Belastungsinkontinenz: Ursachen, Tipps und was wirklich hilft

Beim Husten, Niesen, Lachen oder Laufen geht ungewollt Harn ab. Das ist Belastungsinkontinenz, und sie ist häufiger als die meisten denken. Viele Frauen nehmen sie als unvermeidliche Folge von Geburten oder Alter hin. Das ist ein Irrtum, der oftmals dazu führt, dass erst spät mit dem Training begonnen wird.

Was passiert bei der Belastungs- oder Stressinkontinenz?

Wenn der Druck im Bauchraum plötzlich ansteigt – wie etwa beim Husten, Niesen, beim Aufstehen oder Springen – wird dieser Druck auch auf die Blase weitergegeben. Der Beckenboden ist normalerweise schnell und kräftig genug, um gegenzuhalten. Wenn er das nicht schafft, entweicht Harn.

Das kann viele Ursachen haben: Schwangerschaft und Geburt, die den Beckenboden belaste, also dehnen und manchmal verletzen. Hormonveränderungen in den Wechseljahren, die das Bindegewebe schwächen können eine Rolle spielen. Übergewicht erzeugt dauerhaften Druck. Oder chronischer Husten, der den Beckenboden über Jahre belastet.

Was sofort helfen kann

Es gibt einen Trick, der vielen Frauen sofort hilft und nichts kostet: Den Beckenboden kurz vor dem Husten oder Niesen bewusst anspannen und dabei den Kopf leicht zur Seite drehen oder nach hinten überstrecken. Der Druckanstieg wird dadurch geringer, die Druckspitze wird gekappt und der Beckenboden hat Zeit zu reagieren. Das klingt simpel – funktioniert aber.

Weniger zu trinken ist jedoch keine dauerhafte Lösung. Konzentrierter Harn reizt die Blasenschleimhaut und kann die Situation dadurch verschlimmern. Kaffee und Alkohol tun das ebenfalls – da lohnt es sich, einen Blick auf die eigenen Trinkgewohnheiten zu werfen.

Warum Training so wirksam ist

Belastungsinkontinenz entsteht, weil der Beckenboden Druckspitzen nicht auffängt. Der logische Weg ist den Beckenboden zu kräftigen. Dies ist international empfohlener Standard – vor Medikamenten und vor Operationen. Erst wenn 6-12 Monate intensiv Beckenboden trainiert wurde und dies keine Besserung zeigt, wird der Arzt eine Operation erwägen.

Was beim Training häufig schief geht: Viele Frauen trainieren die falschen Muskeln. Sie spannen den Po an, drücken oder atmen unruhig – und der Beckenboden bleibt dabei passiv. Deshalb wird in der Physiotherapie zuerst festgestellt, ob überhaupt die richtigen Muskeln aktiv sind. Erst dann kann man über Intensität sprechen.

Erste Verbesserungen zeigen sich bei richtigem Training bereits nach 6 bis 8 Wochen. Das ist keine lange Zeit für ein Problem, das manche Frauen seit Jahren begleitet.

„Schwache Blase – Hilfe bei Inkontinenz“ (27. November 2025)

Im Ö1-Gespräch „Schwache Blase – Hilfe bei Inkontinenz“ habe ich gemeinsam mit dem  Urogynäkologen Engelbert Hanzal erklärt, warum Inkontinenz so häufig ist – und warum Beckenbodentraining als erste Maßnahme so wirksam ist.

https://oe1.orf.at/programm/20251127/814155/Schwache-Blase-Hilfe-bei-Inkontinenz

 

Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz?

Bei Belastungsinkontinenz löst körperliche Belastung den Harnverlust aus. Bei Dranginkontinenz kommt ein plötzlicher, starker Harndrang, dem man nicht rechtzeitig nachkommen kann. Beide werden unterschiedlich behandelt.

Muss ich operiert werden?

In den meisten Fällen nein. Physiotherapie ist die erste Wahl. Eine Operation wird erst erwägt, wenn konservative Behandlung über mehrere Monate keinen Erfolg bringt.

Kann Belastungsinkontinenz in der Schwangerschaft behandelt werden?

Ja. Gezieltes Training während der Schwangerschaft reduziert das Risiko nach der Geburt deutlich.

Welche Sportarten verschlechtern die Situation?

Hochintensive Sportarten mit viel Sprungbelastung – Crossfit, Seilspringen, Trampolinspringen. Schwimmen und Spazierengehen sind gut geeignet.

 

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