Rückbildung bei Scheidensenkung nach Geburt
Viele Frauen bemerken kurz nach der Geburt ein Druckgefühl in der Scheide, ein Fremdkörpergefühl oder sogar eine fühlbare Vorwölbung. Das ist häufiger als die meisten denken – und oft eine Scheidensenkung, die durch die Geburt entstanden ist.
In diesem Artikel erkläre ich als spezialisierte Physiotherapeutin, wie es dazu kommt, welche Symptome typisch sind, was die Untersuchung zeigt – und wie die Rückbildung bei Scheidensenkung konkret aussieht.
Was ist eine Scheidensenkung nach Geburt – und ist sie normal?
Eine Scheidensenkung nach der Geburt bedeutet, dass sich die vordere oder hintere Scheidenwand – und damit häufig auch Blase oder Darm – abgesenkt hat. Das ist in den ersten Wochen nach einer vaginalen Geburt häufig und in vielen Fällen temporär.
Geht eine Scheidensenkung nach Geburt von selbst weg?
Eine leichte Senkung kann sich in der Rückbildungszeit durch gezieltes Beckenbodentraining deutlich verbessern. Ob und wie schnell das gelingt, hängt von Kraft und Stabilität des Beckenbodens ab – und davon, ob das Training korrekt durchgeführt wird.
Wann sollte ich zur Physiotherapeutin?
Spätestens ab der 6. Woche nach der Geburt – oder früher, wenn Symptome wie Druckgefühl, Restharn oder ungewollter Urinverlust auftreten.
⚠️ Wann sofort zum Arzt?Wenn Sie nach der Geburt Schwierigkeiten haben, die Blase vollständig zu entleeren, häufig Harnwegsinfekte bekommen oder ein starkes Druckgefühl spüren – bitte die Gynäkologin oder Urogynäkologin aufsuchen. |
Warum senkt sich die Blase bei der Geburt?
Während des Geburtsvorgangs füllt der kindliche Kopf das kleine Becken vollständig aus. Da sich in diesem engen Raum auch Blase und Enddarm befinden, wird die Blase beim Durchtritt des Kopfes zwischen Schambein und kindlichem Kopf nach unten gezogen. Das ist kein Fehler – es ist schlicht Anatomie. Wie stark und wie lange spürbar diese Absenkung bleibt, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Dauer der Austreibungsphase
- Größe des Kindes und Breite des Beckens
- Alter der Mutter
- Familiäre Disposition (Bindegewebsschwäche)
- Geburtsverletzungen
- Kraft und Hebevermögen des Beckenbodens
Entscheidend ist: Der Beckenboden kann als hebende Kraft wirken – wenn er trainiert ist. Das ist der Ansatzpunkt der Physiotherapie.
SYMPTOME
Typische Symptome einer Blasensenkung nach Geburt
Unmittelbar nach der Geburt fühlt sich die Blase für viele Frauen taub an – das ist normal. Wenn sich eine Senkung entwickelt, können folgende Beschwerden auftreten:
- Druckgefühl oder Fremdkörpergefühl in der Scheide
- Fühlbarer oder sichtbarer „Knubbel“ in der Scheide
- Erschwertes Wasserlassen oder dünnerer Harnstrahl
- Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
- Häufiger Harndrang oder Harnwegsinfekte
Wichtig: Nicht jede Frau hat alle Symptome. Manche bemerken die Senkung nur beim Körper ertasten, andere spüren deutlichen Druck beim Stehen oder Gehen.
PHYSIOTHERAPEUTISCHE UNTERSUCHUNG
Was bei der Untersuchung passiert
In meiner Praxis in Wien beginne ich jede Rückbildungstherapie mit einer ausführlichen Befundung. Das Gespräch über Symptome und Geburtsverlauf gibt mir bereits viele Hinweise – dann folgt die Untersuchung.
Vaginale Tastuntersuchung
Dabei messe ich Kraft, Geschwindigkeit und Ausdauer des Beckenbodens. Ich beurteile, ob Hinweise auf Muskelverletzungen vorliegen und wie stabil die Scheidenwandwände im Liegen, beim Husten, beim Pressen und bei Anspannung sind.
Perinealer Ultraschall
Der Ultraschall ist eines meiner wichtigsten Diagnoseinstrumente. Da die meisten Frauen ihre Beschwerden im Stehen haben, untersuche ich auch im Stand. So sehe ich in Echtzeit:
- Wie weit sich die Scheidenwand in Ruhe abgesenkt hat
- Wie der Beckenboden die Blase beim Anspannen anhebt
- Wie stabil die Scheidenwand bei Druckanstieg (z.B. Husten) bleibt
Diese Information ist entscheidend für die Frage, wann ein Wiedereinstieg in Sport oder Laufen möglich ist – und unter welchen Bedingungen.


Was der Ultraschall zeigt:
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Zu sehen ist im obigen Bild, dass die Beckenbodenkraft der Patientin so gut ist, dass sie im stehenden Zustand die minimale Senkung komplett korrigieren kann.
Im Video zu sehen ist eine leichte Abwärtsbewegung der minimal gesenkten Blase beim Husten – der Beckenboden wurde spontan nicht aktiviert. Daran wäre zu arbeiten in der Therapie….
THERAPIE & RÜCKBILDUNG
Rückbildung bei Scheidensenkung: Was hilft?
Das individuelle Training richtet sich immer nach dem Befund – nach Grad der Senkung, Kraft des Beckenbodens und Stabilität des Gewebes. Es gibt keine Einheitslösung.
Phase 1: Wahrnehmung und sanfte Aktivierung (ab Geburt)
Bereits in den ersten Tagen nach der Geburt können sanfte Übungen zur Wahrnehmung des Beckenbodens beginnen. Ob bereits ein Krafttraining möglich ist hängt von Art und Ausmaß der Geburtsverletzungen ab. Sind Sie genäht worden dürfen Sie Ihren Beckenboden vorerst nicht aktivieren bis die Nähte weg sind.
Phase 2: Gezieltes Beckenbodentraining (ab 6. Woche)
Ab der 6. Woche – nach ärztlicher Freigabe – kann ein strukturiertes Programm starten. Dieses umfasst je nach Befund:
- Kraftübungen für den Beckenboden in verschiedenen Positionen
- Ausdauer- und Schnelligkeitstraining der Beckenbodenmuskulatur
- Atemtechniken zur Druckentlastung im Bauchraum
- Biofeedback-Therapie zur Kontrolle der korrekten Muskelaktivierung
- Verhaltensberatung für Alltag, Heben, Tragen und Sport
Phase 3: Rückbildung und Sportwiedereinstieg
Ob und wann Laufen, Springen oder intensiver Sport wieder möglich ist, hängt vom Ultraschallbefund ab. Ich berate jede Frau individuell – basierend auf dem, was ich im Ultraschall sehe, nicht nach einem starren Zeitplan.
Internationale Richtlinien empfehlen bei Senkungsbeschwerden ein intensives Training über mindestens 6 Monate, bevor eine Operation in Betracht gezogen wird.
Womit möchten Sie starten?
Je nach Situation gibt es zwei Möglichkeiten, mit dem Training zu beginnen:
Option 1: Online-Kurs (für leichte Senkung / zur Unterstützung)Strukturiertes Beckenbodentraining von zuhause – ideal für Frauen, die sanft und flexibel einsteigen möchten. |
| → Zu den Rückbildungs-Kursen online |
Option 2: Einzeltherapie in Wien (bei Beschwerden oder Unsicherheit)Individuelle Befundung, Ultraschall und persönliches Trainingsprogramm – direkt in der Praxis in 1080 Wien. |
| → Einzeltermin in der Praxis buchen |
FAQ
Häufige Fragen zur Scheidensenkung nach Geburt
Ist eine Scheidensenkung nach Geburt normal?Eine leichte bis mäßige Senkung der vorderen Scheidenwand (Blasensenkung) ist nach vaginalen Geburten häufig. In vielen Fällen verbessert sie sich durch gezieltes Beckenbodentraining in der Rückbildungszeit deutlich. |
Wann darf ich nach Scheidensenkung wieder laufen?Das hängt vom individuellen Befund ab – vor allem davon, wie stabil die Scheidenwand bei Druckanstieg (Husten, Springen) ist. Ein Ultraschallbefund durch eine spezialisierte Physiotherapeutin gibt hierfür die beste Orientierung. |
Kann ich bei Scheidensenkung einen Rückbildungskurs machen?Ja – aber der Kurs sollte auf Ihren Befund abgestimmt sein. Ein allgemeiner Kurs kann bei bestehender Senkung kontraproduktiv sein, wenn die falschen Übungen oder zu hohe Belastungen eingesetzt werden. Ich empfehle vorab eine physiotherapeutische Einschätzung. |
Muss ich bei Scheidensenkung nach Geburt operiert werden?In den meisten Fällen nach Geburt: nein. Eine leichte bis mittelschwere Senkung spricht gut auf Physiotherapie an. Eine Operation ist erst dann ein Thema, wenn nach 6 Monaten konservativer Behandlung keine ausreichende Verbesserung eingetreten ist UND ein großer Leidensdruck besteht. |
Was unterscheidet eine Blasensenkung von einer Scheidensenkung?Eine Blasensenkung (Zystozele) ist eine Form der Scheidensenkung – konkret die Absenkung der vorderen Scheidenwand, hinter der die Blase liegt. |
Ab wann nach der Geburt kann ich mit Beckenbodentraining beginnen?Sanfte Wahrnehmungsübungen können bereits ab den ersten Tagen nach der Geburt begonnen werden. Ein strukturiertes Beckenbodentraining empfiehlt sich ab der 6. Woche – nach Rücksprache mit der Hebamme, Gynäkologin oder Physiotherapeutin. |
FAZIT
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Scheidensenkung nach Geburt ist häufig und in vielen Fällen gut behandelbar.
- Gezieltes Beckenbodentraining ist die erste und wirksamste Maßnahme.
- Ultraschall und Tastuntersuchung zeigen, welches Training geeignet ist.
- Der Zeitplan für Sportwiedereinstieg richtet sich nach dem individuellen Befund – nicht nach einer fixen Regel.
- Internationale Leitlinien empfehlen 6 Monate Physiotherapie vor einer Operation.
Haben Sie nach der Geburt Beschwerden oder sind unsicher über Ihren Beckenbodenstatus?Ich helfe Ihnen gerne – in der Praxis in Wien (1080) oder im Online-Kurs. |