungsgemäß schließen sich "alte" Diastasen schlechter als jene, die noch in der Stillzeit behandelt werden. Umso erstaunlicher ist folgende Geschichte:

Neulich sah ich eine Patientin nach Monaten wieder, deren 10 Jahre (!) alte Rektusdiastase ich vor Monaten lediglich zweimal behandelt hatte. Diese war damals ein Nebenbefund. Auch diesmal war die Patientin wegen eines anderen Problems bei mir. Am Ende der Therapieeinheit bat die Patientin mich, ihre Diastase zu überprüfen, da sie den Eindruck hatte, diese sei viel besser. Bei der Palpation stellte ich fest, dass die zwei Muskelbäuche 1 1/2 Querfinger aneinander lagen und fest verschlossen waren. Die Diastase war zu! Abschließend erzählte mir die Patientin sie habe ihre Übungen nur selten gemacht und sich auch sonst nicht sonderlich an meine Anweisungen für den Alltag gehalten. Zum Abschluss meinte sie scherzhaft: "Die Diastase ist zu. Das war Ihre Arbeit, nicht meine!"

Welch schöner Erfolg! Für meine Patientinnen allerdings die dringende Empfehlung: Bitte trotzdem weiter trainieren!

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Mi

16

Mär

2016

Wie Haltung, Atmung und Training Ihren Beckenboden beeinflussen:

Viele Menschen wissen nicht einmal wo sich ihr Beckenboden befindet. Noch weniger ist ihnen bewusst, dass und wie Haltung, Atmung und Training sich auf diese wichtige Muskelpartie auswirkt, die unser Becken nach unten hin abschließt und so verhindert, dass die Organe unten wieder aus uns "raus fallen". Lernen Sie hier diese Zusammenhänge kennen.

Haltung, Atmung und Training sind essenzielle Bestandteile

eines funktionierenden Beckenbodensystems. Ihre Haltung bestimmt mit, wie viel Druck Ihre Organe auf Ihren Beckenboden ausüben können. Je besser Ihre Haltung, desto weniger Druck nach unten wird ausgeübt.

Der Beckenboden ist eine Muskelschicht, die sich gemeinsam

mit Ihrem Zwerchfell bewegt. Bei der Einatmung spannt sich das Zwerchfell an und senkt sich. Dabei dehnt sich der Beckenboden und senkt sich ebenfallst ab. Bei der Ausatmung hebt sich das Zwerchfell und zieht dabei den Beckenboden mit nach oben, welcher sich dabei anspannt. Der Beckenboden „schwingt“ also mit dem Zwerchfell mit. Daher ist es ratsam im Alltag darauf zu achten, bei anstrengenden Tätigkeiten möglichst auszuatmen. Ihr Beckenboden dankt es Ihnen!

Der menschliche Beckenboden ist Teil der so genannten

Rumpfkapsel. Diese besteht aus Bauchmuskulatur, Rückenmuskulatur, Beckenboden und Zwerchfell. Je kräftiger die beteiligten Muskeln sind, umso besser. Allerdings sollte kein Ungleichgewicht entstehen, da dabei meist der Beckenboden der Verlierer ist!


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Mi

09

Mär

2016

Was tun bei Harninkontinenz nach Prostataentfernung (Prostatektomie)?

Viele Männer leiden an Inkontinenz nach Prostatektomie. Häufig sind die Beschwerden vormittags besser und verschlimmern sich im Verlauf des Tages. „Es rinnt“ dann. Manche Patienten leiden vor allem an Harnverlust während des Gehens.

Da bei Prostataentfernung der innere Blasenschließmuskel verletzt bzw. ganz entfernt wird, muss danach der äußere Schließmuskel dessen Funktion erfüllen. Man(n) muss nun willentlich steuern, was früher automatisch war. Falls Sie nach Prostataentfernung an Inkontinenz leiden, sollten Sie ein spezielles Beckenbodentraining (Sphinktertraining) machen, bei dem Sie lernen Ihren äußeren Schließmuskel anzusteuern und diesen sukzessive kräftigen. Auch die Behandlung mit Elektrostimulation könnte Ihnen helfen.

Darüber hinaus gibt es operative Verfahren, bei denen eine Art Pumpe implantiert wird. Frage Sie Ihren Arzt! Erkundigen Sie sich immer auch nach der Haltbarkeit der Operationsmethode, da viele Operationen nur für begrenzte Zeit das Problem lösen!


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Mi

02

Mär

2016

Tipp für den Alltag Nr. 10 - Harninkontinenz - Getränke

Hier erfahren Sie welche Getränke Sie vermeiden sollten, wenn Sie an Harninkontinenz leiden und welche geeignet sind.

Vermeiden Sie harntreibende Getränke. Dazu zählen: Kaffee,

schwarzer und grüner Tee, Saft von Zitrusfrüchten, kohlensäurehältige Getränke und Alkohol. Wasser, Kräutertees und Fruchtsäfte sind ideal.

Do

25

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 9 - Beckenboden - kein Pipi-Stopp als Training

Lesen Sie hier, warum Pipi-Stopp die falsche Übung ist für Ihren Beckenboden!

Kein Pipi-Stopp als Training für den Beckenboden! Das schadet eher als es hilft, denn es kann sowohl die Steuerung der Blasenentleerung negativ beeinflussen, als auch Ihren Harnröhrenschließmechanismus! Stattdessen richten Sie sich beim Urinieren auf, entleeren Ihre Blase vollständig und schnüren danach Ihre Blase zu und saugen Ihren Beckenboden nach oben.

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Mi

17

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 8 - Blasentraining bei Dranginkontinenz

Lesen Sie hier warum Sie nicht dem ersten Gefühl der Blasenfüllung nachgeben sollen und was Sie tun können um den Drang aufzuschieben.

Geben Sie nicht jedem Harndrang sofort nach! Durch frühzeitiges Entleeren wird das Fassungsvermögen der Blase kleiner. Trippeln Sie stattdesssen vor der Toilette um die eigene Achse und zählen Sie wie lange Sie den Drang aufschieben können. Auf diese Art trainieren Sie Ihre Blase.

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Di

09

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 7 - Dranginkontinenz - Trinkmenge

Erfahren Sie hier, wieso es nicht gut ist, bei Dranginkontinenz die Trinkmenge einzuschränken.

Achten Sie trotz Harnverlusts auf eine ausreichende Trinkmenge! Machen Sie nicht den Fehler die Trinkmenge zu reduzieren, wenn Sie an Dranginkontinenz leiden. Stark konzentrierter Harn reizt die Blasen-wand und erhöht den Drang!

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Mo

01

Feb

2016

Tipp für den Alltag Nr. 6 - Gebärmuttersenkung - Pessar und Beckenbodentraining

Erfahren Sie hier, was Ihnen bei einer Gebärmuttersenkung helfen könnte. Fragen Sie Ihren Facharzt nach der Anpassung eines Pessars und nach Beckenbodentraining.

Falls Sie an einer Gebärmuttersenkung leiden, könnte Ihnen

die Verwendung eines Pesars im Alltag helfen. Fragen Sie Ihren Facharzt! Falls Sie bereits Beckenbodentraining betreiben, sollten Sie auf die richtige Ausgangstellung dabei achten! Keine belastenden Stellungen wie Sitz oder Stand!

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Der Kontinenzblog Pelvipedia, dessen Hauptseite in den ersten 18 Monaten seines Bestehens bereits 1000 Mal aufgerufen wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle relevanten Informationen zu Harn- und Stuhlinkontinenz für Betroffene zugänglich zu machen.

Zu den bis dato über 100 Artikeln des Blogs zählen Berichte über Krankheitsbilder, konservative und operative Therapiemethoden sowie über Hilfsmittelversorgung. Es finden sich Tagungsberichte genauso wie nützliche Alltagstipps für Betroffene von Inkontinenz. Ein zentraler Punkt von Pelvipedia ist die Vorstellung der mit Inkontinenz befassten Berufsgruppen, Institutionen und Beratungsstellen. Ein weiterer zentraler Teil sind Expertengespräche mit Ärzten, KSBs, Beckenbodenphysiotherapeutinnen und Vertretern der Industrie, um alle Therapieoptionen umfassend aufzuzeigen.

Wenn auch nur ein einziger der bis dato 3000 Klicks der meistgelesenen 10 Artikel einer einzigen Person helfen konnte, so hat Pelvipedia sein Ziel erreicht!

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Fr

15

Dez

2017

Gründe und Therapie von Verstopfung

In ihrem Vortrag "Slow Transit Obstipation versus Outlet Obstruction" anlässlich der 27. Jahrestagung der MKÖ in Linz erklärt die Chirurgin Urszula Prunner Gründe und Therapieoptionen bei Obstipation.

2 Arten von Obstipation

Slow Transit

Neben der vorübergehenden Verstopfung etwa auf Reisen gibt es zwei Arten der chronischen Verstopfung. Zum einen die Obstipation, welche durch Trägheit des Darmes ausgelöst wird. Gründe dafür sind zahlreich und können in diätischen Fehlern, durch Bewegungsmangel aber auch durch Erkrankungen wie MS, Parkinson, Demenz, Diabetes Mellitus, Verletzungen des Nervengeflechts oder aber durch hormonelle Ursachen ausgelöst werden.

Outlet Obstruction

Die Obstipation kann aber auch durch ein Hindernis entstehen wie etwa einer Rektozele (Aussackung der Dickdarmwand in Richtung Scheide), Enterozele (Vorstülpung des Dünndarms ins kleine Becken), Intussuszeption (Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen). Aber auch die Absenkung des Beckenbodens oder die Anspannung eines Beckenbodenmuskels anstatt seiner Entspannung beim Entleerungsversuch können die Verstopfung begründen.

Diagnose

Um eine Diagnose stellen zu können, wird der Arzt eine umfassende Befragung durchführen. Untersuchungen, die beim Verdacht auf eine Slow Transit Obstruction zur Anwendung kommen sind die so genannte Colontransitzeitmessung, bei der die Verweildauer der Nahrung im Darm gemessen wird. Weiters kommt die so gennannte rektale Manometrie zur Anwendung, mit deren Hilfe andere Erkrankungen des Enddarms ausgeschlossen werden.

Vermutet der Arzt hingegen die zweite Art der Verstopfung, wird eine so genannte Defäkographie durchgeführt, bei der die Mechanik der Entleerung beobachtet werden und beurteilt werden kann.

Möglichkeiten der Therapie

Zur Therapie der Obstipation stehen eine Änderung der Lebensgewohnheiten (ballaststoffreiche Ernährung, körperliche Aktivität), medikamentöse Therapie mittels Stuhlweichmachern und ähnlichem zur Verfügung. Liegt der Grund in einer Fehlsteuerung oder Schwächung der Beckenbodenmuskulatur, wird ein physiotherapeutisches Beckenbodentraining mit Biofeedback durchgeführt. Die so genannte transanale Irrigation, eine spezielle Form des Einlaufs, kann ebenfalls Erleichterung schaffen.

Operation als letztes Mittel...

Bei der chronischen Verstopfung in der Form der Slow Tranist Obstipation, erklärt Dr. Prunner, sollte eine Operation nur in äußerst schwerwiegenden Fällen und als allerletzte Möglichkeit nachdem alles andere ergebnislos geblieben ist, angewandt werden, da eine solche im schlimmsten Fall mit einem künstlichen Darmausgang enden kann.

Das Verfahren der SNM (sakralen Neuromodulation) kann probiert werden.

Konklusion

Wenn Sie an einer chronischen Verstopfung leiden, können Sie sowohl von einer Lebensstiländerung, als auch von medikamentöser Therapie und möglicherweise von Beckenbodentraining profitieren. Da die Gründe für Verstopfung zahlreich sind, sollte eine genaue Abklärung durch einen Facharzt erfolgen.

Fr

08

Dez

2017

Pelvipedia gewinnt Comitatus Award 2017

Im Rahmen der 27. Jahrestagung der MKÖ wurde dem Kontinenz-blog Pelvipedia der mit 5.000.- dotierte Comitatus Award der Firma Hollister verliehen. Der Preis ergeht jährlich an Projekte, die "hervorragende Leistungen in der Versorgung von Blasen-funktionsstörungen" erbringen.

Technische Neuerungen möglich!

Es freut mich riesig, dass Pelvipedia damit ein Budget erhält, mit dem dringend notwendige technische Änderungen vorgenommen werden können. Dazu zählen eine Suchfunktion, mit deren Hilfe es möglich werden soll, alle Beiträge zu einem Thema ausfindig zu machen und anzeigen zu lassen. Auch eine Newsletter Funktion, sowie eine verbesserte Kommentarfunktion soll es künftig geben.

Das Preisgeld stellt überdies die Möglichkeit dar, mein Know How bezüglich Suchmaschinenoptimierung zu verbessern, was den Zugang zur Seite langfristig weiter steigern wird!

Themen 2018: neurologische Erkrankungen, Alter und kindliche Inkontinenz

Der Gewinn des Comitatus Awards bedeutet nicht nur finanzielle Hilfe für die Seite, sondern auch eine weitere Bekanntmachung der Seite, so dass die für 2018 geplanten Themen Inkontinenz bei Kindern, im Alter und bei neurologischen Erkrankungen leichter durch Expertinnen abgedeckt werden können.

EIN HERZLICHES DANKESCHÖN HIERMIT NOCHMALS AN DIE FIRMA HOLLISTER!

Fr

01

Dez

2017

Medikamente: Inkontinenz und Entleerungsstörungen als Folge!

Gerade für alte Menschen, welche häufig viele verschieden Medikamente einnehmen müssen ist von Bedeutung, dass es viele Medikamente gibt, die Inkontinenz und Entleerungsstörungen der Blase verursachen bzw. verschlimmern können.

Liste der Medikamentengruppen publiziert

Die Gerontologin und Internistin Helena Talasz hat 2014 eine Liste der Medikamentengruppen veröffentlicht, welche sowohl Entleerungsstörungen als auch Inkontinenz machen bzw. verschlimmern können.

Die Aufzählung der Substanzen reicht von α-adrenergen Substanzen, α-Blocker, ACE-Hemmern, Anticholinergika, Kalziumkanalblocker, Acetylcholinesterasehemmer, Diuretika, Lithium, Opioide, Psychotrope Substanzen (Benzodiazepine, Neuroleptika, Hypnotika), Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmern bis hin zu nichtsteroidalen Antireumatika.(1)

Vom Gerontologen abklären lassen!

Vor allem Menschen, die viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen, sollten bei Zunahme ihrer Beschwerden an die Nebenwirkung eines Medikaments denken. Falls Sie, oder einer Ihrer Angehörigen (nach einer Medikamentenumstellung) von Harninkontinenz oder Entleerungsstörungen betroffen sind, oder sich Symptome verschlimmert haben, zögern Sie nicht einen Arzt zu konsultieren welcher auf die Behandlung von Harninkontinenz spezialisiert ist! Häufig kann ein auf alte Menschen spezialisierter Facharzt für innere Medizin (Gerontologe) weiter helfen.

1 H. Talasz, Harninkontinenz Geriatrischer Patientinnen. Screening und Abklärung. Zeitschrift für Gerontologie + Geriatrie mit European Journal of Geriatrics. 2014. 47: 57-68

Fr

24

Nov

2017

Experteninterview Sakrale Neuromodulation: Hilfe bei Stuhlinkontinenz

Als Schrittmacher für den Beckenboden wird die Sakrale Neuromodulation oft bezeichnet. Helfen kann dieses Verfahren vor allem bei Stuhlinkontinenz. Was das ist und für wen SNM geeignet ist, darüber habe ich mit der Chirurgin und SNM- Spezialistin Dr. Kira Sorko- Enzesfeld gesprochen.

Auf den Bildern: Generator, das Handgerät für Patienten und Programmiergerät des Arztes zu sehen.

Was ist Sakrale Neuromodulation?

Die sakrale Neuromodulation (SNM), früher als sakrale Nervenstimulation (SNS) bezeichnet, ist ein Therapieverfahren zur Behandlung von Stuhl-und Harninkontinenz. Es basiert darauf, dass elektrische Impulse die Nervenwurzel S3 oder S4 stimulieren und dadurch zahlreiche Reaktionen einerseits im Beckenboden und

andererseits im zentralen Nervensystem auslösen.

Wem nützt die Sakrale Neuromodulation?

Die SNM wurde ursprünglich in der Urologie zur Behandlung der Harninkontinenz eingesetzt. Als Nebeneffekt beobachtete man, dass sich die Symptome bei Patienten mit Doppelinkontinenz ebenfalls besserten, so dass die SNM seit 1995 auch zur Therapie der Stuhlinkontinenz eingesetzt wird. Seither sind noch weitere

Indikationen wie Obstipation, chronischer Beckenbodenschmerz oder

Reizdarmsyndrom hinzugekommen.

Wie funktioniert das?

Der genaue Wirkungsmechanismus ist noch nicht bekannt, als gesichert gelten folgende Veränderungen:erhöhter Muskeltonus (Muskelanspannung) von innerem und äußerem Schließmuskel, die Anspitzung des anorektalen Winkels, eine Normalisierung der

Sensibilität im Rektum sowohl bei Hypo-als auch bei Hypersensibilität, die Veränderungen der Colonmotilität, das Eingreifen in ano corticale Reflexmechanismen sowie die Stimulation von Gehirnarealen, die zu einer verbesserten Wahrnehmung der Entleerung führen.

Bei welchen Krankheitsbildern wird SNM eingesetzt?

Das Haupteinsatzgebiet in der Chirurgie ist sicherlich die Stuhlinkontinenz. Ursachen für eine Stuhlinkontinenz können vielfältig sein. Hierzu zählen Sphinkterdefekt nach Geburt oder Operationen, neurogene Veränderungen z.B. bei Diabetes mellitus,

Bandscheibenvorfall oder Multipler Sklerose, idiopathiosche Sphinkterschwäche nach tiefer Rektumresektion.

Weitere chirurgische Indikationen sind die funktionelle Obstipation, das Reizdarmsyndrom sowie chronischer Beckenbodenschmerz. An weiteren Einsatzgebieten wird stetig geforscht. Die urologischen Indikationen wie überaktiver Blase mit oder ohne Inkontinenz und die nicht-obstruktive atone Blase seien hier nur erwähnt.

Wo bekommt man das?

Die SNM wird in spezialisierten Krankenhäusern angeboten. Voraussetzung ist, eine komplette Abklärung der Stuhlinkontinenz mit genauester Anamnese, Palpation, Druckmessung des Schließmuskels

und gegebenenfalls Ultraschall der Analregion. Wenn die konservative

Therapie versagt hat und andere operativ sanierbare Ursachen für die

Inkontinenz wie z: B. Rektumprolaps ausgeschlossen wurden, kann eine SNM in Erwägung gezogen werden.

Kann das jeder Chirurg/Proktologe einsetzen/verordnen?

Es kann jeder Allgemeinarzt oder Facharzt eine Überweisung zur Abklärung der Inkontinenz aushändigen, aber welche Therapie letztendlich zum Einsatz kommt, entscheidet das behandelnde

Zentrum.

Wie wird es eingesetzt?

Der Vorteil dieser Methode besteht in der Möglichkeit einer Testphase und der damit verbundenen Evaluierung ob die/der Patient/in auf

die Therapie anspricht.

 

Wenn ein/e Patient/in geeignet erscheint, setzt man ihm unter Vollnarkose ein oder zwei Elektroden im Bereich des Kreuzbeins ( S3-S4 ). Intraoperativ erfolgt die erste Überprüfung, ob eine Reaktion im Bereich des Schließmuskels auftritt. Ist das der Fall wird an die

Elektrode eine Verlängerung angeschlossen und diese im Bereich des Beckenkammes nach außen ausgeleitet und mit einem externen Impulsgeber verbunden. Dieser Impulsgeber gibt kontinuierlich elektrische Signale ab und stimuliert damit die Nerven.

 

Diese Impulse zeigen ihre Wirkung ohne, dass sie vom Patienten/in wahrgenommen werden. Diese Testphase wird für ca. 2-4 Wochen durchlaufen. Der Patient sollte vor und während der Evaluierung ein Stuhltagebuch führen. Wenn es zu einer Verbesserung der Symptome – hierzu zählt auch die Verbesserung der Lebensqualität - um

mindestens 50% kommt, kann eine definitive Implantation erfolgen. Dazu wird in lokaler Betäubung die nach außen geleitete Verlängerung entfernt und der Generator im Bereich des Gesäßmuskels unter die Haut implantiert.

 

Die Stimulationsparameter des Generators können mittels Fernbedienung verändert und auch komplett ausgeschaltet werden.

Ist die Operation gefährlich?

Jede Operation birgt ein gewisses Risiko. Am häufigsten treten Nachblutungen oder Infektionen auf. Ein Vorteil der Methode ist, dass keine direkte Manipulation am Schließmuskel stattfindet und sich die Symptomatik durch die SNM keinesfalls verschlechtern kann. Im

schlimmsten Fall tritt keine Verbesserung in der Testphase auf und damit folgt keine definitive Implantation des Generators, stattdessen eine Entfernung der vorher platzierten Elektrode.

Tut die Operation weh?

Postoperativ tritt ein normaler Wundschmerz auf.

Wovon hängt es ab, ob SNM wirkt?

Man kann nie wirklich voraussagen, ob ein/e Patient/in auf die Therapie anspricht oder nicht. Deshalb ist die Test und von großer Bedeutung.

Außerdem sollten andere Ursachen wie Rektumprolaps oder sehr große Sphinkterdefekte ausgeschlossen worden sein.

Gibt es Kontraindikationen?

Kontraindikationen sind das Vorhandensein eines Herzschrittmachers, eine komplette Querschnittslähmung, Veränderungen, die den Zugang zu den Sakralnerven verhindern, Schwangerschaft und mangelnde Patientencompliance.

Was ist, wenn SNM nicht funktioniert?

Im schlimmsten Fall tritt keine Verbesserung in der Testphase auf und damit folgt keine definitive Implantation des Generators, stattdessen eine Entfernung der vorher platzierten Elektrode.

Gibt es mögliche Komplikationen bei der Einpflanzung, Durchführung der SNM?

Die Implantation eines Fremdkörpers birgt immer die Gefahr einer Infektion. Ansonsten können die üblichen Komplikationen (z.B. Blutung, verzögerte Wundheilung) wie bei jeder Operation auftreten.

Braucht das Gerät eine Wartung? Wenn ja welche?

Ja, der Generator hat eine Batterie, die je nach Verbrauch 2-5 Jahre hält. Nach Ablauf dieser Zeit muss der Generator ausgewechselt werden, die Elektrode bleibt jedoch immer an Ort und Stelle. Der Austausch kann in Lokalanästhesie erfolgen.

 

Manche Patienten brauchen von Zeit zu Zeit eine Neuprogrammierung der Stimulation, so dass regelmäßige Kontrolle notwendig sind

Wirkt SNM lebenslang?

Die Studien zeigen auch in Bezug auf die Langzeiteffektivität vielversprechende Ergebnisse.

Kann die Grunderkrankung durch SNM besser werden?

Die Grunderkrankung wird nicht verändert. Es werden lediglich die Symptome (Anzahl der Inkontinenzepisoden, verbesserte Wahrnehmung des Stuhldrangs) und die Lebensqualität verbessert. Die Stimulation muss ein Leben lang erfolgen. Wenn das System ausgeschaltet wird, treten die Symptome wieder auf.

Dr. Kira Sorko-Enzfelder

 

2009– 2016 Ausbildung zur Fachärztin für Allgemein-und Viszeralchirurgie im

Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien

 

Seit 2012 Vortragstätigkeit bei zahlreichen Kongressen, Symposien und Kursen vor allem zum Thema Inkontinenz und Beckenboden

 

Seit 2016 Unterrichttätigkeit zum Thema Inkontinenz und Stoma an der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen - Bereich Pflege

 

2014 – 2017 Sekretärin der Arbeitsgemeinschaft für Coloproktologie

 

Seit 2017 Fortbildungsreferentin der Arbeitsgemeinschaft für Coloproktologie (ACP)

 

2017 Österreichisches Ärztekammer- Diplom Genetik

 

Ihr besonderes Interesse galt bereits während ihrer Ausbildung den Erkrankungen des Darms, Funktionsstörungen des Beckenbodens und der Stuhlinkontinenz.

Fr

17

Nov

2017

Professionelle Hilfe bei: Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und Stoma: KSBs helfen weiter!

Immer noch wissen viele von Inkontinenz Betroffene nicht, dass die Berufsgruppe der KSB extra für die Hilfe bei Inkontinenz ausgebildet ist. Was KSBs für Sie tun können, lesen Sie im Folgenden Interview mit DGKP/KSB Karin Müller, der Obfrau  des Vereins Kontinenz-und Stomaberatung Österreich.

RH: Was ist die Berufsgruppe der KSB?

Karin Müller: KSB bedeutet Kontinenz-und StomaberaterIn und bezeichnet Pflegepersonen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege, die eine Weiterbildung im Bereich Kontinenz und Stomaberatung absolviert haben.

RH: Wofür sind KSBs zuständig?

Karin Müller: Für die Beratung und Schulung von Betroffenen und deren Angehörigen welche von Inkontinenz und Stomaanlagen jeglicher Art betroffen sind. Gleichzeitig sind wir Ansprechpersonen für Kolleginnen und Kollegen, Betreuende, Ärzte und Behörden. Nicht zu vergessen fällt der ökonomische Hilfsmitteleinsatz in unser Resort.

RH: Gibt es KSBs nur im Krankenhaus?

Karin Müller: Nein KSBs gibt es in den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens. Wir sind in Spitälern, Reha Zentren und Pflegeeinrichtungen genauso vertreten, wie im extramuralen Bereich. Es gibt Kolleginnen und Kollegen in der Hauskrankenpflege, bei Homecare Unternehmen, Bandagisten, der Industrie und auch bei Krankenkassen. Einige KSBs haben auch eigene Praxen wo man Beratungstermine vereinbaren kann.

RH: Wie kann eine KSB bei Harninkontinenz helfen?

Karin Müller: Der wichtigste Aspekt ist die medizinische Abklärung der Ursache und die ärztliche Diagnosestellung welche Inkontinenzform besteht. Betroffene werden durch die oder den KSB beraten um auf diesem Weg eine adäquate Inkontinenzversorgung zu eruieren und vorzuschlagen. Dabei stehen uns zum Beispiel Miktionsprotokoll/Trinkprotokoll (siehe hierzu: Experteninterview: Blasentraining bei Dranginkontinenz), wo über Trink- und Harnmenge, und den eventuellen Harnverlust, Buch geführt wird, zur Verfügung. Gegebenenfalls werden auch weiterführende Untersuchungen angeregt und die dafür richtigen Stellen empfohlen. Bei Gesprächen wird auch explizit eruiert, wie die Patientinnen und Patienten zum Beispiel allein durch eine Änderung des Trinkverhaltens eine Besserung erzielen können. Ebenso lernen sie Tipps und Tricks um eventuell ein unerwünschtes Abgehen von Harn hinauszuzögern. Außerdem schulen wir den richtigen Umgang mit saugenden oder ableitenden Hilfsmitteln beispielsweise.

RH: Wie kann eine KSB bei Stuhlinkontinenz helfen?

Karin Müller: Hier ist die Vorgehensweise ähnlich wie bei Harninkontinenz. Zuerst zum Arzt zur Abklärung, dann in die Beratungsstelle kommen. Erfahrungsgemäß ist bei Stuhlproblemen die Hemmschwelle um Hilfe zu bitten noch höher. Es gibt aber auch hier Lösungen, die wieder ein aktives Teilnehmen am sozialen Leben möglich machen! Beim Beratungsgespräch versuchen wir dann abzuklären, wie man durch eine Änderung der Verhaltensweisen zum Beispiel Verstopfungen (siehe hierzu: Experteninterview Stuhltraining bei Obstipation) in den Griff bekommen kann und welche Hilfsmittel zur Anwendung kommen können.

RH: Wie kann eine KSB bei einem Stoma helfen?

Karin Müller: Optimalerweise überweist der Arzt schon vor der geplanten Operation seine Patientinnen oder Patienten an die KSB. Diese bespricht die Situation aus pflegerischer Sicht mit den Betroffenen. Dabei wird gemeinsam die Stelle lokalisiert, die für den künftigen Stomaträger am besten versorgbar wäre. Nach der Operation stehen wir den Betroffenen zu Seite, durch Schulung im Umgang mit dem Stoma, Auswahl der richtigen Versorgung, und natürlich mit Rat und Tat bei Problemen. In weiterer Folge auch in der Form von Kontrollen und als Anlaufstelle für Fragen.

RH: Wie kann ich mit einer KSB in Kontakt kommen?

Karin Müller: Auf der Homepage des Vereins Kontinenz und Stomaberatung (www.kontinenz-stoma.at) sind Beratungsstellen in ganz Österreich aufgelistet. Hier findet man alle Ansprechpersonen mit den dazugehörigen Kontaktmöglichkeiten.

RH: Ich selbst, oder eine Angehörige ist inkontinent, alt und nicht mehr sehr mobil. Kann sie trotzdem die Hilfe einer KSB in Anspruch nehmen? Wenn  ja, wie?

Karin Müller: Einige freiberufliche KSB bieten Hausbesuche an, auch diese sind auf der Homepage aufgelistet. Am besten anrufen und Termin vereinbaren.

RH: Wird die Unterstützung durch eine KSB vom Arzt verordnet?

Karin Müller: Bevor wir als KSBs tätig werden können, brauchen wir immer eine ärztliche Abklärung im Vorfeld. Bei gewissen Tätigkeiten, wie zum Beispiel dem Anlernen des Selbstkatheterismus, unterliegen wir sogar der Anordnungspflicht eines Arztes, es muss ja die Notwendigkeit medizinisch abgeklärt sein.

RH: Was kostet die Unterstützung/Hilfe einer KSB?

Karin Müller: Hier muss unterschieden werden, ob es sich um eine Beratung in einem Krankenhaus handelt. In diesem Fall bedarf es im Normalfall nur einer Anmeldung im Ambulanzbereich. Anders ist es beim Besuch in einer freiberuflichen Praxis. Hier muss man die gesamten Kosten der Beratung übernehmen. Es besteht zwar die Möglichkeit die Rechnung bei der für Sie zuständigen Krankenkasse einzurechnen, aber es ist nicht garantiert ob Sie einen kleinen Anteil wieder zurückbekommen.

Lebenslauf DGKP/KSB Karin Müller:

 

Geboren 1974 in Wien

 

Seit 1994 Dipl.Gesundheits- und Krankenpflegerin an der

Krankenanstalt Rudolfstiftung.

 

2009 Beginn der Tätigkeit im Bereich Kontinenz-und Stomaberatung

 

2011-2012 Weiterbildung Kontinenz-und Stomaberatung der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen in Wien

 

2015-2016 Wundmanagement an der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen in Wien

 

Seit 2012 Mitglied im Verein Kontinenz-und Stomaberatung Österreich

 

seit 2016 Obfrau des Vereins Kontinenz-und Stomaberatung Österreich

Fr

10

Nov

2017

Experteninterview Teil 2: Analer Schmerz

Interview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich (Facharzt für Chirurgie) zum Thema: „Analer Schmerz“

Teil 2: Die proktologische Untersuchung bei analem Schmerz und weitere Behandlungsoptionen bei idiopathischem Schmerz

RH: Was muss bei einem Schmerz im Analbereich proktologisch untersucht werden und wie funktioniert das?

Prof. Wunderlich: Der erste Schritt ist die Erhebung der Anamnese (= Befragung der Patienten nach ihrer Krankengeschichte, also dem Beginn und dem Verlauf der Symptome), die zum Beispiel bei der Analfissur meistens feststellt, dass der Patient den ersten Schmerz nach einem sehr harten Stuhlgang verspürt hat– ein Schmerz, der sich in der Folge auf der Toilette stets wiederholt.

Der zweite Schritt der Diagnostik ist die sogenannte klinische Untersuchung in Links Seitenlage,beginnend mit derInspektion, das heißt der Begutachtung der Region durch Hinsehen, gefolgt von der digitalen Palpation, das heißt dem Tasten, sofern dies nicht zu schmerzhaft ist, wie zum Beispiel bei Vorliegen einer Analfissur. Wenn das Austasten des Analkanals wegen Schmerzen dem Patienten nicht zumutbar ist, verordnet man besser zunächstdie Zäpfchen-Salben-Therapie, verzichtet auf weitere Manipulationen, wie etwa die Endoskopie und wiederholt die Untersuchung in frühestens 4 Wochen. Dann sind Palpation und Rektoskopie (Spiegelung des Mastdarms mit einem starren Rohr) häufig ohne Schmerzen möglich.

RH: Und dann würde man noch eine Endoskopie machen, um eine schwerwiegende Erkrankung auszuschließen? Würde denn der Schmerz von einem Karzinom auch besser werden durch die Salbe?

Prof. Wunderlich: Ja, denn ein Analkarzinom, das schmerzt,

wird durch die Salbe schon kurzfristig besser.

RH: Also auf jeden Fall noch eine Endoskopie?

Prof. Wunderlich: Ja, unbedingt! Also Rektoskopie und

Proktoskopie (Spiegelung des Analkanals mit einem sehr kurzen starren Rohr) gehören im Interesse eines vollständigen Befundes gemacht.

RH: Kann man den Schmerz auch einfach „wegoperieren“?

Prof. Wunderlich: Ja, aber nur, wenn man ein Substrat hat,

wie bei Fissur, Abszess und Hämorrhoidalthrombose.

RH: Wenn jetzt nichts gefunden wird bei einer solchen Untersuchung, heißt das dann, dass man nichts hat und sich alles nur einbildet?

Prof. Wunderlich: Nein, keinesfalls! Dann kann es zum Beispiel ein idiopathischer Schmerz sein, dessen Ursache man nicht kennt. Dieser

treibt die Patienten zur Verzweiflung und muss unbedingt ernst genommen werden – nicht, weil er gefährlich ist, aber weil gerade diese Patientinnen und Patienten mehr als andere der ganzen Empathie des Proktologen bedürfen.

RH: Und wohin soll oder kann man sich dann noch wenden?

Prof. Wunderlich: Gelingt es dem Proktologen mit seiner

ganzen Kunst nicht, den Schmerz zu beherrschen, dann sollte er nicht zögern, mit Schmerztherapeuten zusammen zu arbeiten. Diese sind in der Regel spezialisierte Fachärzte für Anästhesie, die Analgetika in verschiedensten, sehr wirksamen Kombinationen anwenden.

Es scheint ein interessantes Phänomen zu sein, dass Chirurgen sich ein wenig genieren,„nur“ eine Salbezu verschreiben, anstatt zu „Schneiden“, was man ja landläufig mit ihnen assoziiert. Bei vielen meiner Patientinnen und Patienten mit Analfissuren, und anderen analen Schmerzen stelle ich fest, dass diese einfach zu erklärenden Schmerzen mit Zäpfchen-Salbentherapie zu heilen oder deutlich zu lindern sind.

RH: Haben Sie persönlich Erfahrungen damit, dass man diese Patientinnenund Patientendannmit Osteopathie oder Physiotherapie behandelt, also den Beckenboden entspannt?

Prof. Wunderlich: Nein,damit habe ich kaum Erfahrung, aber

es erscheint mir als ein äußerst probater therapeutischer Ansatz.

RH: Danke für das Gespräch!

Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

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Fr

03

Nov

2017

Experteninterview Teil 1: Analer Schmerz

Interview mit dem Proktologen Prof. Max Wunderlich (Facharzt für Chirurgie) zum Thema: „Analer Schmerz“

Teil 1: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei analem Schmerz

RH: Was sind die häufigsten Ursachen für Schmerzen im Analbereich?

Prof. Wunderlich: Die häufigsten Ursachen sind Erkrankungen

in diesem Bereich, die man genau definieren kann. An erster Stelle dieser sichtbaren Veränderungen steht die Analfissur, ein entzündeter Einriss im Analkanal, der bei jedem Stuhlgang, vor allem wenn der Stuhl hart ist, einen Schmerz auslöst, der noch einige Minuten bis Stunden anhalten kann.

Die zweite häufige Ursache ist ein Analabszess und die dritte eine akute Hämorrhoidalthrombose. Die ist nicht zu verwechseln mit der perianalen Thrombose, die kurzfristig schmerzhaft ist, aber nie so sehr, wie die Hämorrhoidalthrombose. Bei der Hämorrhoidalthrombose sind die Hämorrhoiden permanent prolabiert, d.h. vorgefallen. Sie enthalten hunderte kleine Thromben, sind ödematös, und durch

diese Schwellung und Spannung im Gewebe entsteht der Schmerz.

Die genannten Ursachen haben ein morphologisches Substrat. Das heißt, man findet da exakt die Läsion, die den Schmerz verursacht und das sind auch die am einfachsten zu diagnostizierenden und zu behandelnden Ursachen für den analen Schmerz.

Die zweite Gruppe des Schmerzes in der Region geht nicht mit einer morphologischen Veränderung einher, aber es lässt sich die Ursache des Schmerzes orten. An erster Stelle zu nennen ist die Coccygodynie: Darunter versteht man einen meist heftigen Schmerz am Steißbein:dauernd oder nur beim Sitzen. Dieser geht in der Regel zurück auf ein Trauma, eine stumpfe Verletzung in dem Bereich, die

auch viele Jahre zurückliegen kann und später erst dazu führt, dass das Steißbein schmerzt. Diese Diagnostik ist insofern auch einfach, als das Betasten des Steißbeins (von außen oder bei der Untersuchung vom Analkanal her) dortselbst den Schmerz auslöst.

An zweiter Stelle steht die Pudendusneuralgie, ein Schmerz, der vom Nervus Pudendus (dem Schamnerv im kleinen Becken) ausgeht,

vergleichbar dem Ischias-Schmerz. Zumeist rührt dieser Schmerz von der Wirbelsäule her (z.B. Bandscheibenprobleme)Er kann einseitig oder beidseitig auftreten und wird durch die digitale Palpationdiagnostiziert, d.h. beim Austasten des Analkanals mit dem untersuchenden Zeigefinger. Bei der analen Palpation drückt man einmal links, einmal rechts auf den Tuber Ossis Ischii (Sitzbeinhöcker), wo der Nerv im Alcockschen Kanalverläuft. Löst der Druck bei der Untersuchung den

Schmerz aus, dann handelt es sich um eine Pudendusneuralgie.

Der dritte, und das ist der unangenehmste Schmerz, weil man seine Ursache meist nicht kennt,ist der so genannte idiopathische anale

Schmerz. Er ist quälend, fast ständig vorhanden, seine Entstehung unklar, und dementsprechend schwierig ist auch die Behandlung.

RH: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Am einfachsten zu behandeln sind naturgemäß die Schmerzen derersten Gruppe, jener mit dem morphologischen Substrat. Die Behandlung der Analfissur sollte primär konservativ sein mit Zäpfchen und Salbe: Ganz gewöhnliche Hämorrhoidenzäpfchen dienen nur als Träger für einen Gupf einer lokalanästhesierenden Salbe, die auf die Spitze des Zäpfchens aufgetragen wird. Dabei ist es wichtig, Salbe zu verwenden und nicht ein Gel, denn dieses haftet nicht sondern rinnt gleich weg.

Wenn ein derart beschichtetesZäpfchen zumindest zweimal täglich in den Analkanal eingeführt wird, verteilt sich die Salbe in der Fissur. Das nimmt den Schmerz, dadurch wird der Schließmuskelkrampf, der mit dem Schmerz einhergeht, reduziert, wodurch die Entzündung allmählich, also im Laufe von Tagen, manchmal Wochen, zurückgeht.

Das ist zumindest die Theorie der Wirkungsweise. Diese Behandlung sollte man konsequent vier Wochen lang durchführen, selbst wenn die Patienten schon nach zwei Tagen schmerzfrei sind. Konsequent durchführen heißt, zumindest ein Zäpfchen mit Salbe nach dem Stuhlgang. Man kann es auch vor dem Stuhlgang nehmen, damit das nicht so schmerzt. Und einmal abends vor dem Schlafengehen. Da

diese Zäpfchen-Salben-Behandlung keine schädliche Wirkung hat, und man auch nicht davon abhängig wird, ist gegen eine häufigere Anwendung, mehrmals am Tag, immer wenn man Schmerzen hat, nichts einzuwenden. Wenn der Analkanal aufgrund einer langfristigen chronischen Entzündung durch die Fissur verengt ist, und die Zäpfchen mit Salbe nichts nützen, ist die nächste Stufe die Anwendung eines

Analdilatators (=Dehnkegel), der mit der gleichen Salbe beschichtet ist 2-3-mal täglich für ungefähr 2-5 Minuten zumindest 4 Wochen lang. Mit einer neuerlichen Untersuchung sollte der Arzt dann feststellen, ob die Fissur geheilt ist, oder nicht.

Bei der akuten Hämorrhoidalthrombose genügt das Aufbringen von lokalanästhesierender Salbe auf die schmerzenden Knoten. Oft

helfen auch Coolpacks, lokal aufgelegt. Man kann auch, um die Thrombose zum Rückgang zu bewegen, Tupfer mit 3%iger Kochsalzlösung auftragen, denn die zieht dann durch die Osmose die Flüssigkeit aus dem ödematösen Gewebe heraus. In der Regel hilft das nach 2-5 Tagen. Wenn es nicht nützt, dann ist die Hämorrhoidektomie, das heißt die operative Entfernung der Hämorrhoidenindiziert.

RH: Ist eine Hämorrhoidalthrombose gefährlich? Ich kenne nur Beinvenenthrombosen und die sind ja gefährlich wegen einer möglichen Pulmonalembolie, also einem Hochwandern der Gerinnsel in die Lunge.

Prof. Wunderlich: Nein, die Hämorrhoidalthrombose ist nicht

gefährlich, weil keine Verbindung zu größeren Gefäßen besteht wie bei den oft viele Zentimeter langen tiefen Beinvenenthrombosen.Da sich in akut thrombosierten, prolabierten Hämorrhoiden hunderte winzige Gerinnselfinden, ist es auch nicht sinnvoll, diese Knoten einzuschneiden, da man nur wenige der Gerinnsel entleeren kann. Auch aus diesem Grund istdie Hämorrhoidektomie die operative Therapie der Wahl, wenn man schon zum Messer greifen muss.

Die Entscheidung für die Hämorrhoidektomie hängt auch von der individuellen Vorgeschichte ab.Handelt es sich bei der akuten Thrombose um die erste Manifestation eines Hämorrhoidalleidens, sollte man nicht voreilig operieren, denn möglicherweise ist die Thrombose ein einmaliges Ereignis, das sich im weiteren Leben nicht mehr wiederholen wird. Wenn aber, und das kann man mit der Anamnese

erheben, eine Patientin oder ein Patient immer wieder schon Hämorrhoidalbeschwerden hatte, unter denen sie leiden, jahrelang, dann kann man relativ zügig zur Hämorrhoidektomie schreiten, weil man den Menschen ja dann auch von seinem chronischen Hämorrhoidalleiden befreit.

Der Analabszess wird durch die klinische Untersuchung einfach diagnostiziert angesichts von Rötung,Schwellung und heftigem Schmerz beim Tasten. Der Analabszess muss auf jeden Fall so bald als möglich operiert werden, indem man ein so genanntes Unroofing macht, eine Entdachung. Das heißt, es wird ein Hautzylinder von zumindest zwei cm Durchmesser ausgeschnitten, dann sticht man in die Tiefe hinein, führt eine Klemme ein, mitder man das Fettgewebe spreizt wonach sich der

Eiter entleert.

RH: Wie behandelt man Schmerzen ohne sichtbare Veränderungen?

In der zweiten Gruppe empfiehlt es sich, sowohl bei der Coccygodynie, wie auch bei der Pudendusneuralgie Infiltrationen zu versuchen: Bei der Coccygodyniefastschmerzlose Infiltration am Periost (Knochenhaut) des Os coccygis (=Steißbein) mit speziellen Lösungen, die auch ein Lokalanästhetikum enthalten. Diese Infiltration ist zumindest in 50% der Fälle erfolgreich. Will man den Nervus Pudendus am Sitzbeinhöcker infiltrieren, so sollte man dies in Narkose tun.

Da die Pudendusneuralgie, wie eingangs erwähnt, auch mit Problemen von Seiten der Wirbelsäule zu tun haben kann, ist durchaus auch die Konsultation eines Orthopäden angezeigt. Auch lässt sich der Nervus pudendus neuerdings mit einer hochspezialisierten Ultraschalluntersuchung darstellen und dann vom Radiologen gezielt infiltrieren. Diese Technik wird erst an wenigen Zentren angeboten.Leider hatsie, ebenso wie die oben geschilderte „ungezielte“ Infiltration des Nervus pudendus nochrelativ selten Erfolg. Fällen mit besonders hohem Leidensdruck ist ein weiterer Therapieversuch vorbehalten, nämlich die Neurolyse. Dies ist die operative Befreiung (Auslösung) des Nerven aus seinem Kanal am Sitzbeinhöcker – ein ebenfalls nicht immer erfolgreicher Eingriff, den auch plastische Chirurgen durchführen, weil mit der Chirurgie der Nerven besonders vertraut.

Sehr schwierig beizukommen ist dem idiopathischen analen Schmerz. Dies ist verständlich, denn wo man keine Ursache erkennt, lässt sich auch keine gezielte Behandlung planen. In diesem Zusammenhang fatal ist oft die irrige Meinung, selbst von Fachleuten, die Ursache des „idiopathischen“ Schmerzes läge auf jeden Fall bei den

Hämorrhoiden, bzw., dass es nicht schaden könne, diese potentielle

Schmerzquelle einmal auszuschalten. Nach erfolgloser Hämorrhoidektomie ist der Schmerz unverändert und die Frustration entsprechend groß, insbesondere, wenn die Operation vielleicht noch neue Probleme nach sich gezogen hat. Damit möchte ich vor einer voreiligen Operation warnen und empfehlen, auf jeden Fall eine

zweite Meinung bei Chirurgen mit dem Spezialgebiet der Proktologie einzuholen.

Letztlich muss man sich in vielen Fällen von Pudendusneuralgie und in den allermeisten von idiopathischem Schmerz auf die konservative Therapie mit Zäpfchen und lokalanästhesierender

Salbe beschränken, wie oben beschrieben, womit sich der Schmerz gelegentlich zumindest lindern lässt. Auch stärkere Analgetika (schmerzstillende Medikamente) in oraler Verabreichung, also zum Schlucken sind bei quälenden chronischen Schmerzen durchaus legitim. Nichtsdestoweniger sind aufgrund des hohen Leidensdrucks, den dieseSchmerzen erzeugen,alle die angeführten Interventionen gerechtfertigt, in der Hoffnung, den einen oder anderen Patienten doch heilen zu können.

RH: Gibt es irgendwelche gefährlichen Erkrankungen, die mit Schmerzen im After einhergehen?

Prof. Wunderlich: Ja! Einerseits das Analkarzinom. Es kommt relativ selten vor, allerdings auch in jungen Jahren. Es kann, muss aber nicht, mit Schmerzen wie bei einer Fissur einhergehen, zum Beispiel, wenn es als Geschwür im Analkanal sitzt. Wiewohl das Rektumkarzinom (= Mastdarmkrebs) in der Regel heimlich und schmerzlos wächst, kann es – sehr selten natürlich – mit Schmerzen assoziiert sein, wenn es lokal weit fortgeschritten ist oder in die sensible Zone des Analkanals

vordringt.

Natürlich muss bei jeder Schmerzmanifestation, wie auch bei allen anderen Beschwerden, ein bösartiger Tumor in der Region ausgeschlossen werden, vorzugsweise durch die Endoskopie. Dies gilt umso mehr, je älter eine Patientin/ein Patient ist.

RH: Von Kindern sagt man, sie projizieren Schmerzen von überall her in den Bauch. Gibt es das bei Erwachsenen auch, und kann es somit sein, dassSchmerz im After von einer anderen Stelle im Körper kommt?

Prof. Wunderlich: Nein. Meines Wissens nicht, und ich kenne

dazu auch keine Literatur.

Prof. Max Wunderlich begann seine medizinische Laufbahn mit einer mehrjährigen Ausbildung im Geburtshilfe und Frauenheilkunde, bevor er sich für das Fach Allgemeinchirurgie entschied. Einer der wesentlichen Schwerpunkte seiner Arbeit an der Ersten Chirurgischen Universitätsklinik in Wien war die Chirurgie des Dickdarms. Besonders vertraut wurde er mit dem Kontinenzorgan Anorektum und der Funktion der Schließmuskulatur während eines einjährigen Forschungsaufenthalts am diesbezüglich weltweit führenden St. Mark's Hospital in London. Die Verbindung der Kenntnisse aus der Frauenheilkunde und der Spezialisierung auf den Beckenboden aus chirurgischer Sicht ermöglichte ihm eine bis heute anhaltende Tätigkeit in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des Enddarms, vor allem der Inkontinenz. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat Prof. Wunderlich in den von ihm geleiteten Abteilungen den Schwerpunkt der Proktologie und Enddarmchirurgie etabliert. Als einer der zuständigen Ärzte für Funktionsstörungen des Beckenbodens im Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) arbeitet er eng zusammen mit den analog spezialisierten Vertreterinnen und Vertretern der Physiotherapie und des Pflegedienstes.

Fr

27

Okt

2017

Experteninterview Teil 3: Sport nach Schwangerschaft: Laufen

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Ab wann Sport und laufen wieder möglich ist und warum es keine Studien dazu gibt.

RH: Was wäre denn Ihre Empfehlung, ab wann darf man denn Sport wieder aufnehmen?

Prim. Fuith: Also ich glaube, es ist es immer gut, wenn man

nicht erst in der Schwangerschaft die Fitness und den Sport entdeckt. Wir tun uns leichter bei den Frauen, die schon vorher aktiv waren. Das sehe ich oft, dass die Frauen mit dem positiven Test beginnen die Smoothies zu trinken, gesund zu leben, ist ja eh gut, aber also körperliche Betätigung schon vor der Schwangerschaft wäre das Beste! Natürlich empfehlen wir schon körperliche Betätigung schon in der Schwangerschaft, vor allem Ausdauertraining. Da gibt es ganz klare Empfehlungen dafür welche Frauen dürfen und welche nicht. Also im

Prinzip dürfen alle, jedoch gilt für Frauen mit einer Herzerkrankung, mit einem Blasensprung, einer Plazenta Praevia ein absolutes Sportverbot. Das ist aber natürlich eh logisch! Relative Kontraindikation stellt eine schwere Anämie dar z.B. Was mir noch wichtig ist das Schwimmen in der Schwangerschaft. Hallen- und Thermalbäder bergen das Risiko einer Infektion. Da gibt es Untersuchungen dazu. Da hab ich einmal ein Gutachten geschrieben dazu. Also ich als Fachgutachter kann das nicht empfehlen, so sehr ich schwimmen empfehle, aber das Beste ist

schwimmen im Meer. Weil in der Schwangerschaft ist das Infektionsrisiko ohnehin erhöht, in der Therme ist außerdem die Wassertemperatur nicht günstig und drittens wenn sich eine Frau eine Infektion holt in der Schwangerschaft gibt es ja die Kaskade Infektion, Prostaglandin, vorzeitige Wehen etc. Das würde ich deshalb nicht empfehlen. Aber jetzt bin ich vom Thema abgekommen.

RH: Wie bald nach der Geburt Sport wieder gemacht werden darf, war die Frage.

Prim. Fuith: Also im Prinzip kann man sehr bald nach der Geburt, angepasst an den Geburtsverlauf, sehr bald kann man körperliches

Training wieder aufnehmen. Nach einem Kaiserschnitt wird man eh keine Lust haben allzu schnell zu laufen. Früher hat es auch im Bezug auf das Beckenbodentraining geheißen, dass man die ersten 6 Wochen nach der Geburt gar nichts machen darf. Da sind wir drüber hinweg. Das Beckenbodentraining kann man sofort machen. Die Frage ist, kann ich gleich das ganze Programm machen, oder muss an den Geburtsverlauf und die Situation angepasst werden. Das kommt ja aus der Traumatologie her, dass man weiß, dass zu lange Liegezeiten auch nicht günstig sind. Das kann man in Analogie auf den Beckenboden anwenden, dass die Frauen das auch gleich machen. Und was genau die Frauen dann tun können, muss man von Fall zu Fall anschauen und entscheiden.

RH: Was sind denn jetzt Risiken, wenn man zu früh wieder turnt, läuft, springt etc.?

Prim. Fuith: Ich sag so, es gibt einen kritischen Ansatzpunkt,

wenn man extreme körperliche Belastungen während der Stillphase macht. Da gibt es den Hinweis, dass das das dem Stillen nicht förderlich ist. Wie der Mechanismus ist, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich spielt da das Schwitzen mit dem Flüssigkeitsverlust auch eine Rolle. Also Marathon laufen während der Stillphase würde ich deshalb nicht

empfehlen…

RH: Und was Senkung und Beckenboden betrifft?

Prim. Fuith: Grundsätzlich ist gegen das Laufen nichts einzuwenden. Ich kenne keine Literatur, die das Laufen postpartal als negativ für den Beckenboden darstellen würde. Vieles sagt einem der Hausverstand, aber wie gesagt, Studie habe ich keine dazu. Eine solche brächte man auch durch keine Ethikkommission. Man kann ja nicht die einen liegen lassen, die zweiten Rad fahren und die dritten laufen und dann schauen, wie sich das auf den Beckenboden auswirkt. Darum gibt es da nichts,

worauf wir uns stützen können. Raten kann ich auf jeden Fall dazu, im Fall des Zweifels sich an eine spezialisierte Physiotherapeutin zu wenden, die den Beckenboden untersucht und der Frau dann gezielt in Abhängigkeit von Geburtsverlauf und Palpationsbefund beim beckenbodenschonenden Wiedereinstieg in den Sport hilft.

Prim. Fuith: Was sehr viele machen, ist das Babyschwimmen. Ich

will keiner die Freude nehmen, aber die Pilzinfektionen treten dann halt auf.

RH: Inwieweit haben Dammriss, Dammschnitt, Sectio einen Einfluss auf den Wiedereinstieg in den Sport?

Prim. Fuith: Eigentlich kann nichts passieren. Nur schmerzmäßig.

Mountainbiken würde ich bei einem Dammriss aber nicht gleich…

RH: Wie sieht es aus mit Bauchmuskeltraining nach Kaiserschnitt?

Prim. Fuith: Das werde ich oft gefragt. Man kann dabei grundsätzlich nichts falsch machen, solang man alles im schmerzfreien Bereich macht. Dann kann normalerweise nichts reißen. Ich würde halt auch hier nicht mit Gewalt trainieren und nicht wahnsinnig viel. Aber wenn ein paar Situps schmerzfrei gemacht werden, würde ich auch das nicht so dramatisch sehen. Weil nach 6 Wochen kann zwar die Bauchmuskulatur noch ein bisschen geschwollen sein, aber passieren sollte eigentlich nichts. Sonst kommen wir wieder zu der Philosophie von früher, wo man gesagt hat, ja nicht zu viel bewegen nach einer

Operation, sonst reißt alles auf. Hat man früher gesagt... Ist aber ein Blödsinn!

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

Prim. Fuith: Vielen Dank!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

Kontakt:

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

Johannes von Gott-Platz 1

7000 Eisenstadt

02682/601-3500

Lothar.Fuith@bbeisen.at

 

Ordination:

Dr. Karl Rennerstrasse 66

7000 Eisenstadt

02682/66713

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Fr

20

Okt

2017

Experteninterview Teil 2: Sport nach Schwangerschaft: Rückbildungsdauer

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Dauer der Rückbildung und was untersucht der Gynäkologe eigentlich nach 6 Wochen?

RH: Ausgehend von diesem Wissen müsste ich eigentlich den Frauen sagen, dass sie erst nach einem Jahr davon ausgehen können, dass die Strukturen wieder so sind, wie sie waren.

Prim. Fuith: Das ist aber gefährlich! Da tun die Frauen dann

vielleicht ein Jahr gar nichts. Dann warten sie das Jahr ab, damit das von selber wieder gut wird. Dann hat man aber ein Jahr für die Rückbildung verloren. In der Rückbildungszeit sollten die Frauen von spezialisierten Physiotherapeutinnen betreut werden. Da sind sie in Wien eh in einer guten Position. Aber es gibt ja österreichweit viele weiße Flecken in Bezug auf Beckenbodentherapeutinnen sprich spezialisierte Physiotherapeutinnen. Das ist uns von der MKÖ ein Anliegen, diese zu füllen, damit Frauen nach Entbindungen

sich flächendeckend an spezialisierte Physiotherapeutinnen wenden können.

RH: Wie lange brauchen diese Strukturen sich rück zu bilden nach einer Geburt?

Prim. Fuith: Also sicher einig sind wir uns darüber, dass es

mit den sechs Wochen nicht abgetan ist. Also ich glaube nicht, dass Sie ein Literaturzitat finden, wo drinnen steht, wie lang das dauert. Vielleicht hat die Kari Bo da was dazu publiziert. Die hat da am meisten dazu gemacht.

RH: Was untersucht den der Gynäkologe sechs Wochen nach der Entbindung. Was wird bei dieser Untersuchung eigentlich geschaut?

Prim. Fuith: Der macht eine Spiegeleinstellung, schaut sich

die Scheidenwände an, schaut ob Infektionen da sind, weil durch das Stillen eine ganz besondere hormonelle Situation da ist, die durchaus Infektionen fördern könnte. Dann macht er einen Krebsabstrich, weil die ganze Schwangerschaft hat er keinen gemacht, den hat er zuletzt in der

Frühschwangerschaft gemacht. Dann schaut er, ob Dammriss oder Episiotomie abgeheilt ist. Und er schaut, dass sich da in den Rissen oder dem Schnitt keine Granulationspolypen gebildet haben. Die müsste man entfernen, weil diese werden immer größer. Und er schaut im Ultraschall, ob das Cavum Uteri (Gebärmutterhöhle) leer ist, ob Plazentareste da sind. Das ist mittlerweile Standard. Man sieht dann

gleich, ob der Uterus rückgebildet ist, was man grundsätzlich auch bei der Palpationsuntersuchung sehen würde. Aber im Ultraschall sieht man es genauer.

RH: Aber es ist standardmäßig kein Beckenbodenbefund dabei? Weil ich denke, da gibt es ein großes Missverständnis. Zu mir kommen Frauen, die glauben, die Freigabe nach 6 Wochen bezieht sich auf den Beckenboden. Die denken, es sei alles in Ordnung und sie können jetzt wieder laufen gehen etc. Und dann kommt die Senkung oder der Harnverlust beim Laufen und sie verstehen das nicht.

Prim. Fuith: Die Frage ist immer, was ist in Ordnung? Bis wir das in die Geburtshilfe rein bringen… Die wollen ja schon jetzt nicht gern hören die ganzen kritischen Berichte über den protrahierten Verlauf und über die Sectio und über die Vakuum… Aber nein, es ist KEIN Beckenbodenbefund bei dieser Untersuchung dabei!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

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Fr

13

Okt

2017

Experteninterview Teil 1: Sport nach Schwangerschaft und Geburt

Viele Frauen wissen nicht, was sie nach Schwangerschaft tun sollen/dürfen um die von der Schwangerschaft veränderten Strukturen angemessen rückzubilden. Was sich durch Schwangerschaft  und Geburt verändert und wie lange das Gewebe zur Heilung braucht, was der Gynäkologe eigentlich 6 Wochen nach der Geburt untersucht und wie Frauen sicher wieder in den Sport einsteigen können, darüber habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

Veränderungen durch Schwangerschaft und Geburt

RH: Es gibt immer mehr Frauen, die nach der Geburt wieder sehr schnell sportlich aktiv werden wollen. Ich denke, interessant wäre es hier vorher zu überlegen, welche Gewebe durch Schwangerschaft und Geburt verändert werden.

Prim. Fuith: Es ist in erster Linie die Bauchmuskulatur, die

ja durch den Druck der Gebärmutter und des Kindes verändert wird. Da kann es zu einer Rektusdiastase kommen. Es kann auch ein Nabelbruch entstehen. Ich bin sehr stark der Meinung, dass man einen Nabelbruch nicht sofort operieren muss, sondern abwarten soll. In der Schwangerschaft ist der Nabelbruch relativ harmlos, da sollte nichts passieren, weil die Gebärmutter ja die Gedärme weg drängt. Aber

nach der Schwangerschaft kann sich da der Darm hinein bewegen und das abzwicken und da ist zu überlegen, ob man das nicht gleich mit einem etwaigen Kaiserschnitt mit korrigiert. Aber sonst bin ich der Meinung, dass man nicht jeden kleinen Nabelbruch, gleich operieren muss.

RH: Das waren jetzt die Außergewöhnlichen Veränderungen. Was ist mit den normalen, also mit denen, die bei jeder Schwangerschaft statt finden. Den physiologischen Veränderungen?

Prim. Fuith: Wenn man da nach einer Geburt die Nachkontrolle

als Gynäkologe macht, und die Spiegeleinstellung macht, dann sind einfach die Scheidenwände ganz anders. Die Festigkeit ist nicht im gleichen Masse da, es ist eine kleine Senkung da. Eine Senkung der

Scheidenwand. Der Scheideneingang ist ja normalerweise kaum geöffnet. Das ist nach einer Geburt etwas häufiger. Der Fachausdruck dafür ist eine „klaffende Vulva“. Das ist, wenn die immer ein bisschen geöffnet ist. Das sieht man in sehr vielen Fällen. Außer beim Kaiserschnitt. Da erzählen viele Patientinnen nach Entbindung sie baden sich, stehen auf, trocknen sich ab und dann kommt noch ein Schwall. Das ist ein Indiz. Aber zurück zu den anatomischen Veränderungen: Eine kleine Senkung ist immer zu finden.

RH: Ich habe in der Ausbildung gelernt, dass ein Band zur Heilung 365 Tage braucht. Ist denn der Halteapparat der Gebärmutter mit den Bändern im orthopädischen Sinnen vergleichbar? Brauchen die demnach auch so eine lange Zeit zur Regeneration? Die Gebärmutter zieht sich ja nach der Geburt sehr schnell wieder zusammen. Tun das diese Strukturen auch?

Prim. Fuith: Das ist eine Kombination. Das sind einerseits

Muskelstrukturen, aber es sind auch Sehnenstrukturen dabei. Also das ist eigentlich gemischt.

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

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1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

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1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

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Fr

06

Okt

2017

"Blockiert auf allen Ebenen" MKÖ Jahrestagung 2017 20.-21.Oktober Linz

Unter dem Titel "Blockiert auf allen Ebenen" findet die diesjährige MKÖ Jahrestagung in Linz statt, bei der es um alle Formen von Entleerungsstörungen geht.

Ursachen und Formen

Das Programm beginnt nach einigen spannenden Salons am Freitag Vormittag mit der Suche nach Gründen für Blockaden der Organe des kleinen Beckens. Diese können durch sexuellen Missbrauch ausgelöst werden, aber auch durch Körperwahrnehmungsstörungen begründet sein oder organische Ursachen haben. Äußern können die Probleme sich als sexuelle Störungen wie etwa Erektile Dysfunktion aber auch als Entleerungsstörung des Darmes oder der Blase.

Abklärung und konservative Therapie

Der Freitag Nachmittag wird den Möglichkeiten der Abklärung und konservativen Therapieansätzen gewidmet, während der Samstag ganz im Zeichen der chirurgischen Maßnahmen bei Entleerungsstörungen steht.

Es verspricht wieder einmal eine spannende und lehrreiche Tagung zu werden. Berichte folgen...

Fr

29

Sep

2017

Buchempfehlung: Beckenbodentraining für Männer

2013 die 4. Auflage des Beckenbodentrainingsbuches von der deutschen Beckenbodenphysiotherapeutin Ute Michaelis für Männer erschienen. Das alleine zeigt, wie groß die Nachfrage nach einem solchen Buch ist. Die Autorin geht darin ganz gezielt auf den häufigsten Grund für Harninkontinenz beim Mann ein: das Prostatakarzinom

Theorie zu Erkrankung und Anatomie

In den ersten zwei Kapiteln geht die Autorin auf Tumorarten, deren Klassifikation und Harninkontinenzformen ein. Es folgt ein weiteres Theoriekapitel zum Thema Beckenboden, bevor es in medias Res geht.

Von leicht zu schwer

Über die Atmung und Wahrnehmung tastet sich das Buch an den Beckenoden heran. Auch ein Entspannungsteil wird eingebaut, bevor es mit dem eigentlichen Beckenbodentraining los geht. Bis Seite 40 werden Grundübungen gemacht, danach gibt es ein eigenes Programm für jeden Tag.

Viele Übungen

Es ist eine beeindruckende Übungssammlung, die die Autorin da zusammen getragen hat, nicht jeder wird sich aber so viele Übungen merken können und im Tageswechsel durchführen wollen. Deshalb ist das Kapitel "Üben a la carte" besonders wertvoll, da es auch einen Übungsteil "für Eilige" bereitstellt.

Eigener Abschnitt zur erektilen Dysfunktion

Ein wichtiges Thema stellt für viele Männer nach Prostataoperation die veränderte Sexualität dar. Frau Michaelis hat deshalb ein eigenes Kapitel mit Übungen zum Trainieren der Potenz und Erektionsfähigkeit eingebaut.

Do

21

Sep

2017

Teil 2: Experteninterview Harninkontinenz nach Schwangerschaft und Geburt

Teil 2: Prim. Fuith über Risikofaktoren, Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten bei Harninkontinenz nach Schwangerschaft und Geburt

Aus Studien wissen wir, dass viele Frauen schon in der Schwangerschaft an Harninkontinenz leiden. Bei vielen bleibt sie auch nach der Geburt bestehen. Über Zahlen, Risikofaktoren und Therapieoptionen habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

RH: Gibt es Risikofaktoren eine Harninkontinenz

nach Schwangerschaft zu bekommen?

Prim. Fuith: Ja! Das ist der „traumatische Geburtsverlauf“ also die Zangengeburt oder eine schwere Vakuumextraktion. Und die protrahierte Austreibungsperiode zählt ebenfalls zu den Risikofaktoren. Das sind die Fakten. Klar, dann noch die Adipositas und das Alter der Mutter, Inkontinenz schon in der Schwangerschaft, höhergradige Dammrisse. Vor allem auch in Richtung der Stuhlinkontinenz sind höhergradige Dammrisse ein Problem. Also da gibt es Risikofaktoren. Die Frage ist, wie sind die zu vermeiden? In den letzten Jahren war immer der Hauptfokus die Gesundheit des Kindes! Natürlich. Aber die Gesundheit der Mutter gehört auch dazu. Die kommt ja gar nicht oft vor in geburtshilflichen Vorträgen. Der traumatische Geburtsverlauf ist ja nur Thema, wenn mit dem Kind was ist. Aber dass der dann auch ein Fakt für die Mutter ist, wird nicht häufig thematisiert, vielleicht

auch nicht gerne. Also unter traumatischem Geburtsverlauf versteht man Vakuumextraktion oder Forceps.

 

Und es ist offenbar besser, da gibt es mehrere Publikationen dazu, einen protrahierten Geburtsverlauf mit einer Vakuumextraktion zu verkürzen, als das bis zum letzten Exzess durchzustehen. Und ich sag es nochmal. Da müssen wir auch die Hebammen ins Boot holen, das muss ich jetzt leider kritisch sagen. Ich bin kein Kaiserschnitt-beführworter, aber man muss schon eines sagen: Nur zu sagen, wir

schaffen das noch und jetzt hängen wir noch eine Stunde bei der

Austreibungsperiode dran. Wir wissen was am Beckenboden passiert. Der Beckenboden, das sind Muskel, die bekommen durch den langen Druck des kindlichen Kopfes Schäden. Ich mach mir da Sorgen! Und als Arzt muss ich mich nach den Fakten richten, die wir aus Studien kennen. Der Arzt muss sich sowohl für das Wohl des Kindes, aber auch um jenes der Mutter sorgen.

 

Die unbefriedigendste Kombination für eine Frau, aus meiner Sicht ist, eine „halbe vaginale Geburt“ und „eine ganze Sectio“. Mit diesen Frauen machen wir an unserer Abteilung in jedem Fall ein Aufarbeitungsgespräch, weil hier viele offene Fragen sind. Was auch zu Unzufriedenheit im Ärztepersonal führt. Weil da sagen mir dann meine Assistentinnen und die Hebamme: „Wir haben uns bemüht, aber das ist dann eben nicht gegangen, weil das Kind hat nicht mit gemacht, und dann hat die Frau doch noch die Sectio gebraucht.“ Da besprechen wir den Verlauf noch mal. Und dann erklären wir, dass die Frau sich sehr, sehr geplagt hat, das Kind aber trotzdem noch nicht weit genug unten war, um mit der Saugglocke zu helfen und dass es noch 2-3 Stunden gedauert hätte und wir dieses Risiko für das Kind und den mütterlichen Beckenboden nicht eingehen konnten. Das verstehen die Frauen dann. Der Großteil zumindest. Manche fragen, warum wir das nicht früher gewusst haben. Aber das ist die Ausnahme. Die meisten verstehen es dann.

 

Aber bezüglich der Inkontinenz habe ich vorhin noch vergessen zu sagen. Es ist ja so, dass Frauen, die einen Kaiserschnitt haben, auch inkontinent werden können. Die Quote ist folgendermaßen: Nullipara (Frauen, die kein Kind geboren haben) haben mit 65 am wenigsten Inkontinenz. Frauen, die eine Sectio (Kaiserschnitt) hatten, die haben schon ein bisschen mehr. Und die mit einer oder mehr Geburten

haben noch mehr Inkontinenz. Im höheren Alter verwischen sich die Zahlen immer mehr. Das kann man ganz emotionslos sagen. Im Alter kommt vieles andere noch dazu.

RH: Kann man vorbeugend etwas gegen Harninkontinenz

nach Schwangerschaft tun?

Prim. Fuith: Ja! Ich sag es nochmal. Wenn Beckenbodentraining therapeutisch einen Sinn hat, dann gehen wir davon aus, dass es auch prophylaktisch einen Sinn hat. Da gibt es ja auch Daten, also Studien dazu, die das belegen.

RH: Wenn eine Frau nun betroffen ist, an wen kann sie sich wenden? Wer ist die erste Anlaufstelle?

Prim. Fuith: Da wird es schon schwierig! Ich sag jetzt mal so, ich fürchte dass die niedergelassenen Gynäkologen das Thema gar nicht ansprechen, oder ansprechen wollen. Das ist ein großes Problem. Grundsätzlich wäre, wenn man nicht schon vorher im Geburtsvorbereitungskurs informiert wird, dass man vor der Geburt und nach der Schwangerschaft das machen soll, das Beckenbodentraining, wäre natürlich der niedergelassene Arzt oder die Ärztin, schon eine Ansprechstelle, aber ich habe auch kein Problem, wenn sich die Frauen direkt an Sie wenden. Was ja auch häufig passieren wird. Aber da sind wir wieder bei einem anderen Thema, es gibt Studien, dass ja nicht

einmal die Hälfte der Patientinnen, die Harninkontinenz haben, das dem Hausarzt offenbaren. Also bis eine Frau das raus rückt, vergehen Jahre.

RH: Wir gehen davon aus, die Frau hat den Weg zur Therapie gefunden. So, und jetzt wird sie allen Erwartungen zum Trotz nicht wieder kontinent? Ab wann muss da genau geschaut werden und was wird dann geschaut?

Prim. Fuith: Da muss man dann eine so genannte Urodynamik machen. Damit kann man genau schauen, wo ist das Problem. Sie muss jetzt nicht den wahnsinnigen Deszensus haben, ein schwacher Verschlussdruck, eine hypotone Urethra, oder es kann mit Nervenverletzungen zu tun haben. Wenn die Therapie mit Beckenbodentraining, welches konsequent über Monate durchgeführt wurde, nicht anschlägt, dann ist für die Frau ein von der MKÖ zertifiziertes Beckenbodenzentrum zuständig. Da gibt es in Wien eines. Und was die nicht selber wissen, werden sie sich die Expertise dazu holen. Zum Beispiel wenn Urologe oder Gynäkologe eine Nervenverletzung vermuten, werden sie einen Neurourologen beiziehen. Weil das ist ja der Sinn eines Beckenbodenzentrums.

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

Prim. Fuith: Vielen Dank!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

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Do

14

Sep

2017

Teil 1: Experteninterview Harninkontinenz nach Schwangerschaft

Teil 1: Prim. Fuith über Zahlen, Formen und was normal ist nach Schwangerschaft und Geburt...

Aus Studien wissen wir, dass viele Frauen schon in der Schwangerschaft an Harninkontinenz leiden. Bei vielen bleibt sie auch nach der Geburt bestehen. Über Zahlen, Risikofaktoren und Therapieoptionen habe ich mich mit dem Gynäkologen Prim. Lothar Fuith unterhalten.

RH: Wie viele Frauen sind von Harninkontinenz nach

Schwangerschaft bzw. Geburt betroffen?

Prim. Fuith: Viele! Mindestens 30% haben in der Schwangerschaft schon Harn verloren. Das wissen wir aus sehr großen Studien mit 10.000 Teilnehmerinnen aus dem skandinavischen Raum. Das ist nicht so wenig. Aber das sind allesamt ehr große Studien. Und man weiß, dass die Frauen, die schon in der Schwangerschaft betroffen sind, dann auch ein erhöhtes Risiko haben danach inkontinent zu sein, bzw. zu bleiben. Da muss man etwas tun. Ich bin der Meinung, man sollte jedoch auf gar keinen Fall unmittelbar nach der Geburt an irgendeine Operation denken. Das wird gelegentlich gemacht, das halte ich aber für Unnsinn. Man muss auf jeden Fall dem Gewebe Zeit geben, sich zu erholen und Beckenbodentraining machen. Da ist dann wieder Ihre Berufsgruppe gefragt.

RH: Welche Formen treten denn überhaupt auf nach

Schwangerschaft und Geburt?

Prim. Fuith: Hauptsächlich die Belastungsinkontinenz. Aber auch die überaktive Blase kann eine Rolle spielen. Aber nach der Entbindung ist es dann die Belastungsinkontinenz. Und man muss auch dazu sagen, wenn man nach den 6 Wochen die postpartale Nachkontrolle macht, sieht man schon auch Senkungszustände, die Sie dann ein Jahr später so nicht mehr sehen. Das heißt, das Gewebe kann sich noch erholen.

RH: Woher weiß eine Frau, dass sie eine Belastungsinkontinenz hat?

Prim. Fuith: Das häufigste Symptom ist, beim Husten und Niesen, Harn zu verlieren. Aber natürlich nur, wenn die Blase gefüllt ist. Also zum Beispiel beim Heben vom Kind.

RH: Was ist denn nun normal? Wenn 30% danach inkontinent sind?

Prim. Fuith: Das ist eine schwierige Frage. Also ich sag, ich würde jetzt nicht jeden Harnverlust, der nach einer Geburt auftritt, pathologisieren. Ich würde das nicht überbewerten. Aber die Frauen sollen ihren Beckenboden trainieren, die Erstgebärende ist da besonders gefährdet. Auch Frauen mit Dammrissen brauchen unbedingt eine Physiotherapie. In England bekommt eine Frau, die eine Dammriss III oder höher hatte auf jeden Fall im Rahmen des stationären Aufenthaltes einen Kontakt mit der Physiotherapie. Wenn Wochenende ist, dann muss die Frau dort anschließend zu Hause sogar kontaktiert werden, um einer Physiotherapie zugeführt zu werden. In Österreich undenkbar. Bei uns wollen auch sehr viele Frauen am ersten Tag nach Haue gehen. Aber die wissen sozusagen gar nicht, was sie da wollen. Weil dann braucht man ein Umfeld. Also eine betreuende Hebamme! Natürlich kann jede Frau heim gehen, wann sie will! Aber wer macht die Bilirubin Kontrollen beim Kind, wer macht den Hörtest, wer macht die Physiotherapie?

RH: Wann muss es aufgehört haben?

Prim. Fuith: Wenn er in den ersten Wochen auftritt, okay, aber wenn das nach einem halben Jahr oder Jahr noch immer ist, dann muss man schon überlegen.

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

Prim. Fuith: Vielen Dank!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

Kontakt:

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

Johannes von Gott-Platz 1

7000 Eisenstadt

02682/601-3500

Lothar.Fuith@bbeisen.at

 

Ordination:

Dr. Karl Rennerstrasse 66

7000 Eisenstadt

02682/66713

1 Kommentare

Do

07

Sep

2017

Experteninterview zum Thema Rektumprolaps

Der Chirurg Dr. Thomas Filipitsch über Gründe, Symptome, operative und konservative Therapieoptionen sowie Vorbeugung gegen Rektumprolaps.

RH: Was ist ein Rektumprolaps?

Dr. Filipitsch: Beim Rektumprolaps kommt es zu einer teilweisen

oder kompletten Einstülpung der Mastdarmschleimhaut. Am häufigsten ist die Vorderwand betroffen, die sich Richtung Scheide hin ausdehnt und beim Pressen nach innen kippt. Bei fortgeschrittenen Fällen betrifft es auch die Hinterwand und schlussendlich mobilisiert sich die ganze Schleimhaut und diese rutscht in Richtung Analkanal oder sogar heraus.

RH: Was sind die Symptome bei einem Rektumprolaps?

Dr. Filipitsch: Patienten bemerken anfangs ein Blockadegefühl bei

der Stuhl-Entleerung, es wird versucht vermehrt mit zupressen was die Situation verschlimmert. Der Stuhl wird dünner im Durchmesser – sogenannter Bleistiftstuhl – das Gefühl der unvollständigen Entleerung nimmt zu. Beim echtem Prolaps ertastet der Patient/die Patientin die Schleimhaut beim Reinigen und glaubt zumeist an Hämorrhoiden. Viele Betroffene drücken dann die Schleimhaut wieder zurück. Durch oberflächige Einrisse in der Schleimhaut kann es zu leichten Blutungen kommen.

RH: Was sind die Gründe/Risikofaktoren einen Rektumprolaps zu bekommen?

Dr. Filipitsch: Risikofaktoren sind jahrelange Verstopfung mit gewohnheitsbedingtem Pressen, sowie vaginale Geburten oder die Entfernung der Gebärmutter, da hierbei eine wichtige Stützstruktur im Becken zerstört wird. Aber auch eine angeborene Bindegewebsschwäche und Übergewicht begünstigen den Vorfall.

RH: Kann man vorbeugen? Und wenn ja wie?

Dr. Filipitsch: Treffen diese Risikofaktoren zu, sollte schon

frühzeitig mit Beckenbodengymnastik begonnen werden, dies am besten unterstützt und kontrolliert von einer speziell geschulten Physiotherapeutin. Dies ist wichtig, da ein Großteil der Betroffenen das kontrollierte Anspannen des Schließmuskels nicht mehr beherrschen.

 

Wesentlich ist auch die richtige Stuhlregulation, aber ohne Abführmittel! Sogenannte Wassertransporteure in Granulatform können unbedenklich auch dauerhaft eingenommen werden.

 

Entleerungshilfen wie Co2 Zäpfchen oder Klistiere können ebenso gut zu einer einfachen Entleerung helfen, wie Wasser.

RH: Was wird bei Verdacht auf Rektumprolaps untersucht und wie geht das vor sich?

Dr. Filipitsch: Die Abklärung ist einfach: Durch eine schmerzlose

Inspektion mit einem dünnen Rohr, der Rektoskopie, kann die Bewegung der Mastdarmschleimhaut beobachtet werden. Zumeist ist noch ein Spezialröntgen ergänzend erforderlich.

RH: Wann muss man sich unbedingt operieren lassen?

Dr. Filipitsch: Reichen die beschriebenen Maßnahmen zur

Erleichterung der Entleerung nicht aus, entscheidet der Leidensdruck zum Einen und das objektive Ausmaß des Vorfalls andererseits über die Empfehlung zur Operation.

RH: Wie sieht die operative Therapie aus?

Dr. Filipitsch: Wird eine Operation überlegt, unterscheidet man Verfahren von unten, heißt durch den Analkanal hindurch und Bauchoperationen. Da das Operationsrisiko einer Bauchoperation naturgemäß höher ist, kommen zumeist als 1. Schritt peranale Verfahren zum Einsatz.

 

In Abhängigkeit vom Ausmaß gibt es unterschiedliche Techniken die Schleimhaut oder auch darunter liegende Schichten des Darmes zu raffen und damit wieder zu festigen. Durch eine Bauchspiegelung kann der Mastdarm gestreckt werden, oder auch ein Darmstück mit entfernt werden.

RH: Wie sieht die Prognose bei Rektumprolaps aus?

Dr. Filipitsch: Der Darm ist ein sehr bewegliches Organ,

dementsprechend kann die Entleerung sich nach Jahren auch wieder

verschlechtern. Besonders wenn die Stuhl-Gewohnheiten weiterhin nicht geändert werden. Eine Beckenbodenreedukation durch eine spezialisierte Therapeutin bei dem eine Darmentleerung mit effektiver

Bauchpresse und ökonomischem Einsatz der Beckenbodenmuskulatur wieder erlernt wird, kann hier hilfreich sein.

RH: Wie kann man einen Rektumprolaps verhindern bzw. ein Rezitiv hint an halten?

Dr. Filipitsch: Begleitend sind jährlich Kontrollen ein wesentlicher Punkt um eine Verschlechterung frühzeitig zu bemerken, ebenso wie

das absolut wichtige professionelle Beckenbodentraining zur Unterstützung der Muskulatur.

OA Dr. Thomas Filipitsch

 

1991 Promotion

 

1991-1994 Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin am KH Hollabrunn mit Jus practicandi

 

 

1995 Notarztdiplom

1994-1997 Ausbildung zu FA für Chirurgie am KH Hollabrunn bei Prof. Dr. Wunderlich

1995 Unfallchirurgische Gegenfach-Ausbildung am KH Mistelbach

1995 Handchirurgisches Diplom

1996 Plastische und Wiederherstellende Gegenfachausbildung AKH Wien

1997-2000 Universitätsassistent an der UNI-Klinik Wien, Abt. für Allgemeinchirurgie am AKH Wien

1998 Kinderchirurgische Gegenfach-Ausbildung

1999 Anästhesien und Intensivmedizinsche Gegenfach-Ausbildung

2000 Facharztdiplom

2000-2003 Oberarzt an der chirurgischen Abteilung am KH der Barmherzigen Brüder, Wien 2

 

seit 2003 Oberarzt am Evangelischen KH, Wien 18

 

Vortragstätigkeiten bei nationalen und internationalen Kongressen und SymposienMedizinische Publikationen in nationalen und internationalen Journals

 

Mitglied der österreichischen Facharztprüfungskommission

Do

31

Aug

2017

Selbsthilfe bei Harninkontinenz: Mein Beckenbodenbuch

Immer wieder erhalte ich Anfragen, welches Buch ich empfehlen könne, um selbstständig Beckenboden zu trainieren. Hier eine Empfehlung für Frauen: "Mein Beckenbodenbuch" von der deutschen Physiotherapeutin Franziska Liesner. Im Folgenden kurz vorgestellt.

Schlankes Format: mit Anatomie, Funktion und Selbsttest

Ich mag es, wenn Selbsthilfebücher schlank und in kurzen Textblöcken gehalten sind. Wenn ich es aufschlage, möchte ich das Gefühl haben, innerhalb der nächsten 10 Minuten die erste Übung machen zu können. Denn schließlich hat man ja nicht ewig Zeit! Franziska Liesners Buch erfüllt diesen Anspruch. Trotzdem erhält man eine gute Einführung in Anatomie und Funktion des weiblichen Beckenbodens.

Besonders gelungen finde ich die Selbsttests, die es einem ermöglichen sollen, die eigene Beckenbodenfunktion einzuschätzen. Abgefragt werden sowohl Harn- als auch Stuhlinkontinenz sowie Alltagsfunktion sowie Muskeltests, deren Ergebnisse einem Anweisung sind, welche Übungen man machen soll. Dies finde ich besonders hilfreich. Schließlich kann man ja nicht ständig ALLE Übungen machen.

Übungsprogramm: Wahrnehmung, Langsame, Schnelle, Rumpfkapsel

Je nach Ergebnis der Tests muss man sich eine vorgegebene Anzahl von Übungen aus den Kategorien "Wahrnehmung", "Langsame Muskelfasern", "Schnelle Muskelfasern" und "Rumpfmuskulatur" aussuchen.

Spezielle Features: Kapitel Sexualität, Folder und Erinnerungssticker

Zusätzlich gibt es ein kurzes Kapitel zum Zusammenhang Sexualität und Beckenboden, sowie einen Folder, auf dem die wichtigsten Übungen zusammengefasst sind, sowie Erinnerungssticker für die Integration der Übungen in den  Alltag.

Fazit: Ein hilfreiches Buch, welches kurze Erklärungen und klare Handlungsanweisungen gibt. Viel Erfolg beim Üben!

Do

24

Aug

2017

Beratung bei Harn- und Stuhlinkontinenz: 0810 100 455

Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich betreibt ein Beratungstelefon für Menschen, die lieber am Telefon sprechen, als im Internet zu lesen. Hier eine kurze Vorstellung der MKÖ und ihres Servieces

Die MKÖ: Ärzte, Schwestern (KSB) und PhysiotherapeutInnen

Bei der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs handelt es sich um einen Zusammenschluss von Ärzten, Krankenschwestern und Physiotherapeutinnen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie in ihrem Beruf mit dem Thema Inkontinenz arbeiten. So handelt es sich bei den Ärzten um Fachärzte aus den Bereichen Urologie, Gynäkologie und Chirurgie (Enddarmchirurgie - Proktologie).

KSB - Kontinenz- und Stomaberatung

Bei den in der MKÖ vertretenen Krankenschwestern handelt es sich um so genannte Kontinenz- und Stomaberaterinnen. Diese haben zu ihrer Diplomkrankenschwesternausbildung einen eigenen Lehrgang im Bereich der Kontinenz- und Stomaberatung absolviert. Die Versorgung mit Hilfsmitteln im Zusammenhang mit Harn- und Stuhlinkontinenz sowie die Einschulung auf spezielle Geräte zählt zu ihren Aufgaben.

Physiotherapeutinnen

Die in der MKÖ vertretenen Physiotherapeutinnen sind ebenfalls spezialisiert. Sie haben sich in speziellen Fortbildungen auf die Diagnose und Therapie jener Muskelgruppe spezialisiert, die für Erhaltung und Wiedererlangung der Kontinenz ausschlaggebend ist: Der Beckenboden.

Diese Physiotherapeutinnen haben spezielle Untersuchungsmethoden und führen sowohl ein geräteunterstütztes (Biofeedback und Elektrostimulation) wie auch ein herkömmliches Beckenbidentrainign durch - je nach Bedarf.  

Das Telefon: 0810 100 455

Am Beratungstelefon erhalten Sie Informationen darüber, an welchen Arzt oder an welches Beckenbodenzentrum Sie sich mit Ihrem Problem wenden können. Sie erhalten auch Informationen darüber wie und wo Sie Hilfe von einer KSB bekommen können. Die MKÖ verfügt auch über eine Liste von spezialisierten Physiotherapeutinnen in allen Bundesländern, die man sich zusenden lassen kann. Abgehoben wird das Telefon von einer Mitarbeiterin, bei der man nicht nur schriftlich vorliegende Informationen bestellen kann, sondern die einen auch an  spezialisierte Ärzte und Ärztinnen, Pflegefachkräfte und Physiotherapeutinnen weiter leitet.

Fr

18

Aug

2017

Gründe für Inkontinenz: Warum Pressen schlecht für den Beckenboden ist

Gleich vorweg: Da Inkontinenz mehrere Gründe haben kann, von denen einige (wenige) gefährlich sind, müssen Sie jede (!) Inkontinenz von einem spezialisierten Arzt abklären lassen!

Häufig wird nach den Gründen für Inkontinenz und damit einhergehenden Erkrankungen wie Darmvorfall, Organsenkung etc. gefragt. Ein Grund, warum Inkontinenz auftritt und der Beckenboden nicht richtig arbeiten kann ist vermehrtes Pressen beim Stuhl- bzw. Harnentleeren. Lesen Sie hier warum dieses den Beckenboden schädigt.

Verhindert das Absinken

Der Beckenboden ist Teil unseres Kontinenzsystems. Er ist jene Muskelschicht, die unsere Organe daran hindert unten aus uns raus zu fallen und unser Becken nach unten hin abschließt. Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskelschichten, in die die Schließmuskeln von Darm und Blase eingebettet sind.

Aufgaben bei der Entleerung

Bei der Entleerung von Darm- bzw. Blase hat der Beckenboden konkrete Aufgaben zu erfüllen. Beispielsweise muss er in der zweiten Phase der Darmentleerung nachgeben, um den Enddarm zu begradigen und so den Weg frei zu machen für die austretende Stuhlsäule. In der letzten Phase der Darmentleerung hebt er sich und spannt an, um dem Schließmuskel beim zuschnüren zu helfen.

Sicherung der Organposition

Wenn der Beckenboden anspannt zieht er die Organe des kleinen Beckens nach oben. Ein kräftiger Beckenboden unterstützt somit Blase, Gebärmutter und Darm darin, gegen den Einfluß der Schwerkraft an ihrem Platz zu bleiben.

Der Teufelskreis des Pressens

Jener Nerv, der den Beckenboden versorgt (N. Pudendus) und indem dieser zum Teil verläuft,  wird beim Pressen infolge der Dehnung des Beckenbodens gedehnt. Nerven reagieren jedoch empfindlich auf eine Überdehnung. Mit der Zeit schädigt das Pressen den Nerv. Die Beckenbodenfunktion wird dadurch schlechter. Man spürt schlechter, ob man den Beckenboden anspannt, spürt schlechter, ob der Darm gefüllt ist und der Beckenboden verliert an Kraft. Durch die verschlechterte Sensorik (Rückmeldung über die Nervenbahnen ans Gehirn) wird beispielsweise der peristaltische Reflex des Darmes gehemmt, dadurch entspannt der innerer Schließmuskels des Darmes nicht, und man muss umso mehr pressen um den Stuhl abzusetzen...

Was wenn nicht pressen?

Viele Patienten fragen mich, was sie tun können, anstatt zu pressen. Eine Reihe von Alternativen stehen hier zur Verfügung. Über Ernährung, Trinkverhalten und eventuell Medikamente kann die Stuhlkonsistenz beeinflußt werden. Bei der Darmentleerung ist auf die richtige Position und die richtige Technik zu achten. Und natürlich soll die an der Entleerung beteiligte Muskulatur gekräftigt werden, um diese zu erleichtern. Fragen Sie Ihre Beckenbodenphysiotherapeutin, wie das geht!

Fr

11

Aug

2017

Die Kurse der Beckenbodenphysios, die Profis in Sachen Beckenbodentraining, Inkontinenz und Rückbildung

Von Physiotherapeutinnen geleitete Beckenboden- und Rückbildungskurse sind gar nicht so einfach zu finden. Deshalb gibt es nun einen Liste auf Pelvipedia, die die Suche erleichtern soll.

Da die Liste sich leider in der Mobilen Ansicht verschiebt, gibt es sie nun zweimal: einmal als Bilddatei, einmal als Tabelle. Sorry, für das Chaos...!

Kursort u. Leitung

Baden

VHS Johannesgasse 9

 

Doris Necker

 

www.physiotherapie-

necker.at

 

 

 

 

 

 

 

1010 Wien

Burggarten

 

Brigitte Schinkinger(Treffpunkt Palmenhaus) und

 

1180 Wien Türkenschanzpark

Franziska Severino

 

 

weitere Angebote siehe:

 

www.runningclinic.at

1080 Wien

Lerchengasse 21/7

 

Rita Hochwimmer

(dzt. vertreten v.

Kathrin Haunschmid)

 

www.daslebeninbewegung.at

 

 

 

 

 

 

 

1130 Wien

 

St. Josef Krankenhaus

 

Brigitte Drs

 

www.bd-physio.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1160 Wien

 

Weinheimergasse 4/1/5

Praxis Leben-Bewegen

 

Christine Stelzhammer

 

www.praxis.pm

 

http://stelzhammer.net/beckenboden.html

 

 

 

 

5203 Köstendorf b. Sbg.

 

Matthäus Wieder Str. 22

 

Monika Siller

 

 

 

 

 

 

5203 Köstendorf b. Sbg.

 

Matthäus Wieder Str. 22

 

Monika Siller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Innsbruck

 

An der Lanstr. 41/

Mutter-Kindberatung

 

Alexandra Steinlechner 

 

 

 

 

 

 

6323 Bad Häring, Tirol

Dorfstrasse 13

 

Ulli Steiner

 

ulli.steiner@gmx.at

Kursart

BeBo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rück-

bildung

 

im Freien

mit Kinder-wagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo

 

und

 

Rück-

bildung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückbild-ung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburts-vorbe-reitungs-kurs (mit interdiszplinärem Team)

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückbildungsgruppe /BBGruppe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bebo und Rückbild-ung

 

 

  

Preis/Beginn

140,-

 

Dienstag

26.9.2017

 

17:30-18:20

 

Anmeldung:

 

02252/88990 oder od. Internet (www.vhs-baden.at)

Schnuppern €5
Einzelstunde €15
10ner Block(übertragbar/ kein Ablauf-datum ) €130

 

Mittwoch

10:00-11:00

(Burggarten)

 

Freitag

13:00-14:00

 

Anmeldung:

nicht notwendig

150,-

 

(10 Einheiten)

 

Montag

4.9.2017

 

18:00- 19:00

 

Montag

4.9.2017

 

19:00 - 20:00

 

Anmeldung:

 

0660/56 30 351

125,-

 

(7 Einheiten)

Mittwoch

4.10.2017 - 22.11.17,

 

16:30-17:30

Anmeldung 
01/878 44-5170,  office-gz@sjk-wien.at
oder:
0676 342 13 05
praxis@bd-physio.at

120,-

(10 Einheiten in Folge)

 

150,-

(10 Einheiten nach Wahl)

 

Montag 

4.9.2017

18.15 - 19.10h

 

Anmeldung:  

Tel: 0664 - 263 05 08
oder: physio@praxis.pm

100,-

(5 Abende)

 

Dienstag 18:00 - 19:00 (3. 10. - 7.11.// 14.11. - 12.12.)

 

Anmeldung:

mail: monika.siller@gmx.at

  

150,-

(6 Abende und ein Babytreff nach der Geburt - 1 Vormittag )

 

Dienstag 19:15 - 21:00 (26. 09. - 7.11.// 14.11. - 19.12.)

 

Anmeldung:

mail: monika.siller@gmx.at

4 € pro Teilnahme

 

Dienstag 10:00-11:00

 

Anmeldung:

nicht erforderlich

 

bei Fragen:

Alex@steinlechners.at

Dzt. Kurse nur auf Anfrage

 

 

 

 

 

Beschreibung

Kräftigung  Beckenboden-,

Bauch-, Bein-

u. Rumpf-

muskulatur

Beckenboden-schonendes AlltagsverhaltenToilettentraining Venengym.

Entspannungs-

übungen

 

 

Rückbildung: Moms Back on Track

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kräftigung  Beckenboden-,

Bauch-, Bein-

u. Rumpf-

Muskulatur nach dem Heller Konzept zu Beckenodendys-funktion und Rückbildung.

Beckenboden-schonendes Verhalten im Alltag,

Entspannungs-

Übungen,

 

Kraft aus dem Becken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Training für Frauen in der Altersgruppe

50 plus
mit Schwerpunkt Beckenboden, der Kurs nimmt WS und Hüfte mit dazu

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückbildungs-kurs für Frauen nach Vag. Geburten und Kaiserschnitten

geschlossener Kurs / ohne Kinder

 

 

 

 

 

Frauenkurs mit 1 Paarabend; Monika Siller (Physiotherapeutin) gemeinsam mit Ingrid Schwab (Hebamme) und Angelika Kofler-Gutfertinger (Stillberaterin, DKGS)

 

 

 

 

Schwerpunkt: Grundlegende Kenntnisse der
BB Muskulatur werden vermittelt.

Allgemeine Übungen von
Anfänger bis Fortgeschrittene

 

 

 

Dzt. Kurse nur auf Anfrage

 

 

 

 

 


Do

03

Aug

2017

Experteninterview Teil 3: Organsenkung: Totalprolaps, Prognose und Operation

 

Teil 3: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Operationsindikation, was tun bei Totalprolaps, Prognose, Operationsmethoden

RH: Wann muss denn auf alle Fälle operiert werden?

Prim. Fuith: Wenn die Frauen rezidivierende Harnwegsinfekte haben, wenn sie einen Totalprolaps (Muttermund kommt bis unter den Hymenalsaum) haben, dann ist aus meiner Sicht die Operation unumgänglich. Denn so was hat ja gewaltige Auswirkungen auf die

Harnentleerung. Da gibt es jetzt neue Methoden, bei denen man den Uterus nicht entfernen muss, dieser ist ja nicht erkrankt. Man befestigt den Uterus beidseitig an einem Band des Beckens. Das ist eine Entwicklung der letzten Jahre und hat laut Studien gleichwertige Erfolge wie die Komplettentfernung der Gebärmutter. Und die Komplikationen sind relativ gering.

RH: Wenn eine Frau nun akut eine Totalprolaps erleidet, wie soll sie sich dann verhalten? Muss sie mit der Rettung ins Spital?

Prim. Fuith: Nein. Das ist ja eher kein lebensbedrohlicher Notfall, wenn auch sehr unangenehm. Die Frau kann, wenn sie sich traut versuchen den Prolaps oder die prolabierte Scheidenwand selbst wieder nach oben zu schieben. Es kann dabei nichts geschehen, außer dass es nicht gelingt. Man braucht da ein bisschen Übung dazu. So oder so, anschließend soll die Frau sich an einen urogynäkologisch versierten Facharzt oder eine urogynäkologische Ambulanz wenden. Meist kommt der Totalprolaps allerdings nicht ohne Vorankündigung. Oft haben die Frauen schon davor starke Probleme damit, ihre Blase zu entleeren und

pressen sehr stark beim Versuch Harn zu lassen. Das verschlimmert die Sache jedoch. Ich rate daher den betroffenen Frauen immer, mit zwei Fingern die Vorderwand der Scheide nach oben zu drücken, damit hebt man die Blase und der Harn kann entweichen, ohne dass man stark pressen muss.

RH: Wie schaut das jetzt aus mit der Prognose, falls operiert werden muss? Haben die Operationen eine Halbwertszeit?

Prim. Fuith: Das Grundproblem, die Gewebesituation haben wir mit der Operation nicht verändert. Daher kann niemand garantieren, ob nicht irgendwann wieder Probleme auftreten.

RH: Wäre daher ein Beckenbodentraining vor und nach der Operation anzuraten?

Prim. Fuith: Absolut richtig. Gar keine Frage! Weil wir können es zwar reparieren, aber wir operieren sie ja nicht, damit sie dann nachher daheim im Bett liegen kann, sondern sie soll wieder aktiv sein können. Ein paar Dinge muss die Frau jedoch nach der Operation beachten. Sie sollte nicht schwer heben, oder Sport betreiben bei dem der Druck nach unten sehr hoch wird. Also steil bergauf mit dem Rad fahren, laufen, viel springen etc.

RH: Könnten Sie die verschiedenen Operationen kurz vorstellen?

Prim. Fuith: Zum einen gibt es die Korrektur der Blasensenkung durch eine Blasenbodennaht. Dabei wird die Senkung, die Vorwölbung, dieser „kleine Tennisball“ mit Blasenbodennähten hinauf gehoben. Halten werden dann nicht nur die Nähte, sondern das Narbengewebe,

das sich da entwickelt. Aber das Gewebe ist gleich, die Frau ist jetzt nicht ausgewechselt. Der Halteapparat ist noch immer der gleiche.

Bei der Korrektur der Gebärmuttersenkung fixiert man diese entweder hinten an Bändern des Beckens oder am Kreuzbein. Man hat einige Jahre gemeint, wenn man die Gebärmutter mit Hilfe von Netzen unterfüttert, dass das dann besser hält. Das stimmt auch, aber die Komplikationen waren gewaltig. Da sind wir jetzt wieder bei dem Punkt, die Frau hat nichts davon, wenn sie anatomisch gut korrigiert ist, aber dann Schmerzen hat. Und es gab bei 60% der Frauen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Einheilungsschwierigkeiten der Netze, die Gefahr dass das Netz an Blase oder Rektum scheuert hat ebenfalls bestanden. Jetzt sind wir so weit, dass die Hauptfirma, die die Netzte vertrieben hat, ihr Produkt vom Markt genommen hat. Es gibt Gerichtsklagen ohne Ende. Heute gibt nur noch wenige Netzanbieter. Neueste Leitlinien empfehlen tunlichst mit Eigenmaterial die Senkung zu korrigieren

und nur im Wiederholungsfall Netze zu verwenden.

 

Nicht betroffen von dieser Problematik sind die Schlingenoperationen, die ja im Prinzip auch Netzmaterial sind. Aber da ist, so weit man das weiß, wahrscheinlich der Unterschied, dass das sehr schmale Bänder sind und man nur sehr geringe Mengen an Netzmaterial braucht. Der Druck mit Hilfe von Netzen zu operieren war seinerzeit sehr groß und heute bin ich froh, dass meine Abteilung diesen Fehler nicht mitgetragen hat.

RH: Danke für das Interview!

Univ. Prof. Dr. Lothar Clemens Fuith

Primarius am Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Vorstand der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Eisenstadt

 

Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

 

Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft (MKÖ)

 

Ausbildung:

Medizinstudium Univ. Innsbruck; Promotion 1979

 

Postgraduelle Tätigkeit:

1979 bis 1982 Universitätsassistent am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Innsbruck. (Prof. H. Grunicke und Prof. H. Wachter)

1981 Forschungsaufenthalt am Weizmann Institute of Science in Israel. (Prof. Gad Yagil)

Ab 1982 Assistenzarzt und Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck. (Prof. O. Dapunt)

 

Akademischer Werdegang:

1991 Habilitation zum Universitätsdozenten mit dem Thema:

„Neue Aspekte in der Therapie des Ovarialkarzinoms“.

Ernennung zum a.o. Universitätsprofessor 1998.

 

 

Kontakt:

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder:

Johannes von Gott-Platz 1

7000 Eisenstadt

02682/601-3500

Lothar.Fuith@bbeisen.at

 

Ordination:

Dr. Karl Rennerstrasse 66

7000 Eisenstadt

02682/66713

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Do

27

Jul

2017

Experteninterview Teil 2: Organsenkung: Untersuchung, Schweregrade, Therapie

 

Teil 2: Der Gynäkologe Prim. Lothar Fuith über Untersuchung, den Zusammenhang mit Harninkontinenz, Schweregrade und konservative Therapie bei Organsenkung

RH: Was untersucht der Arzt bei einer Senkung?

Prim. Fuith: Erkennen kann man es eigentlich nur im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung, wir sagen dazu Spekulauntersuchung. Das sind diese zwei Metallteile, mit denen der Gynäkologe die Scheidenwände anhebt, oder weg schiebt. Der Arzt prüft das einerseits in Ruhe und dann wird er die Frau möglicherweise auffordern zu pressen, dann wölbt sich die vordere und oder die hintere Scheidenwand vor wie ein Ballon, wenn eine Senkung besteht. Viele Frauen sagen: „Ich spüre da einen Tennisball.“ Es gibt auch Fälle, wo man die Patientin bitten muss aufzustehen, und erst durch das Einwirken der Schwerkraft wird dann der Scheiden/Gebärmuttervorfall

(Prolaps) sichtbar, eventuell lässt der Arzt die Frau auch im Stehen pressen.

RH: Gibt es eine Einteilung in Schweregrade?

Prim. Fuith: Eine sehr genaue Möglichkeit der Beschreibung ist das so genannte Pop-Q Schema. Das braucht man aber hauptsächlich zur Durchführung von Studien etc. In der Praxis teilen wir die Senkung in drei Grade ein. Wir sprechen von „geringem“, „mittelgradigem“ und „hochgradigem“ Deszensus, wenn der Muttermund über den Hymenalsaum drüber reicht.

RH: Bedeutet Senkung gleichzeitig Inkontinenz?

Prim. Fuith: Nein! Kann sein, muss aber nicht sein. Es kann sogar so sein, dass die Senkung einem eine Kontinenz vortäuscht, die nach einer Senkungsoperation nicht mehr besteht. Darum prüfen wir das vorher. Da checken wir vor der OP wie der Urethraverschlussdruck (Harnröhrenverschlussdruck) ist und wie es ausschaut, wenn die Scheidenwand reponiert, also hinauf geschoben wird. Wenn dann der Harn geradeaus durchgeht, dann muss man der Frau gleich sagen, dass nicht nur die Senkung korrigiert werden muss, sondern auch noch ein Band eingesetzt wird. Ich vertrete die Linie, dass ich das lieber zweizeitig mache. Denn vielleicht kann man sich das Band dann doch ersparen indem man eine kleine Zystozele (Blasensenkung) bei der Scheidenkorrektur übrig lässt. Das ist sehr gefährlich, weil da sagt dann der niedergelassenen Kollege: „Na, da hat man Ihnen jetzt aber nicht

alles gemacht.“ Egal, die Frau muss nach der Operation kontinent sein, wenn möglich ohne Zusatzoperation (Band)! Heute operieren wir in Abhängigkeit von den Beschwerden und der Funktion. Nach der Operation wollen wir wissen, ob der Harnstrahl wieder normal

und die Patientin kontinent ist.

RH: Können Frauen irgendwie vorbeugen gegen eine Senkung?

Prim. Fuith: Ja sicher! Das wissen Sie, das ist Ihr Fach. Das Beckenbodentraining hat einen hohen Stellenwert. Leider ist der in Österreich nicht so groß, wie wir Ärzte ihn uns wünschen würden. In der Schweiz ist es häufig so, dass die Frauen gar nicht operiert werden, wenn sie nicht vorher ein Beckenbodentraining gemacht haben. In Österreich wird sofort operiert, ohne dass ein Training Pflicht ist.

Die Gründe sind vielfältig. Erstens müsssen Frauen das Beckenbodentraining vielfach selbst bezahlen und langwierig ist es auch. Aber wie Studien zeigen und beweisen hat das Beckenbodentraining gewaltige positive Effekte mit null Nebenwirkungen.

RH: Gibt es sonst noch mögliche konservative Therapiemaßnahmen?

Prim. Fuith: Ja. Die Pessare. Das ist eine Frage des persönlichen Zugangs. Ein Problem können die lokalen Infektionen und das Fremdkörpergefühl sein. Pessare müssen auch regelmäßig gewechselt beziehungsweise ein-und ausgeführt werden. Das wollen viele Frauen nicht! Aber in der Gynäkologie haben die Pessare ihren Stellenwert.

Ich persönlich habe eine große Präferenz für die Physiotherapie. Bei

multimorbiden Patientinnen werden Pessare oft eingesetzt. Denkbar sind sie auch bei jüngeren Patientinnen in Kombination mit Physiotherapie. Allerdings stellt sich hier das Problem der Betreuung. Nicht jeder Gynäkologe passt Pessare an und macht die regelmäßigen Kontrollen.

RH: Glauben Sie, dass Frauen sich durch Beckenbodentraining eine Operation dauerhaft ersparen können?

Prim. Fuith: Ja, das glaube ich absolut! Und das sage ich jetzt nicht nur, weil ich mit Ihnen spreche. Aber der Meinung bin ich sehr wohl. Es gibt viele Hinweise dazu, dass sich sehr viele Frauen die Operation erspart haben. Natürlich hat eine Operation noch bessere und schnellere Erfolgsraten. Aber das Beckenbodentraining hat null Nebenwirkungen und Komplikationsraten. Das hilft vielen Frauen sich die Operation durch Physiotherapie zu ersparen.