Experteninterview: Rektusdiastase Operation

OA Dr. Filipitsch, Facharzt für Chirurgie über die Operationsmöglichkeiten bei Rektusdiastase

Rektusdiastase Operation muss nicht sein

RH: Wann muss man eine Rektusdiastase Operation durchführen?

Dr. Thomas Filipitsch: An und für sich ist eine Rektusdiastase ein Auseinanderweichen der geraden Bauchdeckenmuskulatur: gleichzeitig ist aber die Bauchdecke innen in ihrer Kontinuität nicht gebrochen. Das heißt es gibt keinen Bruch. Dementsprechend gibt es auch keine Gefahr einer Einklemmung. Und rein medizinisch gesehen besteht keine Notwendigkeit einer Rektusdiastase Operation. Das heißt, die Indikation stellt die Patientin selbst, indem sie sagt, es stört sie kosmetisch so sehr, dass sie das korrigiert haben möchte. Man muss aber dazu sagen, dass die Operation nur durch einen Schnitt entlang der Diastase möglich ist. Das heißt, es bleibt dann auch eine Narbe in diesem Bereich zurück. Man sieht also,  dass eine Bauchoperation stattgefunden hat und das muss man kosmetisch natürlich auch mit einbeziehen. Die Operation selbst geht nur im Spital unter Vollnarkose und ist relativ aufwendig. Der Chirurg mobilisiert dabei über diesen Schnitt beide Seiten der Bauchdecke.

RH: Was heißt mobilisieren?
Dr. Thomas Filipitsch: Mobilisieren heißt beweglich machen. So dass die Bauchmuskulatur wieder in die Mitte gezogen werden kann und man sie danach in einer speziellen Technik dort vernähen kann. Nach der Operation ist es erforderlich zwischen 8-12 Wochen ein Bauchmieder zu tragen. Damit kann man gewährleisten, dass die Bauchdeckenmuskulatur dort auch richtig verwachsen kann. Die Operation ist somit eine recht aufwendige Geschichte und mit 2-3 Tagen Krankenhausaufenthalt und einem mittelgradigen Wundschmerz verbunden. Oftmals ist als zusätzliche Maßnahme eine Gewichtsreduktion notwendig, um den Druck von innen zu reduzieren. Nach der Operation muss man dann versuchen die Narbe möglichst schön zu machen, damit wirklich nur ein weißer Strich zurück bleibt.

Verschiedene Rektusdiastase Operationsmethoden mit und ohne Netz

RH: Ich glaube es gibt ja mehrere verschiedene Operationstechniken?

Dr. Thomas Filipitsch: Es besteht die Möglichkeit  eine Operationstechnik mit oder ohne Netz zu wählen. Da ein Netz ein Fremdkörper ist, der verschiedenen Reaktionen auslösen kann wie etwa Verwachsungen, und die Gefahr einer Infektion bzw. einer Abstoßungsreaktion birgt,  macht man die Rektusdiastase Operation mit Netz nur bei einer sehr schlaffen Bauchdecke, wenn man diese verstärken will. Das Netz dient dabei nur zur Verstärkung, ändert aber nicht so viel an der Bauchdeckenmuskulatur, die bleibt dabei nämlich seitlich. Sofern es keine Bruchlücke gibt, sollte man immer versuchen es mit dem Eigengewebe zu machen.

RH: Wie funktioniert das bei der Methode ohne Netz? 
Dr. Thomas Filipitsch:  Dabei wird die Wird die Aponeurose (Sehnige Schicht zwischen den geraden Bauchmuskeln) , gerafft und darüber die Muskulatur wieder angenähert. Muskulatur kann man ja nicht gut nähen, das ist sehr weiches Material. Deshalb muss man das mit der Faszie, also mit der Schicht, die über dem Muskel liegt mit mobilisieren und die Muskeln dann vorsichtig zur Mitte bringen. Dort werden sie dann angenähert vernäht. Man macht dies aber nicht in der Muskulatur selber, sondern in der Schicht die über dem Muskel drüber liegt, also die Deckschicht des Muskels.

RH: Gibt es noch weitere Methoden?

Dr. Thomas Filipitsch: Nach starker Gewichtsabnahme oder übermäßiger Zunahme das Bauchumfangs z.B. nach Zwillingsschwangerschaft kann die Bauchdecke nach Gewichtsreduktion als störende Schürze zurückbleiben. Diese könnte dann in der gleichen Sitzung mitgerafft werden. Das ist dann allerdings schon ein relativ aufwendiger Eingriff, in Zusammenarbeit mit einem plastischen Chirurgen und nur selten erforderlich. Zudem bleibt eine sehr große Narbe zurück.

Kostenübernahme bei echter Hernie

RH: Wie sieht es mit einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse aus?

Dr. Thomas Filipitsch: Über eventuelle Kostenübernahmen entscheidet individuell der zugehörige Chefarzt der Krankenkasse nach persönlicher Begutachtung. Wenn eine echte Hernie besteht, wird es übernommen. Oft ist ja auch ein Nabelbruch dabei, den man operativ ab einer gewissen Größe sanieren muss.

Training vor und nach der Operation mit physiotherapeutischer Unterstützung

RH: Wie bald danach darf wieder trainiert werden?
Dr. Thomas Filipitsch: Rumpftraining in nicht ganz intensiver Form, also leichte Übungen mit Körpergewicht und Therabändern, aber nicht mit schweren Gesichtern, ist nach 8 Wochen möglich und sinnvoll. Eine Physiotherapeutin kann hier anleiten und begleiten damit der Operationserfolg nicht gefährdet wird.

RH: Ist es sinnvoll schon vor der Operation zu trainieren?
Dr. Thomas Filipitsch: Eine Stärkung der Muskulatur ist natürlich für die Patientin sinnvoll, egal ob vor oder nach der Operation, weil wir diese Bauch,- und Rumpfmuskulatur dringend zur Stabilisierung der Wirbelsäule und des Beckenbodens brauchen. Und auch der Chirurg freut sich, wenn gute Gewebsschichten zum Vernähen da sind!

Rektusdiastase Operation nach abgeschlossenem Kinderwunsch

RH: Wie sieht es aus wenn man sich für eine solche Operation entscheidet und noch ein Kinderwunsch besteht? Wird das  wieder reißen?
Dr. Thomas Filipitsch: Da hängt es sehr davon ab, wie der Körperbau der Patientin ist und wie viel sie in der Schwangerschaft zugenommen hat. Natürlich ist die Gefahr groß, dass das operierte Material sich durch die Schwangerschaft wieder erweitert. Deshalb soll man diese Korrektur erst nach abgeschlossenem Kinderwunsch planen.

RH: Danke für das Gespräch!


Kontakt: OA Dr. Thomas Filipitsch

Dr. Thomas Filipitsch
Facharzt für Allgemeinchirurgie
Alser Straße 20/7,
A-1090 Wien

Tel.: +43 1 336 1 336Kassen: VA, BVA, KFA, SVA, Wahlarzt für GKK

OA Dr. Thomas Filipitsch
1991 Promotion
1991-1994 Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin am KH Hollabrunn mit Jus practicandi
1995 Notarztdiplom
1994-1997 Ausbildung zu FA für Chirurgie am KH Hollabrunn bei Prof. Dr. Wunderlich
1995 Unfallchirurgische Gegenfach-Ausbildung am KH Mistelbach
1995 Handchirurgisches Diplom
1996 Plastische und Wiederherstellende Gegenfachausbildung AKH Wien
1997-2000 Universitätsassistent an der UNI-Klinik Wien, Abt. für Allgemeinchirurgie am AKH Wien
1998 Kinderchirurgische Gegenfach-Ausbildung
1999 Anästhesien und Intensivmedizinsche Gegenfach-Ausbildung
2000 Facharztdiplom
2000-2003 Oberarzt an der chirurgischen Abteilung am KH der Barmherzigen Brüder, Wien 2
seit 2003 Oberarzt am Evangelischen KH, Wien 18
Vortragstätigkeiten bei nationalen und internationalen Kongressen und Symposien
Medizinische Publikationen in nationalen und internationalen Journals

Mitglied der österreichischen Facharztprüfungskommission

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