Scheidensenkung: Hilfe, ich spüre eine Vorwölbung

Symptome, Diagnose und Therapie bei Scheidensenkung

Scheidensenkung
Scheidensenkung: Hilfe, ich spüre eine Vorwölbung

Sie bemerken ein Druckgefühl im Unterleib, ein Fremdkörpergefühl in der Scheide – oder sehen und fühlen eine Vorwölbung? Das kann eine Scheidensenkung (medizinisch: Descensus genitalis) sein. Das klingt beunruhigend, ist aber häufiger als viele denken – und in vielen Fällen gut behandelbar.

In diesem Artikel erkläre ich Ihnen als spezialisierte Physiotherapeutin, was hinter einer Scheidensenkung steckt, welche Symptome typisch sind – und was Sie konkret tun können.

Was ist eine Scheidensenkung – und was spürt man?

Bei einer Scheidensenkung verlieren die Haltestrukturen der Organe des kleinen Beckens – Muskeln, Bänder und Bindegewebe – an Stabilität. Dadurch können sich Organe wie Blase, Darm oder Gebärmutter in Richtung Scheide verschieben und eine spürbare Vorwölbung verursachen.

Ist eine Scheidensenkung gefährlich?

Eine Scheidensenkung ist in den meisten Fällen kein medizinischer Notfall, sollte aber immer ärztlich abgeklärt werden. Mit gezieltem Beckenbodentraining lässt sich die Situation in vielen Fällen deutlich verbessern.

Kann eine Scheidensenkung ohne Operation behandelt werden?

Ja – bei leichter bis mittlerer Ausprägung ist Physiotherapie mit speziellem Beckenbodentraining die erste empfohlene Behandlung. Internationale Leitlinien sehen vor Operationen ein konservatives Training von mindestens sechs Monaten vor.

⚠️  Wann sollten Sie sofort zum Arzt?

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Blase vollständig zu entleeren, häufig an Harnwegsinfekten leiden oder ein Gefühl von Restharn haben – konsultieren Sie bitte umgehend eine Fachärztin für Gynäkologie oder Urogynäkologie.

 SYMPTOME 

Typische Symptome einer Scheidensenkung

Nicht jede Senkung fühlt sich gleich an. Die Beschwerden hängen davon ab, welche Struktur betroffen ist:

Vordere Scheidenwand (häufig: Blasensenkung / Zystozele)
  • Spürbare Vorwölbung an der Scheidenvorderwand
  • Drang zu häufigem Wasserlassen
  • Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
  • Dünnerer Harnstrahl
  • Häufige Harnwegsinfekte durch Restharn
Hintere Scheidenwand (häufig: Darmsenkung / Rektozele)
  • Vorwölbung an der Scheidenhinterwand
  • Schwierigkeit den Darm restlos zu entleeren
  • Häufige Darmentleerungen
  • Gefühl von Druck oder Fremdkörper
Gebärmuttersenkung
  • Druckgefühl im Unterleib, besonders nach langem Stehen
  • Ziehen in der Bauch- und Leistenregion
  • Rückenschmerzen
  • Im fortgeschrittenen Stadium: sichtbare Vorwölbung

URSACHEN 

Warum entsteht eine Scheidensenkung?

Der Halteapparat des kleinen Beckens (und dazu zählt auch der Beckenboden)  ist ein System, das täglich enormen Kräften standhält. Er kann aber überlastet oder geschädigt werden – durch:

  • Schwangerschaft und vaginale Geburten (vor allem bei großen Kindern oder Dammrissen)
  • Chronischen Husten oder Niesen mit hohem Druckanstieg im Bauch
  • Schwere körperliche Arbeit oder falsches Training
  • Chronische Verstopfung mit starkem Pressen
  • Hormonveränderungen in den Wechseljahren
  • Übergewicht und erhöhter Bauchdruck

Wichtig: Auch Frauen ohne Geburten können betroffen sein. Und: Eine frühzeitige Behandlung verhindert oft eine Verschlechterung.

DIAGNOSE & BEHANDLUNG 

Diagnose und Schweregrade

Die Diagnose stellt ein Facharzt für Gynäkologie bzw. eine Urogynäkologin. Sie beurteilt den Schweregrad der Senkung nach einem standardisierten System (POP-Q-System) – von Grad 1 (leicht) bis Grad 4 (vollständige Senkung).

Der Schweregrad bestimmt das weitere Vorgehen: Bei Grad 1 und 2 steht konservative Physiotherapie klar im Vordergrund. Bei Grad 3 und 4 kann eine Operation notwendig sein – aber auch dann ist Beckenbodentraining essenziell, um den Operationserfolg langfristig zu sichern!

BEHANDLUNG – PHYSIOTHERAPIE

Was Physiotherapie bei Scheidensenkung bewirkt

Als spezialisierte Physiotherapeutin sehe ich täglich, wie stark gezieltes Beckenbodentraining die Lebensqualität verbessern kann – auch bei bestehender Senkung.

Was passiert in der Physiotherapie?

1. Befundung: Ich bestimme Ihren individuellen Kraftgrad mittels vaginaler Tastuntersuchung und perinealem Ultraschall.

2. Individuelles Trainingsprogramm: Je nach Kraftgrad, Beschwerden und Alltag wird das Training genau angepasst.

3. Methoden: Übungen, Biofeedback-Therapie oder Elektrostimulation – je nach Befund.

4. Dauer: Internationale Leitlinien empfehlen ein intensives Training über mindestens 6 Monate.

 

 PESSAR 

Was ist ein Pessar – und wann hilft es?

Ein Pessar ist ein Silikonring, der in die Scheide eingesetzt wird und die abgesunkenen Strukturen mechanisch stützt. Es kann Beschwerden wie Druckgefühl und Inkontinenz deutlich lindern.

Wichtig: Ein Pessar wird vom Arzt oder der Ärztin individuell angepasst. Kaufen Sie kein Pessar auf eigene Faust – ein schlecht sitzendes Pessar kann Druckstellen und Verletzungen verursachen.

Pessar und Beckenbodentraining ergänzen sich sinnvoll – das eine ersetzt das andere nicht.

Beckenbodentraining von zuhause

Sie möchten gezielt starten, ohne sofort in eine Praxis zu gehen? Für viele Frauen ist ein strukturierter Online-Kurs der ideale erste Schritt – besonders wenn keine schwere Senkung vorliegt.

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Bei bestehender Senkung empfehle ich zusätzlich eine Einzeltherapie in der Praxis Wien (1080), um den Befund individuell einzuschätzen.

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Häufige Fragen zur Scheidensenkung

Kann sich eine Scheidensenkung von selbst zurückbilden?

Eine vollständige spontane Rückbildung ist selten. Durch gezieltes Beckenbodentraining können Symptome jedoch deutlich gelindert und eine Verschlechterung verhindert werden. Frühzeitiges Training ist daher besonders wichtig.

Ist Scheidensenkung häufig?

Ja – schätzungsweise jede zweite Frau, die vaginal entbunden hat, entwickelt im Laufe ihres Lebens eine gewisse Form von Senkungsbeschwerden. Viele wissen es nicht, weil die Beschwerden lange mild bleiben.

Welche Übungen helfen bei Scheidensenkung?

Gezieltes Beckenbodentraining unter physiotherapeutischer Anleitung ist die wirksamste konservative Maßnahme. Wichtig ist dabei, die richtigen Muskeln zu aktivieren – falsch ausgeführtes Training kann kontraproduktiv sein.

Muss ich bei Scheidensenkung operiert werden?

Nicht zwingend. Bei leichter bis mittelschwerer Senkung ist Physiotherapie die erste empfohlene Maßnahme. Erst wenn konservative Behandlung über 6 Monate keine ausreichende Verbesserung bringt und der Leidensdruck der Patientin sehr hoch ist, wird eine Operation erwogen.

Kann ich mit Scheidensenkung Sport treiben?

Ja – aber nicht jede Sportart. Hochintensive Belastungen wie schweres Gewichtheben oder Springen können eine Senkung verschlechtern.  Je nach Senkung und Patientin muss die richtige Belastung  gefunden werden und immer neu angepasst werden. Schwimmen, Spaziergänge und gezieltes Beckenbodentraining sind meist gut geeignet. Eine physiotherapeutische Beratung hilft, die richtige Belastung zu finden.

Ab wann nach der Geburt kann ich mit Beckenbodentraining beginnen?

Sanfte Übungen zur Wahrnehmung können bereits in den ersten Tagen nach der Geburt begonnen werden. Ein strukturiertes Beckenbodentraining empfiehlt sich ab der 6. Woche – nach Rücksprache mit der Hebamme oder Physiotherapeutin.

 

FAZIT 

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Eine Scheidensenkung äußert sich durch Vorwölbung, Druckgefühl und möglicherweise vermehrten Harndrang.
  • Diagnose stellt die Fachärztin für Gynäkologie oder Urogynäkologie.
  • Gezieltes Beckenbodentraining ist bei leichter bis mittelschwerer Senkung die erste Behandlung.
  • Physiotherapeutische Begleitung ist wichtiger als viele denken – falsches Training kann schaden.
  • Auch bei notwendiger Operation: Beckenbodentraining vorher und nachher sichert den Erfolg.
Haben Sie Fragen oder möchten Sie mit dem Training starten?

Ich helfe Ihnen gerne – in der Praxis in Wien (1080) oder im Online-Kurs.