Überarbeitet 2025 · daslebeninbewegung.at · Original: Februar 2017, Autorin: Dr. Rita Hochwimmer, Physiotherapeutin, Wien 1080
Warum hilft Beckenbodentraining manchmal nicht?
Die häufigsten Gründe: Die falsche Muskulatur wird trainiert, die Trainingsintensität ist zu gering, der Beckenboden ist verspannt statt schwächlich, oder es liegt eine Nervenverletzung vor, die Zeit zur Heilung braucht. In manchen Fällen liegt das Problem gar nicht im Beckenboden.
Wie lange sollte Beckenbodentraining brauchen, um zu wirken?
Erste Verbesserungen zeigen sich bei richtigem Training nach 6 bis 8 Wochen. Nach 3 Monaten sollte eine deutliche Verbesserung spürbar sein. Wenn das nicht der Fall ist, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit einer der unten beschriebenen Gründe vor.
Was soll ich tun, wenn Beckenbodentraining nicht hilft?
Eine physiotherapeutische Befundung. Nur so lässt sich herausfinden, welches der unten beschriebenen Probleme vorliegt – und was die richtige Reaktion darauf ist.
5 Gründe, warum Beckenbodentraining nicht wirkt
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Die falschen Muskeln werden trainiert
Das ist der häufigste Grund. Beim Versuch, den Beckenboden anzuspannen, werden tatsächlich Po, Bauch oder Oberschenkel aktiv – der Beckenboden selbst bleibt passiv. Das ist keine Seltenheit: Viele Frauen (und Männer) können ihren Beckenboden nicht willentlich aktivieren, weil er im Alltag kaum bewusst wahrgenommen wird.
Was hilft: Ultraschall-Biofeedback zeigt in Echtzeit, ob der richtige Muskel aktiv ist. Elektrostimulation kann helfen, die Verbindung zum Muskel herzustellen.
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Die Trainingsintensität ist zu gering
Muskelwachstum – auch beim Beckenboden – funktioniert nur, wenn der Muskel an seine Belastungsgrenze geführt wird. Wer 10 Wiederholungen macht und danach kein Müdigkeitsgefühl im Beckenboden spürt, trainiert unterhalb der Wirkschwelle. Der Muskel wächst nicht.
Was hilft: Intensität erhöhen – länger halten, mehr Wiederholungen, schwerere Ausgangspositionen. Physiotherapeutische Anleitung stellt sicher, dass der Trainingsreiz ausreicht.
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Der Beckenboden ist verspannt – nicht schwächlich
Ein verspannter Beckenboden kann nicht richtig funktionieren – ähnlich wie ein verkrampfter Arm keinen guten Griff hat. Wenn man auf einen verspannten Beckenboden noch mehr Krafttraining draufsetzt, verschlimmert man das Problem.
Symptome eines verspannten Beckenbodens: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen beim Einführen von Tampons, chronische Beckenschmerzen, häufiger Harndrang ohne Harnverlust.
Was hilft: Entspannungsübungen, manuelle Therapie, keine Krafttrainingsbelastung bis die Spannung gelöst ist.
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Nervenverletzung nach der Geburt
Bei der Geburt kann der Nervus pudendus – der Versorgungsnerv des Beckenbodens – überdehnt werden. Ein geschädigter Nerv braucht Zeit zur Heilung, manchmal über ein Jahr. Der Muskel kann in dieser Zeit nicht voll aktiviert werden. Das Training unterstützt jedoch die Nervenregeneration – es ist also sinnvoll, auch wenn sich Verbesserungen langsam zeigen.
Was hilft: Geduld und konsequentes, richtiges Training. Physiotherapeutische Begleitung sichert, dass das Training während der Regenerationsphase korrekt bleibt.
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Das Problem liegt nicht im Beckenboden
Manchmal werden Beckenbodenbeschwerden durch andere Ursachen ausgelöst – zum Beispiel durch Blasenentzündungen, hormonelle Veränderungen, Nervenprobleme oder neurologische Erkrankungen. In diesen Fällen hilft Beckenbodentraining nicht, weil es das falsche Mittel für das richtige Problem ist.
Was hilft: Ärztliche Abklärung. Besonders wenn Beckenbodenschwäche plötzlich und ohne erklärbaren Grund (Schwangerschaft, Geburt, Operation) auftritt.
Wichtig: Wenn Beckenbodenschwäche plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auftritt, bitte unbedingt einen spezialisierten Facharzt aufsuchen (Gynäkologin, Urologin, Proktologin). |
Was eine physiotherapeutische Befundung klärt
In einer einzigen Untersuchungssitzung kann ich in den meisten Fällen feststellen, welcher der oben genannten Gründe vorliegt:
- PERFECT-Tastuntersuchung: Kraft, Ausdauer, Schnellkraft und Entspannungsfähigkeit
- Perinealultraschall: Zeigt, ob richtige Muskeln aktiv sind und ob Entspannung möglich ist
- Anamnese: Geburtsverletzungen, bisheriges Training, Symptome
- Funktionstest: Wie verhält sich der Beckenboden beim Husten, Pressen, in verschiedenen Positionen?
Das Ergebnis: Ein konkreter Trainingsplan, der wirklich auf das spezifische Problem ausgerichtet ist.
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Häufige Fragen: Wenn Beckenbodentraining nicht hilft
Wie lange muss ich trainieren, bis sich etwas verbessert?Bei richtigem Training zeigen sich erste Verbesserungen nach 6 bis 8 Wochen. Nach 3 Monaten sollte eine deutliche Verbesserung spürbar sein. Wenn das nicht der Fall ist, liegt ein konkretes Problem vor, das abgeklärt werden sollte. |
Kann ich meinen Beckenboden übertrainieren?Ja – bei einem verspannten Beckenboden kann zu viel Krafttraining das Problem verschlechtern. Ein Beckenboden braucht sowohl Kraft als auch Entspannungsfähigkeit. Welche Komponente trainiert werden sollte, zeigt die Befundung. |
Was ist ein verspannter Beckenboden?Ein verspannter Beckenboden ist dauerhaft übermäßig angespannt und kann sich nicht vollständig entspannen. Typische Symptome: Schmerzen beim Sex, chronische Beckenschmerzen, häufiger Harndrang, Schmerzen beim Einführen von Tampons. Behandlung: Entspannungsübungen, manuelle Therapie. |
Hilft Beckenbodentraining bei Dranginkontinenz?Ja, aber mit anderer Methode als bei Belastungsinkontinenz. Bei Dranginkontinenz steht Blasentraining und die Kontrolle des Harndrangs im Vordergrund – nicht primär Krafttraining. Eine Befundung klärt die Inkontinenzform. |
Kann Beckenbodentraining schaden?Bei falscher Ausführung oder beim falschen Typ (Krafttraining bei Verspannung) kann es das Problem verstärken. Bei korrekter Ausführung und auf Basis eines Befundes ist Beckenbodentraining sehr sicher. |
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wenn Beckenbodentraining nicht wirkt, liegt fast immer ein konkreter, lösbarer Grund vor.
- Häufigste Ursachen: falsche Muskeln, zu wenig Intensität, Verspannung, Nervenverletzung.
- Ein verspannter Beckenboden braucht Entspannung – kein zusätzliches Krafttraining.
- Nerven regenerieren sich – aber das braucht Zeit und richtiges Training.
- Eine Befundung klärt in einer Sitzung, warum das Training nicht wirkt.
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